Sonntag, 17. September 2017

Erntedank und Macht der Vergebung

Es lohnt sich wirklich immer mal wieder eine Bibel zur Hand zu nehmen und darin zu lesen. Vorher betet man ein kurzes Gebet zum Heiligen Geist. Dann liest man die Schrift und bleibt vielleicht bei einem Vers hängen und meditiert ihn. Das Schöne am Katholischsein beim Lesen der Schrift ist dabei auch, dass wir unser Hirn gebrauchen dürfen. Wir dürfen, ja wir sollen kritisch sein und dabei ruhig auch die Wissenschaft dem ganzen entgegen setzen. Und im Idealfall finden Glauben und Wissen eine Ergänzung, die uns nicht davon abhält an Gott und seiner Herrschaft festzuhalten.
Nennen wir Genesis 1, den ersten Abschnitt der Bibel ruhig einen Mythos. Ich werde nicht müde auch Volksschüler zu fragen, glaubst du, dass die Welt so erschaffen wurde?
Nennen wir Genesis 1 ein Lied auf den Schöpfer. Hier wird erst einmal das Gute in der Schöpfung besungen.

Sonntag, 10. September 2017

Erntedank und die mattheische Gemeindeordnung

Die Internationale Funkaustellung in Berlin (IFA) war angeblich wieder ein großer Erfolg. Da werden jedes Jahr technische Neuheiten vorgestellt. und heuer hies es „Das Smart Home boomt. Die intelligenten Haushaltshelfer sind mittlerweile so gefragt,…“.Da wird uns dann der smart-Kühlschrank vorgestellt: Eine Kamera im Innern erkennt, was im Kühlschrank drin ist und das ist dann so geplant, dass automatisch nachbestellt wird, was gebraucht wird. Wie praktisch. Nicht nur, dass wir dem Ziel einer totalen Überwachung immer näher kommen. Nein, auch das Denken wird uns endlich abgenommen. „smart“ heisst ja „klug“. Der Kühlschrank ist klug und wir sind dumm??!! Oder wie ein bayerischer Journalist scharf formuliert: „Wir sind nicht mehr Mensch, wir sind Kunde. Die ganze Maschinerie dient dazu, uns Plunder zu verhökern, der uns überflüssig macht“.

Dieser smarte Kühlschrank soll an dieser Stelle nur ein Beispiel sein, wie sehr der Mensch sich von einer Produktionsmaschinerie gefangen nehmen lässt.
Auf der anderen Seite bin ich als Admonter Mönch mit Allrad, Smartphone und ohne Kochkünste nicht der Typ, der in den Urwald oder in seine Höhle zurück will. Ich möchte den Fortschritt und ich genieße den Luxus.

Aber ich frage mich am Erntedankfest: Können wir von der Natur lernen? Nein, wir können nicht von der Natur lernen, wenn wir uns anschauen, dass es da auch nur drum geht: Gefressen und gefressen werden.

Samstag, 9. September 2017

Maria und ihr Wohlwollen

Mama von Montecassino- mein Weihnachtsbillett ?Hwst. Herr Abt, Du bist jetzt heute 175 Tage im Amt und wir als Deine Mönche und Deine Haller sind froh heute mit Dir hier zu beten und die Muttergottes um Fürsprache bei Gott zu bitten. Du hast einen starken Anfang hingelegt und wir wollen mit Dir gehen. Auf dem Weg der Gottsuche <— wie Du es mit dem heiligen Benedikt gerne formulierst.
Lieber Pater Prior, Danke für Dein Orgelspiel, aber vor allem heute auch dafür, dass Du mich in den Dienst hier so liebevoll einführst, 
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.
Wir stehen am Anfang.
Empfängnis und Geburt sind Lebensanfang eines Menschen.
Wenn wir heute das Fest Mariä Geburt feiern, dann ist das ein anderer Anfang.
So kennen wir etwa den Anfang der Schöpfung. Gott schafft die Welt und haucht dem Menschen Leben ein. Aus dem Nichts. Ein unerhörter Anfang. Aber der zweite und größere Anfang beginnt mit Maria. Wir denken hier immer an die Szene, wo Maria ihr Ja spricht. Gabriel erscheint Maria und sie sagt: Mir geschehe, wie du es gesagt hast. Hätte sie Nein gesagt, dann hätte Gott nicht einfach an die nächste Tür geklopft.
Und doch ist die Lebensentscheidung Mariens nicht eine Sache von Sekunden. Nicht etwas, was nach neun Monaten Schwangerschaft endet. Mutter bleibt man ja sein ganzes Leben.
Wenn wir einen Menschen betrachten, dann ist es ja nicht so, dass wir uns daran ergötzen, was er mal irgendwann gemacht hat, sondern es ist der ganze Mensch, sein ganzes Leben, wo er sich selbst treu bleibt.

