Sonntag, 11. August 2019

heilige Klara - eine starke und zarte Frau

So viel hätten wir uns vorgenommen. Natürlich ist man nach zwei Jahren als Seelsorger hier im Pfarrverband auch ein wenig enttäuscht und sagt sich, man hätte doch so viel tun können. (ach lasst mich mal in Wehmut baden) 
Es gibt ja in der heiligen Kirche (oder außerhalb von ihr) immer wieder so kleine Revolten, wo man Kirche verändern will (oder vom Sockel stoßen will). Zölibat, Frauenpriestertum, Verheiratung von Schwulen, die Möglichkeit mehrmals zu heiraten. Und nein, auch da hat sich die Kirche in den letzen zwei Jahren nicht geändert. 
Wohltuend, interessant und heilsam ist in diesem Zusammenhang immer ein Blick zurück auf die Geschichte, wo Frauen durchaus Macht hatten: 
Die Äbtissinnen von Las Huelgas in Kastilien war die Grundherrin über über 60 Herrschaften und Ortschaften, ließ Kandidaten zur Priesterweihe zu, bestellte Pfarrer und erteilte die Beicht- und Predigtvollmacht. Wenn man mal vom Predigtdienst und vom Vorstehen bei der Messe absieht, hatte so eine Prälatin die gleichen Befugnisse, wie etwa ein Abt von Admont. So was hat’s gegeben. 
Katharina von Siena und Birgitta von Schweden übten Druck auf den Papst aus, so dass dieser wieder von Avignon nach Rom zurückkehrt. 
Zu nennen wäre natürlich auch noch Hildegard von Bingen, die in Korrespondenz mit allen anderen Größen ihrer Zeit stand.
Alles interessanterweise Frauen des ach so düsteren Mittelalters. Und eine weitere Frau möchte ich heute an ihrem Festtag erwähnen: Klara von Assisi, die sich Anfang des 13. Jh. mit 19 Jahren der Armutsbewegung des heiligen Franziskus anschloss. Ihre Statue steht in der Südwestlichen Kapelle und sie wird immer mit einer Monstranz dargestellt. 
Mit gerade mal 31 Jahren war sie ganz ans Bett gefesselt. Aber deshalb hat ihr Wirken nicht aufgehört. So wird zum Beispiel berichtet, dass Soldaten des exkommunizierten Kaiser Friedrich II. in der Assisi plündern wollten. Sie hat ihr Krankenbett kurz verlassen, ließ sich vor die Pforte ihres Klosters tragen und hielt den Räubern die Monstranz entgegen. Die waren so erschreckt, dass sie von dannen zogen. 
Ihr ganzes Leben kämpfte Klara um ihre eigene Ordensregel. Zwei Tage vor ihrem Tod wurde die Regel des Klarissenordens von Papst Innozenz IV. bestätigt. 
Warum hat das so lang gedauert? Wahrscheinlich weil die Päpste es doch nur gut mit ihr meinten und den jungen Orden mit ein paar Privilegien ausstatten wollten. Doch Klara wollte das Privileg, keine Privilegien zu haben. 
Darin liegt das Geheimnis dieser starken, zarten Frau. 
Ich würde hier vorne nicht stehen, wenn ich nicht von so vielen starken, zarten Frauen umgeben wäre. Zuerst natürlich die Mutter der Gnade, die mich im Rosenkranzgebet immer wieder an die Hand nimmt und mit mir das Leben ihres Sohnes Jesus Christus betrachtet. 
Aber dann natürlich auch Rosalia, Katharina, Barbara und Cäcilia, die überlebensgroß hier in der Kirche einen Kreis bilden und mich immer wieder zum Kreuz Jesu führen und mich anleiten wollen, das Kreuz zärtlich zu umarmen. 
Ihre Hüften sind gegürtet und ihre Lampen brennen! Sie sind Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!
Ich denke natürlich auch an die Frauen, die mit so viel Engagement das Friedensgebet in Irdning oder die Anbetung in Liezen organisieren. An unsere Mesnerinnen und Pfarrgemeinderäte, ohne die unsere Pfarren längst einpacken könnten. An die Sängerinnen, die im Duett oder im Chor ihre Liebe zum Herrn besingen. An die von Frauen gehaltenen Betstunden. 
Und natürlich ist unsere Kirche eine Kirche von Frauen. Und warum sollte man ihnen nicht mehr Privilegien geben?
Trotzdem ist für mich die Äbtissin von Burgos (Las Huelgas in Kastilien) kein Beispiel, wie Kirche im 21. Jh. gestaltet werden soll. Katharina, Brigitta, Hildegard und natürlich Klara, das sind die starken, sanften Frauen, die uns Männern der Kirche den Spiegel vorhalten und uns alle geistlich weiterbringen. 

Stelle Deinen Geist vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Glanz der Glorie, stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit und forme Dich selbst durch die Beschauung gänzlich um in das Abbild seiner Gottheit. (Aus dem Dritten Brief der heiligen Klara an die heilige Agnes von Prag)

Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.

