Sonntag, 20. Mai 2018

Geist des Lebens und des Bekenntnisses

meine Pfingspredigt 2018 

Gestern zwei Megaereignisse: Die Firmung in Frauenberg. Die Hochzeit von Harry und Meghan in Windsor. Beides verstehen wir als Sakramente. Findet alles in der Kirche statt. Beides begleitet von Kirchenmänner, die auch jeweils das rechte Wort zur rechten Zeit gesprochen haben. 
Michael Bruce Curry, Primas der Episkopalkirche, hat gesagt: 
„Es gilt, die Macht der Liebe zu entdecken, dann wird aus dieser alten Erde eine neue Erde.“
Und Abt Gerhard hat in seiner Worte die Firmlinge an die Goldene Regel erinnert: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Er hat den Wert der Gemeinschaft hervorgehoben. Und auf das lebendige Antlitz Gottes - Jesus Christus - hingewiesen, das in unserm Leben einen Platz haben darf. 
Alles Feiern, wo der Heilige Geist im Vordergrund stand: Bei den Gebeten des Abtes in Frauenberg oder beim Ring-Anstecken in Windsor. 
Alles Feiern, wo die Namen der Menschen eine Rolle spielen. Man sagt ja beim Vermählungsspruch den Namen. Der Firmender spricht die Firmlinge mit Namen an.
Ich habe da bei der Firmung daneben gestanden und mir gedacht, ob die ihren Namenspatron kennen? Da waren zum Beispiel unter den Namenspatronen der Firmlinge Märtyrer, die für den Glauben ihr Leben gegeben haben. Was hat das überhaupt einen Wert? Was hat das überhaupt einen Wert für den heutige Österreicher?
Und in der Tat sehe ich da eine Diskrepanz zwischen dem Geist, der Leben schafft und erhält und dem Geist des Bekenntnisses, das zum Tode zum führt.
Laut unserem christlichen Verständnis ist es der Heilige Geist, der bei der Schöpfung über dem Wasser schwebt. 
Genesis 1,1-2: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 
Ein Gott des Lebens - ein Geist des Lebens.
Und weiter heisst es dann im zweiten Schöpfungsbericht:
Genesis 2,7: da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.
Ein Gott des Lebens - ein Geist des Lebens.
Und auf der anderen Seite sehe ich die Zwölf Apostel. Alle haben den heiligen Geist empfangen. Nur einer von ihnen (Johannes, der Lieblingsjünger Jesu) wird nicht als Märtyrer verehrt. Die anderen werden alle in rot gefeiert, die anderen elf haben alle das Martyrium erlitten. Hat der Heilige Geist die Märtyrer nicht erst ermutigt zu diesem lebensgefährlichen Bekenntnis?
Ich glaube nicht, dass Gott dieses Martyrium gefordert hat. Genauso hat er ja auch nicht Jesus Christus aufgefordert am Kreuz zu sterben. 
Und doch steckt im Kreuz die Lösung aus meinem Dilemma. 
Johannes 20,21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Eine Sendung, die wir alle als Christen haben und die uns durch das Leben Jesu vertraut ist. Eine Sendung, wo ich als geliebtes Kind angenommen bin. Wo ich berufen bin zu lieben, wo man hasst; zu schlichten, wo Streit ist; geduldig zu sein; zu hoffen, wo alle schon die Hände in den Schoß gelegt haben…
Eine Sendung, die bis zum Tod geht und in der vertrauensvollen Bitte endet: Himmlischer Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.
Das Kreuz gehört zum Leben eines Christen dazu. Es ist nicht der Schlusspunkt eines sinnlosen Daseins, sondern Krone des Lebens und Zeichen unserer Erlösung, da hier die Ganzhingabe der Liebe deutlich wird. 
Gott ist ein Gott der Liebe und des Lebens. Und es war der heilige Franziskus, der die Grenzen dieser Liebe allein im Menschen gesehen hat: Zitat Franziskus von Assisi: „Die Liebe wird nicht geliebt.“
Das ist das Geheimnis der Märtyrer. Das die unendliche Liebe Gottes von vielen Menschen nicht angenommen wird. 
Der heilige Geist will uns heute die unendliche Liebe Gottes entdecken lassen. Seien wir das breite Flussbett, durch das die unendliche Liebe Gottes zu den Menschen fliesst. 


Montag, 14. Mai 2018

Paulus in Ephesus - Apostelgeschichte 19

Lesungen: Apg 19, 1-8, Joh 16, 29-33

Liebe Freunde.

Ich muss zugeben, dass es eine angenehme Überraschung war, als NN vor gut einem Monat an mich herantrat, ob ich am 14. Mai nicht wiedermal das Friedensgebet halten kann. So kann ich in heiliger Atmosphäre meinen 7. Jahrestag der Priesterweihe begehen. Das ist sicher Fügung und ich bin unserm Herrgott überaus dankbar dafür. 
Der Weihetag ist für einen Priester vielleicht wie der Tauftag eines Christen oder der Hochzeitstag eines Ehepaares einer dieser kleinen Feste, wo nur ganz besondere Menschen dran denken und die mich als Mensch vielleicht mehr prägen und mehr auszeichnen als der Geburtstag. Weihetag, Tauftag oder Hochzeitstag feiert man vor allem mit dem Herzen. 
Denkt mir auch an die kleinen Feste, die uns eine kleine Freude und eine kleine Ruhe schenken. 
Denkt mir auch an die kleinen Siege. <— So könnte man die heutige Lesung aus der Apostelgeschichte überschreiben. Paulus hat gerade im 19. Kapitel gar nicht den großen Zuspruch und Erfolg. Das klingt leider in der Lesung mit dem letzten Satz nur ein bisschen an: „Paulus suchte sie vom Reich Gottes zu überzeugen.“ 
Ablehnung, Spaltung und Aufruhr. Das ist es, was Paulus in Ephesus auch erlebt hat. 

