Sonntag, 21. Januar 2018

Jesus duldet keinen Aufschub

Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis B (2018)
Am Freitag fand in Washington der alljährliche March for Life statt, bei dem jedes Jahr viele Menschen für das ungeborene Leben demonstieren. Die Kleine Zeitung schreibt: „US-Präsident Donald Trump hat Tausenden Abtreibungsgegnern in Washington den Rücken gestärkt.“ (Quelle)
Wieviel sind Tausende? 6000? 20.000?
Laut kath.net waren es 500.000 Menschen. (Quelle)
Sollte es wirklich eine so große Zahl sein, dann wäre es doch wert darüber zu berichten?! Wenn es Trump-Gegner gewesen wären, die für Abtreibung oder für die Schwulenehe auf die Straße gegangen wären, hätte ORF und Co sicher viel breiter darüber berichtet. Aber dieses kleine ungeborene Kind interessiert doch in Wirklichkeit keinen und man kann es mit Chemie oder Sauggerät problemlos in den Mistkübel befördern.

Ich habe dann versucht herauszufinden, wieviele Teilnehmer wirklich beim „march of life“ waren. Man findet da wirklich nicht viel im Netz. A bisi auf Zahlen ist man da schon fixiert. Und man kennt das Jahr von einheimischen Demonstrationen: „Die Polizei sprach von 30.000 Teilnehmer, die Organisation von 70.000.“ Ich bin mir nicht im Klaren darüber, warum man sich heutzutage so schwer tut, Menschen zu zählen?!
Man gibt sich doch immer so aufgeklärt. Da ist dann so lustig, wenn man die Zahlen der Bibel kritisiert und das für unrealistisch hält und es dann selber nicht schafft, Teilnehmer von irgendeiner Demo zu zählen. 
Die Zahlen der Bibel sind oft recht eigenartig. Speisung der Fünftausend etwa. Oder wenn irgendeine Schlacht im Alten Testament ist und da wahrscheinlich die richtige Zahl rauskommt, wenn man durch 10 oder gar 100 dividiert.
Heute auch wieder so eine Zahl: „Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren.“

Sonntag, 14. Januar 2018

Der Sieg des Lammes

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis B (2018)
Horror hat bei vielen Menschen weiter Hochkonjunktur. Egal ob Vampirjäger, Zombies oder Kontakte zum Jenseits. Viele Menschen lieben das Grauen. Es gibt in vielen Horrorfilmen eine andere Welt und dann gibt es da gewisse Tore und Verbindungen, durch die man Kontakt mit dieser Welt aufnehmen kann oder sogar von unserer Welt in diese Anderswelt kommen kann.
Fürchten brauchen wir uns als Christen nicht. Und ich will hier auch keine Werbung für Übersinnliches machen. Unsere Jenseitsvorstellungen sind hoffentlich eher positiv geprägt: Ich denke an Abrahams Schoss, ein Urbild der Geborgenheit, an das himmlische Hochzeitsmahl oder die totale Gegenwart Gottes, Ganz im Sinne von: Die fetten Jahre kommen erst.
Ganz anders aber dies Anderswelt in den Horrorfilmen. Ein Ort, wo man nicht hin will, wo der Mensch gefangen gehalten wird und alles Positive in uns klein gemacht wird. Eher mit unserer Hölle zu vergleichen.
Samuel erhält einen Ruf. Eine Stimme vernimmt er plötzlich und ordnet sie dem Priester Eli zu. Immer wieder wird er von dieser Stimme, die ihn beim Namen nennt, geweckt.
Was ist das für eine Macht, die irgendetwas von ihm will?
Dem Priester Eli fällt es schließlich beim dritten Mal ein, dass sie sich ja im Tempel Gottes befinden und dass es ja durchaus Gott sein könnte, der hier spricht.
Der Priester (!) war schon so weit von Gott entfernt, dass er so was zuerst gar nicht in Betracht gezogen hat.
Im Christentum spricht man von Berufung und meint damit, dass Gott jedem von uns zu verstehen gibt, schau her, hier ist dein Platz in dieser Welt. Hier will ich dich haben.
Wir hörten ja heute nicht nur die Berufung des Samuels, sondern auch die Berufung der ersten Jünger.
Diese erste Stelle, wo ich spüre, hier ist Gott, hier bin ich ihm nahe, scheint irgendwie eine Rolle zu spielen; schließlich ist sie bei jedem der Propheten erwähnt.
Vielleicht ist das bei ihnen ein Ort, die Gegenwart einer Person oder ein tröstender Gedanke, der Ihnen tiefen Frieden bereitet hat.
Das ist dann vielleicht verbunden mit einem ruhigen Atem, einer inneren Freude und diesem Gefühl angenommen zu sein.
Vielleicht sollte unser Gebet auch darin bestehen, dass wir immer und immer wieder zu diesem guten Ort, zu dieser guten Zeit zurückkehren. Das geht vielleicht räumlich gesehen oder weil die Person, die mir zuerst von Gott erzählt hat, bereits tot ist, nur gedanklich. Aber wir sollten es tun. Weil es uns festigt und weil diese erste Liebe in uns so stark ist und uns im Leben weiter und weiter bringt.
In den Evangelien wird oft berichtet, dass Jesus sich zurückgezogen hat, um zu beten und einmal wird auch berichtet wohin er geht:
Dann ging Jesus wieder weg auf die andere Seite des Jordan, an den Ort, wo Johannes zuerst getauft hatte; und dort blieb er. Joh 10, 40
Dieser Moment, wo der Himmel sich geöffnet hat und eine Stimme aus dem Himmel zu Jesus gesagt hat: Du bist mein geliebter Sohn. <— das lässt ihn nicht los. Das muss er immer und immer wieder meditieren…
Ähnlich die Jünger, die Jesus am Jordanstrand zuerst sahen; diese erste Begegnung mit dem Messias prägt sich bei ihnen ein. Das wird deutlich, weil im Evangelium sogar die Stunde erwähnt wird, in der sie bei Jesus einkehrten.
es war um die zehnte Stunde. Joh 1,39
Komischerweise ist das bei den Horrorfilmen und bei jeder guten Psychotherapie auch so: Man muss zurück, an den Anfang, wo alles begann. Das ist dann allerdings keine gute Erinnerung, da ist etwas Krankes, etwas Böses, das Raum gewonnen hat. Und das gilt es zu besiegen.
Und hier ist er: Der Sieg des Lammes.
Natürlich kann man versuchen heroisch gegen das Böse anzukämpfen, aber früher oder später kommt der Mensch an seine Grenzen. Der Sieg des Lammes Jesus Christus ist der Sieg der Demut, der Niedrigkeit.
Da dürfen wir uns auch nochmal an das Weihnachtsfest erinnern, wo Gott Mensch wurde und sich erniedrigt hat. Da dürfen wir uns an Karfreitag und Ostern erinnern, wo Gott in Jesus Christus gelitten hat, gestorben ist und in alle Tiefen der Hölle hinabgestiegen ist und uns wirklich frei gemacht hat.
Liebe Schwestern und Brüder, beten wir auch immer wieder um Befreiung für uns und die ganze Welt.
 
