Montag, 27. Mai 2019

Krise - Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit

In einer Krise befanden sich die Apostel und Ältesten am Anfang der Kirche. Große Unruhe breitete sich aus...
Zuerst hatte man den Nichtjuden gesagt, alles kein Problem, Ihr könnt auch getauft werden, ohne Jude zu werden oder die Gesetze des Alten Testaments anzunehmen. Und jetzt plötzlich wird ihnen gesagt, sie müssen sich doch beschneiden lassen. 
Mit welchem Selbstbewusstsein die Kirche antwortet ist genial. Die Paulus und Barnabas gehen nicht selber, sondern sie ermächtigen zwei andere: Judas, genannt Barsabbas, und Silas. 
Und natürlich ist es Autorität, die hier hervortritt: 
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge (...) Apg 15,28
Für mich erkenne ich hier drei Wirkungsmächte des Heiligen Geistes:
ER hilft uns zu verstehen, was Jesus gemeint hat. Schließlich hat er die Pharisäer immer bekrittelt, dass sie den andern immer mehr und mehr Lasten aufbürden, sich selber aber nicht daran halten. Christsein heisst, frei sein von Zwängen und Ängsten und sich mutig dem Rufe Gottes im Alltag zu öffnen.
ER (der Heilige Geist) zieht Kreise. Nicht einer allein ist befähigt, sondern man gibt Verantwortung weiter. 
ER (der Heilige Geist) verhindert alte Wege und geht mit uns neue Wege. 
Es wird in diesen Tagen immer so getan, als ob aus einer Krise nur Untergang erwachsen kann. Sama ehrlich. Stagnation ist etwas viel schlimmeres, da in ihr niemals etwas neues erwachsen kann. Bei mir kommt da auch immer wieder das Bild von Jesus im Sturm hoch. Er ist in sich ruhend und um in herum ist alles laut und wankend. 
Komm Heiliger Geist, schenke uns Ruhe und Kraft, damit wir in den Stürmen unseres Lebens bestehen können und gestärkt daraus erwachsen. 

Texte vom 6. SONNTAG DER OSTERZEIT C
_____.    _____.    _____.  

Samstag, 18. Mai 2019

Mitgestalter dieser neuen Schöpfung

(Geliebte.) Kann man Blicke auf seinem Rücken spüren?
Also ich glaub schon. Und ich glaube die Gefährten Jesu haben Judas argwöhnisch nachgeschaut, als er den Saal verlies und der Verräter hat das gespürt. (Lesungen des Sonntags) Und der HERR?
Er hätte ALLEN GRUND DER WELT zum Groll gehabt. Er hätte die Augen verdrehen können, als Judas hinausging.  Aber das alles hat er nicht gemacht.
Ich denke, wie oft wir Groll haben. Wie oft wir andere und LEIDER auch uns selbst verfluchen. Und dafür haben wir doch so wenig oder gar keinen Grund. 
Wie oft wir die Augen verdrehen und denken, dass wir etwas besseres sind.
Wir begegnen hier dem Menschensohn, der voll Liebe ist. 
Gott ist die Liebe. 1 Joh 4,8b 
Wenn wir lieben, dann vergessen wir oft die Zeit. Man bleibt lange beieinander. Man verspricht sich Treue bis in Ewigkeit. Also anscheinend ist die Liebe wirklich auf Ewigkeit angelegt. Und so verstehe ich auch diese Vorwegnahme Jesu, die so typisch für das Johannesevangelium ist. Der Menschensohn Jesus ist verherrlicht, weil er liebt und in dieser Liebe bleibt. 
Und das ist auch Sein Testament an uns. Wenn wir einander lieben, wenn wir den Liebesdienst einander tun, dann bleiben wir in IHM. So steht ja auch im Johannesevangelium da, wo bei den anderen Evangelisten die Einsetzung der Heiligen Eu Eucharistie steht, die Fußwaschung. 
Christus Jesus bereitet seine Jünger und uns darauf vor, dass etwas Neues beginnt. Es geht darum, dass wir in die Liebe des Dreifaltigen Gottes hineingenommen sind. 
So sagt er: 
„Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.“  Joh 13,33a
Eine traurige Nachricht an sich. 
Der Autor der Offenbarung hat eine kräftige Vision. Doch er hat weder Drogen genommen, noch hat ihm sein Glaube den Verstand geraubt, sondern er ist in der Liebe. Er liebt und sieht diese Welt mit anderen Augen. Er sieht das, was wirklich zählt. Dieser Blick der Liebe ist nicht der Blick durch eine rosarote Brille, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.  Nein, realitätsfremd ist des nicht. 
Diese Vision des Johannes ist keine Es-wird-irgendwann-mal-alles-wieder-gut-Vision; sie ist viel mehr eine super starke Tröstung. Nicht eine Vertröstung auf Später, sondern eine Tröstung im Hier und Jetzt. „Denn was früher war, ist vergangen.“ Gott macht alles neu, macht seine ganze Schöpfung neu. Und wir sind Mitgestalter dieser neuen Schöpfung. 
Ostern ist also der Sieg über den Tod. Ostern ist aber auch ein Fest, dass Auswirkungen haben muss auf unser HIER UND JETZT. Seit unserer Taufe sind wir dafür verantwortlich, wenn in Hall oder Admont, in unserer Firma, an unserer Schule, in unserer Familie nicht genug geliebt wird.
Liebe ist eine Kraft, die Neues schafft. Wir Christen wollen Neues. Wir leben voll Sehnsucht. Wir haben dieses Ziel der Gottesherrschaft und dürfen dem alles unterordnen. Dürfen so das Unwichtige, das Dunkle, das was nicht Liebe ist in uns, zurücklassen. 
Und vor allem sollen wir einander lieben. Sollen diesen Blick der Liebe üben. Sollen einander annehmen, wie er uns als seine Kinder angenommen hat. 
Wirkliche Liebe will immer Neues und Wachstum in den Beziehungen und will letztlich auch Ewigkeit.