Er versucht die Leute zu beruhigen, was ihm aber nicht wirklich gelingt. 
Die Apostelgeschichte beschreibt unruhige Zeiten. Das ist für uns Heilige des Jahres 2018 so wichtig, weil es die ideale Zeit nie gegeben hat. „Damals war alles besser.“ Wenn ich das schon höre!
Paulus war durch und durch Grieche, wenn er die Gelegenheit beim Schopf ergriffen hat. 
Diese gute Gelegenheit ist jetzt und fällt uns immer wieder ins Auge, wenn wir das Leben Jesu betrachten. Jetzt will der beim Sünder Zachäus einkehren. Jetzt will er in Ruhe mit seinem himmlischen Vater reden. Jetzt will er die Menge satt machen. Und jetzt am Kreuz gibt er seinem Lieblingsjünger Johannes und damit uns Maria zur Mutter. 
Natürlich hört sich das für uns, wenn wir das auf unsern Alltag übertragen unmenschlich an. Man kann nicht alles jetzt tun. Aber davon rede ich eigentlich auch nicht. 
Ich rede vom heiligen Jetzt. Wo ich meinen Teil beitragen kann. Da sind diese Jünger Johannes´ des Täufers und Paulus führt sie zu zum Glauben an Christus. Das waren ca. 12. So genau weiß das der Autor der Apostelgeschichte auch nicht. Aber diese wenigen sind Paulus wichtig. Und vor allem hat er einen Griff, womit er sie rum bekommt. Diesen Griff entsprechend nutzen. Das ist es. So sagt Paulus „Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus.“ Das ist es, was Paulus versteht. Er wird gerne Völkerapostel genannt. Ich nenne ihn heute lieber Apostel der guten Gelegenheit. 
Heilige Maria, bitte für uns, dass wir klug und geschickt die nächste Situation meistern und so die Menschen wie du, zu Deinem Sohn Jesus führen. 

Zum Zeitbegriff des Apostels, aber auch der Muttergottes, gehört sicher auch die Beharrlichkeit. Nicht locker lassen, treu sein. 
Vielleicht ist hier auch Johannes der Täufer als Bußprediger und Vorläufer uns ein Beispiel der Beharrlichkeit. Er predigt Buße. Sei es gelegen oder ungelegen. Aber vor allem: er hat diesen einfachen, radikalen Lebensstil, sodass er glaubwürdig ist. 
Wer von uns will schon Vorläufer sein? Und doch: Ist es nicht eine große Berufung, der Finger zu sein, der beharrlich auf Jesus hinweist? 
Unser Ordensvater Benedikt muss das so gesehen haben und hat den Täufer neben dem heiligen Martin zu einem seiner Patrone auf Montecassino erwählt. 
Heilige Maria und heiliger Täufer, erbittet bei Gott für uns die Gabe der Beharrlichkeit, dass unser Glaube nicht erlischt, sondern lebendig ist. Herr, stärke uns, dass wir nach der ersten Niederlage nicht aufgeben und die Hände in den Schoß legen.

Umso beruhigender ist für mich das Wort unseres Heilands heute im Evangelium: „aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ 
Das gibt mir Mut für mein Leben. Christus Jesus hat das schon alles durchgemacht. Und er hat durch seinen Tod und seine Auferstehung die Welt besiegt. 
Wenn wir um den Frieden beten, meinen wir Christen immer einen universalen: Den Frieden in uns, in unseren Familien, in der Welt. 

Heilige Maria, bitte für uns, dass wir frohe Christen in dieser Welt werden. So wie Du: Nicht unbeweglich von Welt, sondern dynamisch und liebende Diener inmitten der Welt. Amen. 
Maria, Königin des Friedens, bitte für uns. 


Interessanter Link
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Sonntag, 6. Mai 2018

der Heilige Geist schmeißt das Alte über den Haufen.

Am vergangenen Donnerstagabend hatte ich 20 Mädchen mit ihren Lehrern des Alten Gymnasiums Leoben zu Gast im Stift und die durften mir in einer abendlichen Runde Frage stellen. 
Nachdem sie ziemlich viel über mich und mein Kloster erfahren hatte, stellten ich ihnen die Frage, wo sie die Kirche in 20 Jahren sehen. Sie sollten einen Satz mit dem Wörtchen „mehr“ bilden. Die Kirche in 20 Jahren hat mehr… davon. Kein Ahnung, war vielleicht eine dumme Frage, da niemand weiß, was in 20 Jahren ist. Es kam praktisch keine Antwort. Außer vielleicht von einer Leobener Ministrantin, die darauf vertraute, dass es mehr zeitgemäße Lieder im Gottesdienst gibt.
Ansonsten erwartet man bei vielen jungen Leuten nicht mehr viel. Nun waren diese jungen Leute zum größten Teil getauft und gefirmt und ich machte sie meinerseits darauf aufmerksam, dass nur sie es seien, die es in der Hand hätten, wie Kirche in Zukunft aussieht. 
Ähnlich ist es sicher bei der Feuerwehr oder bei der Gemeinde. Wie alle haben es in der Hand, wie es in Zukunft ausschauen wird. Und da gibt es überall, diese lähmende Gefühl, ich bin nur Konsument, bin nur im 2. Glied und kann nichts mit gestalten. 
Da loht es sich natürlich den Anfang anzuschauen. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne hat der Dichter Hermann Hesse einmal gesagt. 
Was hat die Leute damals motiviert? Wir Christen schauen dann vor allem in die Apostelgeschichte, die uns ein Bild der jungen Kirche vor 1900 Jahren gibt. Eine junge Kirche, wo man um den richtigen Weg gerungen hat. 
Beides war vorhanden: 
01 Die Autorität der Apostel, die Jesus kannten und mit ihrem Leben sein Evangelium bezeugten. 
02 Ebenso aber auch die Dynamis - die Kraft des Heiligen Geistes, der Wiesen mähte, die bisher unerreichbar schienen.
Im Idealfall kommt natürlich beides gemeinsam: Die guten Vorgesetzten und der Elan und die Kraft in der Gemeinschaft. 
Aber was ist schon ideal? Und wer zieht am Schluss den Kürzeren?
So waren die Apostel sich erstmal ziemlich uneins, um man auch die Nichtjuden miteinbeziehen durfte. 
Doch der Heilige Geist schuf in seiner Schöpfungskraft einfach Fakten, dem auch die bisher hartgesottensten Leiter der Kirche nicht mehr widersprechen konnten. 
„Über den Haufen geschmissen.“ 
Jetzt kommt dieser interessante Moment in der jungen Kirche, wo sich die Autoritäten nicht mehr versperren können. Sie müssen dem zustimmen. Sie sehen Gottes Geist am Werk. 
Von jetzt an soll allen das Evangelium gepredigt und die Taufe ermöglicht werden.

Ich muss zugeben, das ich oft ziemlich unflexibel bin. Was hat diese gestandenen Männer aus Galiläa so flexibel gemacht. Ja, vielleicht war es ihre eigene Geschichte mit Jesus aus Nazareth.

Am See wurden sie berufen, gerade dabei ihre Arbeit zu tun. Und Jesus berief die Fischer und sie ließen ihre Netze liegen. 
Da ist mit Gott eine Autorität im Spiel, die einen dazu bringt, alles zurückzulassen. Das bisherige Leben wird einfach mal so über den Haufen geschmissen. 