Herr, himmlischer Vater: durch deine ewige Liebe, die dich neigt zu der menschlichen Natur: neige dich in mich!
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Samstag, 13. Januar 2018

Kirche - die Herausgerufenen

Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis B
In Österreich gibt es 3400 Ordensfrauen und 1700 Ordensmänner. Wir reden immer darüber, dass die Zahl stetig abnimmt, aber vielleicht sollten wir uns an dieser Stelle einfach mal freuen, dass es so viele Männer und Frauen gibt, die ihr "Ja" gesprochen haben. Sie alle haben bei ihrem Gelübde diesen Satz der Bereitschaft gesprochen, den eben auch der heilige Prophet Samuel gesagt hat: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“(siehe erste Lesung vom Sonntag)
Diese mir ursymphatische Geschichte des jungen Samuel (1 Sam 3) zeigt, dass unser Glaube nicht einfach ein Gerüst aus Ge- und Verboten ist, sondern dass es dabei um eine lebendige Beziehung zwischen mir und meinem Gott geht. Diese zwei kurze Sätze des Samuel drücken so viel über uns und unsere Bereitschaft gegenüber IHM (Finger des Predigers deutet nach oben) aus.
„Hier bin ich“ - der erste kleine Satz ist schnell gesagt und doch oft nicht so gemeint. Körperlich hier, aber geistig abwesend. <-- das kennt jeder Lehrer, der eine Schar Schülerinnen vor sich sitzen hat. „Hier bin ich!“ - ganz da sein. Das ist überhaupt erst die Voraussetzung bevor ich meine Hände zum Gebet erhebe. In der Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt wird dieser auch als ein Mann beschrieben der ganz bei sich selbst ist. (--> Text aus der Abtei Kornelimünster). Jesus sagt ja in Lk 17,21 dass das Reich Gottes mitten in uns drinn ist.
Unsere Heimat ist in uns selbst. Wenn wir die Ruhe, die wir mit Gott in uns selbst haben, verlassen und vergeuden, müssen wir hungern. (Zitat aus einem Text des Stiftes Neuburg, der jetzt nicht mehr online ist)
Und erst jetzt kann der zweite Teil kommen: das Du. Ich kann standhaft mit meinen Mitmenschen Beziehungen eingehen. Kann mich Gott zuwenden. Kann auf ihn hören. Und der junge Samuel sagt: „Du hast mich gerufen.“ Ja, ich weiß, er spricht diesen Satz zu Eli. Dennoch ist die Haltung Samuels, die wir einnehmen sollen. Zu wissen, dass wir gebraucht werden. Dass jemand etwas von uns erwartet. Das ist eine sehr wichtige Erfahrung. Gibt dem Leben Sinn.
„Du hast mich gerufen!“ Das kann heute jeder von uns zu Gott sprechen. Wir sind die von Gott Herausgerufenen. Bitte, liebe Brüder und Schwestern. Lasst Euch das einmal auf Eurer Zunge zergehen: „Die von Gott Herausgerufenen.“ Das ist die wortwörtliche Übersetzung des griechischen Wortes Ecclesia - und das bedeutet ja nicht anderes KIRCHE.
Man spürt also, was es mit dieser Kirche auf sich gehabt hat und hoffentlich noch hat. Dass die verschiedensten Menschen sich gerufenen/ berufen gefühlt haben von Gott. Dass sie ihren Arbeitsplatz, ihre Mietwohnung, ihren Bauernhof verlassen haben, um gemeinsam zu Gott zu beten - so sind wir heute morgen die ECCLESIA von N. Die von Gott Herausgerufenen.

