Sonntag, 12. Mai 2019

der Hirte kennt seine Schafe

Sonntag, Montag, Dienstag der vergangenen Woche wurde in der berühmten Abtei Maria Laach in der Eifel kein Abt gewählt. Nach jahrelangen Streitereien haben es die ca. 30 Mönche auch dieses Mal nicht geschafft, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Maria Laach ist in Deutschland nicht irgendein Kloster. Es hatte und hat Vorbildcharakter, wenn ich nur an die Postkarten, die Gärtnerei, die unzähligen Betriebe der Abtei denke. Maria Laach, da denke ich auch daran, dass der erste deutsche Bundeskanzler in dieser Abtei 1933 für ein Jahr bleiben konnte, weil er in der Stadt, wo er Oberbürgermeister war, plötzlich Persona non grata war. (Quelle)

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die Leute auf die Nichtwahl eines Oberen in Maria Laach reagiert haben: Trauer und Ohnmacht nach dem Motto „Wie soll es weiter gehen?“ Und machmal gab es dann auch Häme, nach dem Motto: „Seht wie sie einander lieben.“ 
Das Hirtesein ist in den Tagen wie diesen ja schon schwer, aber jetzt findet man auch gar keine Hirten mehr?! 
Die Tragweite einer Nichtwahl wird auch daran deutlich, dass es für ein Benediktinerkloster ein Privileg ist, dass sie ihren Abt eigenständig wählen dürfen und damit eine ziemlich große Unabhängigkeit genießen. 
Wahrscheinlich haben die Reporter Recht, wenn sie von Flügelkämpfen innerhalb der Abtei sprechen; die einen wollen das Kloster mehr nach außen öffnen (kulturell, medienwirksam), die anderen wollen sich mehr der Stille und Strenge des benediktinischen Lebens widmen.
Wie kann man Richtungskämpfe unterbinden oder gar verhindern? In einer Demokratie würde ich sagen durch Konsens, den kleinsten gemeinsamer Nenner oder die Besinnung auf das große Ganze. 
Aber Moment: Die Kirche ist ja keine Demokratie. Da ist es dann so, dass ein Bischof, ein Abt oder ein Pfarrer die Stoßrichtung vorgibt. Ganz im Sinne des guten Hirten vertraut dann die Herde, dass der Hirte es gut mit ihr meint und die Richtung schon stimmt. 
Und diesem Bild stämmen sich Kirchenkritiker mit aller Gewalt entgegen. „Wir wollen nicht Schaf sein!“ „Wir wollen unseren Hirten selber wählen!“ 
Und in der Tat haben sie Recht, wenn (ja wenn) der Hirte seine Schafe nicht kennt. Wie soll man jemandem folgen, den man nicht kennt? Wie soll mich jemand leiten, wenn er mich nicht kennt? 
Jesus bringt das Hirtesein auf diesen einen Punkt: 
„ich kenne sie, und sie folgen mir.“ Joh 10, 27b
Mir ist das zum Beispiel aufgefallen während der spirinight am Freitagabend. Da hatte ich eine Gruppe Jugendlicher vor mir sitzen. Ich habe ihnen etwas über meine Gebetspraxis erzählt und welche Formen des Gebets ich kenne und empfehle. Da fühlte sich einer bemüßigt, mich über den Missbrauch in den 70er Jahren zu befragen. Ob das denn wahr sei.. 
In dem Moment war mir klar, dass zB. die jungen Firmkandidaten ihre Priester gar nicht mehr kennen. Wir sind soooooooo weit weg. Nicht mehr präsent. Einmal - natürlich - weil wir weniger sind und nicht mehr jede Pfarre ihren Pfarrer hat, aber auch weil wir etwa kaum noch in den Schulen sind oder da sind, wo junge Leute sind. Und umgekehrt natürlich auch: Die jungen Leute gehen nicht mehr in die Kirche und wissen auch nichts mehr von ihrem Glauben, auf den sie eigentlich getauft sind. 

Es gibt für die Krise der Kirche verschiedene Lösungsansätze und ich möchte hier nur auf einen hinweisen: Jesus und später in der Apostelgeschichte Paulus und Barnabas gehen zu den Leuten und da wenden sie sich vor allem an die, die am Rande stehen, die nicht 100 % dazu gehören. 
Das sind in der heutigen Lesung die Proselyten. Leute, die nach strengem jüdischen Gesetz keine Juden waren, aber doch nach den Geboten der Thora leben wollten.
Christen, die sich um die Menschen am Rande kümmern, sind glaubwürdig.
Das ist ja auch das Bild vom Guten Hirten bei Jesus, der alle 99 zurücklässt, um das eine verlorene Schaf zu retten. „Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein.“ 
Und bei aller Demokratiedebatte in der Kirche darf man nicht vergessen, dass jeder getaufte Christ die Aufgabe hat, (1) den Glauben weiter zu geben, (2) Missstände anzuprangern und (3) sein eigenes Leben zu ordnen. 
Des Weiteren hat jeder getaufte Christ die Aufgabe, die Hirten an ihre Aufgaben zu erinnern. 
  • „Bitte Herr Pater schauen sie nach Frau X, die so einsam ist, ich gehe auch mit ihnen dorthin.“
  • „Bitte Herr Pater beten sie für Familie Y.“ <— das habe ich desöfteren in Ardning erlebt.
  • „Bitte Herr Pater, predigen sie mal wieder über den Muttertag und nicht nur über sich und ihresgleichen.“ 


Wie es der Geist ihnen eingab. Amen. 

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