Petrus hat seinen Messias Jesus verleugnet. Hat im entscheidenden Moment nicht an seiner Seite gestanden und Jesus hat im verziehen. Ebenso dem einen Verbrecher am Kreuz.
Dies ist vielleicht die größte Kraft auf Erden: Die Kraft zu Vergeben und Vergebung auch anzunehmen. Eine Kraft die mich so platt macht, die alles über den Haufen schmeisst. 

Der heilige Florian hatte sich Ende des 3. Jahrhunderts taufen lassen. Wahrscheinlich schied er deshalb aus dem Militärdienst aus. Jetzt - als Frühpensionist - hatte er genügend Zeit sich seinem Glauben und vielleicht seiner Gemeinde zu widmen. 
Plötzlich hörte er von 40 Christen, die in Lorch (einem heutigen Stadtteil der Stadt Enns) ausgeforscht und gefangen gehalten wurden. Er hat auf seine gemahte Wiese verzichtet und ist ihnen beigesprungen; hat versucht bei seinen ehemaligen Vorgesetzten Gnade vor Recht walten zu lassen. 
Das war sein Todesurteil. 
Ich nehme mal stark an, dass die 40 Christen das irgendwie mitbekommen haben, dass da einer ist, der für sie eintritt. Mich erinnert das auf jeden Fall an das heutige Evangelium:
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. (Joh 15,13)
Liebe Feuerwehrmänner und -frauen.
Heute sage ich als Priester ihnen auch meinen besonderen Dank, dass sie anderes hintanstellen um dem Nächsten zu helfen. Möge Ihnen Gott vergelten, was sie Gute tun. 

Sonntag, 22. April 2018

Guter Hirte und Partizipative Leitung

Ich muss zugeben, dass ich mir jahrelang einen Spaß daraus gemacht habe, Hund und Herrchen anzuschauen. Die schauen sich immer so ähnlich. Die Frisur vom Frauschen sieht aus wie die Frisur des Hundes. Oder, wenn da so ein Wuschelhund ist, hat das Herrschen oft auch so Wuschelhaare. 

Man sieht also von vornherein, die gehören zusammen. 
Irgendwie lustig, aber auch irgendwie schön. 

Wenn man einander vertraut und dieses innere Vertrauen sich äußerlich spiegelt Ähnlich ist es auch mit einem Ordensmann, wenn er über Jahre in seinem Kloster ist, dann nimmt er den Stallgeruch des Klosters an. Er gehört dazu und Gebet, Arbeit, Lesung und die Brüder prägen den Mönch. Der heilige Benedikt spricht hier von Consuetudines - „Gewohnheiten, Gepflogenheiten“. (wiki:  Consuetudines
Ähnlich wird man ja auch von seiner Familie geprägt. Ehepaare leben lange miteinander; Kinder nehmen - gewollt oder ungewollt - Eigenschaften der Eltern an. 

Diese Vertrauensverhältnis wird besonders beim dem Bild deutlich, das Jesus heute im Evangelium gebraucht. Der gute Hirte. Wie an anderen Stellen wird in der Bibel ein Begriff nicht neu erfunden, sondern von der Umwelt aufgegriffen. 
Ähnlich ja auch in Johannes 1 (Evangelium vom Christtag): Im Anfang war der Wort - En archä än ho logos. 
Beim Griechen klingelten sofort alle Glocken und er wusste, das er hier zu Hause ist. 
Noch viel mehr verbreitet war der Titel des Guten Hirten. (vgl. Artikel wiki über den Guten Hirten) In fast allen alten Kulturen gab es diesen Begriff (Assyrer, Babylonier, Ägypter). Das geht dann soweit, dass man in den Katakomben Roms auf den Gräbern Bilder mit dem Guten Hirten findet und man gar nicht weiß, wem man das zuordnen soll: Ein Heide, der den Guten Hirten verehrt oder ein Christ, der Jesus Christus als den Guten Hirten anerkennt?  
In der orthodoxen Ikonographie hat das Bild fast nie Eingang gefunden. Ganz anders im Westen. Und hier noch mal besonders im 19. Jahrhundert. 
Und auch bei mir: Ich habe ein Bild des Guten Hirten auf meinem Primizbildchen drauf. 
Es ein zärtliches Bild: Wie der Hirte das Schaf auf seinem Rücken trägt - anschmiegsam. Es ist ein vertrauensvolles Bild. 
Aber ganz besonders ist es ein Bild der Hingabe. 
Bei aller Diskussion um Kirche und bestimmte Reizthemen, sollte man nie vergessen: Es geht um Hingabe und Vertrauen. 

Reißerisch hört man oft nur vom Schlechten: Von der Hirten, die sich vergreifen, die sich nicht um die Schafe kümmern, sondern nur gierig auf die Wolle schielen.  
Von denen die nicht treu waren und schon bei ersten Gegenschlägen das Handtuch geworfen haben. 
Das Schöne im Evangelium ist, dass beide Seiten erwähnt werden: Der bezahlte Knecht, dem an den Schafen nichts liegt. <— Er wird erwähnt, aber vor allem das positive Beispiel wird uns vor Augen geführt: Der gute Hirt. 

Wir denken hier natürlich auch gleich an das Gleichnis vom verlorene Schaf (Lukas 15) und an den Hirten, der alles unternimmt um dieses Schaf zu finden, zu befreien und heim zu führen auf die fette Weide. 

Reflexartig ordnen wir die Priester dem Bild des Guten Hirten zu. Ich habe es ja eben auch getan. 
Da ist es für mich als Priester in der Steiermark dann erstmal unglaublich, dass ab 01. September, zwei hauptamtliche Laien gemeinsam mit Pater Egon in der Region Ennstal & Ausseerland das Sagen haben werde. Partizipative Leitung nennt sich das. 
Ist dann übrigens auch für die Seelsorgeräume so geplant. 
Ist der Priester nicht mehr Hirte, das er ganz oben steht und die Herde vertrauensvoll führt? Was Jahrhundertelang so lief, soll plötzlich in der Steiermark nicht mehr gelten? 

Am vergangenen Freitag war in Admont die Spirinight. 400 Firmkandidaten (auch aus unserer Pfarre) waren dabei. Organisiert wurde das ganz von der jungen Kirche der Steiermark und da namentlich von zwei Frauen Magdalena Hrauda aus Graz und Sandra Ganser aus Palfau. 
Und was diese beiden Frauen da auf die Beine gestellt hatten war beachtenswert: Gut organisiert und bunt. Lustig und glaubensstiftend. (Fotos spirinight 2018 (c) Diakon Wolfgang Griesebner)
Kurzfristig wurde ich gebeten die Andacht zum Beginn der spirinight zu halten. Ich war voll in meinem Element und hatte eine riesige Freude. 