Sonntag, 12. Mai 2019

der Hirte kennt seine Schafe

Sonntag, Montag, Dienstag der vergangenen Woche wurde in der berühmten Abtei Maria Laach in der Eifel kein Abt gewählt. Nach jahrelangen Streitereien haben es die ca. 30 Mönche auch dieses Mal nicht geschafft, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Maria Laach ist in Deutschland nicht irgendein Kloster. Es hatte und hat Vorbildcharakter, wenn ich nur an die Postkarten, die Gärtnerei, die unzähligen Betriebe der Abtei denke. Maria Laach, da denke ich auch daran, dass der erste deutsche Bundeskanzler in dieser Abtei 1933 für ein Jahr bleiben konnte, weil er in der Stadt, wo er Oberbürgermeister war, plötzlich Persona non grata war. (Quelle)

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die Leute auf die Nichtwahl eines Oberen in Maria Laach reagiert haben: Trauer und Ohnmacht nach dem Motto „Wie soll es weiter gehen?“ Und machmal gab es dann auch Häme, nach dem Motto: „Seht wie sie einander lieben.“ 
Das Hirtesein ist in den Tagen wie diesen ja schon schwer, aber jetzt findet man auch gar keine Hirten mehr?! 
Die Tragweite einer Nichtwahl wird auch daran deutlich, dass es für ein Benediktinerkloster ein Privileg ist, dass sie ihren Abt eigenständig wählen dürfen und damit eine ziemlich große Unabhängigkeit genießen. 
Wahrscheinlich haben die Reporter Recht, wenn sie von Flügelkämpfen innerhalb der Abtei sprechen; die einen wollen das Kloster mehr nach außen öffnen (kulturell, medienwirksam), die anderen wollen sich mehr der Stille und Strenge des benediktinischen Lebens widmen.
Wie kann man Richtungskämpfe unterbinden oder gar verhindern? In einer Demokratie würde ich sagen durch Konsens, den kleinsten gemeinsamer Nenner oder die Besinnung auf das große Ganze. 
Aber Moment: Die Kirche ist ja keine Demokratie. Da ist es dann so, dass ein Bischof, ein Abt oder ein Pfarrer die Stoßrichtung vorgibt. Ganz im Sinne des guten Hirten vertraut dann die Herde, dass der Hirte es gut mit ihr meint und die Richtung schon stimmt. 
Und diesem Bild stämmen sich Kirchenkritiker mit aller Gewalt entgegen. „Wir wollen nicht Schaf sein!“ „Wir wollen unseren Hirten selber wählen!“ 
Und in der Tat haben sie Recht, wenn (ja wenn) der Hirte seine Schafe nicht kennt. Wie soll man jemandem folgen, den man nicht kennt? Wie soll mich jemand leiten, wenn er mich nicht kennt? 
Jesus bringt das Hirtesein auf diesen einen Punkt: 
„ich kenne sie, und sie folgen mir.“ Joh 10, 27b
Mir ist das zum Beispiel aufgefallen während der spirinight am Freitagabend. Da hatte ich eine Gruppe Jugendlicher vor mir sitzen. Ich habe ihnen etwas über meine Gebetspraxis erzählt und welche Formen des Gebets ich kenne und empfehle. Da fühlte sich einer bemüßigt, mich über den Missbrauch in den 70er Jahren zu befragen. Ob das denn wahr sei.. 
In dem Moment war mir klar, dass zB. die jungen Firmkandidaten ihre Priester gar nicht mehr kennen. Wir sind soooooooo weit weg. Nicht mehr präsent. Einmal - natürlich - weil wir weniger sind und nicht mehr jede Pfarre ihren Pfarrer hat, aber auch weil wir etwa kaum noch in den Schulen sind oder da sind, wo junge Leute sind. Und umgekehrt natürlich auch: Die jungen Leute gehen nicht mehr in die Kirche und wissen auch nichts mehr von ihrem Glauben, auf den sie eigentlich getauft sind. 