Samstag, 10. August 2019

das Gebet von Sara und Tobias - Predigt zur Hochzeit

Hochzeitspredigt zum Gebet von Sara und Tobias (Tob 8, 4-8)
Liebe N., lieber N.
Ich muss zugeben, das ist eine etwas gewagte Lesung. Sie stammt aus dem kleinen alttestamentlichen Buch Tobit, dass vom jungen Tobias erzählt, der mit seinem Hündchen und dem Erzengel Raphael auf eine gefährliche Reise geschickt wird und dort schließlich auch seine Frau Sara kennen- und lieben lernt. 
Die Umstände für die beiden scheinen alles andere als günstig, deshalb endet die Lesung heute auch so schiach: 
Raguël (es handelt sich um den Vater der Braut) stand auf und rief die Knechte zu sich und sie gingen und hoben ein Grab aus. Tob 8,8
Er „weiß“, dass die Geschichte schlecht enden muss. Vielleicht steht Raguël für all die Dumpfbacken auf der Welt, die eh wissen, dass es schief gehen muss, dass darauf ja kein Segen liegen kann. Natürlich kann man sich trotzig erheben und ein „jetzt erst recht“ sprechen. Aber das geschieht in unserer Erzählung nicht egoistisch und kämpferisch, sondern zärtlich und innig. Kurz bevor sich die beiden miteinander ins Bett legen raffen sie sich auf zum Gebet. So typisch für ein biblisches bzw. christliches Gebet ist, dass man Gott an seine Heilstaten erinnert. So nach dem Motto: Gott, Du hast doch diese wunderbare Welt gemacht und alle Geschöpfe inklusive uns heute, sollen, ja wollen, Dich preisen & Dir danken… Gott, Du hast doch den Menschen als Mann und Frau erschaffen.. Gott, Du siehst doch selber keinen Sinn darin, dass der Mensch allein bleibt…
Und jetzt kommt etwas total Interessantes: Sara und Tobias beten nicht, dass Gott ihnen verzeiht / sich ihrer erbarmt, sondern sie sie beten: 
Befiehl, dass wir beide Erbarmen finden. Tob 8,7b
Sie vertrauen, darauf, dass sie beide bei Gott sind und dass ER ihnen längst verziehen hat. Dass sie mit Gott im Licht sind. Aber sie merken, wie schwoarz und dunkel manchmal die Umgebung sein kann und sie beten, dass sie in der Welt, in ihrer Umgebung bei den anderen Menschen Erbarmen erfahren. 
Liebe Sara, lieber Tobias, eh nein, 
liebe N, lieber N. 
Ich wünsche Euch, dass Ihr Euch geborgen wisst: In Eurer Familie, bei Euren Freunden und beim menschenfreundlichen Gott. 
Dass alles glatt geht, das wünsche ich Euch nicht; 
aber dass Ihr mit viel Kraft und Kreativität die Gefahren und Ausweglosigkeiten meistert, das wünsche ich Euch. Mit Gottes und Eurer Freunde Hilfe. Amen. 

Sonntag, 4. August 2019

ein Gnadenjahr des Herrn - Sonntagspredigt

Ich find´s immer so lustig, wenn man denkt bestimmte soziologische Gegebenheiten oder Schwierigkeiten gäbe es erst heute. ZB die Patschworkfamilie. (oder heisst es „paatschworkfamily“?) Was war denn die Heilige Familie anders, wo der Josef eben nicht der leibliche Vater war und Maria und das Kind als liebender Ehemann und Vater angenommen hat? Die halbe Unterlaussa bestand vor 100 Jahren aus Patschworkfamilien. Und jetzt wollen sie uns beibringen, das wäre etwas neues. 
Oder ich denke an Erbstreitigkeiten. An Familienstreit und Neid, die oft nach einem Erbe entstehen. So rischdisch bös Blut. Gerade Bauern sind da oft betroffen. 
Und gegeben hat’s das schon vor 2000 Jahren, wie wir heute im Evangelium gehört haben. Da ist es doch selbstverständlich, dass man zum Rabbi geht und sagt, er solle das klären. Die Familie droht zu zerreißen und Jesus will sich da nicht einmischen?! Er ist offenbar nicht zuständig. „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?“ 
Das klingt so ähnlich wie Papst Franziskus, der in einer Pressekonferenz in seinem Raumschiff, nein natürlich in der Alitalia -Maschine zwischen Brasilien und Rom 2013 diesen Halbsatz gesagt hat: „(…) wer bin ich, um ihn zu verurteilen?“ (Quelle)
Man erwartet manchmal vergebens von einer Autorität eine Aussage, einen Freispruch, eine klare Ansage.
Aber vielleicht will unser Herr Jesus mit seiner Zurückweisung und mit dieser Geschichte einfach nur auf des Pudels Kern hindeuten: Was bringt das beste Urteil, wenn ich zutiefst unzufrieden in meinem Herzen bin? Was bringt es, wenn ich mehr bekomme und dann immer noch mehr will? 
Der Bauer aus dem Gleichnis hat die Sache nicht verstanden und hat das Größtmögliche für sich aus dem Ackerboden herausgeholt. „So sehen Sieger aus!“, würden die Kinder dieser Welt singen. 
(1) Ein vernünftiger Bauer weiß, dass er seinen Boden auch schonen muss. (2) Ein vernünftiger Unternehmer weiß, dass er seinen Arbeitern Freizeit gönnt usw.
Im 2. Buch Mose (Exodus) gibt es eine Beschränkung, damit der Mensch „nicht das Letzte (…)  – aus den Ressourcen der Erde aus dem Kapital, aus der Arbeitskraft der Anderen (und aus der eigenen auch) herauszuholt.“
Es geht dabei um keine Vierjahresfolge wie beim Schaltjahr oder bei der Olympiade oder um eine Dekade, sondern um sechs Jahre Arbeit und dann ein Sabbatjahr. Wir kennen das ja von der Wocheneinteilung (sechs Arbeitstage und einen Tag der Ruhe). In diesem Sabbatjahr soll das Feld brach liegen. Und dann kannte das 2. Buch Mose auch noch ein Jubeljahr nach sechs Sabbatjahren - also alle 50 Jahre - sollte nicht nur das Feld nicht bestellt werden, sondern auch die Arbeitnehmer in die Freiheit entlassen und die Schulden erlassen werden. 
Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die fleißigen Römer über diese Sitte der Israeliten dachten: „Solche faulen Säcke.“
Aber wie hat eigentlich Jesus darüber gedacht? Bei der Wochenruhe fallen uns die Episoden ein, wo ER am Sabbat geheilt hat, wo Seine hungrigen Schüler Ähren abrissen und wo ER gesagt hat: „Der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat.“ 
Aber was ist mit dem Sabbatjahr und dem Jubeljahr? 
Ganz zu Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu findet das Erwähnung: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ Lk 4,18
Vielleicht ist dieses Jubeljahr schon in Vergessenheit geraten. Jesus erneuert es. 
Jesus erneuert es durch uns. Denn wir sind Gesalbte, wir sind Christen und sollen (wie es uns Paulus heute schreibt) Unzucht, Unreinheit, Leidenschaft, böse Begierde, Lüge und die Habsucht in uns töten. Das ist wahrlich ein Gnadenjahr des HERRN. Das ist wahrlich neue Schöpfung. 