Was ich auch sehr eindrücklich an der Geschichte Samuels finde, ist die Tatsache, dass auch Gott auf den Menschen hört. Das Volk fordert nämlich einen König. Sie wollen so sein wie alle Völker. Das war nicht Gottes Plan. Aber er lässt es zu. (sechs Kapitel später 1 Sam 9).

Gott nimmt also sein Volk als Bundespartner ernst. Diese Zuwendung Gottes findet ihre Fortsetzung im heutigen Evangelium. Jesus fragt seine zukünftigen Jünger ganz direkt: „Was wollt ihr?“ (Joh 1,38) Er überfährt sie also nicht einfach mit seinen Gesetzbuch.
Naja, die Antwort der beiden, hört sich jetzt nicht so gut überlegt an. Sie können es nicht ausformulieren. So geht es uns vielleicht auch oft, wenn wir auf unseren Glauben angesprochen werden. „Meister, wo wohnst du?“ ABER sie wollen IHN kennenlernen. Sie wollen bei IHM sein.
Hier begegnen wir dem urkatholischen Prinzip der Anbetung. Einfach bei IHM sein. Das wollen wir heute Abend.
Vielleicht ergeben sich im neuen Jahr Chancen für uns, dass wir ähnlich wie Eli oder Andreas andere Menschen zu Gott führen können. Ihnen begreifbar machen, dass er der GOTT-MIT-UNS ist. Und dann gehen diese Mitmenschen ihren eigen Weg mit Gott so wie Samuel und Petrus.
Amen.

verwandte Links:

"Habitare secum – Bei sich selbst zu Hause sein" von Daniel Tibi OSB
ADSUM - Ein Film zum Priesterjahr (youtube)
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Sonntag, 31. Dezember 2017

heilige Familie

Liebe Schwestern und Brüder - oder heute am Fest der heiligen Familie: liebe Väter und Mütter und liebe Kinder.
Heute werden uns in den Lesungen Familienmodelle präsentiert, die so gar nicht dem klassischen Modell von Familie entsprechen, das doch die Kirche eigentlich propagiert und gut heißt: Vater, Mutter und deren Kinder unter einem Dach. Da ist auf der einen Seite Abram und Sarai, ein älteres Ehepaar, die ihr Leben lang auf auf Nachwuchs gewartet haben und das ist Maria, die vom Heiligen Geist ein Kind empfangen hat und die nun gemeinsam mit ihrem Kind von Josef angenommen wurde.
Schauen wir erst auf Abram. Er ist alt und es schaut so aus, als ob seinem Leben ein jähes Ende bereitet ist. Und gerade im Orient kann man Kinderlosigkeit geradezu mit Fluch gleichsetzen. Die ausweglose Situation Abrams wird noch mal deutlich, wo er auf die Zusage Gottes
Fürchte dich nicht, Abram, ich selbst bin dir ein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein. Gen 15,1
mit einer Klage antwortet:
Siehe, du hast mir keine Nachkommen gegeben; so wird mich mein Haussklave beerben. Gen 15,2
Alles, was ich mir erwirtschaftet habe - für nix und wieder nix.
Leben ist bei Abram, aber auch bei Maria geprägt von Fluch und Segen. Da ist auf der einen Seite dieser Fluch

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Requiem für einen Kirchenmusiker

Die heutigen Texte verbinden uns mit dem Tagesheiligen Johannes den Evangelisten, der beim letzten Abendmahl an der Seite Jesu saß und von dem das Evangelium schreibt, dass Jesus ihn besonders geliebt hat.
Das Evangelium zeigt mir die Unsicherheit, aber auch die tiefe Hoffnung der Jünger. So sagt Maria von Magdala:
Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen, und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat. Joh 20, 2
Obwohl der erste der Apostel Petrus zuerst ins Grab geht, ist es der Zweite, Johannes, von dem berichtet wird, dass er sah und glaubte.
Für mich ist dieses Evangelium das Evangelium der zwei Geschwindigkeiten. Als neuntes Kind hätte N auch irgendwo „unter ferner liefen“ sein Leben lang hintanstehen können. Als Kind, wo die Eltern so früh verstorben sind und er sich als Bub wohl vom einen zum andern abgeschoben vorkam, da hätte vielleicht niemand etwas darauf verwettet, dass sein Leben ein so Großartiges werden könnte.