Es gibt für die Krise der Kirche verschiedene Lösungsansätze und ich möchte hier nur auf einen hinweisen: Jesus und später in der Apostelgeschichte Paulus und Barnabas gehen zu den Leuten und da wenden sie sich vor allem an die, die am Rande stehen, die nicht 100 % dazu gehören. 
Das sind in der heutigen Lesung die Proselyten. Leute, die nach strengem jüdischen Gesetz keine Juden waren, aber doch nach den Geboten der Thora leben wollten.
Christen, die sich um die Menschen am Rande kümmern, sind glaubwürdig.
Das ist ja auch das Bild vom Guten Hirten bei Jesus, der alle 99 zurücklässt, um das eine verlorene Schaf zu retten. „Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein.“ 
Und bei aller Demokratiedebatte in der Kirche darf man nicht vergessen, dass jeder getaufte Christ die Aufgabe hat, (1) den Glauben weiter zu geben, (2) Missstände anzuprangern und (3) sein eigenes Leben zu ordnen. 
Des Weiteren hat jeder getaufte Christ die Aufgabe, die Hirten an ihre Aufgaben zu erinnern. 
  • „Bitte Herr Pater schauen sie nach Frau X, die so einsam ist, ich gehe auch mit ihnen dorthin.“
  • „Bitte Herr Pater beten sie für Familie Y.“ <— das habe ich desöfteren in Ardning erlebt.
  • „Bitte Herr Pater, predigen sie mal wieder über den Muttertag und nicht nur über sich und ihresgleichen.“ 


Wie es der Geist ihnen eingab. Amen. 

Montag, 6. Mai 2019

Zwei Wölfe wohnen in jeder Brust

Ein alter, weiser Indianer sagte einmal zu einem Indianerbub: „Zwei Wölfe wohnen in jeder Brust: Ein Wolf der Dunkelheit, des Neides und der Verzweiflung und ein Wolf des Lichtes, der Liebe und der Vergebung.“ Darauf der Indianerbub: „Und welcher Wolf wird gewinnen?“ Der alte Indianer antwortet: „Der, den ich füttere.“

Samstag, 27. April 2019

Fertiges und Unfertiges in der jungen Kirche

Egal, ob ein Gemälde, ein Kirchenbau, ein Haus mit Garten, ein Buch oder ein Kinofilm. Der Mensch will da etwas perfektes schaffen. Etwas, das zu Ende gedacht ist und nicht nach 20 Minuten schon langweilig. Ähnlich ist das Johannes Evangelium komponiert. Nicht ohne Grund nennt man ihn ja „Johannes den Theologen“. Das fängt an mit dem Johannesprolog am Christtag und endet mit der ganz persönlichen Begegnung des Auferstandenen
  • mit der Apostelin der Apostel Maria (Joh 20)
  • mit dem Zweifler Thomas (Joh 20)
  • mit dem Apostelfürst Petrus. (Joh 21)
Ganz anders und manchmal unklar scheint mir da zum Beispiel das Markusevangelium. Da gibt es zum Beispiel am 16. Kapitel eine Erscheinung des Auferstandenen, die wahrscheinlich nachträglich zugefügt wurde. Wenn man diesen zugefügten Teil weg lässt, wäre das Ende des Markusevangeliums ziemlich trostlos. 
Da verließen sie das Grab und flohen; Den Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon. Denn sie fürchteten sich. Markus 16,8
Na bravo, so kann man doch nicht eine Frohe Botschaft ändern lassen. 🔚 Das hat sich wahrscheinlich ein frommer Schreiberling gedacht und noch ein paar Verse hinzugefügt.
Kirche ist nichts fertiges. Das wird auch gerade in der Apostelgeschichte deutlich. Es gab damals keine Kirchengebäude aus Holz geschweige denn aus Stein. So versammelten sie sich in der Halle des Salomon - irgendeine äußere Säulenhalle unter ferner liefen. 
Auf der einen Seite erlebt die junge Kirche einen starken Zuspruch: Scharen von Männer und Frauen wurden zum Glauben geführt. Von außerhalb kamen viele Leute, um sich heilen zu lassen.
Auf der anderen Seite erlebt die junge Kirche eine starke Ablehnung. „Die übrigen wagten sich nicht, sich anzuschließen.“ noch im selben Kapitel ist von der Gefangennahme und der Freilassung der Apostel die Rede. Zwei Kapitel später (K7) erfährt man von der Steinigung des Stephanus. 
Kirche wird nie allein von der Auferstehung her gedacht, sondern es bedarf des Heiligen Geistes; deshalb feiern wir ja das Pfingstfest in sechs Wochen als Geburtstag der Kirche. 
Der Heilige Geist ist die Kraft in uns zu vergeben und Vergebung anzunehmen. Der Heilige Geist schafft eine heilige Woche. Es ist ja schon im heutigen Evangelium dieser besondere Wochen Rhythmus zu erkennen. Die Jünger trafen sich am Sonntag abend. Und dann eine Woche darauf kommt Jesus wieder in die Mitte der Jünger, jetzt ist auch Thomas dabei. Dies ist unser Auftrag: vergöttlichen wir den Sonntag und mit ihm die ganze Woche.