Samstag, 27. Juli 2019

Requiem für einen Maurer

Lesungen: 1 Kor 3, 10-15 und Lk 6,17.20.47-49.

Liebe Trauerfamilie, liebe Schwestern und Brüder.
In einer wichtigen Sache unterscheiden ich mich vom verstorbenen NN und von Jesus, dem Sohn des Zimmermanns: Im Gegensatz zu mir waren beide fähig ein Haus zu bauen. 😉
In beiden Lesungen wird heute das Leben oder das Werk eines Menschen mit dem Hausbau verglichen. Klar wird hier, dass sowohl Paulus als auch Jesus gelernte Handwerker waren. Klar hier wird hier, dass Hausbau oder Lebenswerk nicht husch husch gehen, sondern man ein Fundament haben muss und den Mörtel entsprechend mischen muss, damit er hält. 
Geduld und Liebe sind sicher zwei Dinge, die Euren lieben Verstorbenen auszeichnen. Geduld und Liebe braucht man als Maurer, aber die beiden sind auch unerlässlich, wenn man wieder aufeinander zugehen will und sich die Hände reichen will. 
In Geduld und Liebe hat er auch die letzten Monate auf sein Leben zurückgeblickt. Vielleicht seid ihr jetzt in Gedanken mit ihm; aber ebenso hat er auch euch in seinem Herzen mitgenommen. Denn die Liebe hört niemals auf. 
Geduld und Liebe sind zwei Eigenschaften, die sicher auch aus der Hoffnung gespeist werden. 
Eine Hoffnung wider aller Hoffnungslosigkeit. 
Gerade in seiner Krankheit hat er N gezeigt, wie viel Hoffnung in ihm steckt und dadurch hat er nicht nur sich, sondern auch seinem Umfeld Kraft gegeben. 
Und sicher war es zum Schluss auch die Hoffnung auf eine
Wohnung im Himmel. Ich kann mir zwar vorstellen, dass er auch dort noch die ein oder andere Wand aufstellen wird und sein himmlisches Haus entsprechend gestalten wird. 😀 Aber viel wichtiger scheint mir, dass er dort mit offenen Armen von unserm himmlischen Vater geduldig und liebend empfangen wird. Amen. 

Freitag, 19. Juli 2019

Requiem - Predigt zum Evangelium "Marta und Maria"

Für viele ist der Tod etwas endgültiges. So wie Leben auf wunderbare Weise entsteht und wir dabei auch bewundernd diese sagenhafte Werden anschauen, so hat auch alles Lebende gleich den Tod in seiner DNA mitbekommen - im Rucksack tragen wir den Tod seit der der Geburt mit uns mit. 
Und ich stimme ja durchaus, was die Endgültigkeit betrifft, überein, wenn ich mir bewusst werde, dass es hier in diesem Leben mit der Verstorbenen kein Wiedersehen geben wird. 
Als manchmal zweifelnder, aber dennoch gläubiger Christ glaube ich an das Gute und dass Gott nicht nur alles Gute in sich vereint, sondern es auch gut meint mit seiner Schöpfung. ER will seine Schöpfung retten und damit ganz eng an seine Brust ziehen. Dieses göttliche Angenommen-Sein nennen wir Taufgnade: „N, Du bist meine geliebte Tochter“ sprach unser Herrgott in der Taufe vor über 80 Jahren zu Dir.  „N, Du bist meine geliebte Tochter“, so spricht unser Herrgott auch heute nach Deinem leiblichen Tod zu Dir. Deutlich wird das zB auch in der Taufe, wo der Mensch mit einem Taufkleid ein neues Gewand anzieht. Bekleidet mit den Gewändern des Heils. 
Es ist vor allem auch ein Gewand der Freude. „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“
Dieses Angenommensein hat Eure liebe Verstorbene Mutter, Schwiegermutter und Großmutter durch ihren Herrgott wahrgenommen. Sie hat es aber in ihrem ganzen Leben gelebt und erlebt durch das gegenseitige Annehmen: In ihren Eltern, in ihren Kindern, in ihrer Schwiegermutter, in ihren Enkeln und Urenkeln. 
Voll Dankbarkeit kann man also am heutigen Tag sagen, dass ihr Leben ein großartiges Lied war und ist, dass vom Angenommen-Sein erzählt. 

