Samstag, 9. Februar 2019

das Heilige neu entdecken - meine Sonntagspredigt

Das Obere Ennstal unterscheidet sich von unserer Region in einer markanten Sache: Die Leute dort sind alle miteinander perdu. Ich muss da immer an einen sehr kräftig gebauten Franziskaner denken, der als Aushilfe mal in irgendeinem Tiroler Bergdorf erschien. Er stand in der Sakristei und versuchte sich anzukleiden. Da kam ein kleiner Ministrant zu ihm. Umrundete ihn neugierig und fragte: „Bischd des alles Du.“
Wenn man „Auf Du“ ist wahrscheinlich vieles ziemlich unkompliziert. Schwierig wird es vielleicht dann, wenn man jeden und jede nur noch als guten Kumpel sieht und es kann dann ein gewisse Abflachung der Beziehungen stattfinden.
In den heutigen Texten des Tages wird die Autorität Gottes und seines menschgewordenen Sohnes besonders deutlich. ER ist eben nicht einfach ein guter Kumpel oder das liebe Jesulein. Er ist Gott. 
Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Jesaja 6,3
Und gegenüber diesem heiligen Gott stehe ich in meiner Kleinheit und Unbedeutsamkeit. Das wird heute bei der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja, des Völkerapostel Paulus (Paulus übertreibt es gar noch und benutzt das drastische Wort. „Missgeburt“) und des Apostelfürsten Petrus deutlich. Beide ja keine Nebenakteure der Heiligen Schrift, sondern zentrale Gestalten. Aber eben erst einmal Sünder. Und dann Sprachrohr Gottes und Menschenfischer. 
Deshalb steht doch am Beginn der Heiligen Messe das Schuldbekenntnis und das Kyrie Eleison (Herr, erbarme dich) und dann kommt erst mit der Wandlung und der Kommunion unsere Vergöttlichung. Step by Step. 

Dieses Heilige an Jesus Christus wird für mich auch in diesem Abstand deutlich. Er fährt mit einem Boot raus und predigt von dort dem Volk. Das ist wahrscheinlich auch eine praktische Sache, damit er nicht von den Leuten überrannt wird und lehren kann. Aber dieses Boot ist eben auch eine Katheder, ein Lehrstuhl. Und wir sind Schüler und Schülerinnen oder in diesem Fall besser: Hörende. 
Ich muss zugeben, dass ich noch in einer Zeit aufgewachsen bin, wo der Lehrer leicht erhöht seinen Schreibtisch im Klassenzimmer hatte. 

Natürlich muss dieser Sinn für das Heilige innerlich und äußerlich sein. Wenn ich laufend als Mönch nur im Sitzen bete, dann vollziehe ich nicht mit meinem Körper, was ich auf den Lippen oder in den Gedanken habe. Ich Gedachte darf gar nicht ganzheitlich werden. Ja, wir reden beim Essen und beim Müllvermeidung von Ganzheitlichkeit, aber unser Glaube ist dann oft nur in den Gedanken oder höchstens noch auf den Lippen. 
Umgekehrt kann es natürlich auch gehen, dass ich ohne Andacht Kniebeuge, Kreuzzeichen oder gar Kommunionempfang mache. Alles ist dann nur noch eine Hülle, die mein inneres Heidentum versteckt. 

Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. Ich denke an den Altarraum, die mögliche Beleuchtung unserer Haller Kirche, die vielen Kapellen und Marterln, die sich gerade jetzt mit dem Schnee wunderbar in diese herrliche Landschaft einfügen und uns zeigen ER ist unter uns. 
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In jedem menschlichen Angesicht. Im täglichen Miteinander. In dem der mir hilft, aber auch in dem, dem ich helfe, begegnet mir Gott.
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In unserer Gebetshaltung. Im Stehen, wenn ich mich von Gott gesegnet und gesendet fühle, im Knien, wenn ich mich einfach nur klein machen will vor dem Allmächtigen. Im Verneigen, wenn ich Gott oder meinen Mitmenschen ihre Würde erfahre…

Sonntag, 20. Januar 2019

Predigt - Einheit und Hingabe

In dieser Woche betet die Kirche besonders um Einheit. In viele Konfessionen ist die Kirche und damit der Leib Christi gespalten. Und wenn wir von Einheit der Christen sprechen, schauen wir auf die ganze Welt. Nicht nur auf unser kleines Österreich, sondern auf alle Regionen der Welt. ZB auf Lateinamerika, wo vermehrt evangelikale Gemeinschaften der katholischen Kirche das Wasser abgraben. Ich möchte lernen von den Evangelikalen, da sie die Anbetung Gottes und den Lobpreis so ernst nehmen. Leben und Glauben sind nicht getrennt, sondern ein Leben aus dem Glauben, dass Jesus HERR ist, soll bestimmend sein. 
Ich denke heute besonders an die orthodoxen Christen in Russland und der Ukraine. Seit zwei Wochen gibt es eine furchtbare Spaltung zwischen Russland und dem Rest der orthodoxen Welt inklusive der Ukraine. Ich möchte nicht, dass Nationalismus entscheidend ist für meinen Glauben.  Bei den Orthodoxen formt die Kirche die Nation und die Nation die Kirche. Nö, das will ich nicht.
Und doch können wir lernen, dass wir Traditionen als Katholiken in dieser unserer Alpenrepublik hochhalten und so ein ganz eigenes fröhliches, christliches Profil schärfen. Wir können lernen von den Orthodoxen, dass Liturgie nicht irgendeine Spielerei ist oder zum belanglosen Gelaber verkommt. Liturgie ist bei den Orthodoxen immer göttlich und Teilhabe an der himmlischen Anbetung Gottes. So what?! 
Ich denke auch an alle Christen im Nahen Osten. An die seit Jahrtausend dort lebenden Christen, die ihre angestammte Heimat verlassen mussten. An die vielen Hausgemeinden ZB im Iran, wo man inzwischen schätzt, dass 800.000 Iraner Christen sind. Einer geschützten Minderheit angehörend oder heimlich, weil die Konversion zum Christentum mit dem Tod bestraft wird. (Quelle: opendoors)

Wenn sich ein Afghane entscheidet CHRIST zu werden, wird er in aller Regel von seiner gesamten Verwandtschaft, von seinen eigenen Eltern und Schwestern und Brüder verstoßen. Geächtet.  (Quelle: opendoors)