Sonntag, 27. August 2017

das Bekenntnis des Petrus

Predigt zum 21. Sonntag im Jahreskreis A
Lieber Dechant Pater Thomas, verehrte Schwestern und Brüder.
Das Angesicht einer Gemeinde wandelt sich mit der Zeit. Am besten können da unsere Großmütter oder Urgroßväter ein Lied davon singen. Ich meine mit diesem Wandel erst einmal das rein optische, was man sieht. Da gibt zB. so was wie Verbauung. Ein Parkplatz hier, ein Häuschen dort.
Es gibt aber auch das Gegenteil; vor allem wenn ich an Weißenbach denke: Eine Verwaldung. Das heisst die Alm wird nicht mehr bewirtschaftet, die Weide nicht mehr gemäht. Dann kommen mit der Zeit Büsche und irgendwann Bäume. Da stelle ich mir dann vor, dass unsere Gemeinden immer weniger Einwohner haben und der Wald um uns herum wieder größer wird; dann heisst es wieder „St. Gallen im Walde“.  Altabt Bruno hat am Freitag beim Mittagessen diese Entwicklung kurz angesprochen und dann angemerkt, er könne ja dann den Bäumen predigen, die können wenigstens nicht weglaufen.
So ganz im Sinne des Heiligen Franziskus?!
Naja, ich denke, das darf ein Aspekt unseres Lebens sein, dass wir die Schöpfung mit ihrer Kraft (mit ihrer Heilkraft) mit einbeziehen; aber darum geht es unserm Herrn Jesus natürlich nicht in erster Linie. Er predigt den Leuten - dem ganzen Volk, seinen Jüngern, den Zwölf oder seinen engsten Vertrauten (Petrus, Jakobus, Johannes). Und dabei ist es Ihm offenbar nicht egal, was sein Gegenüber denkt. „Für wen halten die Leute den Menschensohn?“ Wer ist dieser Jesus für dich? Mit dieser Frage steht und fällt unser Glaube. Und wie schwierig diese Antwort ist, das fällt auf, weil nur einer sie geben kann, Petrus. Die andern kriegen das nicht aus ihrem Mund raus. „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“
In der Admonter Stiftskirche befindet sich eine Kanzel, die die vier Evangelisten zeigt. Aber das sind eigentümlicherweise noch zwei Figuren hinzugefügt: Paulus, der Völkerapostel, der mindesten 7 (von 13) Briefen im Neuen Testament geschrieben hat. Und auf der anderen Seite Petrus. Historisch kritisch hat Petrus überhaupt keinen Brief hinterlassen. Und doch steht er da, allein schon wegen des heutigen Bekenntnisses: Jesus, „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gerettet werden, wenn wir nur diesen einen Satz mit voller Überzeugung aussprechen.
Aber wer kann das heute noch? Wir halten uns viel zu oft an andere Meinungen; sind berauscht von Nachrichten und Bildern, die diese einfache Mitte unseres Glaubens wegwischen.
Ja und dann gibt es die, die zwar irgendwie an ein höheres Wesen glauben, aber warum soll dieses höhere Wesen- nennen wir es Gott - einen SOHN haben?
Bitte seien wir uns bewusst, dass es bei der Sohnschaft Jesu nicht um eine körperliche Sohnschaft geht. Es geht darum, dass der geliebte Sohn ganz zu Gott gehört. Jesus sagt es ja: „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10:30)
Und so wie der Sohn nicht isoliert ist, so ist auch Petrus und sein Bekenntnis nicht isoliert. Das Bekenntnis ist immer FÜR DIE ANDEREN da. Darauf steht die frühe Kirche und darauf stehen wir bis heute. Kein Priester steht am Altar, wenn er nicht irgendwen in seinem Leben gehabt hat, der das Bekenntnis an Christus Jesus glaubhaft ausgeprochen hat.
Ihr merkt wie wichtig es ist, füreinander Zeuge zu sein.

KIRCHE? Wer braucht denn die? Jedes Jahr verlassen viele Menschen die Kirche und vielleicht machen sie das wegen des Kirchenbeitrags oder weil sie mit irgendwas unzufrieden sind. Aber vielleicht wollen auch viele Menschen nicht mehr an Jesus, den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes, glauben.
KIRCHE? Viele von uns denken an das Bodenpersonal, das ganz und gar nicht ohne Schuld ist.
KIRCHE? Viele sehen das als eine Kultur, die zu diesem Land dazugehört und die man auf Teufel komm raus verteidigen muss.
Warum spricht hier Christus von der Kirche und lässt es nicht einfach bei einem spirituellen Highlight, das mich dann den Rest meiner Tage trägt?
Kirche ist etwas bleibendes. Auch unbequem. Aber lebendig. Sie ist stark und sie ist schwach. Sie besteht aus Sündern und aus Heiligen.
Natürlich will Jesus Christus den Menschen in seiner Kirche Heimat geben und vor allem will er durch sie im Herzen der Menschen wohnen.
Auf Dauer.
Kirche das ist, wenn wir sonntags (das ist heute) den HERRN durch Gesang, Blumenschmuck und unserm Beten lobpreisen.
Kirche das ist, wenn Alte und Junge sich nicht jeweils selbst genug sind, sondern ihrem Nächsten helfen.
Kirche das ist die Mama oder der Papa, der mit seinem Kind auf der Bettkante ein kurzes Gebet spricht. Ein Opa, der seinem Enkel den Herrgottswinkel zeigt, eine Oma, die mit ihrem Enkel das Jesuskind in der Krippe besucht.