Wir haben gerade auch das Evangelium vom kommenden Sonntag gehört. Da ist von zwei Seiten unseres Menschseins die Rede: Die aktive und die passive Seite. 
In unserm Gespräch am Dienstag und in den niedergeschriebenen Erinnerungen haben Sie, liebe Trauerfamilie, ja beschrieben, was Sie alles gemeinsam unternommen haben. Wie sich N selbst zurückgenommen hat, um anderen zu helfen und zur Seite zu stehen. Die Sorge der Marta ist wichtig.
Aber viel entscheidender und deshalb auch in der Trauer das Herz viel mehr belastend, ist einfach nur im Dasein oder jetzt eben Nicht-Mehr-Dasein grundgelegt. Dieses Gefühl beim andern, man ist willkommen, dieses gute Gefühl im Herzen, sie ist da oder jetzt eben, sie ist nicht mehr da. 
Liebe Trauerfamilien x und y. 
Liebe Trauergemeinde.
Im Tod wird vielleicht nochmal besonders deutlich, dass ich einen Menschen, den ich liebe, dass ich ihn habe, aber niemals besitze. 
Ich sehe den Rückblick auf das Leben Eurer lieben verstorbenen Mutter, Schwiegermutter und Großmutter auch als Erinnerung für uns, dass wir füreinander da sind. 
Als Christ glaube ich, dass N jetzt ganz bei Gott ist und auch wieder mit ihrem Mann vereint beim himmlischen Hochzeitsmahl. 
Dieses „Bei-Gott-Zu-Gast-Sein bzw. „Bei-Gott-Sein“, dass ist es auch, was wir in der Heiligen Messe feiern und deshalb fühlen wir uns gerade beim gemeinsamen Brechen des Brotes, bei der Eucharistie, mit unserer lieben Verstorbenen besonders verbunden. 

Lesungen: 1 Kor 15,54-58; Lk 10,38–42,

Sonntag, 14. Juli 2019

Nächstenliebe und Gottesliebe

Vorletzte Woche bin ich mit einer Gruppe russischer Christen über unser Stiftsgelände gegangen. Und da kamen wir auch am Stiftsgymnasium vorbei. Da fragte eine Russin, was den diese Schule von anderen Schulen unterscheiden würde. 
Wir hatten was ein Glück einen ehemaligen Direktor einer Wiener Caritas-Schule dabei, der sogleich erklärte, wie sich eine kirchliche Schule finanziert; da werden zB die Lehrerinnen und Lehrer vom Staat bezahlt. Die Baulast hat der kirchliche Träger, kann aber in besonderen Fällen um Zuschüsse bitten. 
Ich war natürlich heilfroh, dass ich jemanden dabei hatte, der die Frage so kompetent beantworten konnte. 
Ich war natürlich heilfroh, dass man so dem eigentlichen Thema entfliehen konnte. Denn ich kann mir vorstellen, dass diese russische Dame etwas vom gelebten christlichen Glauben, vom Miteinander an der Schule, von den gemeinsamen Gottesdiensten hören wollte. 
Irgendwann vor zehn Jahren hatte sich unsere Schule mal ein Leitbild gegeben. Es war der evangelische Pfarrer Mag. Dr. Gernot Hochhauser, der bei der 375-Jahr-Feier des Stiftsgymnasiums daran erinnerte: LEBEN LERNEN, GOTT SUCHEN, RESPEKT UND VERTRAUEN, ACHTSAMKEIT, GEMEINSCHAFT.
Ich glaube mich zu erinnern, dass ich damals im Vorfeld dieser Formulierung des Leitbilds kritisiert habe, dass statt „Nächstenliebe“ das Wort „Respekt“ benutzt wird. Man hat vielleicht deswegen, damals geschrieben „RESPEKT UND VERTRAUEN“ - keine Ahnung. Weil Respekt klingt für mich nach „Recht einfordern“, nach Respektsperson, Respekt vor dem Alter… Aber dafür brauche ich keine christliche Schule und keinen christlichen Glauben. Schade, dass dieser Begriff Nächstenliebe aus dem heutigen Evangelium selbst nicht mehr von Christen gebraucht wird. Könnte ja was typisch Christliches sein. Statt dessen heisst es also „Respekt und Vertrauen“.  Auch gut. 