Vielleicht ist das wirklich ein Model von Kirche: Das haupt- und ehrenamtliche Laien organisieren und durchführen und der Priester seinen Part (Sakramente, Seelsorge), dazu beiträgt. 

Unser Guter Hirte ist erstmal Jesus Christus und kein andere. Er ist es, der sich um seine Herde (um uns) kümmert. 

Er hat mir als Priester Hände gegeben und Augen, Ohren und einen Mund, damit ich IHM Hand sein kann, für ihn sehe und für ihn hören kann und für ihn sprechen kann. 

Aber ähnlich sind wir alle füreinander Hirte und Priester. Einer von Ihnen ist vielleicht vor allem Hand: dass er anpackt, wo Hilfe gebraucht wird; ein anderer ist Ohr, dass er dem andern zuhört; der nächste ist Mund, dass er ein Wort spricht, dass aufbaut und heilt...

Ich werde nicht müde daran zu erinnern, dass die Mutter die erste Priesterin des Kindes ist: Aus ihrem Mund hört das Kind zuerst von Gott. 

Oft höre ich auf, darauf zu vertrauen, dass die Eltern Kindern noch etwas von Gott erzählen oder gemeinsam beten. 

Und geben Sie es zu: Oft hören auch sie auf, darauf zu vertrauen, dass die Pfarrer, die Priester, die Seelsorger ihre Aufgaben so wahrnehmen, wie es sollten.

Wir sollten wieder vertrauen - gegenseitiges Vertrauen wird besonders durch gegenseitiges Gebet gestärkt: Wir Priester und Mönche beten für Euch und ihr - bitte betet auch für uns. 
Und wir sollten unser Leben hingeben - auch wenn wir keinen sofortigen Lohn dafür erwarten können. Amen. 

Samstag, 10. März 2018

die Gründung der Kirche in drei Ereignissen

Predigt Lesejahr B Fastenzeit Fastensonntag 4 -  Samstag, 10. März 2018 

Kinder des Lichts.
Wir Menschen sind Wesen mit Herz und Verstand. Umso schöner ist es, wenn beides zusammen passt. 
Dies geschieht zum Beispiel auch da, wo Glaube und Wissenschaft einer Meinung sind. Es gibt nicht wenige Stellen in der Heiligen Schrift, wo diese mit der Geschichtsschreibung übereinstimmt. Zb einige Namen in der Apostelgeschichte, die Person Jesus, den es so gegeben haben muss, da viele außenbiblische Zeugen von ihm berichten. So etwa im zweiten Buch der Chronik, wo der persischen Großkönigs Kyros beschrieben wird. Beide, Historiker und Theologen, sehen in ihm einen toleranten Menschen. Die Elite Israels sitzt in Babylon fest und er erlaubt ihnen in ihr Land zurück zu gehen und ihren Tempel wieder aufzubauen. Die Sehnsucht der Vertriebenen richtet sich auf Jerusalem. Diese Liebe zum einen Gott und zu seinem Haus - ich stelle mir vor, die war so groß, dass auch Leute, die gar nicht zu Israel gehört haben, dorthin ziehen wollten und mitbauen wollten an Tempel für den Einen. 
Diese Liebe zum einen Gott und zu seinem Haus war so groß, dass es dem Volk Israel gar nicht mehr so wichtig war, dass sie mal eine Königsfamilie hatten. David und die Verheißung, die an ihn ging, was soll´s? Hier geht es um Gott, hier geht um was größeres. Und da kann ich auch mit einem persischen Großkönig Kyros leben.  
Wie steht die Kirche zum Staat? Wie steht der Staat zur Kirche? 
Mit diesem Thema beschäftigte sich letzte Woche auch die Österreichische Bischofskonferenz in Sarajevo, da wir in diesem Jahr 100 Jahre Republik Österreich feiern und in dieser Woche den 80. Jahrestag des Anschlusses an Nazi-Deutschland begehen. 
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es seit dem 5. Jahrhundert eine Zwei-Schwerter-Therorie gibt. Unterschieden wird zwischen der weltlichen und der geistlichen Macht. Das weltliche Schwert in der Hand des Kaisers bzw. des Bundeskanzlers und das geistliche Schwert in der Hand des Papstes. Und da erkennt der eine den anderen an. So is es vielleicht auch zu verstehen, dass vor 100 Jahren der Wiener Erzbischof, Kardinal Friedrich Gustav Piffl, noch am Tag der Ausrufung der Ersten Republik den Klerus aufrief, die Gläubigen zur „unbedingten Treue gegenüber dem nunmehr rechtmäßigen Staate“ zu ermahnen. Und so ist es leider auch zu verstehen, dass sein Nachfolger Kardinal Theodor Innitzer, bereits am 18. März eine „Feierliche Erklärung“ der Bischöfe für den Anschluss freiwillig mit „und Heil Hitler“ unterzeichnete. Was dieser Anschluss für die Kirche bedeutete, war dem Kardinal damals wohl noch nicht klar. In der Folge wurden mehr als 1.500 Klöster, Bildungsstätten, Heime und Schulen der Kirche wurden aufgelöst. 
Am 19. Juli 1938 wurde so zB das Stift Admont von den Nazis aufgehoben. (Quelle
Wie steht die Kirche zum Staat? Wie steht der Staat zur Kirche?
Beide - Kirche und Staat - sind für alle sichtbar in ihren repräsentativen Gebäuden. Die Hofburg für Kaiser und Bundespräsident, das Hohe Haus - das Parlament für die Demokratie; der Stephansdom für die Kirche in Österreich; die Admonter Stiftskirche für unsere Metropolregion hier. 
  • Die zwei Kirchen Frauenberg und St. Johannes für die Kirche in der Gemeinde Ardning. 
  • Die Haller Kirche zum heiligen Kreuz. 