Das heutige Evangelium zeigt mir gerade im Angesicht des Todes, dass es dem Menschen nicht möglich ist sofort zu erkennen, was für ein Sinn das Ganze jetzt haben soll?!
Dass ausgerechnet Weihnachten mit Tod zu tun hat.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Jesuskind

Predigt am Christtag in Ardning
Vor zwei Monaten war ich Ardning in der Volksschule und habe eine herrliche Frage-Antwort- Stunde  gehabt. Abgesehen davon, dass eure Gemeinde eine der hellsten Schulen hat, hat mir diese Stunde vor allem deshalb getaugt, weil Volksschüler des 21. Jahrhunderts so herrlich kritisch sind. Zugespitzt hat sich dann alles auf die Frage „Was war vor Gott?“ oder „Wann wurde Gott gemacht?“

Das ist für mich wie gesagt, erstmal grundpositiv, wenn der kleine oder große Mensch Fragen stellt und sich nicht mit jeder Antwort sofort zufrieden gibt. Und da klammere ich auch die Frage nach Gott nicht aus.

Und trotzdem zeigt es mir, dass der Mensch des 21. Jahrhunderts doch auch seine Beschränkungen im Denken hat. Da kann außerhalb des Geschaffenen, außerhalb dessen, was ich messen, fühlen oder oder bei amazon bestellen kann, nichts mehr gedacht werden.

Weihnachten - das heisst auch, dass man am Ende seines Wunschzettels endlich mal anfängt, sich über die Größe Gottes Gedanken zu machen.

Aber wenn Gott der andere ist, der jenseits von Zeit und Raum ist, der Allmächtige, wie kann er dann im Gefäss eines menschlichen Körpers Platz finden. Müsste dieses Gefäß nicht augenblicklich zerbersten, in tausend Stücke sich im All verteilen?

Hilflosigkeit des Babys. Wenn du es nicht fütterst, verdurstet es. Wenn du es nicht einhüllst, erfriert es. Gerade menschliche Baby sind hilflos wie sonst was.

Gott, der Unbegrenzte, begrenzt sich, weil er ein Baby ist.
Gott, der keinen Mangel hat, dem fehlt es plötzlich an allem und er kann es nicht mal sagen.
Gott, der das All in Bewegung hält und durch sein machtvolles Wort trägt, braucht die Hände von zwei Menschen um herumgetragen zu werden.

Warum lässt sich der Ewige Gott soweit herunter? Warum nimmt er nicht einen Scheinleib ein oder fängt erst ein starker, erwachsener Mann am Jordan an? Warum hier in der Krippe? Warum nimmt er die ganze Menschheit an? Weil er den Menschen nicht ein bisschen erlösen will, sondern ganz. Weil er dich und dich und mich ganz erlösen will, von der Empfängnis bis zum Tod. Durch IHN sind wir heil.
Und noch dann kommt diese Geburt Jesu sowas von ungelegen. Während Maria und Josef nach Bethlehem kommen. Die Geburt eines unehelichen Kindes. Da passt nix. Aber ich muss Ihnen sagen, wenn die Geburt eines Kindes kommt, dann ordnet sich dem alles unter. Wenn man das Kind nach der Geburt in den Händen hält dann passt es, ob ehelich oder nicht.

Es gibt Menschen, die leiden bis zum heutigen Tagen, weil sie in ihrer Kindheit verletzt wurden.
Gott ist hinabgestiegen in diese Verletzlichkeit des Kindes.
Wird hier nicht deutlich, dass der menschgewordene Gottessohn die Kraft hat, auch unsere Verletzungen aus längst vergangenen Zeiten zu heilen?
Setzen wir uns dem aus. Und schauen wir auf das Jesuskind. Nicht müde will ich darin werden, wenn es darum geht, von Kindern zu lernen. Was macht ein Kind:
Spielen, Staunen, Hoffnung und Schlafen.
Im Spielen liegt diese Leichtigkeit. Diese Fröhlichkeit, die ich lernen will. Wie oft haben wir das Staunen verlernt? Es ist immer so lustig, wenn meine Eltern zu Besuch in Admont sind und wir zB spazieren gehen und sie in die Natur schauen und sagen: Guck mal da… Und ich wo? Was? Dann sehe ich oft gar nicht das Sagenhafte in dieser Welt. Lernen wir wieder Staunen. Kinder haben Hoffnung. Wir glauben zwar auch an die Zukunft und denken dabei aber wir können alles selber machen. Beim Kind ist das anders. Es fühlt immer, dass es erwartet wird. Wenn es von der Schule kommt, ist schon jemand da. Wenn es schreit, kommt einer zu Hilfe.
Ja wir Christen glauben, dass uns Gott entgegen kommt am Ende aller Tage. Wir haben eine Hoffnung.
Und auch das Schlafen gehört dazu. So singen wir ja im beliebtesten Lied dieser Erde: Schlaf in himmlischer Ruh.
Geborgen in Gott wie ein Kind. Amen. 