Für was brauche ich überhaupt einen christlichen Glauben? Man kann auch so ein guter Mensch sein. 
Wenn man das heutige Evangelium flüchtig überfliegt, dann ist es vielleicht einfach nur eine Anweisung gut am Nächsten zu handeln. Und der Nächste ist nicht mein Glaubensbruder und nicht mein Landsmann, sondern der Fremde. Punkt. 
Genau deshalb lese ich ja den ganzen Text vor und nicht nur ein Happerl. Die Anfangsfrage des Schriftgelehrten war die nach dem Ewigen Leben. Ein Mensch hat kein ewiges Leben aus sich heraus. Wir sind die gefallene Menschheit, wir sind Sünderinnen und Sünder und wir müssen alle sterben. 
Wenn hier vom ewigem Leben die Rede ist, dann ist hier von Gott die Rede. Deshalb empfehle ich statt „ewig“ „göttlich“ zu lesen. 
Was muss ich tun, um göttliches Leben zu erben? Was muss ich tun, um ganz nah bei Gott zu sein? Was muss ich tun, um göttliches, ewiges Leben zu erben?
Dass heisst im Evangelium entspringt das Gute Handeln dem festen Willen zu Gott zu gehören. Das ist unser Antrieb. 
Und ich möchte hier einen neuen Begriff hineinwerfen, der zutiefst das Christentum und die katholische Kirche beschreiben: Universalität. Für alle. 
Die Kirche ist keine Nationalkirche. Die Nächstenliebe richtet sich auch nicht nur an bestimmte Volksgruppen. Man muss auch die Deutschen zB. (oder die Afghanen, die US-Amerikaner oder…) lieben. 
Das liegt einfach in der Liebe Gottes begründet, die keine Grenzen kennt. 
Man zeichnet gerne Hassgrenzen zwischen den einzelnen Völkern und zeigt sich dann von der Ferne entsetzt.
Ich selber muss gestehen, dass ich auch Grenzen ziehe und oft wie der Priester und Levit im Evangelium weiter ziehe. 
Wie gerne würde ich mir meine Oberen, meine Brüder, meine Gäste anders backen. Immer gefallen die mir nicht. 
Du kannst dir deinen Nächsten nicht malen. Er oder sie wird immer wieder ganz konkret vor dir stehen. 

Für diese neue Woche wünsche ich Ihnen ein offenes Ohr, Tatkraft und das rechte Wort zur rechten Zeit auf den Lippen. 
Ganz eng sind diese beiden Gebote miteinander verbunden: Gottesliebe und Nächstenliebe. 
Es ist die selbe göttliche Kraft.
Die Kraft in mir, die es fertigbringt, dem anderen zu helfen und 
die Kraft der göttlichen Liebe, die mich aus dem Todesdschungel befreit. 
Dein Nächster / Deine Nächste steht schon gleich um die Ecke. Öffne ihr/ öffne Ihm dein Herz, so wie ER (Gott) Sein Herz für Dich öffnet. 

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Montag, 27. Mai 2019

Krise - Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit

In einer Krise befanden sich die Apostel und Ältesten am Anfang der Kirche. Große Unruhe breitete sich aus...
Zuerst hatte man den Nichtjuden gesagt, alles kein Problem, Ihr könnt auch getauft werden, ohne Jude zu werden oder die Gesetze des Alten Testaments anzunehmen. Und jetzt plötzlich wird ihnen gesagt, sie müssen sich doch beschneiden lassen. 
Mit welchem Selbstbewusstsein die Kirche antwortet ist genial. Die Paulus und Barnabas gehen nicht selber, sondern sie ermächtigen zwei andere: Judas, genannt Barsabbas, und Silas. 
Und natürlich ist es Autorität, die hier hervortritt: 
Denn der Heilige Geist und wir haben beschlossen, euch keine weitere Last aufzuerlegen als diese notwendigen Dinge (...) Apg 15,28
Für mich erkenne ich hier drei Wirkungsmächte des Heiligen Geistes:
ER hilft uns zu verstehen, was Jesus gemeint hat. Schließlich hat er die Pharisäer immer bekrittelt, dass sie den andern immer mehr und mehr Lasten aufbürden, sich selber aber nicht daran halten. Christsein heisst, frei sein von Zwängen und Ängsten und sich mutig dem Rufe Gottes im Alltag zu öffnen.
ER (der Heilige Geist) zieht Kreise. Nicht einer allein ist befähigt, sondern man gibt Verantwortung weiter. 
ER (der Heilige Geist) verhindert alte Wege und geht mit uns neue Wege. 
Es wird in diesen Tagen immer so getan, als ob aus einer Krise nur Untergang erwachsen kann. Sama ehrlich. Stagnation ist etwas viel schlimmeres, da in ihr niemals etwas neues erwachsen kann. Bei mir kommt da auch immer wieder das Bild von Jesus im Sturm hoch. Er ist in sich ruhend und um in herum ist alles laut und wankend. 
Komm Heiliger Geist, schenke uns Ruhe und Kraft, damit wir in den Stürmen unseres Lebens bestehen können und gestärkt daraus erwachsen. 