Egal ob staatlich oder kirchlich, man will klar machen, dass es hier um etwas bestehendes geht. 
Änderungen im Staat und in der Kirche sind möglich, dauern aber immer auch etwas länger: zB. Beitritt zur EU oder zweites Vatikanisches Konzil. 
Ganz wichtig ist auch, wie ein Staat wie Österreich oder wie eine Kirche wie die Katholische entstanden sind. Der Republik Österreich liegt der Zerfall der KuK-Monarchie zugrunde. Aber wo und wann ist die Kirche entstanden?  Da ist kein herrliches, repräsentatives Gebäude, das der Herr von seinen Baumeistern aus dem Boden stampfen lies. Wenn ich an die Gründung der Kirche denke, dann denke ich an drei Ereignisse aus dem Evangelium. 
  • Wie der Engel Maria erscheint und ihr die Botschaft der Geburt Jesu bringt und sie ihr Ja spricht. Dieses Geheimnis, das wir neun Monate vor Weihnachten feiern, zeigt wie Kirche - wie Gott - im Kleinen beginnt. In einer Frau - in einer Familie. 
  • Ich denke an die heilige Versammlung der Gemeinde in Jerusalem, wo die Jünger und in der Mitte Maria, zusammen beten und den Heiligen Geist empfangen. Genaus dieses gemeinsame Gebet mit Maria ist unserm Papst Franziskus so wichtig, dass er ein neues Fest geboten hat, dass die Kirche von jetzt an am Pfingstmontag feiert. 
  • Aber da ist noch ein drittes Ereignis und da - sie ahnen es - ist auch Maria dabei. Das Kreuz. Ausgerechnet der verlassenste, der verfluchteste Ort der Welt soll Ausgangspunkt der UNA Sancta- der heiligen Kirche sein? Hier wird wahr, was wir gerade im Evangelium gehört haben: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“ Hier verzeiht der Menschensohn Jesus seinen Henkern. Hier holt er den Verbrecher ins Paradies. Hier gibt gibt er seinem Lieblingsjünger Johannes Maria und somit uns zur Mutter. 
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Dienstag, 6. März 2018

„Statusspiele“ vs. Bibel

meine Kurzpredigt zum Dienstag der 3. Fastenwoche

„Statusspiele“ - so heisst ein Buch, das mir eine Freundin mal empfohlenen hatte. Ich bekenne, das ich darin gelesen habe um zu erkennen, was andere beflügelt und was die für „Spielchen treiben“. Und auch ich habe immer wieder geschaut, wie kann ich meine Meinung durchsetzen. 
Auch die Jünger kannten ja diese Statusspiele und wollten ganz vorne dabei sein. 
Die heutigen Texte lehren uns etwas ganz anderes. 
Da ist das Gebet des Asarjas, der für sich bei Gott um Erbarmen bittet. Nein, mehr noch, er bittet für sein Volk, für seine Gemeinschaft um Erbarmen. Für die anderen bitten. Jede Lesung und jedes Gebet der heiligen vierzig Tag mündet am Gründonnerstag und am Karfreitag im Gebet Jesu in seinem Leiden und am Kreuz. Er, der leidende Gottmensch, hat für uns gebetet, dass wir stark bleiben, er hat um Vergebung gebetet.
Wenn Jesus von seinen Jüngern oder von den Schriftgelehrten eine Frage gestellt bekommt, dann antwortet er oft mit einer Geschichte. Vielleicht sollten wir uns auch mehr Geschichten erzählen, wo wir Gottes Barmherzigkeit erfahren. Dann gilt es Zuhören und dann gilt es den Mut zu haben, sich mitzuteilen. (Geschichten erzählen ist auch eine Hilfe gegen Demenz).
Zum Schluss des Gleichnisses vom ungerechten Verwalter bekommen wir von Jesus drei Aufträge mit auf den Weg: Vergebung. Vergebung. Und: Vergebung. 

Sonntag, 18. Februar 2018

friedliebend, rein und gerecht - Jesus und die Geschwister Scholl

Die erste Lesung aus der Genesis und das Evangelium stellen uns heute jeweils einen Ort der totalen Lebensfeindlichkeit vor. Die Flut, aus der nur Noah und seine Familie heil herauskommen und die Wüste, die - wenn man mal vom Disneyklassiker „Die Wüste lebt“ absieht, zutiefst menschenfeindlich erscheint.
Nach dieser Probe, die Noach gut überstanden hat - er hat ja Gottes Auftrag erfüllt und die Arche erbaut, die auch Jesus gut überstanden hat, findet jeweils ein Bund statt: Gott schließt einen Bund mit Noah und Jesus beruft seine ersten Jünger. 
Besonders schön finde ich, dass Tiere in beiden Erzählungen nicht außen vor gelassen werden. Sie haben ja einen Platz in der Arche. Und auch in der Wüste bei Jesus kommen sie zu Ehren: „Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“ Hier wird auch noch mal die Ganzheitlichkeit des göttlichen Plans deutlich; Gott ist Herr der ganzen Schöpfung inklusive unseres Leibes, der Tiere, der Planzen usw. 
„Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.“ Als ob es das natürlichste von der Welt wäre, dass man bei den wilden Tieren lebt und dass einem Engel dienen.  
Hier wird deutlich wie friedliebend der Herr ist. Wie rein und gerecht der Herr ist. Und das in der Lebensfeindlichkeit der Wüste. Darum kann der Versucher ihm in der Wüste nichts anhaben.  
Heute genau vor 75 Jahren hielt Goebbels seine grausame Rede im Sportpalast in Berlin. Die berühmte Frage „Wollt ihr den totalen Krieg?“ und vor allem die begeisterte Antwort der Menge lässt einem heute den Schauer über den Rücken laufen. 
(Krieg ist das Bild für Lebensfeindlichkeit schlechthin)
Das war alles genau geplant und die Soldaten in den Schützengräben und die Familie in den Wohnzimmern lauschten dieser Rede. Und viele, die den brutalen Krieg eigentlich bisher abgelehnt hatten, waren begeistert von dieser Sportpalastrede. 
109 min lang war die Rede und Goebbels beschwor Pathos und Feindbilder. Die Rede war in Teilen aber sogar demütig, so gestand Niederlagen ein und somit war es diesem Verführer möglich auch bisherige Kritiker zu umschlingen. 
Propaganda <— darin waren die Nazis spitze. Sie verstanden es Massenmedien zu benutzen, die Meinungen zu verbreiten und Einschüchterung auszuüben. 
Und auch heute ist keiner gefeit vor gemachter Meinung. Ich bin da immer äußerst kritisch, wenn jemand andeutet, er hätte vor 75 Jahren nicht mitgemacht und damit unterstellt, die Bösen sind immer die anderen.
Adam schiebt es auf Eva und Eva schiebt es auf die Schlange. Altes Spiel - neue Akteure. 
Am selben Tag als Goebbels seine teuflische Rede in Berlin hielt, verteilten die Geschwister Scholl in München das letzte Mal ihre Flugblätter; sie wurden heute vor 75 Jahren ertappt, verhaftet und weniger später verurteilt und geköpft.
friedliebend, rein und gerecht <— so würde ich die Mitglieder der Weißen Rose auch bezeichnen. 
Hans Scholl und Sophie Scholl - zwei evangelische Christen, Alexander Schmorell, ein orthodoxer Christ, der von seiner Kirche inzwischen heilig gesprochen wurde, Christoph Probst, der sich vor seiner Hinrichtung taufen lies und  Willi Graf, ein katholischer Christ.
Sie und viele andere Widerstandskämpfer waren nur eine Minderheit - auf der anderen Seite: Propagandamaschine, die Kriegsbegeisterten und die unzähligen Mitläufer. 
Das Besondere an den Widerstandskämpfern war auch, dass sie sich nicht rausredeten und in einer Klarheit für ihre Taten standen. Gerade Sophie Scholl ist ja dafür bekannt, dass sie in Verhören die Verantwortung für ihr Tun getragen hat. Soweit ich informiert bin, hat keiner der Mitglieder der Weißen Rose irgendwelche Namen ausgeplaudert. Jeder war für sich selbst verantwortlich. 
Dies ist sicherlich das Geheimnis eines starken Herzens, das in der Versuchung standhält.