Kirche heisst, dass Gott dauerhaft bei uns sein will. Und wie sonst soll er denn dauerhaft bei uns sein, wenn wir nicht dieses Angesicht der Kirche sind. So wie Jesus das Angesicht Gottes ist, so bist du das Angesicht seiner Kirche.
„und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“
Geliebte Gemeinde, das ist vor allem auch Ausdruck unseres Kampfes. Es ist auch eine kämpfende Kirche. Aber wenn wir am Bekenntnis des Petrus festhalten, werden wir diesen Kampf bestehen. 

Lieber Dechant Pater Thomas, verehrte Schwestern und Brüder.
Das Angesicht einer Gemeinde/ einer Kirche wandelt sich mit der Zeit.
Aus einem einfachen Fischer wurde der Bischof von Rom. — Petrus.
Aus einem Ketzer wird ein Kirchenlehrer. — Augustinus.
Aus einem Sünder wird ein Heiliger. — (da steht noch kein Name)
Beten wir um Gottes Geist, dass wir in unserer Nächstenliebe, in unserem Gebet, in unserm Gesang, in unserer Musik und in unserer Erziehung die Kirche dem Reich Gottes immer ähnlich machen.
Stützen wir uns dabei auf das Bekenntnis des Petrus: Jesus, „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“
Herr, sende aus Deinen Geist und Du wirst das Angesicht deiner Gemeinde verändern. Amen.

Texte vom 21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A)
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Sonntag, 30. Juli 2017

Predigt zur Eisernen Hochzeit

Liebes Jubelpaar. Verehrte Schwester und Brüder.

Eisen ist nicht unbedingt ein feierliches Material. Es scheint mir ganz und gar alltagstauglich und unkaputtbar. Eisen steht sicher für das Bewährte. Aber auch für das Unausweichliche. Für das Unausweichliche?
Vom Propheten Jeremias wird da so eine Geschichte erzählt. Es gab damals am Königshof nämlich einen Wettbewerb zwischen den bezahlten Propheten des Königs und dem unabhängigen Propheten Jeremias. Die Propheten des Regierenden reden dem natürlich nach dem Mund. Sie verkünden dem König „alles wird gut“, die Verschleppten Israels werden heimkehren. Und Jeremias? Er greift zu einem drastischen Mittel. Er nimmt sich ein Joch auf die Schultern und sagt dem König, dass er sich diesem Joch beugen muss.
Daraufhin greift ein bezahlter Prophet (Hananja) zu einem ebenso drastischen Mittel und zerschlägt das Joch auf den Schultern des Jeremias. Er weissagt dem König Zidkijas, dass der Herrgott dem König von Israel das Joch des Nebukadnezzars, des Königs von Babel von der Schulter schlagen wird.
Und jetzt kommt das Showdown. Jeremias geht raus und bindet sich ein Joch aus Eisen auf seine Schultern.
Denn so spricht der Herr der Heere, der Gott Israels: Ein eisernes Joch habe ich auf den Nacken aller dieser Völker gelegt; sie müssen Nebukadnezzar, dem König von Babel, untertan sein. Jeremia 28,14

Das eiserne Joch ist sicher kein Bild für die Ehe oder für blinde Unterwerfung. Aber es ist ein Bild für das Unausweichliche. Für das im Leben, wo ich annehmen muss, weil sonst kein Leben mehr möglich ist.

Liebes Ehepaar N. Ich wünsche Ihnen Stärke und Mitmenschlichkeit, dass sie die Bürde des Lebens annehmen können.

Ihre jahrzehntelange Treue ist für uns alle ein Vorbild. Sie haben uns allen vorgelebt, was es heisst, einen Schatz zu erobern und zu behalten. 

Von so einem Schatz erzählt ja das heutige Evangelium (Mt 13, 44-52): Da sind zwei Männer (einer von ihnen Kaufmann), die alles tun, um diesen einen Schatz zu bekommen. Und der Schlüsselsatz in diesem Evangelium ist sicher: „Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.“

Liebes Ehepaar N.
Ich wünsche Ihnen, dass die Freude darüber, ihren Schatz gefunden zu haben anhält. 