Texte vom 6. SONNTAG DER OSTERZEIT C
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Samstag, 18. Mai 2019

Mitgestalter dieser neuen Schöpfung

(Geliebte.) Kann man Blicke auf seinem Rücken spüren?
Also ich glaub schon. Und ich glaube die Gefährten Jesu haben Judas argwöhnisch nachgeschaut, als er den Saal verlies und der Verräter hat das gespürt. (Lesungen des Sonntags) Und der HERR?
Er hätte ALLEN GRUND DER WELT zum Groll gehabt. Er hätte die Augen verdrehen können, als Judas hinausging.  Aber das alles hat er nicht gemacht.
Ich denke, wie oft wir Groll haben. Wie oft wir andere und LEIDER auch uns selbst verfluchen. Und dafür haben wir doch so wenig oder gar keinen Grund. 
Wie oft wir die Augen verdrehen und denken, dass wir etwas besseres sind.
Wir begegnen hier dem Menschensohn, der voll Liebe ist. 
Gott ist die Liebe. 1 Joh 4,8b 
Wenn wir lieben, dann vergessen wir oft die Zeit. Man bleibt lange beieinander. Man verspricht sich Treue bis in Ewigkeit. Also anscheinend ist die Liebe wirklich auf Ewigkeit angelegt. Und so verstehe ich auch diese Vorwegnahme Jesu, die so typisch für das Johannesevangelium ist. Der Menschensohn Jesus ist verherrlicht, weil er liebt und in dieser Liebe bleibt. 
Und das ist auch Sein Testament an uns. Wenn wir einander lieben, wenn wir den Liebesdienst einander tun, dann bleiben wir in IHM. So steht ja auch im Johannesevangelium da, wo bei den anderen Evangelisten die Einsetzung der Heiligen Eu Eucharistie steht, die Fußwaschung. 
Christus Jesus bereitet seine Jünger und uns darauf vor, dass etwas Neues beginnt. Es geht darum, dass wir in die Liebe des Dreifaltigen Gottes hineingenommen sind. 
So sagt er: 
„Ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.“  Joh 13,33a
Eine traurige Nachricht an sich. 
Der Autor der Offenbarung hat eine kräftige Vision. Doch er hat weder Drogen genommen, noch hat ihm sein Glaube den Verstand geraubt, sondern er ist in der Liebe. Er liebt und sieht diese Welt mit anderen Augen. Er sieht das, was wirklich zählt. Dieser Blick der Liebe ist nicht der Blick durch eine rosarote Brille, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat.  Nein, realitätsfremd ist des nicht. 
Diese Vision des Johannes ist keine Es-wird-irgendwann-mal-alles-wieder-gut-Vision; sie ist viel mehr eine super starke Tröstung. Nicht eine Vertröstung auf Später, sondern eine Tröstung im Hier und Jetzt. „Denn was früher war, ist vergangen.“ Gott macht alles neu, macht seine ganze Schöpfung neu. Und wir sind Mitgestalter dieser neuen Schöpfung. 
Ostern ist also der Sieg über den Tod. Ostern ist aber auch ein Fest, dass Auswirkungen haben muss auf unser HIER UND JETZT. Seit unserer Taufe sind wir dafür verantwortlich, wenn in Hall oder Admont, in unserer Firma, an unserer Schule, in unserer Familie nicht genug geliebt wird.
Liebe ist eine Kraft, die Neues schafft. Wir Christen wollen Neues. Wir leben voll Sehnsucht. Wir haben dieses Ziel der Gottesherrschaft und dürfen dem alles unterordnen. Dürfen so das Unwichtige, das Dunkle, das was nicht Liebe ist in uns, zurücklassen. 
Und vor allem sollen wir einander lieben. Sollen diesen Blick der Liebe üben. Sollen einander annehmen, wie er uns als seine Kinder angenommen hat. 
Wirkliche Liebe will immer Neues und Wachstum in den Beziehungen und will letztlich auch Ewigkeit.

Sonntag, 12. Mai 2019

der Hirte kennt seine Schafe

Sonntag, Montag, Dienstag der vergangenen Woche wurde in der berühmten Abtei Maria Laach in der Eifel kein Abt gewählt. Nach jahrelangen Streitereien haben es die ca. 30 Mönche auch dieses Mal nicht geschafft, sich auf einen Kandidaten zu einigen. Maria Laach ist in Deutschland nicht irgendein Kloster. Es hatte und hat Vorbildcharakter, wenn ich nur an die Postkarten, die Gärtnerei, die unzähligen Betriebe der Abtei denke. Maria Laach, da denke ich auch daran, dass der erste deutsche Bundeskanzler in dieser Abtei 1933 für ein Jahr bleiben konnte, weil er in der Stadt, wo er Oberbürgermeister war, plötzlich Persona non grata war. (Quelle)