Texte des 2. Sonntags der Osterzeit
_____.    _____.    _____.    

Donnerstag, 18. April 2019

Schule des Gebets

Benediktinerstift Admont im Frühling 2019
Das Bild des brennenden Dachstuhls der Kathedrale Notre Dame in Paris hat sich in unser Gedächtnis eingeprägt. Sehr bewegt haben mich in der Nacht des Unglücks die Gesänge von einigen Parisern, die sich spontan zum Gesang und zum Gebet in einigem Abstand zur Kathedrale versammelt haben. Wie kommt dieses Lied und dieses Wort in einer Notlage auf deren Lippen? 
Wenn ich in Zeiten, wo es mir gut geht keine Lieder und Gebete habe, wie soll ich dann in Zeiten der Furcht und des Schreckens die richtige Melodie und die richtigen Worte finden?
Deshalb ist die Schule des Gebets so wichtig.
Am Sonntag habe ich eine Taufe in Frauenberg. Beim Taufgespräch hat mir der Vater von seinen Gebeten erzählt: Wie er mit seiner Tochter betet oder wie er den Rosenkranz betet. Ich kann mir vorstellen, dass einige Menschen in seiner Umgebung ihn belächeln und manchmal nicht für voll nehmen. Aber für den Vater ist Gebet eben keine Laune und kein überkommener Brauch sondern stete Gewohnheit. 
Jesus nimmt uns auf in die Schule des Gebets. 
Da sind zum Beispiel am Ostertag die enttäuschten Emmausjünger, deren Hoffnung vom stillen Begleiter (ja, es ist der Herr!) geweckt wird und die ihn schließlich drängen: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Auf den ersten Blick ist dies eine Geste der Gastfreundschaft, doch auf den zweiten Blick ist es ein inniges Gebet: „Gott, lass uns nicht allein in unserm Leben, wenn es dunkel wird.“
Da ist der Apostelfürst Petrus, der mit seiner Treue zu Gott prahlt wie ein Blinder mit einem Glasauge. Als es drauf ankam, war er so klein mit Hut und hat seinen Herrn Jesus dreimal verleugnet. Am See Genezareth fragt ihn Jesus dreimal „Liebst du mich?“ Nach dem dritten Mal sagt Petrus traurig: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“ Er spürt sein eigenes Versagen und im selben Moment die vergebende Liebe Gottes. 
Da ist der ungläubige Apostel Thomas, der nicht dabei war, als der auferstandene Herr Jesus die versammelte Jüngerschar trifft; aber acht Tage drauf staunt er und bekennt ohne langes Geschnatter: „Mein Herr und mein Gott.“ Ein kurzes, starkes Gebet, das meinem Leben Richtung gibt. 
Lernen wir wieder beten und warten nicht auf die Momente des Schreckens. Es mag ja in der Industrie möglich sein, manche Bereiche outzusourcen. Aber beim Gebet ist das nicht möglich. Ich kann das Gebet für die Klein- oder Großwetterlage nicht einfach an Papst, Priester oder die Pastoralassistentin delegieren. Beten wir in Freude und Dankbarkeit füreinander und miteinander, damit wir in Zeiten der Not nicht mut- und wortlos daneben stehen. 

Sonntag, 31. März 2019

Wandlung in der Beziehung mit Gott

Leider habe ich heute die Abendmesse und so kann ich nicht bei der Erwähnung im Hochgebet für „unseren Papst Franziskus in Marokko“ beten. Da hat er sich nämlich heute in der Früh noch aufgehalten und den Sonntagsgottesdienst gefeiert.
Mittlerweile ist es ja so, dass ein Land in dem kaum Katholiken leben, mehr Aufmerksamkeit vom Papst bekommt als jedes halbwegs katholisch geprägte Land. (Aserbaidschan, Ägypten, Bangladesh, Abu Dhabi, Marokko). 
Irgendwie komme ich mir da vor wie der eifersüchtige Sohn im heutigen Gleichnis. Ich versuche meinen (geistlichen) Vater zu verstehen und seine Antwort, die er mir gibt: 
„Mein Kind, du bist immer bei mir und was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir doch feiern und fröhlich sein…“
Vielleicht kann ich ja doch noch von Papst etwas lernen…
Immerhin macht unser Heiliger Vater Ernst, wenn er anmahnt, dass wir Christen an die Ränder gehen sollen. Damit erinnert mich Papst Franziskus daran, dass Jesus ja auch an die Ränder gegangen ist (die Samaraterin am Brunnen, der Zollpächter Franziskus, Golgotha außerhalb der heiligen Stadt Jerusalem)
Immerhin macht unser Heiliger Vater Ernst mit seiner Namenswahl. Ähnlich wie Franziskus von Assisi geht er zum Sultan und redet mit ihm ohne Überheblichkeit. An diese Großtaten des heiligen Franziskus erinnert mich der Papst.
Nächste Woche darf ich gleich für drei verschiedene Schulen Beichte hören. Auf der einen Seite finde ich es wichtig und gut, dass wir Priester in die Schulen gehen, den Kontakt halten und selbstverständlich das Sakrament der Versöhnung anbieten. Auf der anderen Seite kann da kein langfristige Kultur erhalten bleiben, wenn die Eltern sich von den Sakramenten abwenden. Kinder folgen doch eher den Eltern. Das ist ganz natürlich. Und wenn man eine christliche Praxis haben will (zB Sonntagsgottesdienst), dann bringt es nur etwas, wenn die Eltern es vorleben.