Mittwoch, 14. Juni 2017

Fronleichnamspredigt Lesejahr A

Wenn ich Gäste durch unsere Klosterbibliothek führe, erkläre ich ihnen auch immer die Vier Letzten Dinge von Josef Stammel. Bei der letzten Figur - dem Himmel - befinden sich unten drei kleine Engel, die etwas symbolisieren, das uns Gott näher bringen: Der eine Engel betet, der nächste gibt a Geld (Almosen) und der dritte Engel bekommt von einem Raben Brot gebracht. Beten, Almosen geben <-- das sind Dinge, die wir auch tun und damit kommen wir klar. Doch was hat es mit dem Raben auf sich?! Es erinnert uns an Elija, der in der Wüste ist und von einem Raben Brot gebracht bekommt. Elija hat in der Wüste vielleicht ein Stück weit das erlebt, das auch das Volk Israel erlebt hat: Hunger und Durst auf langer Strecke und das in der Wüste. Wir Wohlstandschristen haben noch nie gehungert und es ist dann schon etwas peinlich für mich, wenn ich dann dieses Stückerl Brot im Schnabel des Raben seh und daran denke, dass ich beim Essen eine riesige Auswahl habe. Brot hat im Leben der Älteren von uns eine größere Bedeutung. Und wahrscheinlich kann man nur, wenn man mal echte Entbehrung erlebt hat nachempfinden, was das Volk Israel unterwegs erlebt hat und wie es das göttliche Manna wirklich als Himmelsspeise hat annehmen können.
Dennoch. Das, was wir heute feiern, geht über unsern Verstand hinaus. Es is net einfach a Brot. Heute zeigt sich unser katholischer Glaube auf besondere Weise: Wir glauben, dass Jesus Christus wahrhaftig in dieser Scheibe Brot gegenwärtig ist. Es ist nicht so als ob er da wäre, sondern er ist da. In der Heiligen Messe wird dieses einfache Zeichen des Brotes gewandelt.
Das katholischste aller Feste auch deshalb, weil keine andere Konfession (weder die Protestanten noch die Orthodoxen) dieses Geheimnis der Präsens Jesu so deutlich feiern.
In meiner hessischen Heimat war es früher so, dass die Protestanten an Fronleichnam Gülle gefahren haben und die Katholiken an Karfreitag. Heute ist das nicht mehr so. Die meisten Bauern fahren so oder so an kirchlichen Feiertagen ihre Gülle und konfessionelle Unterschiede gibt es da nicht mehr.
Es liegt mir fern hier irgendeinen Berufsstand in den Dreck zu ziehen. Nur möchte ich klar machen, dass nicht mehr die konfessionellen Grenzen zwischen Evangelischen und Katholischen unsern Kampf bestimmen sollten, sondern es geht ganz alleine darum, was für einen Platz der Herr in unserm Leben hat. Daran erinnert uns im Besonderen der heutige Tag, wo wir mit dem Allerheiligsten durch die Gemeinde ziehen und Ihn zum Seinen Segen bitten; ja mehr noch: Unsere Gemeinde, unsere Häuser Ihm übergeben. Er soll herrschen! Und für dieses Sein Gottesreich gilt es zu kämpfen.
Am heutigen Tag wird mir im Besonderen klar, dass der Herr sein Versprechen, immer bei uns zu sein, auf wunderbare Weise wahr gemacht hat. Wir haben heute, ab der Wandlung wieder die Chance auf den Eucharistischen Herrn zu schauen. Ich werde heute ein bisschen länger als sonst die Hostie hochhalten und dann schauen wir Ihn an, beten Ihn an und übergegeben wir Ihm unser Leben.
Wir schauen Ihn an, so wie die Jünger Ihn im Abendmahlssaal angeschaut haben: Lieblingsjünger, Verräterjünger, langsame Jünger, super eifrige Jünger. Sie alle saßen im Abendmahlssaal und Jesus hat sie liebend angeschaut, so wie er uns heute anschaut.

Requiem für einen Ehemann, der lange krank war

Der Lebenslauf ist heute sehr kurz gehalten, weil es nicht in Worte zu fassen ist und 
weil in diesen wenigen Sätzen klar wird, dass Sie Frau N und Du N, die wichtigsten Menschen im Leben Eures Ehemannes und Vaters gewesen seid. 
Wir Priester machen gerade im Kirchenjahr darauf aufmerksam, dass es Ostern nicht ohne Karfreitag gibt. Leben, Leid und Tod Jesu gehen seiner Auferstehung voraus. 
Am Sarg Ihres Mannes und Vaters scheint mir die umkehrte Botschaft viel wichtiger. Nach Leben, Leid und Tod kommt die Auferstehung. 
In kaum einem anderen Menschenleben zeigt sich körperliches Leid so deutlich, wie bei Ihnen in den letzten Jahren. Deshalb habe ich auch einen Text aus dem Johannesevangelium gewählt, der düsterer und trauriger nicht sein könnte: der Tod Jesu. (Joh 19,16-30)

Zwei Erfahrungen zeichnen das Leid besonders aus:
1. Da ist die Verbindung unter uns Menschen, die durch das Leid auf eine Bewährungsprobe gestellt wird. Gerade im Leid wird erfahrbar, was Familie ist. Das Eheversprechen, das sie sich vor 42 Jahren gegeben haben wird so konkret:
Ich nehme dich an, in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit, bis der Tod uns scheidet. Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.