Man kann sich ungefähr vorstellen, wie die Leute auf die Nichtwahl eines Oberen in Maria Laach reagiert haben: Trauer und Ohnmacht nach dem Motto „Wie soll es weiter gehen?“ Und machmal gab es dann auch Häme, nach dem Motto: „Seht wie sie einander lieben.“ 
Das Hirtesein ist in den Tagen wie diesen ja schon schwer, aber jetzt findet man auch gar keine Hirten mehr?! 
Die Tragweite einer Nichtwahl wird auch daran deutlich, dass es für ein Benediktinerkloster ein Privileg ist, dass sie ihren Abt eigenständig wählen dürfen und damit eine ziemlich große Unabhängigkeit genießen. 
Wahrscheinlich haben die Reporter Recht, wenn sie von Flügelkämpfen innerhalb der Abtei sprechen; die einen wollen das Kloster mehr nach außen öffnen (kulturell, medienwirksam), die anderen wollen sich mehr der Stille und Strenge des benediktinischen Lebens widmen.
Wie kann man Richtungskämpfe unterbinden oder gar verhindern? In einer Demokratie würde ich sagen durch Konsens, den kleinsten gemeinsamer Nenner oder die Besinnung auf das große Ganze. 
Aber Moment: Die Kirche ist ja keine Demokratie. Da ist es dann so, dass ein Bischof, ein Abt oder ein Pfarrer die Stoßrichtung vorgibt. Ganz im Sinne des guten Hirten vertraut dann die Herde, dass der Hirte es gut mit ihr meint und die Richtung schon stimmt. 
Und diesem Bild stämmen sich Kirchenkritiker mit aller Gewalt entgegen. „Wir wollen nicht Schaf sein!“ „Wir wollen unseren Hirten selber wählen!“ 
Und in der Tat haben sie Recht, wenn (ja wenn) der Hirte seine Schafe nicht kennt. Wie soll man jemandem folgen, den man nicht kennt? Wie soll mich jemand leiten, wenn er mich nicht kennt? 
Jesus bringt das Hirtesein auf diesen einen Punkt: 
„ich kenne sie, und sie folgen mir.“ Joh 10, 27b
Mir ist das zum Beispiel aufgefallen während der spirinight am Freitagabend. Da hatte ich eine Gruppe Jugendlicher vor mir sitzen. Ich habe ihnen etwas über meine Gebetspraxis erzählt und welche Formen des Gebets ich kenne und empfehle. Da fühlte sich einer bemüßigt, mich über den Missbrauch in den 70er Jahren zu befragen. Ob das denn wahr sei.. 
In dem Moment war mir klar, dass zB. die jungen Firmkandidaten ihre Priester gar nicht mehr kennen. Wir sind soooooooo weit weg. Nicht mehr präsent. Einmal - natürlich - weil wir weniger sind und nicht mehr jede Pfarre ihren Pfarrer hat, aber auch weil wir etwa kaum noch in den Schulen sind oder da sind, wo junge Leute sind. Und umgekehrt natürlich auch: Die jungen Leute gehen nicht mehr in die Kirche und wissen auch nichts mehr von ihrem Glauben, auf den sie eigentlich getauft sind. 

Es gibt für die Krise der Kirche verschiedene Lösungsansätze und ich möchte hier nur auf einen hinweisen: Jesus und später in der Apostelgeschichte Paulus und Barnabas gehen zu den Leuten und da wenden sie sich vor allem an die, die am Rande stehen, die nicht 100 % dazu gehören. 
Das sind in der heutigen Lesung die Proselyten. Leute, die nach strengem jüdischen Gesetz keine Juden waren, aber doch nach den Geboten der Thora leben wollten.
Christen, die sich um die Menschen am Rande kümmern, sind glaubwürdig.
Das ist ja auch das Bild vom Guten Hirten bei Jesus, der alle 99 zurücklässt, um das eine verlorene Schaf zu retten. „Ich habe dich zum Licht für die Völker gemacht, bis an das Ende der Erde sollst du das Heil sein.“ 
Und bei aller Demokratiedebatte in der Kirche darf man nicht vergessen, dass jeder getaufte Christ die Aufgabe hat, (1) den Glauben weiter zu geben, (2) Missstände anzuprangern und (3) sein eigenes Leben zu ordnen. 
Des Weiteren hat jeder getaufte Christ die Aufgabe, die Hirten an ihre Aufgaben zu erinnern. 
  • „Bitte Herr Pater schauen sie nach Frau X, die so einsam ist, ich gehe auch mit ihnen dorthin.“
  • „Bitte Herr Pater beten sie für Familie Y.“ <— das habe ich desöfteren in Ardning erlebt.
  • „Bitte Herr Pater, predigen sie mal wieder über den Muttertag und nicht nur über sich und ihresgleichen.“ 


Wie es der Geist ihnen eingab. Amen. 

Montag, 6. Mai 2019

Zwei Wölfe wohnen in jeder Brust

Ein alter, weiser Indianer sagte einmal zu einem Indianerbub: „Zwei Wölfe wohnen in jeder Brust: Ein Wolf der Dunkelheit, des Neides und der Verzweiflung und ein Wolf des Lichtes, der Liebe und der Vergebung.“ Darauf der Indianerbub: „Und welcher Wolf wird gewinnen?“ Der alte Indianer antwortet: „Der, den ich füttere.“