Ich denke heute an die tausenden Muslime, die Christen werden wollen, aber sich nicht taufen lassen, weil sie sonst geächtet oder gar getötet werden.
Hat mein christlicher Glaube eigentlich irgendeine Konsequenz oder lebe ich unter der Woche als ob Gott nicht existiert? 
Auffällig im heutigen Evangelium ist wie Maria sich zurückstellt. Wie sie einfach auf ihren Sohn verweist. „Was er euch sagt, das tut!“ 
Und dann steht da die klare Aussage Jesu: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Gleich zu Beginn des Johannesevangeliums weist Jesus somit auf die Stunde seiner Hingabe hin, wo er sich ganz für uns hingibt. Wie die Traube in der Kelter wird er für uns zermalmt. 
Und was am Ende heraus kommt ist ein Getränk der Freude. Ewige Freude durch göttliche Hingabe. 
Gestern war das Requiem und Begräbnis für unsere Schwester Gertraud in Steinerkirchen. Da waren 14 Admonter Patres versammelt und die Gemeinschaft der Schwestern, die halt zum Teil schon älter sind. Abt Gerhard hat eine sehr persönliche, dankbare Predigt gehalten.
Für mich ist ein Requiem immer eine Feier, wo man den Lebenslauf des Menschen vorliest und somit das Leben des Menschen Gott anempfiehlt - mit allen Höhen und Tiefen.
Der Admont Kirchenchor hat dabei das Admonter Krippenlied gesungen. Das hatte sich Schwester Gertraud gewünscht. Und Sie können sich vorstellen, dass das herzaufweichend war. Ich bin in diesem Moment dahingeschmolzen, weil es die verstorbene Schwester mit ihrem Wunsch geschafft hat, dass auch ich heuer das bekannte Krippenlied hören durfte. 
Für mich war dieses Geschenk des Kirchenchores auch ein Geschenk an die Schwesterngemeinschaft. Ihr habt uns Schwester Gertraud gegeben, wir geben euch als kleines Dankeschön das beste was wir haben. Ein Lied über die Geburt des HERRN. 
Es geht um Hingabe. Gott gibt sich uns hin. 
Jesus, wandle Du mein Wasser der Trübsal in Freude.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Vergeblichkeit in Treue.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Ängstlichkeit in Tapferkeit.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Frustration in Lebensmut.

Sonntag, 13. Januar 2019

Predigt zu Stephen Hawking und die Taufe des Herrn

Letztes Jahr verstarb der britische Astrophysiker Stephen Hawking. Er ist mit Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. Und Franziskus gleich vier Päpsten begegnet und wurde Mitte der 80er in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Und das als bekennender Atheist. Für Stephen Hawking war es erwiesen, dass Gott nicht existiert und das begründete er gerade auch mit dem Anfang des Universums. So erforschte er die Schwarzen Löcher, in denen ganze Sonnensysteme verschwinden können. Und dann ging es ihm wohl darum, dass er die Sache einfach umgedreht hat. Aus eben so einem schwarzen Loch (oder etwas ähnlichem?!) entstand umgekehrt unser Universum. Und ein schwarzes Loch kennt den Zeitbegriff nicht. Also kann ohne diese Zeit eben auch kein vorher gewesen sein. Es gab diese Zeit der Welterschaffung nicht, weil eben alles aus Nichts entstanden ist. 
(Dass so ein scharfer Denker in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, verwundert. Aber für uns als Christen ist es wichtig, dass wir uns der Diskussion stellen und nicht alles mit dem frommen Denkmäntelchen verhüllen.) 
Gestern hat mir mein alter Freund Rudi aus St. Gallen eine Nachricht geschickt, wo ein Mensch den Unterschied zwischen Wissenschaft, Theologie und Esoterik erklärt. Ein Wissenschafter vermutet im Kühlschrank ist noch Bier. Aufgrund dieser Vermutung schaut er nach. Das ist Wissenschaft. 
Im Unterschied zur Theologie. Da werden Vermutungen nicht überprüft. Ich sage einfach, im Kühlschrank ist Bier, aber ich überprüfe es nicht. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschafter. Wenn ich nachschaue, kein Bier finde, aber dann trotzdem behaupte, es wäre Bier drin, dann bin ich Esoteriker. 
😅 Diese kleine Geschichte lässt die Theologie noch relativ gut wegkommen.
Für einen Atheisten ist es meistens klar, dass Glaube lediglich Wunschdenken ist. Ähnliches ja auch der Religionskritiker Ludwig Feuerbach. So lassen wir einfach mal einen Atheisten das heutige Evangelium lesen. Er würde sagen, dass das Volk „voll Erwartung“ ist und dann diese Erwartung auf Jesus projiziert. Sie sagen dann: Er ist es der, der uns rettet. 
Ebenso kann man diese Stimme aus dem Off deuten. So sehnt sich ja der Mensch, angenommen und geliebt zu sein. Und diese tiefe Sehnsucht des Menschen findet dann ihre Antwort in der Zusage aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn.“ 
Gerade an der Taufe Jesu im Jordan scheiden sich die Geister. Schon im 2. Jh. gab es Leute die sagten, schaut euch die Taufe Jesu an. Da wird der Mensch Jesus von Gott adoptiert.  Vorher war er ein ganz normaler Mensch. (Adoptionismus) 
Vielleicht baut ein Rudolf Steiner oder der Gründer des Islams auf eben diesen Gedanken auf. 
Doch zurück zu Stephen Hawking und dem Beginn des Universums. Denken wir noch einmal an das Nichts, das am Anfang war. Ein Nichtort. Eine Nichtzeit. Eine Nichtordnung. Es gab in diesem Anfang keine Naturgesetze. Und wir würden diesen Ort vielleicht auch als Chaos bezeichnen. 
Diesen Anfang nennt die Bibel ja ähnlich: 
„1. Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. 2. Und die Erde war tohu wa-bohu.“ Der hebräische Begriff bedeutet nach Luther „wüst und leer“. Dabei bezeichnet tohu die „Öde“ oder „Leere“, wa bedeutet „und“ und bohu drückt die Bedeutung von „ungeordnet sein“ aus.[1] Die Einheitsübersetzung gibt die Stelle mit „wüst und wirr“ wieder (Genesis 1,2 EU). In der Neuen evangelistischen Übersetzung wird die Stelle mit „Die Erde war formlos und leer“ wiedergegeben. Die Übersetzung Martin Bubers und Franz Rosenzweigs (Die Schrift) gibt nicht die wörtliche Bedeutung wieder, sondern überträgt das Stilmittel: „Irrsal und Wirrsal“. (Quelle - wiki)
Gerade in diesem Schneechaos kann man sich vorstellen, was das ist.
Und der Schöpfungshymnus am Anfang der Bibel erklärt ja, wie die Ordnung - die Lebensordnung - in dieses Chaos gekommen ist und wie der Mensch durch seine Sünde diese Ordnung zerstört hat.
Jetzt in der Taufe Jesu erscheint diese göttliche Ordnung wieder. 
Auf dass es zum Guten gereicht. Auf dass es gut wird. 
Die Taufe des Johannes funktioniert ja so, dass der Mensch hineinsteigt ins Wasser und dann rein gewaschen wird. Beim Gottmenschen Jesus ist es anders. Er, das makellose Lamm, steigt in das Wasser und heiligt es. Er heiligt und ordnet die Schöpfung neu. 
Man merkt hier, dass es nicht um eine Selbsterhöhung des Menschen geht; es geht nicht darum, dass wir um unserer selbst willen erhöht werden, sondern, wenn wir mit Jesus sind, dann sind wir neue Schöpfung und lassen uns mit ihm hinziehen zum himmlischen Vater - zum Guten
Ich stehe doch nicht hier, weil ich als Kirchenmann die unten alle unter meiner Fuchtel haben will. Ich verkünde die  Gotteskindschaft. Als Kinder Gottes sind wir befreit und können durch gute Worte und Werke mitwirken an der neuen Schöpfung.
Nein, das vermag ein Stephen Hawking nicht zu denken. Er will die DNA des Menschen verbessern (verschlimmbessern?). Er will Planeten erobern. 
Johannes der Täufer, der Bußprediger, und Jesus Christus, das Lamm ohne Fehl und Makel, sie wollen uns, wollen diese Schöpfung wie sie ist, erlösen und befreien. Amen. 