  • Gottes Geist ist es, der Jesus in die Wüste führt. Das heisst auch, dass Gott es zulässt, dass sein Sohn in der Wüste vom Teufel versucht wird.
  • Gottes Geist ist es, der uns in diesen Vierzig Tagen begleitet. Durch Verzicht, Gebet und Gute Taten mögen wir Klarheit, Reinheit und Gerechtigkeit gewinnen. 
  • Gottes Geist ist es, der Jesus in die Wüste führt und da sind wir dabei. Wir alle gehören ja zum Leib Christi und wenn Jesus, der Christus, gegen die Versuchung Satans standhält, heilt, stärkt und schützt er auch uns, wenn der Teufel bei uns verführerisch anklopft.

Also in Jesu Namen - geh-mas-an. 

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Dienstag, 13. Februar 2018

Fatimawallfahrt 2018

Predigt zur Fatimawallfahrt am 13. Februar 2018
Liebe Freunde der Gottesmutter.
Im Jahr 2000 habe ich im Klösterle der Franziskaner in Wangen im Allgäu meine Erstprofess abgelegt. Neben meiner Familie und meinem Hausarzt waren auch alte Freunde aus meiner Schulzeit zugegen. Wir lagen nachts um kurz vor elf alle schon im Bett in einem Mehrbettzimmer (das war ja kein mondänes Kloster) und waren eigentlich alle noch hellwach. So beschlossen wir spontan eine nächtliche Fußwallfahrt nach Wigratzbad zu machen. Unter einem herrlichen Sternenhimmel gingen wir durch den Schnee und kamen dann auch irgendwann vor oder nach Zwölf Uhr an. Uns war klar, dass man nachts zumindest im Außenbereich beten konnte. Aber - Überraschung - die Gnadenkapelle „Unserer lieben Frau vom Sieg“ neben der großen modernen Wallfahrtskirche hatte noch offen und da war eine nächtliche Anbetung der Petrusbrüder
Eine alte Tradition, dass man in Klöstern über Fasching 72 h betet, während an anderen Orten 72 h durchgesoffen wird. 
Mir ist dieser Sühnegedanke der Kirche vielleicht oft fremd, aber in dem Moment, wo ich da die Kirche offen sah und damit den Himmel offen, war ich unheimlich dankbar, dass ich katholisch bin. 
Und vielleicht ist das auch der Kern des Sühnegedankens, dass x für y betet und dass ein Gebet nicht unerhört bleibt. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle nicht hier wären, wenn nicht irgendwo irgendwer für uns gebetet hätte. 
Gerade auch geistliche Berufe hängen am seidenen Faden und es gilt für sie zu beten. „Herr, stärke den Pater in seiner Berufung.“ So wie wir in unserm Chorgebet täglich in Ihren Anliegen beten, beten Sie auch bitte weiter für uns. 
Nun ist Berufung etwas typisches für uns Christen. Es war Bischof Wilhelm Krautwaschl, der kürzlich zur 100-Jahr-Feier des Canisiuswerkes betont hat, dass jeder Mensch berufen ist. 
Wo hat den Berufung in unseren Zeit noch seinen Platz? Berufung in diesen modernen Zeiten ist etwas sehr Eigenartiges. Auf der einen Seite betonen wir heutzutage die Freiheit des Menschen. Jeder darf alles, hat das Recht alles selbst zu bestimmen und zu werden. Und auf der anderen Seite scheint der Mensch furchtbar vorherbestimmt durch soziale Prägung, Hirn oder Gene. 
Dann steht dieser Begriff, der doch eigentlich so entscheidend ist für unser Leben als Ordensmann oder Christin und Christ, zwischen Freiheit und Determinismus.
Sicher sind Sie als Benediktiner oder als Christ des Jahres 2018 ganz an meiner Seite, wenn ich sage: Der Ruf von Gott ist immer ein Ruf der Leben ermöglicht.

Samstag, 10. Februar 2018

Faschingspredigt 2018

Faschingspredigt 2018

Liebe Kranke und Gesunde,
heute bring´ ich euch eine sich reimende Kunde. 
Die heutigen Texte - ich muss es sagen -
erinnern mich an manche Plagen:
Ob Krebs, ob Grippe, ob Krankheiten am Herz,
das alles ist ein Riesenschmerz.
Ob unheilbar oder nur ein paar Vieren,
Krankheit kann einen ins Abseits manövrieren.
Man gehört dann nicht mehr zu den Fitten
und muss den andern um Hilfe bitten.
Das fällt mir persönlich oft ordentlich schwer,
mein Bruder kann nur raten, was ist mein Begehr.
Doch meist, wenn ich mich ihm anvertrau´,
ich nicht umsonst auf Hilfe bau. 
Wenn der Kranke bittet, hat Gott ein offenes Ohr.
Im Evangelium kommt er nicht nur am Rande vor.
Der Herr sieht den Menschen und nicht die Defizite
und nimmt den Kranken in die Mitte. 
Gerade für ihn sind Jesu Arme offen
und er darf bei ihm schon wieder hoffen.
„O, schenk uns Heil auch in diesen Tagen“,
oder haben sich die Wunder nur früher Mal so zugetragen?!
Heute vor 160 Jahren - ich sag es Ihnen -
ist Maria der Bernadette in Lourdes erschienen.
Mit dieser Erscheinung wird mir eines klar:
Jesus und Maria sind für Kranke da.
In deren Herz haben sie ihren Platz
und so sind sie auch der Kirche Schatz.
Aber auch jeder von uns darf sein Scherflein tun
und kann sich nicht rausreden und ausruh´n. 
Es ist unsere Aufgabe an Kranke zu denken
und ihnen unsere Hilfe und Nähe zu schenken.
Doch auch den, der manche Qualen durchlitten,
muss ich in meiner Predigt bitten:
Das Sudern darf nicht dein Leben bestimmen,
weil du so den Berg der Heiligkeit nicht kannst erklimmen.
Auch kranke Menschen dürfen lachen
und dabei darf das Zwerchfell krachen.
Viele Kranke von Jesus Heilung empfingen
und jetzt können sie von echter Veränderung singen.
Eben war das noch der bedauernswerteste Mann auf Erden;
jetzt bringt er hunderte Menschen zu Jesus mit deren Beschwerden.
Mit Christus bleibt im Leben nicht alles beim Alten.
Von Ihm lassen wir uns zu neuen Menschen gestalten.
Dann lasst uns nach dem Heil neu streben,
das in den Sakramenten uns gegeben,

empfangen stets neu sein Erbarmen,
mit dem er uns begegnet. Amen.