Der verlorene Sohn erinnert sich heute im Evangelium daran, dass es die einfachen Angestellten seines Vaters  (Tagelöhner) besser haben als er. Das ist sein Beweggrund zurück zukehren zu seinem Vater. Er hat den Wunsch einfacher Tagelöhner zu werden. 
Mit keiner Silbe geht der barmherzige Vater auf diese Bitte ein. 
Ich glaube da liegt auch eine Versuchung für uns drin. Wir wollen einfache Knechte, Mägde, Dienstnehmer Gottes sein. So nach dem Motto: Wir erfüllen diese (moralische, gottesdienstliche) Pflicht und bekommen dafür ein Stück Himmel.
Mit keiner Silbe geht der barmherzige Vater auf diese Bitte ein. 
Hier wird deutlich, dass christliche Berufung mehr ist: Sohnschaft, Tochterschaft, Jüngerschaft. 
Gerade in dieser Geschichte des barmherzigen Vaters wird deutlich, dass Huld, Gnade und Barmherzigkeit immer mit der Wandlung unseres Herzens zu tun hat. 
Da ist nichts, was gegen unseren Willen geschieht. Da geht es nicht um dumpfe Pflichterfüllung. 
Ein weites Herz. 

Sonntag, 24. März 2019

die raue Botschaft Bertold Brechts und Jesu

Ich muss zugeben, dass ich am Freitag den Fehler gemacht habe und mir diesen neuen Bertold-Brecht-Film auf arte angeschaut habe. Zumindest den ersten Teil. Und ich muss sagen: hässlich. ungemütlich. zach. Da ham wir schon besseres gesehen von unseren Lieblingsnachbarn. 
Aber gut, wenn man Brecht verfilmt, was soll da anderes dabei herauskommen? Denn das, was er auf die Bühne gebracht hat, war nicht schön und wollte es auch gar nicht sein. Denken wir nur an die Antiheldin Mutter Courage, die ihre eigenen Kinder an den Krieg verkauft. Brecht hat uns diese schiache Welt des Krieges vor Augen geführt. Oder viel mehr: Er hat seinem Publikum einen Spiegel vorgehalten und sein eigenes Publikum beschimpft: Ihr seid die Täter, ihr habt beim Krieg mitzugeschaut… 

Ähnlich rau und heftig sind heute auch die Worte Jesu (Texte vom 3. Sonntag der Fastenzeit C). Leute kommen zu Jesus und wollen seine Meinung hören. Da ist er, dieser moralische Zeigefinger, der auf andere deutet. Da geht es doch immer darum, dass ich mich gut fühle. 
Hier ist es für mich wichtig, dass Jesus ihnen erstmal auch Recht gibt, ja die andern haben Schuld auf sich geladen. Aber dann kommt der Hammer Gottes: Glaubst Du etwa, Du hättest das ewige Leben verdient? Bist Du mit Deinen nicht vorhandenen guten Werken, deinen wenigen Gebeten und deinem Lästermaul etwa besser? Bist Du mit dem Groll, dem permanenten Unverständnis anderen gegenüber besser?
Zweimal antwortet uns Jesus und schreibt uns damit diesen Satz in unser Gewissen: „Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. “ (Lk 13,3 und 5)

Da ist es: das negative Menschenbild, das einen Luther verzweifeln lies. Das negatives Menschenbild, das uns die Atheisten vorwerfen. Hat die Kirche nicht genau damit die Leute jahrhundertelang lang klein gehalten? 
Auf diesen harten Satz kommt keine Bauchbepinselung. Ach, so schlimm ist das gar nicht. 

Diesem negativen Menschenbild fügt unser Herrgott nicht irgendein Beispiel eines heiligen Menschen hinzu, sondern das Bild des Feigenbaums, der keine Früchte bringt. 
Hier geht es um diese liebevolle, sorgfältige Pflege, die dem verkrüppelten Bäumchen zuteil wird. Da wird noch ein Jahr gewartet (Geduld Gottes mit uns). Der Boden wird aufgegraben und gedüngt. (liebevolle Zuwendung Gottes). 
Nicht aufgrund unserer eigenen Werke werden wir gerettet, sondern, weil ER sich uns zuwendet. 
Ja, auch das ist Ostern: Das Gott uns dem Tod und der Unfreiheit entreißen will. 
„Ich bin herabgestiegen, um mein Volk der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen…“ 

Hier finde ich auch den Weg, der uns in dieses neue Leben und in diese Freiheit führt. G´tt sieht unser Leid. Er lässt unsere Klage nicht ungehört. Er teilt sich uns mit. Sagt dem Mose wie er heißt („Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt.“ Ex 3,8a) und wird Mensch in Jesus Christus, um uns zu klar zu machen, wie G´tt wirklich ist. 
Er gibt dem Volk ein Gesetz, an das es sich halten soll. Ich denke hier an die Zehn Gebote. Ich denke aber auch an die vielen Gleichnisse, in denen uns Jesus erklärt, so ist Gott und entsprechend darf sich auch sein Bild, der Mensch, verhalten. 