Dienstag, 8. Januar 2019

persönliches Gebet in der Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt

kurze Exhorte gehalten vor Abt und Brüder.
Ich hatte das Glück, dass ich in Heiligenkreuz studieren durfte. Mit Frater Rupert studiert ja inzwischen der vierte Admonter in Heiligenkreuz. Das ist für mich weniger ein Triumph, als ein Zeichen, dass den Bedürfnisse des einzelnen Rechnung getragen wird und dass ein österreichisches Kloster eine gewisse Weite besitzt. Sonst wäre ich nicht hier.
In Heiligenkreuz freilich ist das Gebetspensum ein anderes und auch die Form ist eine andere als hier bei uns. Und wenn ich von Pensum rede, meine ich natürlich das Officium, die heilige Pflicht, die uns auferlegt ist. 
Gerade im letzten Monat ist mir aufgefallen, dass es mindestens genauso das persönliche Gebet ist, in dem ich meine Beziehung zu Gott pflege, in dem der Herrgott mein Leben zum Blühen bringt. 
Die vermeintlichen Nebenschauplätze stehen in der Bibel vielleicht in Sätzen, die wir oft überlesen. Im heutigen Evangelium ist von der Speisung der Fünftausend die Rede und vom Sturm auf dem See. Aber wahrscheinlich steht der wichtigste Satz auch zwischen beiden Ereignisse: 
Nachdem Jesus sich von den fünftausend Männern verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. (Mk 6,46)
Ähnlich hat übrigens auch unser Ordensvater Benedikt gehandelt:
Q - Gregor der Große, Dialoge II, V. Kapitel: Wie auf das Gebet des Gottesmannes hinauf einem Berggipfel dem Felsen Wasser entquoll 
Mit liebevollen Trostworten entließ er sie; er stieg dann in der Nacht mit dem kleinen Placidus (…) auf den Berg und betete lange daselbst.
Im Gebetshaus Augsburg wird seit September 2011 ununterbrochen im Gebetsraum gebetet. 
In Liezen findet jeden 25. des Monats eine 24h- Anbetung statt.
Ich selber bin praktisch nie bei der Anbetung am Dienstagabend in der Stiftskirche zu sehen. Der Prediger predigt halt vor allem für sich. (an eigene Nase fassen). 
Q - Gregor der Große, Dialoge II, XI. Kapitel: Gebetsmatte in der Zelle Benedikts.
Q - XXXV. Kapitel: Er schaut die ganze Welt auf einmal, und von der Seele des Bischofs Germanus von Capua 
Als es Zeit zum Schlafengehen war, begab sich der ehrwürdige Benedikt in den oberen Teil des Turmes, (…)  Die Brüder ruhten noch, als der Mann Gottes schon wachte und vor ihnen das nächtliche Gebet begann. Er stand am Fenster und betete zum allmächtigen Gott. Während er so in frühester Stunde hinausblickte, sah er plötzlich, wie sich ein Licht von oben her ergoß, die ganze Finsternis der Nacht verscheuchte und so hell aufleuchtete, daß dies in der Finsternis strahlende Licht den Tag übertraf. Etwas sehr Wunderbares war mit dieser Erscheinung verbunden; es wurde ihm nämlich, wie er später selbst erzählte, auch die ganze Welt wie in einem einzigen Sonnenstrahl vereinigt vor Augen geführt. Indem der ehrwürdige Vater den Blick unverwandt auf den Glanz dieses Lichtschimmers richtete, sah er die Seele des Bischofs Germanus von Capua in einer feurigen Kugel von Engeln zum Himmel empor getragen.
Für mich ist diese Stelle aus den Dialogen eine der schönsten, weil hier Benedikt als Wächter erscheint. „oberen Teil des Turmes“ und „ Er stand am Fenster“. 
Und verzeiht mir jetzt bitte meinen Exkurs ins Franziskanische. Wächter = Guardian - so ist ja auch die Bezeichnung des Hausoberen bei den Minderen Brüdern. Der geistliche „Wächter“ beschreibt für mich eine Person, die aus dem Gebet lebt und so wie der ewige Vater mit ihm fühlt, leidet, sich freut, so kann der Wächter auch mit den anderen fühlen, leiden und sich freuen.
Und noch ein franziskanisches Bild: Es gab mal eine Tradition, dass unter der Kanzel des feurig predigenden Franziskanerpaters immer ein Bruder saß, der für den Prediger betete. So bringt eine Predigt keine geistige Frucht, wenn für den Pater nicht gebetet wird. 
Für mich ist da auch das Schuldbekenntnis der Messe und der Komplet so wichtig, wo wir füreinander beten. Oder auch unsere Namenspatrone, wo ich mir in der Stille im Chor manchmal den Spaß mache, die einzelnen Patrone der anwesenden Brüder anzurufen. Aber vielleicht ist es nicht nur ein Spaß und so was von sinnvoll.
Gerade das macht ja unseren christlichen Glauben aus, dass wir nicht einfach die Pflicht zu rituellen Gebeten haben und dann uns den Himmel erkaufen, sondern, dass wir eine lebendige Beziehung zu unserm himmlischen Vater pflegen - in Jesus Christus und wie Jesus Christus. 
Und natürlich machen wir das im Stundengebet und in der Messfeier; aber gerade im Besonderen tun wir das im Schweigen vor Gott. 
Ein tschechischer Priesterkandidat, der mit mir in Heiligenkreuz studiert hat und inzwischen Pfarrer in der Diözese Budweis ist, war mal bei uns zu Gast und war überrascht und angetan von der Stille, die wir nach der Schriftlesung im Chorgebet halten. Ich merke da auch an mir: Manchmal bin ich recht unruhig, aber meistens tut mir diese Stille sehr gut. Das ist eine liebenswürdige Eigenart unserer Gemeinschaft. 
Q - Letzter Satz des 2. Buchs der Dialoge:

Gregorius. Wir müssen jetzt die Unterredung ein wenig abbrechen; denn wenn wir auch von andern Männern Wunder erzählen wollen, müssen wir dazwischen durch Schweigen uns wieder Kraft zum Reden sammeln.
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Dienstag, 1. Januar 2019

Bedeutung des Kalenders für unser Leben

Der Mensch sehnt sich nach Ordnung. Man muss zugeben, dass ihm diese Ordnung die letzten Jahrtausende vor allem die Religion gegeben hat. Es waren Priester, die im alten Rom oder in anderen Ländern der Welt, den Kalender festgelegt haben. 46 vor Christus war es Julius Caesar, der den nach ihm benannten julianischen Kalender geschaffen hat.  1582 wurde dieser Kalender von Papst Gregor XIII. reformiert und angepasst. 
Heute übernehmen das freilich weltliche Institute. 
Die Bedeutung des Kalenders für unser Leben bleibt. Man braucht diesen Rhythmus der sieben Tage, des Monats oder des Jahres. 
Ich muss zugeben, was den Kalender betrifft, habe ich immer gedacht, wie toll wir Katholiken sind, dass die ganze Welt diesen Kalender von Papst Gregor XIII. übernommen hat, weil er einfach ziemlich fehlerfrei und zuverlässig ist. In der Tat rechnet ja die ganze Welt mit dem sogenannten gregorianischen Kalender. (Wird übrigens auch bürgerliches Jahr genannt) Im sozialistischen deutschen Staat hat man statt „nach Christus“ oder „vor Christus“ immer gesagt „vor unserer Zeitrechnung“ oder „nach unserer Zeitrechnung“. Diese Benennung hört man jetzt öfters. In Zeitungen oder Bücher. Man will ja schließlich „neutral“ sein und niemanden verletzten. Dass heisst, die DDR hat auch hier gesiegt. 
Die Kirche war bei der Einteilung der Zeit eher pragmatisch. So leiten sich die Namen der Monate und Wochentage größtenteils von heidnischen Kaiser oder Gottheiten ab. Saturday - Tag des Saturns. Freitag - Tag der germanischen Göttin Freya. Donnerstag - Tag des germanischen (Donner-) Gottes Donar bzw. Thor. August - Kaiser Augustus. Juli - Julius Caesar. 
Das hat man einfach so beibehalten, weil es wahrscheinlich schon so fest bei den Leuten verankert war. Man merkt also wie dieser römische Staat und wie heidnische Religionen, die es mal vor 2000 Jahren gegeben hat, bis heute Einfluss haben.
Vielleicht stimmt es auch, dass Erntedank und Sommer- und Wintersonnenwende einfach nur heidnische Fest waren, die die Kirche dankbar übernommen hat und entsprechend getauft hat. 
Das liegt einfach am dreifaltigen Gott, den wir Christen verehren und der in unsere Zeit und unseren Raum eingetreten ist und beides (Zeit und Raum) geheiligt hat.
Mehr noch: Er wurde in JESUS von der Frau Maria empfangen und geboren. Hat unsere sterbliche Natur angenommen. Und hat uns, die wir auf Grund unserer Sünde tot waren, zum neuen Leben auferweckt. 
Eine Ahnung davon, wie dieses neue Leben aussieht, bekommen wir bei der Krippe.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

die drei schiachsten Orte der Welt - meine Predigt zur Christmette

Es war ein Stall. Manche Forscher sprechen auch von einer Höhle. Außerhalb der Stadt kam Jesus zur Welt. Ein schiacher Ort. Jesus war außen vor. Wie ein Aussätziger. 
Verzeihen Sie mir, aber ich möchte in dieser Heiligen Nacht auch an drei Ort erinnern, die ich für die schiachsten Orte der Welt halte. Drei Orte aus verschiedenen Zeiten.
Erster schiachster Ort: Da ist zB. der Krieg. Wir sind so weit von ihm entfernt und man sagt, gerade Menschen, die ihn hier erlebt haben, sind die größten Kriegsbefürworter. Unter uns gibt es niemanden, der einen Krieg erlebt hat. Und doch erzählte unserer Eltern und Großeltern davon. Der Schrecken steckt einem über Generationen in den Knochen. Ich möchte eine Geschichte erzählen zum Krieg. Sie spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wenn die Geschichte so nicht stattgefunden hat, so ist sie doch mindestens gut erfunden und berührt unser Herz. 
In einem sibirischen Kriegsgefangenenlager war die Leitung besonders gemein. Feststimmung sollte bei den Kriegsgefangenen nicht aufkommen. Der Heiligabend war nicht nur ein normaler Arbeitstag, vielmehr lies man die Männer über das normaler Pensum hinaus arbeiten.
Am Abend verschwanden alle todmüde in ihren Baracken. Erschöpft und auch ein wenig traurig.
Spät in der Nacht lies der Lagerkommandant alle Männer wecken. Aufstellung auf dem riesigen Lagerplatz und Ansprache über die Lautsprecher.
Es ertönte eine Botschaft, die die Kriegsgefangenen ins Mark treffen sollte:
„Heute wird in eurer Heimat von den Reaktionären ein Fest namens „Weihnachten“ gefeiert. Bei diesem Fest werden viele Märchen erzählt, die den Arbeiter und Bauern gefügig als Unmündige halten sollen.
Wir im Kommunismus feiern keine Feste. Im Arbeiter- und Bauernstaat wird gearbeitet.
Zum Ruhm der Sowjetunion singen wir nun die Internationale – das Kampflied der weltweiten Arbeiterbewegung.
Die Internationale wurde über die Lautsprecheranlage angestimmt. Doch unter den Lagerinsassen wollten und konnten die meisten nicht mitsingen. Ihnen war nicht zum Singen zumute. Leise fing plötzlich ein Mann an „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu singen. Dann waren es zwei, dann drei, schließlich sangen über tausend Männer zitternd vor Kälte und mit weinenden Augen ihr Weihnachtslied.