Texte von der Sonntagsmesse
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Sonntag, 21. Januar 2018

Jesus duldet keinen Aufschub

Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis B (2018)
Am Freitag fand in Washington der alljährliche March for Life statt, bei dem jedes Jahr viele Menschen für das ungeborene Leben demonstieren. Die Kleine Zeitung schreibt: „US-Präsident Donald Trump hat Tausenden Abtreibungsgegnern in Washington den Rücken gestärkt.“ (Quelle)
Wieviel sind Tausende? 6000? 20.000?
Laut kath.net waren es 500.000 Menschen. (Quelle)
Sollte es wirklich eine so große Zahl sein, dann wäre es doch wert darüber zu berichten?! Wenn es Trump-Gegner gewesen wären, die für Abtreibung oder für die Schwulenehe auf die Straße gegangen wären, hätte ORF und Co sicher viel breiter darüber berichtet. Aber dieses kleine ungeborene Kind interessiert doch in Wirklichkeit keinen und man kann es mit Chemie oder Sauggerät problemlos in den Mistkübel befördern.

Ich habe dann versucht herauszufinden, wieviele Teilnehmer wirklich beim „march of life“ waren. Man findet da wirklich nicht viel im Netz. A bisi auf Zahlen ist man da schon fixiert. Und man kennt das Jahr von einheimischen Demonstrationen: „Die Polizei sprach von 30.000 Teilnehmer, die Organisation von 70.000.“ Ich bin mir nicht im Klaren darüber, warum man sich heutzutage so schwer tut, Menschen zu zählen?!
Man gibt sich doch immer so aufgeklärt. Da ist dann so lustig, wenn man die Zahlen der Bibel kritisiert und das für unrealistisch hält und es dann selber nicht schafft, Teilnehmer von irgendeiner Demo zu zählen. 
Die Zahlen der Bibel sind oft recht eigenartig. Speisung der Fünftausend etwa. Oder wenn irgendeine Schlacht im Alten Testament ist und da wahrscheinlich die richtige Zahl rauskommt, wenn man durch 10 oder gar 100 dividiert.
Heute auch wieder so eine Zahl: „Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.“

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Sieg des Lammes

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis B (2018)
Horror hat bei vielen Menschen weiter Hochkonjunktur. Egal ob Vampirjäger, Zombies oder Kontakte zum Jenseits. Viele Menschen lieben das Grauen. Es gibt in vielen Horrorfilmen eine andere Welt und dann gibt es da gewisse Tore und Verbindungen, durch die man Kontakt mit dieser Welt aufnehmen kann oder sogar von unserer Welt in diese Anderswelt kommen kann.
Fürchten brauchen wir uns als Christen nicht. Und ich will hier auch keine Werbung für Übersinnliches machen. Unsere Jenseitsvorstellungen sind hoffentlich eher positiv geprägt: Ich denke an Abrahams Schoss, ein Urbild der Geborgenheit, an das himmlische Hochzeitsmahl oder die totale Gegenwart Gottes, Ganz im Sinne von: Die fetten Jahre kommen erst.
Ganz anders aber dies Anderswelt in den Horrorfilmen. Ein Ort, wo man nicht hin will, wo der Mensch gefangen gehalten wird und alles Positive in uns klein gemacht wird. Eher mit unserer Hölle zu vergleichen.
Samuel erhält einen Ruf. Eine Stimme vernimmt er plötzlich und ordnet sie dem Priester Eli zu. Immer wieder wird er von dieser Stimme, die ihn beim Namen nennt, geweckt.
Was ist das für eine Macht, die irgendetwas von ihm will?
Dem Priester Eli fällt es schließlich beim dritten Mal ein, dass sie sich ja im Tempel Gottes befinden und dass es ja durchaus Gott sein könnte, der hier spricht.
Der Priester (!) war schon so weit von Gott entfernt, dass er so was zuerst gar nicht in Betracht gezogen hat.
Im Christentum spricht man von Berufung und meint damit, dass Gott jedem von uns zu verstehen gibt, schau her, hier ist dein Platz in dieser Welt. Hier will ich dich haben.
Wir hörten ja heute nicht nur die Berufung des Samuels, sondern auch die Berufung der ersten Jünger.
Diese erste Stelle, wo ich spüre, hier ist Gott, hier bin ich ihm nahe, scheint irgendwie eine Rolle zu spielen; schließlich ist sie bei jedem der Propheten erwähnt.
Vielleicht ist das bei ihnen ein Ort, die Gegenwart einer Person oder ein tröstender Gedanke, der Ihnen tiefen Frieden bereitet hat.
Das ist dann vielleicht verbunden mit einem ruhigen Atem, einer inneren Freude und diesem Gefühl angenommen zu sein.
Vielleicht sollte unser Gebet auch darin bestehen, dass wir immer und immer wieder zu diesem guten Ort, zu dieser guten Zeit zurückkehren. Das geht vielleicht räumlich gesehen oder weil die Person, die mir zuerst von Gott erzählt hat, bereits tot ist, nur gedanklich. Aber wir sollten es tun. Weil es uns festigt und weil diese erste Liebe in uns so stark ist und uns im Leben weiter und weiter bringt.
In den Evangelien wird oft berichtet, dass Jesus sich zurückgezogen hat, um zu beten und einmal wird auch berichtet wohin er geht:
Dann ging Jesus wieder weg auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er. Joh 10, 40
Dieser Moment, wo der Himmel sich geöffnet hat und eine Stimme aus dem Himmel zu Jesus gesagt hat: Du bist mein geliebter Sohn. <— das lässt ihn nicht los. Das muss er immer und immer wieder meditieren…
Ähnlich die Jünger, die Jesus am Jordanstrand zuerst sahen; diese erste Begegnung mit dem Messias prägt sich bei ihnen ein. Das wird deutlich, weil im Evangelium sogar die Stunde erwähnt wird, in der sie bei Jesus einkehrten.
es war um die zehnte Stunde. Joh 1,39
Komischerweise ist das bei den Horrorfilmen und bei jeder guten Psychotherapie auch so: Man muss zurück, an den Anfang, wo alles begann. Das ist dann allerdings keine gute Erinnerung, da ist etwas Krankes, etwas Böses, das Raum gewonnen hat. Und das gilt es zu besiegen.
Und hier ist er: Der Sieg des Lammes.
Natürlich kann man versuchen heroisch gegen das Böse anzukämpfen, aber früher oder später kommt der Mensch an seine Grenzen. Der Sieg des Lammes Jesus Christus ist der Sieg der Demut, der Niedrigkeit.
Da dürfen wir uns auch nochmal an das Weihnachtsfest erinnern, wo Gott Mensch wurde und sich erniedrigt hat. Da dürfen wir uns an Karfreitag und Ostern erinnern, wo Gott in Jesus Christus gelitten hat, gestorben ist und in alle Tiefen der Hölle hinabgestiegen ist und uns wirklich frei gemacht hat.
Liebe Schwestern und Brüder, beten wir auch immer wieder um Befreiung für uns und die ganze Welt.
 