Liebe Frau N, Sie haben dieses Versprechen erfüllt. 
Und an so einem Tag wie heute, möchte ich Gott daran erinnern: Wir haben unseren Part erfüllt, jetzt erfülle du auch deinen. 
Gerade bei so einer langen Krankheit, muss man sich fragen, wo bist du Gott? Bist du nicht der Gott des Lebens, der unser Bestes will? Wie tief willst du uns noch sinken lassen?
So wie sie, Frau N, sich an das gegenseitige Eheversprechen gehalten haben oder wie du N, dich an das vierte Gebot („Du sollst Vater und Mutter ehren“) nicht nur gehalten hast, sondern über die Maßen hinaus geliebt hast, so kannst du, oh Gott, jetzt auch dein Versprechen einhalten, dass du uns nicht verlässt, dass du uns über die Maßen liebst. 
In der täglichen Sorge für Ihren Ehemann und Vater ward Ihr Boten der Liebe. Und ich möchte Euch auch bitten, bleibt Boten der Liebe. 
So wie Jesus seine Mutter dem Lieblingsjünger anempfiehlt, so sind wir auch aufeinander angewiesen. Sorgen wir über den Tod hinaus füreinander und bleiben in Gottes Liebe.

2. Ganz zum Schluss sagt Jesus im Johannesevangelium am Kreuz die Worte: „Es ist vollbracht!“ Bibeltheologen weisen uns darauf hin, dass Jesus am Kreuz wahrscheinlich Psalm 22 gebetet, der mit diesen Worten aufhört. Psalm 22 fängt aber mit den Worten an „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, die uns wiederum der Evangelist Markus überliefert hat. 

und in der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloí, Eloí, lemá sabachtháni?, was übersetzt ist: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34) 

Diese tiefste Gottverlassenheit mündet in der Hoffnung, dass es unser Herrgott irgendwie gut mit mir meint.
 Herr, ich kann es nicht verstehen, ich weiß nicht, was du mir sagen willst und warum du dich nicht zeigst. 
Dieses „Es ist vollbracht!“ würde ich im Leid erstmal übersetzen mit den Worten: „Jetzt is emål gut.“

„Es ist vollbracht!“ heisst sicher auch, dass dieses Leiden Jesu für etwas gut sein soll.
Ich glaube nicht an einen Gott, der will, dass sein Sohn am Kreuz leidet. Aber ich glaube an Gott, der uns unendlich liebt und dessen Liebe im Leid standhält, der verzeiht und dessen Liebe über den Tod hinaus bleibt.
Bleiben wir in Gottes Liebe.

Sonntag, 11. Juni 2017

Dreifaltigkeit 2017

Ich geb´s zu, ab und an vermisse ich sie auch: die gute alte Zeit. Auch liturgisch, gab es viele Dinge, die nicht mal schlecht waren; so zB die Pfingstoktav. Das heisst vor 60 Jahren hat die Kirche eine ganze Woche lang Pfingsten gefeiert. Es gab viele solcher Oktaven. Übrig geblieben ist freilich Ostern und Weihnachten. Da feiern wir jeweils eine ganze Woche das hohe Fest. Jeden Tag mit Gloria.
Die Pfingstoktav wurde abgeschafft, weil die Überlappung der einzelnen Feste einfach überhand genommen hatte. Aber warum ausgerechnet Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes.

Aber wenn ich die vergangene Woche anschaue, war es trotzdem eine Pfingstoktav für mich. Da ist der Pfingstmontag, der in den deutschsprachigen Ländern Feiertag ist und übrig geblieben ist von der Pfingstoktav. Am Pfingstdienstag trafen sich die Benediktiner Österreichs zu ihrer Kongregationswallfahrt im Stift Kremsmünster, da haben wir auch vor allem Heiliggeistlieder gesungen.
Gestern war unsere Wallfahrt nach Frauenberg. Und für mich ist Marienverehrung auch immer Heiliggeistverehrung. Zeigt sich doch an ihr, was der Heilige Geist an uns Menschen bewirkt.
Wir verehren Maria ja als Braut des Heiligen Geistes. Wir verehren sie als Mutter Jesu - Gottesmutter.
Wir verehren sie als Magd des Herrn, Tochter des Höchsten.
Da wird deutlich wie der Mensch in Gott sein kann. Und das ist und bleibt für mich die sinnigste Erklärung der Heiligsten Dreifaltigkeit. (in St. Gallen: Dies wird ja auch bei unserm Altarbild überdeutlich.)
Bei der Wallfahrt gestern bin ich nicht ganz durchgegangen. Nach der Andacht in der Wenger Pfarrkirche bin ich ins Stift, wo ich noch was erledigen musste. Dann habe ich auch geduscht und einen frischen Habit angezogen. Und schon, ja, habe ich nicht mehr so richtig zu den Wallfahrern gehört.
Einen schönen Vergleich zur heiligsten Dreifaltigkeit fand ich bei Ephrem dem Syrer. Das ist ja das Schöne, dass wir Lernende sind und gerade auch von der Kirche des Ostens lernen können. Ephrem vergleicht den dreifaltigen Gott mit der Sonne. Der Vater ist die Sonne, der Sohn das Licht und der Heilige Geist die Glut. Sonne kann man nicht ohne Licht und Glut denken. Wenn die Sonne untergeht (Tod Jesu) so kommt sie doch wieder und strahlt neu (Auferstehung). Wo sind die Strahlen der Sonne befestigt? Die Strahlen kommen auf die Erde herab. Das ist der Sohn, der unser Fleisch angenommen hat. Er hat geschwitzt wie wir - egal ob in der Werkstatt seines Vaters, in Angst und Verlassenheit auf dem Ölberg. Er ist den ganzen Weg mit uns gegangen.
Spätestens am Pfingsttag wissen wir, dass Gott nicht mehr ohne uns will. Durch uns will er das Angesicht der Erde erneuern.
Stellen wir uns in die Sonne; der Vergleich hinkt ein bisschen, wenn man meinen hochroten Schädel anschaut. Als ob man zu viel von Gott abbekommen kann.