Die letzte Strophe sangen sie besonders laut und fast trotzig: „Tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter ist da, Christ, der Retter ist da!“
Weit hinein in die sibirische Schneelandschaft schien die Botschaft von Weihnachten nachzuklingen. Dann plötzlich eisiges Schweigen. Furcht. Was würde geschehen?!
Der Lagerkommandant war irritiert. Fragenden Blickes wandte er sich an den Dolmetscher. Der trat zu ihm heran und sagte auf Russisch: „Das war die Internationale nach deutschem Text und deutscher Melodie!“. (Quelle zu dieser Geschichte)

Diese Geschichte zeigt mir, dass es sich lohnt auf Jesus zu vertrauen. Dass das Bekenntnis zu Gott und seinem Sohn uns auch in schwieriger Lage zusammenhält und stärkt.

Zweiter schiachster Ort: Vor ziemlich genau zwei Wochen habe ich den schiachsten Platz Österreichs besucht. Das Bundesverwaltungsgericht in der Erdbergstraße in Wien. Ein hässlicher Bau aus den 70er Jahren. Hier wird entschieden, ob die Flüchtlinge Asyl bekommen oder keinen Aufenthaltstitel bekommen. Wie in allen Gemeinschaften gibt es auch hier Menschen, die sich aufgegeben haben/ die nicht mehr weiter wollen. Wenn man dieses Gebäude betritt, wird man richtig runter gedrückt von dieser Traurigkeit. 
Dieses Bundesverwaltungsgericht entscheidet auch über Leben und Tod. Das drohende Urteil hängt oft wie ein Schwert über den jungen Menschen. (Es wird berichtet, dass einige ausgeflogen wurden und dann nie mehr lebend gesichtet wurden.)
Und doch gibt es Hoffnung. Dieser schiachste Ort wird  von vielen Menschen aufgehübscht. (wie wir Österreicher sagen). Da ist eine Richterin, die klar ihre Meinung sagt und ihre Wut gegenüber den Eltern der Flüchtlinge nicht verbergen kann (die schicken ihre Kinder auf die 6.000 km lange Reise). Da sind Richter, die mit Herzblut für ihren Mandanten kämpfen. Da ist ein ehemaliger Betreuer, der extra aus Graz anreist. Da ist eine Pensionistin, die den Burschen ab und zu bei sich willkommen heißt.  Man kann zur Flüchtlingspolitik stehen, wie man will.
Aber es gibt so viele Helferinnen und Helfer, die mit ganzem Herz für die Flüchtlinge da sind. 

Dritter schiachster Ort: Wenn ein Mensch auf tragische Weise stirbt und man nicht mehr an einen barmherzigen Gott glauben kann. Man nimmt das Kreuz reist es von der Wand und wirft es auf den Boden. „Wie tief willst du, Gott, dass ich noch sinke.“ Vielleicht ist man in seiner Trauer auch gar nicht mehr fähig wütend zu sein?! Mir persönlich ist in solch einer Situation gewusst geworden, dass es dann oft die kleinen Dinge sind, die mich trösten. 
Stellen sie sich vor die Gnade Gottes ist wie eine riesige Goldmünze, die auf uns herab kommt. Sie würde uns erdrückend. Da ist es besser, wenn die Gnade Gottes in einer kleinen Münze kommt. Und so kommt auch der Trost in einer Trauer oft. Es sind die kleinen Dinge, die uns am Leben erhalten. Die kleinen Freundlichkeiten. 
Nehmen wir uns an Weihnachten vor, dass wir im Kleinen freundlich zueinander sind. Dass wir im Kleinen die oft hässliche Welt wieder lebenswert machen.
Amen.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Gott und sein Upgrade des Menschen

Gesunde Woche - gesunder Rhythmus. 
Die Kirche hat festgehalten an dem wöchentlichen Rhythmus. Auch im Advent. Davon künden die vier Sonntage des Advent und der Adventkranz mit seinen vier Kerzen. Ein wöchentlicher Rhythmus, in dem die Sonntage hervorstechen sollen. 
Die Kirche war in den letzten Jahrzehnten vor allem defensiv. Aber was die Heiligung des Sonntags betrifft, war sie eigentlich immer klar in ihren Aussagen. Es ist nicht gut, dass der Mensch nur faul auf der Haut liegt; und ebenso wenig ist es gut, wenn er 24 h 7 Tage lang durchschuftet und sich plagt. Der Sonntag sticht hervor. Zur Rückbesinnung auf das Vergangene. Zum Schätzen und sich Freuen am Gegenwärtigen. Zum Auftanken für das Kommende. 
Unser Herrgott gibt uns diese Ordnung und hält sich selbst daran, wenn er nach seinem Sechstagewerk am Siebten Tag Ruhe hält. Wenn Gottessohn lebt, leidet und stirbt und eben nicht schwuppdibub am Siebten Tag aufersteht. Nein, es gibt diesen Tag der Ruhe. Sei es in der jüdischen Tradition der Sabbat/ der Samstag oder in der christlichen Tradition der Sonntag/ der Herrentag.
Ein Tag der upgegradet ist. Das darf uns daran erinnern, dass auch der Mensch ein solches Upgrade erfährt. Ich weiß nicht, ob sie schon mal ein Upgrade erfahren haben. Aber stellen Sie sich vor, Sie haben einen langen Flug vor sich und die Stewardess fragt, Sie: Macht es Ihnen etwas aus, wenn Sie statt in der Economy Class in der Business Class sitzen? Nein, es macht mir natürlich nichts aus. Weil ich das Leben liebe. Weil ich das Leben mit 80 cm Beinfreiheit genieße.
Ähnlich wie der freundlich überraschte Gast bei der Stewardess muss sich Maria bei der Elisabeth gefühlt haben. 
Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? … Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Lk 1,42b-43.45.
Diesen Gruß muss man sich auf der Lippe zergehen lassen. - Macht man übrigens, wenn man den Rosenkranz oder den Angelus betet. Welch ein positives Menschenbild hier beim Evangelisten Lukas hervorsticht. Die einfache Frau Maria - eine vom Herrn Gesegnete / Begnadete. 
Und: gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Die Kirche und mit ihr jeder Christ ist ein Anwalt der Ungeborenen. 
Beides liegt so eng beieinander: Die Würde der Frau und die Würde des Ungeborenen. 
Man merkt hier an dieser Alltagsgeschichte auch, was die Menschwerdung Gottes bedeutet. Da zählt jeder Mensch. Da kann ich mich nicht mehr rausreden, das geht nur die anderen was an. Fleischwerdung Gottes findet eben nicht beim rührseligen Singen und Musizieren in der Messe statt. Fleischwerdung Gottes hat seinen Platz im Alltag. In meinem Gegenüber. In dem Menschen der mir jetzt gegenüber sitzt. Dem ich helfe. Der mir hilft. So konkret, wie wir es eben von Elisabeth und Maria gehört haben.
Wir feiern morgen Abend das Upgrade des Menschen. Und das ist nur möglich, weil Gott sich selbst downgradet und mit uns lebt. Amen.