Herr, himmlischer Vater: durch deine ewige Liebe, die dich neigt zu der menschlichen Natur: neige dich in mich!
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Samstag, 13. Januar 2018

Kirche - die Herausgerufenen

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis B
In Österreich gibt es 3400 Ordensfrauen und 1700 Ordensmänner. Wir reden immer darüber, dass die Zahl stetig abnimmt, aber vielleicht sollten wir uns an dieser Stelle einfach mal freuen, dass es so viele Männer und Frauen gibt, die ihr "Ja" gesprochen haben. Sie alle haben bei ihrem Gelübde diesen Satz der Bereitschaft gesprochen, den eben auch der heilige Prophet Samuel gesagt hat: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“(siehe erste Lesung vom Sonntag)
Diese mir ursymphatische Geschichte des jungen Samuel (1 Sam 3) zeigt, dass unser Glaube nicht einfach ein Gerüst aus Ge- und Verboten ist, sondern dass es dabei um eine lebendige Beziehung zwischen mir und meinem Gott geht. Diese zwei kurze Sätze des Samuel drücken so viel über uns und unsere Bereitschaft gegenüber IHM (Finger des Predigers deutet nach oben) aus.
„Hier bin ich“ - der erste kleine Satz ist schnell gesagt und doch oft nicht so gemeint. Körperlich hier, aber geistig abwesend. <-- das kennt jeder Lehrer, der eine Schar Schülerinnen vor sich sitzen hat. „Hier bin ich!“ - ganz da sein. Das ist überhaupt erst die Voraussetzung bevor ich meine Hände zum Gebet erhebe. In der Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt wird dieser auch als ein Mann beschrieben der ganz bei sich selbst ist. (--> Text aus der Abtei Kornelimünster). Jesus sagt ja in Lk 17,21 dass das Reich Gottes mitten in uns drinn ist.
Unsere Heimat ist in uns selbst. Wenn wir die Ruhe, die wir mit Gott in uns selbst haben, verlassen und vergeuden, müssen wir hungern. (Zitat aus einem Text des Stiftes Neuburg, der jetzt nicht mehr online ist)
Und erst jetzt kann der zweite Teil kommen: das Du. Ich kann standhaft mit meinen Mitmenschen Beziehungen eingehen. Kann mich Gott zuwenden. Kann auf ihn hören. Und der junge Samuel sagt: „Du hast mich gerufen.“ Ja, ich weiß, er spricht diesen Satz zu Eli. Dennoch ist die Haltung Samuels, die wir einnehmen sollen. Zu wissen, dass wir gebraucht werden. Dass jemand etwas von uns erwartet. Das ist eine sehr wichtige Erfahrung. Gibt dem Leben Sinn.
„Du hast mich gerufen!“ Das kann heute jeder von uns zu Gott sprechen. Wir sind die von Gott Herausgerufenen. Bitte, liebe Brüder und Schwestern. Lasst Euch das einmal auf Eurer Zunge zergehen: „Die von Gott Herausgerufenen.“ Das ist die wortwörtliche Übersetzung des griechischen Wortes Ecclesia - und das bedeutet ja nicht anderes KIRCHE.
Man spürt also, was es mit dieser Kirche auf sich gehabt hat und hoffentlich noch hat. Dass die verschiedensten Menschen sich gerufenen/ berufen gefühlt haben von Gott. Dass sie ihren Arbeitsplatz, ihre Mietwohnung, ihren Bauernhof verlassen haben, um gemeinsam zu Gott zu beten - so sind wir heute morgen die ECCLESIA von N. Die von Gott Herausgerufenen.

Was ich auch sehr eindrücklich an der Geschichte Samuels finde, ist die Tatsache, dass auch Gott auf den Menschen hört. Das Volk fordert nämlich einen König. Sie wollen so sein wie alle Völker. Das war nicht Gottes Plan. Aber er lässt es zu. (sechs Kapitel später 1 Sam 9).

Gott nimmt also sein Volk als Bundespartner ernst. Diese Zuwendung Gottes findet ihre Fortsetzung im heutigen Evangelium. Jesus fragt seine zukünftigen Jünger ganz direkt: „Was wollt ihr?“ (Joh 1,38) Er überfährt sie also nicht einfach mit seinen Gesetzbuch.
Naja, die Antwort der beiden, hört sich jetzt nicht so gut überlegt an. Sie können es nicht ausformulieren. So geht es uns vielleicht auch oft, wenn wir auf unseren Glauben angesprochen werden. „Meister, wo wohnst du?“ ABER sie wollen IHN kennenlernen. Sie wollen bei IHM sein.
Hier begegnen wir dem urkatholischen Prinzip der Anbetung. Einfach bei IHM sein. Das wollen wir heute Abend.
Vielleicht ergeben sich im neuen Jahr Chancen für uns, dass wir ähnlich wie Eli oder Andreas andere Menschen zu Gott führen können. Ihnen begreifbar machen, dass er der GOTT-MIT-UNS ist. Und dann gehen diese Mitmenschen ihren eigen Weg mit Gott so wie Samuel und Petrus.
Amen.

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"Habitare secum – Bei sich selbst zu Hause sein" von Daniel Tibi OSB
ADSUM - Ein Film zum Priesterjahr (youtube)
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