Samstag, 27. April 2019

Fertiges und Unfertiges in der jungen Kirche

Egal, ob ein Gemälde, ein Kirchenbau, ein Haus mit Garten, ein Buch oder ein Kinofilm. Der Mensch will da etwas perfektes schaffen. Etwas, das zu Ende gedacht ist und nicht nach 20 Minuten schon langweilig. Ähnlich ist das Johannes Evangelium komponiert. Nicht ohne Grund nennt man ihn ja „Johannes den Theologen“. Das fängt an mit dem Johannesprolog am Christtag und endet mit der ganz persönlichen Begegnung des Auferstandenen
  • mit der Apostelin der Apostel Maria (Joh 20)
  • mit dem Zweifler Thomas (Joh 20)
  • mit dem Apostelfürst Petrus. (Joh 21)
Ganz anders und manchmal unklar scheint mir da zum Beispiel das Markusevangelium. Da gibt es zum Beispiel am 16. Kapitel eine Erscheinung des Auferstandenen, die wahrscheinlich nachträglich zugefügt wurde. Wenn man diesen zugefügten Teil weg lässt, wäre das Ende des Markusevangeliums ziemlich trostlos. 
Da verließen sie das Grab und flohen; Den Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemandem etwas davon. Denn sie fürchteten sich. Markus 16,8
Na bravo, so kann man doch nicht eine Frohe Botschaft ändern lassen. 🔚 Das hat sich wahrscheinlich ein frommer Schreiberling gedacht und noch ein paar Verse hinzugefügt.
Kirche ist nichts fertiges. Das wird auch gerade in der Apostelgeschichte deutlich. Es gab damals keine Kirchengebäude aus Holz geschweige denn aus Stein. So versammelten sie sich in der Halle des Salomon - irgendeine äußere Säulenhalle unter ferner liefen. 
Auf der einen Seite erlebt die junge Kirche einen starken Zuspruch: Scharen von Männer und Frauen wurden zum Glauben geführt. Von außerhalb kamen viele Leute, um sich heilen zu lassen.
Auf der anderen Seite erlebt die junge Kirche eine starke Ablehnung. „Die übrigen wagten sich nicht, sich anzuschließen.“ noch im selben Kapitel ist von der Gefangennahme und der Freilassung der Apostel die Rede. Zwei Kapitel später (K7) erfährt man von der Steinigung des Stephanus. 
Kirche wird nie allein von der Auferstehung her gedacht, sondern es bedarf des Heiligen Geistes; deshalb feiern wir ja das Pfingstfest in sechs Wochen als Geburtstag der Kirche. 
Der Heilige Geist ist die Kraft in uns zu vergeben und Vergebung anzunehmen. Der Heilige Geist schafft eine heilige Woche. Es ist ja schon im heutigen Evangelium dieser besondere Wochen Rhythmus zu erkennen. Die Jünger trafen sich am Sonntag abend. Und dann eine Woche darauf kommt Jesus wieder in die Mitte der Jünger, jetzt ist auch Thomas dabei. Dies ist unser Auftrag: vergöttlichen wir den Sonntag und mit ihm die ganze Woche.

Texte des 2. Sonntags der Osterzeit
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Donnerstag, 18. April 2019

Schule des Gebets

Benediktinerstift Admont im Frühling 2019
Das Bild des brennenden Dachstuhls der Kathedrale Notre Dame in Paris hat sich in unser Gedächtnis eingeprägt. Sehr bewegt haben mich in der Nacht des Unglücks die Gesänge von einigen Parisern, die sich spontan zum Gesang und zum Gebet in einigem Abstand zur Kathedrale versammelt haben. Wie kommt dieses Lied und dieses Wort in einer Notlage auf deren Lippen? 
Wenn ich in Zeiten, wo es mir gut geht keine Lieder und Gebete habe, wie soll ich dann in Zeiten der Furcht und des Schreckens die richtige Melodie und die richtigen Worte finden?
Deshalb ist die Schule des Gebets so wichtig.
Am Sonntag habe ich eine Taufe in Frauenberg. Beim Taufgespräch hat mir der Vater von seinen Gebeten erzählt: Wie er mit seiner Tochter betet oder wie er den Rosenkranz betet. Ich kann mir vorstellen, dass einige Menschen in seiner Umgebung ihn belächeln und manchmal nicht für voll nehmen. Aber für den Vater ist Gebet eben keine Laune und kein überkommener Brauch sondern stete Gewohnheit. 
Jesus nimmt uns auf in die Schule des Gebets. 
Da sind zum Beispiel am Ostertag die enttäuschten Emmausjünger, deren Hoffnung vom stillen Begleiter (ja, es ist der Herr!) geweckt wird und die ihn schließlich drängen: „Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt!“ Auf den ersten Blick ist dies eine Geste der Gastfreundschaft, doch auf den zweiten Blick ist es ein inniges Gebet: „Gott, lass uns nicht allein in unserm Leben, wenn es dunkel wird.“
Da ist der Apostelfürst Petrus, der mit seiner Treue zu Gott prahlt wie ein Blinder mit einem Glasauge. Als es drauf ankam, war er so klein mit Hut und hat seinen Herrn Jesus dreimal verleugnet. Am See Genezareth fragt ihn Jesus dreimal „Liebst du mich?“ Nach dem dritten Mal sagt Petrus traurig: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebe.“ Er spürt sein eigenes Versagen und im selben Moment die vergebende Liebe Gottes. 
Da ist der ungläubige Apostel Thomas, der nicht dabei war, als der auferstandene Herr Jesus die versammelte Jüngerschar trifft; aber acht Tage drauf staunt er und bekennt ohne langes Geschnatter: „Mein Herr und mein Gott.“ Ein kurzes, starkes Gebet, das meinem Leben Richtung gibt. 
Lernen wir wieder beten und warten nicht auf die Momente des Schreckens. Es mag ja in der Industrie möglich sein, manche Bereiche outzusourcen. Aber beim Gebet ist das nicht möglich. Ich kann das Gebet für die Klein- oder Großwetterlage nicht einfach an Papst, Priester oder die Pastoralassistentin delegieren. Beten wir in Freude und Dankbarkeit füreinander und miteinander, damit wir in Zeiten der Not nicht mut- und wortlos daneben stehen.