Weite Teile der Predigt habe ich von hier:
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Jesus im Müllwagen

Predigt in der Heiligen Nacht in Ardning
Vom Äußeren her ist dieses Weihnachten 2017 wohl eines der Schönsten, das ich je erlebt habe und vielleicht auch erleben werde. Ich denke an die unzähligen Lichterketten, die Krippen in den Häusern oder den herrlichen Kirchenschmuck. Ich denke an unser Kloster in Admont, wo zwei Novizen aus unserem dritten Stock ein riesiges Winter Wonderland gemacht haben und freue mich durchaus mit.
Im Zentrum unserer Weihnachten steht die Krippe. Und bei aller Beleuchtung, Verzierung und bei allem edlen Handwerk dürfen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass die Krippe ein provokantes Bild ist. Jesus, eben nicht auf dem Thron, im warmen Kuschligen und im Angenommen-Sein durch sein Volk. Nein. Jesus erscheint uns hier - und ich nehme jetzt ein ebenso provokantes Bild aus unserer Zeit - als Jesus im Müllwagen der Geschichte.
Das Christentum ist von Vielen auf den Müll geworfen worden. Vom Christentum ist vielfach nur noch die soziale Komponente übrig geblieben ohne JESUS und Maria. JESUS spielt einfach im Leben dieser Menschen keine Rolle mehr. Ohne JESUS im Herzen verliert dann auch die ach so christlich abendländische  Kultur ihren innersten Kern.  Das Weihnachtsfest ist vielfach nur noch Konsum und Unruhe, eine leere Hülle. Von Frieden auf Erden kaum noch Spuren. Der Weltfrieden ist weiter entfernt, denn je.
…und Kinder werden auf den Müll geworfen, ungeborene Kinder, bestenfalls als Abfallprodukt für die Kosmetikindustrie - das wurde 2015 in den USA aufgedeckt.
Ich denke hier besonders an Lukas 1,39  (also gerade ein Kapitel vor dem heutigen Weihnachtsevangelium), wo berichtet wird wie die schwangere Maria ihre ungeborenes Kind zu Elisabeth trug und dort 3 Monate verblieb. „Das biblische „Gegrüßet seist Du Maria“ erkennt schon den ungeborenen JESUS als „gebenedeite“ Person an und steht damit eindeutig gegen Abtreibung.

Wie viele Menschen und Kinder müssen in aller Welt ihren erbärmlichen Lebensunterhalt auf der Müllkippe der Wohlstandsgesellschaft verdienen. Da müssen Sie mal 1000 km östlich von hier nach Rumänien fahren und sie werden diese Müllkippen mit eigenen Augen sehen. Wie oft werden Menschen benutzt oder weggeworfen wie Gegenstände?
Prostitution, Vergewaltigung, Pornoindustrie, als Arbeitssklaven, Kinderarbeit, Kindersoldaten.
Und auch Christen und andere sogenannte „Ungläubige“ in islamischen Ländern. Ja, sie werden im wahrsten Sinne des Wortes „weggeworfen“, gedanklich, nordkoreanisch, scharianisch, mohammedanisch.
Genau diese Abfall-Einstellung gegenüber Ungläubigen pflegen radikal-islamische Kreise.
Weihnachten vermüllt gedanklich immer mehr. Konsum und Oberflächlichkeit ohne den Kern, nämlich JESUS und Maria.Wie oft werden Mütter mit Kindern auf sich allein gestellt.
Aber zurück ins ach so hoch entwickelte Österreich: Wie oft werden Mütter mit Kindern von ihren Vätern im Stich gelassen? Aber auch umgekehrt kommt es vor, dass eine Frau ihren Mann mit Kindern alleine lässt. Wie oft werden Mütter mit Kindern auch vom Staat allein gelassen, ja, letztlich wie Müll behandelt, im Stich gelassen, ja, oft sogar verhasst und abgelehnt.
Wie oft werfen auch wir Christen JESUS auf den Müll, wenn sie sündigen?
Wie oft machen wir Christen ihr eigenes „Ding“ und schieben JESUS beiseite.
Wie oft handeln wir im Alltag so, als wenn wir nie etwas von JESUS und Maria gehört hätten?
Dieses provozierendes Bild der Krippe möge uns Christen anregen, was wir ändern können, um Weihnachten wieder gerade zu rücken, um Weihnachten Sinn zu geben. Ja, wir können in unserer Familie JESUS wieder ins Gedächtnis rufen. Lernen wir mehr über ihn. Am 17. Jänner habe ich hier ein Bibelgespräch in Ardning und wenn wer kommt, machen wir das monatlich, wo wir uns anhand der Bibel über unseren Glauben austauschen und gegenseitig stärken.
Die verfolgten Kirchen wissen Weihnachten zu schätzen und feiern dieses Fest noch in seinem ursprünglichen Sinn und das unter Todesgefahr.
Sie stellen JESUS in den Mittelpunkt des Geschehens.

Bringen wir JESUS wieder an die Spitze unserer Prioritätenliste.

Ich möchte mit den Zeilen eines steirischen Weihnachtslieds enden:

Ist das nicht ein Spott,
der so große Gott,
der uns hat erschaffen,
beim Vieh tut er schlafen.
Ist Mensch und auch Gott,
ist das nicht ein Spott.