Sonntag, 10. März 2019

das Böse kann auch im frommen Gewand daher kommen - Predigt 1. Fastensonntag

Wenn man sich die Fastentipps so anschaut, wo es um Abnehmen, Gesünder leben, umweltfreundlicher Leben usw. geht und wo der Glaube überhaupt keine Rolle mehr spielt, dann kommt es mir vor, als ob ein Bräutigam sich auf seine Hochzeit vorbereitet: er bestellt eine schöne Wallfahrtskirche, ein üppiges Festmahl beim Dorfwirt, einen Blumenschmuck, eine traumhafte Musik; aber was er bei all diesen Vorbereitungen vergessen hat: Er hat überhaupt keine Braut. Oder sie ist ihm längst irgendwo abhanden gekommen. 
Wobei natürlich der Körper eine wichtige Rolle in unserm Leben spielt. Wie meint Pater Karl Wallner OCist, der am 31. März in Admont ist:
Unsere Sportler dürfen gläubiger werden und unsere Priester dürfen sportlicher werden. 
Eine Fixierung nur auf Körper und nur auf Seele ist etwas einseitiges. Beides gehört zusammen oder wie Jesus im Evangelium sagt: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Bevor Jesus öffentlich wirkt, wird er von Gott in die Wüste geführt. Auf sich gestellt. Ohne Freunde. Die Nerven liegen nach 40 Tage Fasten blank. 
Ja, Fasten geht an die Substanz. Ähnlich wie ein Regen den Schnee wegbringt und nicht unbedingt hübsche, kahle Erde zum Vorschein bringt.
Und dieser Kargheit besinnt sich der Gottmensch Jesus darauf, dass Essen eben nicht alles ist.
Der Mensch erscheint hier in seiner geistigen Dimension. Mit einem höheren Ziel: 
Jesus spricht: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Gewisse Höflichkeiten gelten bei uns als selbstverständlich. Wenn direkt hinter mir einer geht, schmeiße ich ihm nicht die Tür zu. Wenn ein Mensch redet, lass ich ihn ausreden. Wenn ich den Raum betrete, grüße ich die schon Anwesenden. 
Mose impft seinem Volk ein, dass der Dank gegenüber Gott selbstverständlich sein soll. Ihre Erstlingsgabe sollen sie dem HERRN darbringen und sich vor IHM niederwerfen. Das ist eine Gepflogenheit, eine für einen Christen selbstverständliche Unterordnung. So wie die Hirten und Magier selbstverständlich vor dem neugeborenen Jesuskind ihr Knie beugten. So wie der heilige Thomas eine Woche nach Ostern sein Bekenntnis sprach: „Mein Herr und mein Gott“. So wie Generationen vor uns ihre Kirchen und Bildstöcke gebaut haben, um IHM die Ehre zu erweisen.
Genauso selbstverständlich dürfen auch wir unsere Knie beugen vor unserm Herrgott. 
Für mich ist diese Bibelstelle so faszinierend, weil der Satan nicht einfach wüst verführt, sondern sogar die Heilige Schrift zitiert. Ja, das Böse kann auch im frommen Gewand daher kommen. Ich kann Bibelzitate benutzen, um den andern - der von Gott geliebte Mensch - runterzuputzen.  
Ganz zum Schluss sagt Jesus deshalb: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wissen Sie, in Tagen wie diesen werde ich immer wieder gefragt, wie ich zum Islam stehe. Und ich muss Ihnen sagen, ich habe diesbezüglich schon vor über zehn Jahren für mich eine Entscheidung getroffen: Mir ist Atheismus lieber als Islam. Entschuldigen Sie diese Schwarz-Weiß-Malerei, aber ich möchte deutlich sein. Mir ist ein Atheismus, in dem der Mensch eigenverantwortlich ist, lieber, als ein Glaube, in dem Gott hergenommen wird, um den Menschen klein zu halten. 
Anbetung Gottes: Ja. Aber die Eigenverantwortung des Menschen bleibt. Der Mensch hat eine Würde und hat einen Willen. Beides soll er einsetzen und sich nicht auf Gott rausreden oder auf die da oben. Das ist unser christliches Menschenbild. Genauso habe ich den heiligen Papst Johannes Paul II. und seine beiden Nachfolger immer verstanden. 
Taktieren wird nicht mit Gott. Benutzen wir ihn nicht. Schieben wir nicht einen frommen Vorhang vor ihn. Nein, rechnen wir mit IHM. 
Machen wir es bitte nicht, wie der Student/ die Studentin, der / die nichts gelernt hat und dann kurz vor der Prüfung um eine gute Note betet. Bereiten wir uns vor auf Ostern. Bereiten wir unser Herz - unser Innerstes vor auf Ostern.