Link:
Lesungen des 4. Sonntags in der Adventszeit C
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Samstag, 8. Dezember 2018

Unbefleckte Empfängnis 2018 - Predigt

Liebe Miterben Christi.
Ich muss gestehen, am liebsten würde ich mit dem Volk in eine Richtung beten, Richtung aufgehender Sonne am dafür geschaffenen Hochaltar. Ich weiß, dass das nicht mehr üblich ist und dass ich mich da der Mehrheitsmeinung beuge und hier vorne am Volksaltar zelebriere. Ich hatte es an dieser Stelle vielleicht schon mal erwähnt, dass man die Kirchen alle geostet hat, Richtung aufgehender Sonne, weil man vom Osten den wiederkommenden Heiland Jesus Christus erwartet.
Die Sonne ist für uns Menschen - und das fällt uns gerade in diesen dunklen Tagen auf - so wichtig. Von ihr kommt alles Leben. Die Erde ist in ihrer Entstehung unmittelbar abhängig von der Entstehung der Sonne vor 4,6 Milliarden Jahren.
Dieses Bild der Sonne für Jesus Christus taugt mir, weil daran klar wird, ER ist für unsere Erlösung und Befreiung so wichtig, wie die Sonne für das ganze Leben. Die Sonne spielt in der Natur eine wichtig Rolle und ähnlich soll Gott in meinem Leben die Hauptrolle spielen. Ich danke dem Herrgott, dass wir so einen genialen Sommer hatten und ich so viel Sonne getankt habe. Ähnlich sollen wir Christen von Christus zehren. 

Als die Sonne und die Erde entstand, war schon klar, dass sie nach ca. 10 Milliarden Jahren wieder erlöschen sein wird. 

Ähnlich vielleicht beim Menschen, wenn er gezeugt und geboren wird, ist sogleich klar, dass er auch sterben wird. 

Das heisst, im Anfang steckt das Ende. 
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und er „schuf den Menschen als SEIN Abbild“ <— so lesen wir in der Bibel. Und so dürfen wir glauben, dass unser Leben ein Geschenk ist und dass diese Seine Schöpfung eben nicht einfach mal so per Zufall sich zusammengefügt hat. 
Schöpfung
Wir alle bedauern, wie sehr diese göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt wird.
Ungeborene Kinder werden zerschreddert. Alkohol, Nikotin, Pornos zerfressen Seele und Leib. In unserer Habsucht nimmt der Mensch keine Rücksicht auf Natur, die Armen oder die Benachteiligten.
Die göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt.
Von der Sünde des Menschen spricht heute die erste Lesung. Wir erinnern uns: Von diesem Baum darfst du nicht essen. Genau den will Adam natürlich haben. 
Und jetzt kommt dieser typische Mechanismus: Der andere war’s. Die Eva ist Schuld. Die Schlange ist Schuld. Na letztlich bist du Gott ja Schuld, weil du hast mir die Schlange ja in den Garten gelegt. 
Hier sehen wir in dieser uralten Geschichte, wie wir vielleicht rauskommen aus dem Dilemma der Schuld: Dass wir Verantwortung übernehmen und die Schuld bekennen und sie nicht dem andern in die Schuhe schieben. Das wäre nicht schlecht. Das wäre mal ein Anfang. Verantwortung.

Wenn wir mit dem 08. Dezember die Zeugung und damit die Erwählung der Gottesmutter Maria feiern, dann bekennen wir unsern Glauben an die Erlösung. 
An die NEUSCHÖPFUNG. 
Das heisst diese naturwissenschaftliche Logik, dass mit der Empfängnis und Geburt auch gleich der Tod vorprogrammiert hat für uns nicht mehr die Relevanz. 
Denn wenn es einen Gott gibt und wenn dieser Gott gut ist. Dann hat er auch diese Erde und dieses Menschenleben gut fertig gedacht. Und dass ist IHM nicht mal eben so eingefallen, dass Gott auf seiner Wolke sitzt und sagt: „Mmmh. Jetzt schlagen Sie sich in Ardning wieder die Köpfe ein, starten wir einen zweiten Versuch.“
Nein, es gab dieses Umdenken bei Gott nicht. Sonst wäre es ja nicht Gott, sondern irgendein von uns ersponnenes Wesen. 
Maria ist erwählt vor der Erschaffung der Welt Gottes Mutter zu werden. Ulrich ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Trude ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Lukas ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. usw. (setzen Sie bitte ihren Namen ein, ich kann heute net alle einsetzen, sonst gibt’s kein Frühstück). 
Die Geburt des Heilands Jesus Christus vor 2000 Jahren irgendwo da im Osten des Römischen Reichs war doch kein Zufall, ohne den wir auch irgendwie gute Menschen sein könnten. 
GOTT gibt sich selbst. ER zehrt sich für Uns auf. ER gibt sich GANZ. Net e Bisi. <— Entschuldigung, jetzt bin isch widder ins Hessische gerutscht, des bassiert um die Uhrzeit. 
corr: ER gibt sich uns nicht ein bisschen. 
Gerade an Maria sehen wir, was das christliche Menschenbild ausmacht. Auf der einen Seite der Waage ist sie die Gottesmutter, auf der anderen Seite die Magd des Herrn. Auf der einen Seite ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Auf der anderen Seite, der der sich klein gemacht in der Krippe bzw. der sich am Kreuz für uns hingegeben hat.
Diese Waage ist das christliche Maß. Auch wir haben beides und beides muss sich die Waage halten: unsere Gotteskindschaft und geringe der Diener des Höchsten sind wir. 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Predigt zum heiligen Nikolaus