Wir bitten dich schön,

o lieb's Jesulein, 

tu uns Gnade verleihen, 

die Sünden verzeihen; 

und gib uns alsdann 

den Himmel zum Lohn!

Der DREIEINE GOTT schenke uns eine friedvolles gesegnetes und von JESUS durchdrungenes Weihnachtsfest. 

Links:
Liturgische Texte der Heiligen Nacht
Weite Teile der Predigt habe ich von hier
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Freitag, 8. Dezember 2017

das „Ja“ der Frau aus Nazareth

Es gibt so Megaereignisse, wo die halbe Menschheit dabei ist, wo man mitfiebert, sich an den Bildern ergötzt und sich freut.
So zB die Krönung von Queen Elisabeth im Jahre 1953, die im Fernsehen übertragen wurde. Ich denke an die Mondlandung 1969. Ich denke an die Eröffnungen von Olympischen Spielen. Eine solche Farbenpracht. Ein solcher Einfallsreichtum.

Ähnlich habe ich aus der Ferne die Weihe von Bischof Hermann Glettler, dem neuen Tiroler Oberhirten, am Samstag erlebt. ORF III hat live übertragen und ich habe es dann einen Tag später online angeschaut. Glettler hat extra die Olympiahalle in Innsbruck als Weiheort gewählt, damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen können. Und es war eine Feier voller tiefer Symbole. Zu Beginn ließ sich Hermann Glettler von seinen Eltern und seiner Taufpatin ein Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn machen. Die Taufe wirklich als Grund aller anderen Sakramente. Diese Zusage Gottes: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, die Kern und Angelpunkt unseres christlichen Glaubens ist. In seinen Bischofsstab lies Glettler von Gustav Troger eine Pfeffermühle einbauen. Danach gefragt, sagte er: „Ja, weil der Hermann wird auch Pfeffer brauchen.“ Zum Abschluss sah es erstmal aus, wie immer, die Politikergarde schwang ihre Reden. Und leider muss man sagen, dass der steirische Landeshauptmann das Ende nicht fand. Mir geht es ja auch manchmal so, dass ich mich als den Nabel der Welt betrachte; aber Hermann Schützenhöfer treibt das noch zur Spitze. Er lieferte eine Anekdote nach der anderen. So wie ein Pater, der keine Predigt vorbereitet hat. Schließlich sah sich der neue Oberhirte gezwungen, von hinten langsam nach vorne zu gehen und den Landeshauptmann zu umarmen. Sehr wirkungsvoll war das. Der Landeshauptmann musste seine Rede vorzeitig beenden.
In seiner Predigt zitierte der Linzer Bischof Scheuer die Böhsen Onkelz.
Da hab ich mir gedacht, ist ja super, wenn ein Bischof in seiner Predigt zu einer Bischofsweihe die Rockband Böhse Onkelz zitiert, dann kann ich in Zukunft auch jeden und alles als Aufhänger in meiner Predigt nehmen.
Sowas hat man oder hat man nicht
Sowas ist man oder ist es nicht - alle Augen auf mich
Vom Prolet zum Prophet - ja sowas geht, wie ihr seht
Es ist ganz leicht - wenn man weiß, wie es geht. (Lied der Böhsen Onkelz)
Der Mensch - nicht ganz gut - nicht ganz böse - fühlt sich berufen. Unzählige Märchen, Romane oder Filme erzählen diese Geschichte von dem einen, der sich berufen fühlt. Und dann kommt immer auch dieser Moment, wo das Böse von Innen den Helden packt.
Egal ob Spiderman oder Jean-Baptiste Grenouille (Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders)
Es gibt dieses Sündhafte ins uns, wo der Teufel anpacken kann/ einhaken kann. Ich muss gestehen, ich habe jahrelang so gelebt, dass ich gesagt habe, es reicht, wenn ich weiß, dass es dieses Böse in mir gibt. Mittlerweile muss ich sagen, Nein, es reicht nicht. Ich muss es auch bekämpfen und mit Jesus Christus besiegen. Ich darf es an Jesus Christus den Felsen zerschmettern.(vgl. RB Prolog 28)
Dieses Erkennen hat auch Adam im Garten Eden:
Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Gen 3,10
Aber das reicht nicht. Die Sünde, die Abkehr vom himmlischen Vater ist da. Der Mensch erscheint hier in seiner Freiheit, er kann sich von Gott zu lösen. Und dieses Nein hat Adam ausgesprochen. Seither lastet dieses Nein des Geschöpfs auf der ganzen Menschheit.
Ganz anders das „Ja“, der Frau aus Nazareth. Seit sie es gesprochen hat, ist es wieder möglich, dass die ganze Menschheit durch Jesus Christus befreit wird.
Eine Befreiung aus eigener Kraft war dem Menschen nicht möglich.

Bevor Maria ihr Ja gesagt hat, hat Gott schon sein Ja zu seinem Geschöpf gesagt. Er hat sie erwählt und frei von der Schuld Adams gemacht.
Doch frage ich mich jetzt, bin ich durch die Taufe nicht auch von der Erbschuld befreit? Warum sündige ich dann noch? Makellos ist Maria. Makellos bin ich nicht.
Da ist immer noch diese Möglichkeit für den Teufel bei mir einzuhaken.