Freitag, 12. Mai 2017

Requiem für eine tüchtige Frau

 1. Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis A
Evangelium vom Tag bzw. vom 5. Ostersonntag A
Sehr geehrter Herr N,
sehr geehrte Kinder der Verstorbenen mit ihren Familien, liebe Trauergemeinde.

Die Lesung fiel mir spontan ein, als ich sie von ihrer Frau, Mutter und Schwiegermutter habe reden hören. Das Evangelium ist das Evangelium sowohl vom heutigen Freitag als auch von diesem Sonntag.

Die Lesung aus dem Buch der Sprichwörter vergleicht die tüchtige Frau mit einer Perle, die nur schwer zu finden ist. Ähnlich war ja auch ihre Frau für Sie, Herr N, ein unermesslicher Gewinn.
·        Wie sie sich ihr ganzes Leben weitergebildet hat, sich nie ausgeruht hat, immer interessiert und offen für das Neue. Einer Perle gleich.
·        Wie sie mit ihrer Präsenz, ihrem Fleiß und ihrem freundlichen Lächeln als Chefin ihren Betrieb geprägt hat. Einer Perle gleich.
·        Wie sie ein Mensch ist, der angenommen wurde von seinen Eltern. Angenommen von Gott, dem HERRN des Lebens in der heiligen Taufe als SEINE geliebte Tochter. Angenommen von ihrem Ehemann, von ihrer Familie und ihren Freunden. Einer Perle gleich.
Heute scheint es, als ob Sie diese Perle zurückgeben in die Hände Gottes. Voll Dankbarkeit, weil ihr Leben Sie reich gemacht hat, aber auch voll Wehmut, weil ihre Lebensfreude und ihr Lebensmut nun nicht mehr sichtbar in ihrer Familie aufscheint.

Das heutige Evangelium (Joh 14) spricht Jesus zu uns im Abendmahlssaal – am Vorabend seines Todes. Er wäscht seinen Jüngern die Füße und gibt ihnen so ein Beispiel des Dienens. Schonungslos klärt Jesus im 13. Kapitel des Johannesevangeliums sein Jünger auf, was sein Tod bedeutet. Verrat, Verleugnung, Todesurteil. Man kann sich richtig vorstellen, was für eine Verunsicherung im Abendmahlssaal geherrscht hat. Und jetzt kommt dann plötzlich das 14. Kapitel im Johannesevangelium und mit ihm Trost und Halt. Lasst euch nicht verunsichern im Angesicht des Todes. Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Liebe Trauerfamilie, liebe Schwestern und Brüder.
Jedes Leben ist ein Kunstwerk unseres Schöpfers. Und noch mehr… Wenn ich das heutige Evangelium richtig verstanden habe, dann ist das irdische Leben (oder wie wir Steirer sagen "Dåsige Leben") dem himmlischen Leben ganz nah. "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen."
Jesus vertröstet nicht auf ein später. Jesus sagt nicht, irgendwann mal nach der Auferstehung bin ich bei meinem Vater. Sondern das iost schon hier und jetzt der Fall. "Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist"
Beten wir in dieser Heilige Messe für Frau N N, dass sie ganz bei ihrem himmlischen Vater ist.
Und wenn sie vielleicht auch nicht im Chor der Engel mitsingt (irgendwer hat gesagt, sie könne nicht singen), so bin ich mir sicher, sie findet da oben ihr Platzerl und ihre Aufgabe. Amen.


Dienstag, 14. März 2017

Requiem in der Osteroktav - Predigt

In diesen Ostertagen hören wir jeweils Abschnitte aus allen vier Evangelien, die ganz unterschiedlich von der Auferstehung berichten. Jeder aus seiner Warte.
Es sind gerade diese Begegnungen mit dem Auferstandenen, die uns so berühren, weil jeder ganz persönlich dem HERRN begegnet.
Es sind gerade diese Begegnungen mit dem Auferstandenen, die uns so berühren, weil jeder Jünger in seiner eigenen Trostlosigkeit und Ungewissheit dem HERRN begegnet und wieder Halt und Richtung für sein Leben erhält.
Und im Angesicht des Todes scheint JESUS auch zu uns zu sprechen: „Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen?“
In der Hoffnung auf die Auferstehung der Toten hören wir den Lebenslauf des Verstorbenen …
Der Krieg und die Nachkriegsjahre nehmen einen großen Teil des Lebenslaufs ein und ich verstehe das durchaus auch als Mahnung an uns,