Paulus schrieb uns heute in Röm 10: denn wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist der Herr“ und in deinem Herzen glaubst: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt“, so wirst du gerettet werden. So bekennen wir: Ich glaube an Gott…

_____.    _____.    _____.    

Sonntag, 24. Februar 2019

das Ziel: unsere Erlösung - Predigt zum 7. Sonntag im Jahreskreis C

„Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Texte vom 7. So i. J.)
- verliebt in diesen einen Satz. Andere haben damit massiv Probleme. 
Ein Frankfurter Franziskanerpater hat mir mal erzählt, dass er einem jugendlichen Verbrecher, der für seine Straftaten im Gefängnis einsaß, den Glauben näher bringen wollte. Und dabei erwähnt er auch, dass Gott die Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn für die Welt hingegen hat und er für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. 
Der junge Mann schaut den Pater daraufhin wütend an: „Ja warum ist er denn nicht selber gegangen. Hat er Angst gehabt? Warum gibt er seinen Sohn hin?“ Geradezu wütend war der Gefangene, weil er selber in seinem Leben von seinem Vater so enttäuscht war. 

Ich glaube, es gibt einfach Erzählungen im Evangelium, die dem einen mehr und dem anderen weniger taugen. 
Und gerade wenn man zB. den Vater grob, ihnen jedes Verständnis oder abwesend erlebt hat, dann kann man mit dem positiven Vaterbild, das uns Jesus immer wieder vermittelt und das sich ja in seinem himmlischen Vater widerspiegelt herzlich wenig anfangen. 

Und da ist er wieder, der Fehler, den wir machen,

Dienstag, 19. Februar 2019

die Grundvollzüge der Kirche - Predigt im Feber 2019

Gestern habe ich den Fehler gemacht und bin mit dem Auto durch das Ennstal gefahren: das sollte man nicht an einem Samstag in den Semesterferien machen! Kurz nach der Ostausfahrt Stainach kam es dann zum Stau. Mein Beifahrer meinte, da wäre ich besser abgefahren. Leider hat er das auch zu spät bemerkt. Und dann kommt diese Stelle bei der Auffahrt Stainach West, wo die Schlauen, die auf ihr Navi gehört haben oder die Ortskundigen sich wieder in den normalen Verkehr einfädeln wollen.  Von rechts kommt also so ein dicker, fetter Kia. Er versucht sich in die große Lücke zwischen mir und meinem Vordermann zu bewegen. Und er schaut natürlich nicht. Mit einer Selbstverständlichkeiten fährt er da rein. Das ist das was uns an Verkehr in Mitteleuropa so unsympathisch macht. Man kann sich gar nicht mehr anschauen. Geschweige denn bedanken. (Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht weniger freundlich reagiert habe und so getan habe, als ob ich ihn nicht sehe…) Ähnlich (nicht schauend) machen es auch viele Fußgänger in Admont. Sie gehen einfach über die Straße; wenn sie wenigstens den Fahrer, der für sie bremst, kurz anblicken würden.
In einem ganz anderen Zusammenhang hat Kardinal Schönborn in diesen Tagen erwähnt, wie wichtig es ist, mein Gegenüber ernst zu nehmen. Er sprach über die Missbrauchsopfer, die von uns nicht sofort antworten erwarten. Es geht darum, dass ich die Opfer ernst nehmen, Ihnen zuhöre. Die Kirche darf in diesem Moment nicht den Anspruch haben, auf alles eine Antwort zu wissen.
Wenn Christus die Seligsprüche und Wehesprüche sagt (Evangelium vom Sonntag), schaut er seine Jünger an; er nimmt sie ernst. Er redet nicht von irgendeinem transzendenten Wesen. Schaut nicht abwesend in den Himmel. Er nimmt uns Ernst und schaut in die tiefste Tiefe unseres Herzens. Diese Sprüche Jesu sind eine Zusage Gottes an uns. ER spricht uns Mut zu. Aber er ermahnt uns auch, dass wir uns unsere Sache nicht zu sicher sein sollen. ER darf uns ja ermahnen; wer sonst, wenn nicht ER. 
Letzte Woche war ich in meiner Heimat auf Urlaub. Da sammeln sie in der Pfarrei zur Zeit Unterschriften, um Kardinal Marx zu unterstützen, damit er sich in Rom beim Missbrauchsgipfel gegen das Pflichtzölibat, für eine andere Sexualmoral oder für das Frauenpriestertum einsetzt.
Wenn man eine Straftat benutzt und sie instrumentalisiert für seine (politische) Agenda, dann ist das nicht o. k. Das geschieht oft genug. Das machen Rechtsradikale oder Linksradikale zu genüge. Natürlich kann man kirchenpolitisch Partei beziehen. Aber ein Unrecht zu instrumentalisieren, um Dinge durchzusetzen die man seit Jahrzehnten fordert, da stimmt was nicht.
Was sind eigentlich die Aufgaben einer Pfarre? Natürlich sind wir versucht immer alles auf die anderen abzuschieben („die da oben“) und kirchenpolitisch zu fordern. Die Aufgaben der Kirche sind in der Tradition klar formuliert:
Martyria- Das Zeugnis für Christus, für das Evangelium. Das ist eine Predigt. Das ist aber auch jedes Zeugnis, dass ich im Alltag für meinen Gott gebe.
Liturgia- Der Gottesdienst. Eine würdige Feier des Gottesdienstes. Sicher ist hier auch der lebendiger Vollzug der Sakramente. 
Diakonia- die Nächstenliebe: dem Nächsten helfen.
Wenn wir diese Grundvollzüge der Kirche umsetzen, dann findet Wandlung statt. Dann wird das Wort Gottes lebendig, es wird Fleisch.
Das schöne ist, dass unserem Herrgott dies nicht egal ist. Es ist eine Freude Gottes, wenn er unter uns Menschen wohnt. (siehe Tagesgebet)