Lieber P. Prior, lieber P. Gabriel,
liebe Schwestern und Brüder. 
Kaum ein anderes Bauvorhaben in den letzten Jahren hat so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie das geplante Ärztezentrum in Admont. Da geht es nicht einfach nur um Emotionen, sondern es geht um ein sehr wertvolles Gut: unsere Gesundheit.
Und vor allem bei diesem Haus wir deutlich, wie sinnlos ein leeres Haus ist. Die Hülle allein, egal wie teuer, egal wie schön, ist nutzlos. Es muss auch eine Ärztin oder ein Arzt darin einziehen. 
Ähnlich ist es ja bei einem geistlichen Haus, bei einem Kloster. Was bringt das, wenn es leer ist?
Ja, es weckt Emotionen, man freut sich an der Kultur, man ist beglückt ob des Schönen. 
Egal ob in unserem Pfarrverband oder in Österreich. Wir können uns glücklich schätzen, dass es so viele Pfarren gibt, wo Sonntag für Sonntag die Messe gefeiert wird. Dass es Klöster gibt - allein 14 Klöster der Österreichischen Benediktinerkongregation - wo das Lob Gottes täglich erklingt.
Aber es nimmt ab und wird mager und wird in vielen Kirchen und Klöstern in wenigen Jahren verstummen.
Oft wird in unseren Tagen das Abendland verteidigt. Aber dabei - sama uns ehrlich - verteidigt man oft eine Hülle ohne Inhalt, ein Gebäude ohne Bewohner, einen Panzer ohne Reiter. 
Wie wichtig das Innere der Hütte ist, beschreibt uns heute der Prophet Jesaja. Da ist von einer befestigten Stadt die Rede. Und ein gerechtes Volk, das darin einzieht. 
Als Gegenmodell steht hier die hoch aufragende Stadt. Man hat automatisch den Turm von Babel vor Augen. Den Turm des Hochmuts. Den Turm der Überlegenheit über die Schwachen. 
Das Volk von Babel verlässt sich auf sich selbst. Ist immer drauf und dran den andern (und so vielleicht auch Gott) zu übertrumpfen. 
Gott „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“
Diesen Sieg der Einfachen, diesen Sieg des Volkes, den verkörpert der Heilige Nikolaus. Nichts anderes bedeutet sein Name: Sieg des Volkes.  Jes 26,3: „Herr, du gibst Frieden dem, der sich fest an dich hält und dir allein vertraut.“ 
Über den heiligen Nikolaus werden viele Geschichten erzählt. Besonders die Geschichte, wo er drei Töchter (ohne selbst in den Vordergrund treten zu wollen) von der Prostitution freikauft, hat es mir angetan. 
Alle diese Geschichten sind Legenden. Das heisst es wichtig sie zu lesen und sie bauen uns auf, aber, ob sie wirklich wahr sind, weiß man nicht. 
Sie kennen das ja bei einer historischen Geschichte: Man kratzt und kratzt und auf einmal merkt man das nichts mehr da ist. 
Es gibt aber eine Sache, die beim heiligen Nikolaus als erwiesen und wahr gilt: Dass er am Ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 teilgenommen hat. Es gilt als das erste ökumenische Konzil. Während zB. Vatikan II (1962-1965) das 21. ökumenische Konzil ist. Der Begriff Ökumene beschreibt, dass es eine Versammlung des ganzen Erdkreises ist und diese für die ganze Welt Geltung hat. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie wichtig dieses erste ökumenische Konzil damals war und bis heute ist. Damals hat nicht der Bischof von Rom dazu eingeladen, sondern der Kaiser. Es ging dem Kaiser um die Einheit seines Reiches, die sich eben auch zeigen sollte in der Einheit des Glaubens. 
Und im Gegensatz zu Vatikan II in den 70er Jahren kam es beim Konzil von Nicäa auch zu echten Handgreiflichkeiten. So wird überliefert, dass Bischof Nikolaus seinem Gegenpart Arius eine deftige Ohrfeige verpasst hat. Aber keine Angst, dass ist auch nur eine Legende, wird aber komischerweise den Kindern heute nicht mehr erzählt. 😅
Nein, sorry, ich habe den Pfad verlassen. Worum ging es beim Konzil von Nicäa. Es ging um allerlei praktisches, das aber zum Teil bis heute genauso gehandhabt wird. Wenn zB ein Bischof geweiht wird, müssen drei Bischöfe dabei sein usw. 
Aber vor allem ging es um eine Irrlehre, die die Christenheit Anfang des 3. Jh. gespalten hat. Ein gewisser Arius hatte behauptet, dass Jesus - der Logos - eben nicht Gott sei. Und es gibt tatsächlich Bibelstellen, die uns das glauben machen, etwa, wenn sich der Sohn dem Willen des Vaters immer wieder unterordnet. Letztlich sind es die Reste dieser Irrlehre des Arius, die Mohammad aufgesaugt hat und damit den Gottessohn Jesus zu einem Sklaven Allahs degradiert hat. 
Diese Wesenseinheit des Sohnes mit dem Vater wird zB deutlich in Joh 12,45: „Und wenn ihr mich seht, dann seht ihr den, der mich gesandt hat!“. 
Oder wenn Jesus in unzähligen Stellen im Johannesevangelium die Gottesoffenbarung an Mose im Dornbusch nachspricht. „Ich bin der Seiende“. Ich bin der Weg…
Und genau diese Dreieinigkeit wird im Bekenntnis von Nicäa fertig gedacht: 
„Ich glaube (…) an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes, (…) eines Wesens mit dem Vater.“
Das heisst es gibt nur einen Gott. Ein göttliches Wesen in drei Personen (Vater, Sohn und Geist). 
Für uns Christen ist es wichtig, dass wir an diesem Bekenntnis festhalten und somit unseren Glauben - unser geistliches Haus auf Felsen bauen. 
Unser Glaube ist nutzlos, wenn wir nicht an die Göttlichkeit des Sohnes glauben. Durch die Taufe sind wir ja mit dem Sohn hineingenommen in die Göttlichkeit und haben somit Teil an seinem Sieg.  Amen.