Sonntag, 12. März 2017

Requiem - Predigt über das Samenkorn

Evangelium: Joh 12, 24-26

Das heutige Evangelium (Fest Laurentius) stellt das Leben des Menschen in den Zusammenhang der Weizenernte.
Es geht hier nicht darum, das Leben auf Erden gering zu achten und dann darauf zu vertrauen, dass im Himmel bei der reichen Ernte dann eh alle besser ist. Vielmehr ist im Samenkorn ja schon alles enthalten - in dieser Schlichtheit ist soviel Kraft enthalten - und es muss dann in die Erde fallen und sterben, damit es Frucht bringen kann.
Heute, am Tag des Requiems, steht das Samenkorn für alles Gute, was eure Frau und Mutter an Euch gewirkt hat und was in Euch zur Frucht geworden ist.
Heute steht das Samenkorn für euren Glauben. An einer anderen Stelle im Evangelium sagt Jesus:
Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, würdet ihr zu dem Maulbeerbaum hier sagen: Heb dich samt deinen Wurzeln aus dem Boden und verpflanz dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Lk 17, 6.
Wir bitten Gott heute in der Trauer: HERR, gib uns den Glauben an dich, dass wir auf die Auferstehung hoffen, dass wir immer wieder bereit sind einander zu verzeihen.
Heute steht das Samenkorn für Jesus Christus, der für uns gestorben ist. Wir sind mit diesem Samenkorn Jesus Christus gestorben, also werden wir auch mit ihm auferstehen und teilhaben an seinem Leben.

Teresa von Avila: eine alltagstaugliche Kirchenlehrerin

Heilige Hildegard von Bingen
hl. Hildegard

Predigtreihe Kirchenlehrerinnen
2. Fastensonntag - Teresa von Avila: eine alltagstaugliche Kirchenlehrerin
Am Anfang ein kleiner Nachrichtenüberblick, was in der letzten Zeit so geschah oder geschehen wird. Drei Meldungen.
Vor gut einem Jahr hat ein Pfarrer aus der Diözese Münster angekündigt, seinen Dienst aufzugeben. Kommt vor, könnte man denken. Aber in diesem Fall war es erschütternder als sonst und hat viel Staub aufgewirbelt, da Pfarrer Thomas Frings Moderator des Priesterrates und Pfarrer einer großen, lebendigen Stadtpfarre in Münster gewesen ist. Er hat Kunstinterventionen in seiner Kirche zugelassen oder hat sich Gedanken gemacht, wie man Sakramentenpastoral neu gestalten kann. ZB hat er ein neues Modell für die Erstkommunion entwickelt: Die Kinder hatten ihr großes Fest als eine Tauferneuerung. Doch die eigentliche Erstkommunion empfingen sie eher im kleinen Rahmen in einer eher einfachen Sonntagsmesse. So hat man den Kindern vielleicht die Aufregung genommen. Das ausgerechnet er, auf den man in der Pfarre soviel Hoffnung gesetzt hat, aufgibt, hat viele erschüttert und lange beschäftigt. 
In der Tat muss man sich doch Gedanken machen, ob das alles noch richtig ist, was wir hier machen. Da kommen zB. Leute und wollen sich gegenseitig das Sakrament der Ehe spenden und wissen nichts von Jesus Christus und Glauben. Da kommen Eltern, die beide aus der Kirche ausgetreten sind und wir taufen das Kind, weil es uns von Graz so aufgetragen wird. Wie soll da der Glaube in der Familie weitergegeben werden?
Thomas Frings ist mittlerweile Postulant in einem belgischen Benediktinerkloster und hat letzte Woche sein Buch veröffentlicht. Er steht zu Christus und seiner 2000 Jahre alte Kirche. Aber er glaubt eben, dass im Moment zu viel falsch läuft und wir uns Statistiken nur schön rechen. (Buchbesprechung „Aus. Amen. Ende?“)
Gestern trafen sich in Hildesheim die Kirchenfürsten der evangelischen und katholischen Kirche Deutschlands zu einem Bußgottesdienst anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation. Auch die Staatsführung war anwesend. Es ging um Vergebung. Philosophen sagen, man kann nichts vergeben, was andere verbrochen haben. Ein Mensch kann nicht für andere um Vergebung bitten und man kann nicht im Namen anderer, die schon 500 Jahre tot sind, Verzeihung gewähren. Und hier kommt Gott ins Spiel. Deshalb finde ich solche Bußgottesdienste auch richtig, denn Gott kann das Unverzeihliche verzeihen.(Bericht NDR)
Am Dienstag treffen sich in Admont 40 hauptamtliche Mitarbeiter der Diözese Graz-Seckau im Stift Admont. Aus ihnen werden 24 ernannt (oder gesendet), die dann die neuen Regionen leiten werden.
Solche Nachrichten betreffen uns in St. Gallen auch und immer geht es bei Kirche auch darum, wie etwas weiter tragen kann und nicht nur ein Strohfeuer bleibt. Ein Gefühl des Aufbruchs, der Erneuerung oder ein gewaltiger, schöner Gottesdienst ist schnell verflogen. Wie geht es dann weiter… Ähnlich ging es ja den drei Aposteln, die mit Jesus auf den Berg gestiegen sind. Wie kann das Erfahrene sich im Alltag bewähren. Gerade bei den Apostel sieht man ja, dass das ordentlich schief gegangen ist. Petrus war auf dem Berg Tabor dabei, hat dann aber Jesus verleugnet und war nicht unter dem Kreuz. Bei ihm trug diese Verklärung nicht weiter.
Deshalb möchte ich heute Teresa von Avila als Gefährtin zu Rate ziehen. Sie ist eine von vier Kirchenlehrerinnen. Letzte Woche habe ich von der heiligen Hildegard gepredigt. Beide (Teresa und Hildegard) haben eine Gemeinsamkeit. Sie blieben nicht in ihrem Kloster, wo sie dann in ihrer Verzückung etwas niedergeschrieben haben, sondern sie waren „bei de Loit“. <— wie man so schön sagt. Hildegard ist von Fürstenhof zu Fürstenhof gezogen und hat den weltlichen und geistlichen Herren ordentlich die Meinung gesagt. Teresa hat unzählige Orte in Spanien besucht, wo sie sich persönlich um ihre neuen Klosterniederlassungen gekümmert hat. Und gerade Teresa ist als Kirchenlehrerin alltagstauglich. Wie hält es an, wie überlebt unser Glaube im Alltag. Das erfahren wir bei Teresa gerade in ihren Anleitungen  zum Gebet.
Sie gibt uns drei Punkte mit auf den Weg:
Innerlichkeit, Demut und Wirksamkeit.
Ein Gebet erfordert Nachdenken. Mit wem rede ich eigentlich? Mit Gott oder einem Sklaven? Schreibe ich IHM nicht zu oft vor, Gott, mach das so. 
Kann man so mit einer Majestät reden?