Samstag, 9. Februar 2019

das Heilige neu entdecken - meine Sonntagspredigt

Das Obere Ennstal unterscheidet sich von unserer Region in einer markanten Sache: Die Leute dort sind alle miteinander perdu. Ich muss da immer an einen sehr kräftig gebauten Franziskaner denken, der als Aushilfe mal in irgendeinem Tiroler Bergdorf erschien. Er stand in der Sakristei und versuchte sich anzukleiden. Da kam ein kleiner Ministrant zu ihm. Umrundete ihn neugierig und fragte: „Bischd des alles Du.“
Wenn man „Auf Du“ ist wahrscheinlich vieles ziemlich unkompliziert. Schwierig wird es vielleicht dann, wenn man jeden und jede nur noch als guten Kumpel sieht und es kann dann ein gewisse Abflachung der Beziehungen stattfinden.
In den heutigen Texten des Tages wird die Autorität Gottes und seines menschgewordenen Sohnes besonders deutlich. ER ist eben nicht einfach ein guter Kumpel oder das liebe Jesulein. Er ist Gott. 
Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Jesaja 6,3
Und gegenüber diesem heiligen Gott stehe ich in meiner Kleinheit und Unbedeutsamkeit. Das wird heute bei der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja, des Völkerapostel Paulus (Paulus übertreibt es gar noch und benutzt das drastische Wort. „Missgeburt“) und des Apostelfürsten Petrus deutlich. Beide ja keine Nebenakteure der Heiligen Schrift, sondern zentrale Gestalten. Aber eben erst einmal Sünder. Und dann Sprachrohr Gottes und Menschenfischer. 
Deshalb steht doch am Beginn der Heiligen Messe das Schuldbekenntnis und das Kyrie Eleison (Herr, erbarme dich) und dann kommt erst mit der Wandlung und der Kommunion unsere Vergöttlichung. Step by Step. 

Dieses Heilige an Jesus Christus wird für mich auch in diesem Abstand deutlich. Er fährt mit einem Boot raus und predigt von dort dem Volk. Das ist wahrscheinlich auch eine praktische Sache, damit er nicht von den Leuten überrannt wird und lehren kann. Aber dieses Boot ist eben auch eine Katheder, ein Lehrstuhl. Und wir sind Schüler und Schülerinnen oder in diesem Fall besser: Hörende. 
Ich muss zugeben, dass ich noch in einer Zeit aufgewachsen bin, wo der Lehrer leicht erhöht seinen Schreibtisch im Klassenzimmer hatte. 

Natürlich muss dieser Sinn für das Heilige innerlich und äußerlich sein. Wenn ich laufend als Mönch nur im Sitzen bete, dann vollziehe ich nicht mit meinem Körper, was ich auf den Lippen oder in den Gedanken habe. Ich Gedachte darf gar nicht ganzheitlich werden. Ja, wir reden beim Essen und beim Müllvermeidung von Ganzheitlichkeit, aber unser Glaube ist dann oft nur in den Gedanken oder höchstens noch auf den Lippen. 
Umgekehrt kann es natürlich auch gehen, dass ich ohne Andacht Kniebeuge, Kreuzzeichen oder gar Kommunionempfang mache. Alles ist dann nur noch eine Hülle, die mein inneres Heidentum versteckt. 

Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. Ich denke an den Altarraum, die mögliche Beleuchtung unserer Haller Kirche, die vielen Kapellen und Marterln, die sich gerade jetzt mit dem Schnee wunderbar in diese herrliche Landschaft einfügen und uns zeigen ER ist unter uns. 
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In jedem menschlichen Angesicht. Im täglichen Miteinander. In dem der mir hilft, aber auch in dem, dem ich helfe, begegnet mir Gott.
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In unserer Gebetshaltung. Im Stehen, wenn ich mich von Gott gesegnet und gesendet fühle, im Knien, wenn ich mich einfach nur klein machen will vor dem Allmächtigen. Im Verneigen, wenn ich Gott oder meinen Mitmenschen ihre Würde erfahre…