Sonntag, 11. November 2018

Predigt zum 31. Sonntag im Jahreskreis - Witwe von Sarepta

Letzte Woche war ich in einer Volksschule (nicht in Ardning) und kam mit der Frau Religionslehrerin in die erste Klasse. Vorne auf dem Schreibtisch der Lehrerin stand an exponierter Stelle ein Buch: „Zum Glück lebst du nicht im Mittelalter - Begegnungen auf die du gut verzichten kannst.“ 
In leichter Sprache wird den Kinder darin erklärt wie finster das Mittelalter war. Und dabei erfahren sich auch gleich, was ein Priester damals war:
„Er ist schlau und gerissen und hält Ausschau nach Menschen, die die Gesetze der Kirche brechen.“
Die Klassenlehrerin hat sich, als ich dieses Buch der Woche entdeckte auch gleich entschuldigt und erwähnt, dass da vieles nicht drin stimme und es total überzogen sei. Das fand ich gut. Schließlich wollte uns die Aufklärung doch lehren, dass es keine Schwarzweißmalerei gibt? Oder wollte sie das? Oder wollte sie nur ihre eigene Überlegenheit darstellen und hat dabei das Mittelalter mit allen dunklen Tönen bemalt, die der Malkasten hergab?

Sonntag, 4. November 2018

Predigt zum 31. Sonntag im Jahreskreis - "Nur Du"

Vor vierzig Jahren schon hat ein evangelischer Pfarrer aus Bayern ganz herrlich lustige Bildergeschichten über Kirche, Glaube, Bibel oder Ökumene veröffentlicht. Tiki Küstenmacher sein Name. Den größten Hit lieferte er aber mit seinem Buch „simplify your life“. (= vereinfache dein Leben) 2001 veröffentlicht wurde es zum Bestseller, weil die Leute sich ihres ganzen Kruschs endlich entledigen wollten. Unkompliziert. Auf das wesentliche beschränkt.
Vor 56 Jahren machte sich die katholische Kirche ja auf einen ähnlichen Weg. 1962-1965 tagte in Rom das 2. Vatikanische Konzil. Viele Riten wurden vereinfacht; unzählige Heiligenfeste wurde gestrichen oder zusammengefasst; vieles äußerliche, wo man den Sinn nicht mehr sah, wurde abgeschafft.
Auf das wesentliche - auf Christus Jesus - wollte man sich zentrieren und vieles was in den Jahren sich angehäuft hatte, einfach wegfegen. So eine Art „simplify your church“. Vereinfache deine Kirche. Auf das wesentliche beschränkt.
In meinen knapp 14 Jahren in Admont habe ich es mindestens zweimal erlebt, dass ein Priester, der so viel hatte, diesen ganzen Ballast abgeworfen hat und sich auf das wesentliche beschränkt hat. Monsignore Fötsch

Donnerstag, 1. November 2018

Predigt Allerheiligen - Über den Tod hinaus.

Wann sonst sollten wir an unsere Toten denken, wenn nicht im November. Dieser Monat, in dem die Natur eine Sterbeprozess durchläuft, das Leben sich zurückzieht; das alles erinnert uns ans Sterben. 
Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir Christen den November mit diesem kleinen Osterfest beginnen. Allerheiligen als Osterfest im Herbst; es erinnert uns daran, das unzählige Menschen nach ihrem Tod ganz bei Gott sind. 
Es wichtig, dass wir an unsere Toten denken und dass wir für sie beten. Friedhofsgang, Messen für die Toten feiern, ein Bild unserer Toten im Herrgottswinkel <— das alles ist eine lebendige Erinnerungskultur, die gespeist wird von unserm Glauben an die Auferstehung der Toten.
Natürlich nervt mich dieses ganze Halloweenspektakel, da es meiner Vorstellung von Leben und Tod und Auferstehung ziemlich zuwiderläuft.
Aber in einer Sache stimmt es mich doch nachdenklich: Ob es nicht doch ein Tor zwischen der Sphäre der Toten und unserer Welt gibt?!
Mindestens einer ist doch schon mal zurück gekommen?! Im Glaubensbekenntnis sprechen wir es gleich zwei Mal aus: 
Und an Jesus Christus, (…) gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten, (..)
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
  • Das ist kein Glaube, der in eine Sackgasse führt. Das ist ein Glaube, der Hoffnung macht. 
  • Das ist kein Glaube, der den Tod verherrlicht. Das ist ein Glaube, der das Leben des Menschen über den Tod hinaus verherrlicht.
Etwas bleibendes. Gerade im Gedenken an unsere Toten wird es ja meist auf dem Partezettel formuliert: 
„Wenn ihr mich sucht, sucht mich in eurem Herzen.“
Und auf einem anderen Partezettel las ich:
„Treue Mutter, habe Dank

für deine Sorg’ und Güte.

Sorge jetzt an Gottes Thron,

das er uns behüte.“
Man merkt hier richtig, dass ein katholisches Totengedenken eine wechselseitig Beziehung sein kann: Wir beten für die Toten und die Toten beten für uns.
Warum auch nicht? Und ganz in diesem Sinne, kann man mit unseren Toten kommunizieren. Kann sie um Fürsprache bitten und umgekehrt, kann man die Barmherzigkeit Gottes auf sie herabflehen. 
Wir alle (vor allem natürlich die musikalischen Menschen unter uns 😃) wünschen uns Harmonie in unserm Leben. Und gerade da, wäre es doch geboten, das Sterben und den Tod nicht auszuklammern. Das Sterben (auch unser eigenes Sterben) und der Tod sind Erfahrungen im Leben die wir nicht professionell anderen überlassen sollten, sondern Sterben und Tod kann man in sein Leben integrieren. 
Bitte nehmen sie das Angebot der Krankensalbung ernst und rufen sie nicht erst einen Priester in der letzten Minute. 
Bitte beten sie den Rosenkranz, wo wir ja für uns und unsere Lieben auch um eine gute Sterbestunde beten.
Vergessen wir auch den heiligen Josef nicht, den Patron der Sterbenden. 
Es loht sich, weil wir über den Tod hinaus leben. 
Gerade das ist ja die Botschaft der Seligpreisungen, die heute in der Heiligen Messe weltweit verkündet wurden und werden:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. (Mt 5)
In der Gewissheit, dass sie und ich, einst vor Gottes Angesicht treten werden. Ihr Pater Ulrich

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