Die Seele kann sich Christum den Herrn vergegenwärtigen, und sich gewöhnen, seine heilige Menschheit recht innig zu lieben, stets mit ihm zu wandeln, mit ihm zu reden, ihm ihre Bedürfnisse vorzutragen, ihm ihre Widerwärtigkeiten zu klagen. Man braucht hierzu keine besonderen Gebetlein, sondern man spricht nur solche Worte, die dem inneren Verlangen und den Bedürfnissen entsprechen.
Aus diesen Zeilen spürt man richtig das 16. Jahrhundert. Der Beginn der Neuzeit. Es ging in der Neuzeit um das Individuum. Der einzelnen Mensch vor Gott. Und er redet mit Gott. Dieser Gedanke war bei vielen Zeitgenossen Teresa unerhört.
Teresas inneres Gebet ist ein inniges Lieben, ein Mit-Ihm-Wandeln und ein Reden mit einem guten Freund.
Im zweiten und ebenso wichtigen Schritt geht es um Einsicht und Demut.
B. Das Gebet muss in Demut verrichtet werden.
Die Selbsterkenntnis ist etwas so Wichtiges, daß ihr dieselbe nie vernachlässigen dürfet, wenn ihr auch bis zum Himmel euch erschwungen hättet; denn solange wir auf dieser Erde leben, ist uns nichts so notwendig als die Demut. Darum sage ich noch einmal: es ist gut, ja über die Maßen gut, dafür Sorge zu tragen, daß man in dies erste Gemach eintritt, wo man sich mit der Selbsterkenntnis befasst.
Ein berühmtes Sprichwort sagt ja, Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.
Und das schöne an Teresa ist, dass sie uns diese Begriffe nicht einfach hinklatscht und voraussetzt, nein, sie erklärt uns, wie man Selbsterkenntnis und Demut am besten gewinnt.
Aber wie gelangt man zur Selbsterkenntnis und damit zur Demut?
durch die Betrachtung seiner Größe lernen wir unsere Niedrigkeit kennen, durch die Betrachtung seiner Reinheit erkennen wir unsere Beflecktheit, durch die Betrachtung seiner, des menschgewordenen Menschensohnes, Demut lernen wir einsehen, wie ferne wir noch von dem rechten Wesen der Demut sind.
Und dabei erwähnt sie ein schlechtes Beispiel. Eine kinderlose Frau wird von allen als unheimlich fromm empfunden; sie betet, spendet und tut alles, was eine solche Frau halt tut.
Mir ist so jemand auch schon oft über den Weg gelaufen. „Mei, Herr Pater, ich tu jeden morgen meine Gebete verrichten. Und ich mache das und das…“.
Wenn man dann aber mal einen Nerv trifft. Die Frömmigkeit in Frage stellt, dann erweckt man nicht selten Wut und Zorn, der in den betreffenden Personen innewohnt.
Und da wird Teresa deutlich. Sie ist ja für ihre deftigen Sprüche bekannt. Das Gegenteil von Demut ist Ehrsucht und die beschreibt sie so:
Die Ehrsucht ist der Seele in jeder Hinsicht schädlich; aber auf dem Wege des Gebetes ist sie eine Pest.
Der dritte und letzte Punkt beim Gebet Teresas ist die Wirksamkeit. Und gerade das macht sie zur alltagstauglichen Kirchenlehrerin. Das Gebet
Meine Töchter, die Liebe muß sich zeigen mitten in den Gelegenheiten und nicht in den Winkeln

viele Gedanken zu Teresa habe ich von hier
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