Bitten wir Gott, dass wir Heilige werden, dass der letzte Funke der Sünde in uns stirbt.
Dies geschieht durch diese Grundhaltung: Ja, Gott ich habe gesündigt, dies geschieht durch die Beichte vor Weihnachten. Dies geschieht durch die Erneuerung meiner Taufe.

Maria erscheint uns Christen als der demütige Mensch, die kleine Magd und zugleich als gekrönte Königin und herrliche Frau.

An ihr sehe ich, was Gnade ist und dass auch Gott mich erlösen kann. Aber warum macht Gott das? Warum lässt Gott Maria ohne Erbsünde entstehen? Warum schenkt ER uns die Erlösung? Weil ER es will. DEUS VULT. ER will es. Willst du es auch?

Sonntag, 3. Dezember 2017

Geschöpf und engelgleich

Am 24. November gab es auf welt.de die Meldung
Schwedische Protestanten machen Gott zum „Es“
Und direkt darunter war zu lesen:
In Schweden sollen Geistliche ab dem kommenden Jahr beim Gottesdienst nur noch geschlechtsneutrale Begriffe verwenden, wenn sie von Gott sprechen. Ausnahme: das Vaterunser. Kritiker sind entsetzt. (Link zum Artikel auf welt.de)
Auf der einen Seite denke ich, dass man gerecht sein muss, dass Gott natürlich kein Geschlecht hat. Das Kirche Frauen wie Männer einbeziehen muss. Man spricht da auch von eine inklusive Sprache.
Auf der anderen Seite habe ich immer im Hinterkopf, dass man mit Sprache eine Gesellschaft eine Kirche verändert und dass es Kräfte in Euroopa gibt, Dir Ihr klares Nein zur Geschöpflichkeit des Menschen sprechen. Sie behaupten dann Mann und Frau sind einfach soziale Konstrukte und nicht von der Natur vorgegeben. Die Kirche hingegen baut immer auf das Naturrecht auf. Da sind eben Mann und Frau nicht einfach Konstrukte, sondern vorgegeben. Selbst die Gnade Gottes baut auf die Natur auf.
Ein paar Tage später habe ich dann erkannt, dass ich einer Falschmeldung aufgesessen bin.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Predigt "das brennende Herz"

In der Werbebranche, aber auch im Alltäglichen Leben verkürzt man oft, treibt auf die Spitze. Wir erkennen das etwa bei der Benediktusregel, die aus 73. Kapitel besteht. Da wird dann aus diesem recht langen Text: Bete und Arbeite. Oder: Bete, Arbeite und Lies (ora et labora et lege).

Ganz verkürzt. Blöd ist nur, wenn man so eine knackige Verkürzung hat und denkt man würde sich auskennen. In der Beneditiktusregel steht natürlich viel mehr drin. Ich denke zum Beispiel an die vielen Anweisungen, was bei Verfehlungen getan werden muss. Oder an die väterliche Güte des Abtes. Oder an den guten Eifer der Mönche. Und dann das Mantra, das sich durch die ganze Regel zieht: „Lass das Murren.“ Moatschgern. Lass das Murren. Lass das Murren.
Die Kurzbeschreibung „Bete, Arbeite und Lies“ findet sich nicht in der Regel, aber man kann sie herleiten. Aber wenn man will, kann man alles herleiten, was man will. „Bete, Arbeite und Lies“ sind auch Dinge, die man alleine tun kann, aber die Benediktusregel zB. ist ja für eine Gemeinschaft von Mönchen geschrieben. Man kann ja sagen: ein Benediktiner ist kein Benediktiner. Das war bei den Mönchen ja nicht immer so. Es gab im 3. Jh in der ägyptischen Wüste die Einsiedler. Daraus hat sich erst mit Pachomius ein Gemeinschaftsleben gebildet. Erst mit der Zeit hat man gemerkt, dass man, wenn man alleine lebt furchtbar sonderbar wird. Man braucht die Gemeinschaft um mit ihr zu wachsen. Die gegenseitige Sorge. Mein gegenüber als Korrektiv. Als wichtiges Mittel um meine Stimmungen im Griff zu halten und vor allem um zu wachsen.
Jesus macht heute im Evangelium klar, dass ohne geschwisterliche Liebe nicht geht. Er fasst das Gesetz (die ersten fünf Bücher der Bibel) auch zusammen. Ganz kurz. Ähnlich haben wir das ja auch in den zehn Geboten: Die ersten drei Gebote für Gott, die anderen sieben für Menschen untereinander. Das ganze Leben ist so im Gleichgewicht und man ist nur wenn man beides lebt in Gott verankert. Jesus reißt in diesem Moment zwei Verse der Thora aus dem Zusammenhang und fügt sie zusammen. Es geht dabei immer um die Liebe.
Liebe ist wie brennendes Herz. Man ist in der Liebe zu Unglaublichem fähig. In der Liebe zu Gott und in der Liebe zum Nächsten. Da denke ich an Kirchenbauten vor Jahrhunderte. Ich denke an die Pflege von Alten und Kranken. An die Mütter und Väter, die sich trotz ihrer Arbeit Zeit für Ihre Kinder nehmen. Für uns Benediktiner und uns als sonntägliche Gemeinde steht das gemeinsame Gebet und das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes im Vordergrund. Dafür soll man einen Eifer haben. Wir werden motiviert und unsere Wunden werden geheilt.
Liebe ist aber nicht einfach eine Komfortzone. Dieses Feuer der Liebe tut weh, wir sollen uns dem stellen und so wie durch ein Feuer gehen. Läuterung ist das alte Wort dafür.
Wer aus Gott lebt, entscheidet sich zu lieben. Und ein zur Liebe entschlossenes Herz kann grenzenlose Güte ausstrahlen. Frere Roger.

Freitag, 20. Oktober 2017

Predigt Abraham - Maria

Der Völkerapostel Paulus präsentiert uns den „Vater vieler Völker“ (Röm 4,17) als das Beispiel des Glaubens. Und dieses Beispiel hat nichts an Popularität eingebüßt. Ich denke da an mein Ordensleben, wo uns Abraham immer wieder als Vorbild an Herz gelegt wurde; hat er doch alle Sicherheiten verlassen und ist dem Ruf Gottes gefolgt.
Auch spricht man heutzutage gerne von den drei abrahamitischen Religionen, wenn man von Judentum, Christentum und Islam redet, um deutlich zu machen, dass alle drei einen Gott verehren und sich alle drei auf den „Vater vieler Völker“ Abraham berufen.
Aber Paulus geht es selbstverständlich um mehr. Er sucht einen Anknüpfungspunkt im Alten Bund vor und jenseits des Gesetzes, das uns von Gott durch Mose und damit eben erst nach Abraham überliefert wurde.
Der Bund zwischen Abraham und Gott ist älter. Der Bund zwischen Abraham und Gott besteht von menschlicher Seite darin, den Glauben zu haben.
Ach wie töricht sind wir Menschen. Da sprechen wir von abrahamitischen Religionen, tun so, als ob wir alle irgendwie die Wahrheit haben (Ringparabel) und vergessen, dass es nie um Abstammung geht, sondern darum zu glauben. Und Glaube an den lebendigen Gott ist mehr als irgendein sich auf längst Vergangenes zu berufen. Glaube ist das Gegenteil von Furcht und Verstocktheit.
So wie Paulus uns Abraham als Beispiel des Glaubens präsentiert wurde und wird die Kirche nicht müde uns Maria als Beispiel des Glaubens zu präsentieren.
Sie ist analog zum „Vater vieler Völker“, die Frau aller Völker.
Bei beiden (Abraham und Maria) hört man den anfänglichen Zweifel. Wie soll das Geschehen? Wie willst du Gott, mich alten Mann zum Vater so vieler machen? Wie willst du, Gott, mich zur Mutter des Messias machen?
Hier folgt von oben keine lange Erklärung, keine Beweisführung. Hier folgt von oben die wirksame Tat Gottes.

Requiem für eine gastfreundliche Frau

Als ich gestern Abend nach der Heiligen Messe noch kurz in der Aufbahrungshalle war, musste ich staunen über die zahllosen Kränze am Sarg Eurer lieben Tante.
Wenn eine 9x-jährige, kinderlose Frau stirbt, erwartet man eigentlich eine Verabschiedung im kleinen Kreis. Die Gleichaltrigen inklusive der Geschwister sind tot, leibliche Kinder und Kindeskinder gibt es keine. 
Nicht so bei Euch. Dass hat mit Eurem Zusammenhalt zu tun, aber eben auch damit, dass Frau NN - oder Tante N, wie ihr sie liebevoll nennt, - ein besonderer Mensch war und ist.
Die Texte, die ich heute ausgewählt habe, beschreiben, was Gastfreundschaft ist. Abraham, Sara, Marta und Maria - alle vier haben Gott zu Gast. Man merkt richtig, wie wichtig den Autoren der Bibel Gastfreundschaft ist und wie wichtig es ist, seinen Gästen die volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ähnlich habt ihr mir ja Eure liebe Verstorbene beschrieben. klein das Haus - aber umso größer die Gastfreundschaft.
Das erinnert mich auch an Hebr. 13,2: 
Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Wenn ein solcher Mensch - ein solcher gastfreundlicher Mensch - stirbt, ist das auch ein Auftrag an uns alle - an mich als Gastmeister des Stiftes, an Euch als Familie, aber auch an uns alle -, dass wir durch unsere Gastfreundlichkeit die Welt - so wie sie es getan hat - lebenswerter machen.
So wie Gott bei Abraham und Sara aufgenommen wurde, so wie Jesus bei Marta und Maria aufgenommen wurde und so
wie unzählige Verwandte und Freunde im Haus von NN aufgenommen wurden und sich angenommen gefühlt haben, so möge sie jetzt zum himmlischen Hochzeitsmahl eingeladen sein. Amen.

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