Samstag, 8. Dezember 2018

Unbefleckte Empfängnis 2018 - Predigt

Liebe Miterben Christi.
Ich muss gestehen, am liebsten würde ich mit dem Volk in eine Richtung beten, Richtung aufgehender Sonne am dafür geschaffenen Hochaltar. Ich weiß, dass das nicht mehr üblich ist und dass ich mich da der Mehrheitsmeinung beuge und hier vorne am Volksaltar zelebriere. Ich hatte es an dieser Stelle vielleicht schon mal erwähnt, dass man die Kirchen alle geostet hat, Richtung aufgehender Sonne, weil man vom Osten den wiederkommenden Heiland Jesus Christus erwartet.
Die Sonne ist für uns Menschen - und das fällt uns gerade in diesen dunklen Tagen auf - so wichtig. Von ihr kommt alles Leben. Die Erde ist in ihrer Entstehung unmittelbar abhängig von der Entstehung der Sonne vor 4,6 Milliarden Jahren.
Dieses Bild der Sonne für Jesus Christus taugt mir, weil daran klar wird, ER ist für unsere Erlösung und Befreiung so wichtig, wie die Sonne für das ganze Leben. Die Sonne spielt in der Natur eine wichtig Rolle und ähnlich soll Gott in meinem Leben die Hauptrolle spielen. Ich danke dem Herrgott, dass wir so einen genialen Sommer hatten und ich so viel Sonne getankt habe. Ähnlich sollen wir Christen von Christus zehren. 

Als die Sonne und die Erde entstand, war schon klar, dass sie nach ca. 10 Milliarden Jahren wieder erlöschen sein wird. 

Ähnlich vielleicht beim Menschen, wenn er gezeugt und geboren wird, ist sogleich klar, dass er auch sterben wird. 

Das heisst, im Anfang steckt das Ende. 
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und er „schuf den Menschen als SEIN Abbild“ <— so lesen wir in der Bibel. Und so dürfen wir glauben, dass unser Leben ein Geschenk ist und dass diese Seine Schöpfung eben nicht einfach mal so per Zufall sich zusammengefügt hat. 
Schöpfung
Wir alle bedauern, wie sehr diese göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt wird.
Ungeborene Kinder werden zerschreddert. Alkohol, Nikotin, Pornos zerfressen Seele und Leib. In unserer Habsucht nimmt der Mensch keine Rücksicht auf Natur, die Armen oder die Benachteiligten.
Die göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt.
Von der Sünde des Menschen spricht heute die erste Lesung. Wir erinnern uns: Von diesem Baum darfst du nicht essen. Genau den will Adam natürlich haben. 
Und jetzt kommt dieser typische Mechanismus: Der andere war’s. Die Eva ist Schuld. Die Schlange ist Schuld. Na letztlich bist du Gott ja Schuld, weil du hast mir die Schlange ja in den Garten gelegt. 
Hier sehen wir in dieser uralten Geschichte, wie wir vielleicht rauskommen aus dem Dilemma der Schuld: Dass wir Verantwortung übernehmen und die Schuld bekennen und sie nicht dem andern in die Schuhe schieben. Das wäre nicht schlecht. Das wäre mal ein Anfang. Verantwortung.

Wenn wir mit dem 08. Dezember die Zeugung und damit die Erwählung der Gottesmutter Maria feiern, dann bekennen wir unsern Glauben an die Erlösung. 
An die NEUSCHÖPFUNG. 
Das heisst diese naturwissenschaftliche Logik, dass mit der Empfängnis und Geburt auch gleich der Tod vorprogrammiert hat für uns nicht mehr die Relevanz. 
Denn wenn es einen Gott gibt und wenn dieser Gott gut ist. Dann hat er auch diese Erde und dieses Menschenleben gut fertig gedacht. Und dass ist IHM nicht mal eben so eingefallen, dass Gott auf seiner Wolke sitzt und sagt: „Mmmh. Jetzt schlagen Sie sich in Ardning wieder die Köpfe ein, starten wir einen zweiten Versuch.“
Nein, es gab dieses Umdenken bei Gott nicht. Sonst wäre es ja nicht Gott, sondern irgendein von uns ersponnenes Wesen. 
Maria ist erwählt vor der Erschaffung der Welt Gottes Mutter zu werden. Ulrich ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Trude ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Lukas ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. usw. (setzen Sie bitte ihren Namen ein, ich kann heute net alle einsetzen, sonst gibt’s kein Frühstück). 
Die Geburt des Heilands Jesus Christus vor 2000 Jahren irgendwo da im Osten des Römischen Reichs war doch kein Zufall, ohne den wir auch irgendwie gute Menschen sein könnten. 
GOTT gibt sich selbst. ER zehrt sich für Uns auf. ER gibt sich GANZ. Net e Bisi. <— Entschuldigung, jetzt bin isch widder ins Hessische gerutscht, des bassiert um die Uhrzeit. 
corr: ER gibt sich uns nicht ein bisschen. 
Gerade an Maria sehen wir, was das christliche Menschenbild ausmacht. Auf der einen Seite der Waage ist sie die Gottesmutter, auf der anderen Seite die Magd des Herrn. Auf der einen Seite ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Auf der anderen Seite, der der sich klein gemacht in der Krippe bzw. der sich am Kreuz für uns hingegeben hat.
Diese Waage ist das christliche Maß. Auch wir haben beides und beides muss sich die Waage halten: unsere Gotteskindschaft und geringe der Diener des Höchsten sind wir. 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Predigt zum heiligen Nikolaus

Lieber P. Prior, lieber P. Gabriel,
liebe Schwestern und Brüder. 
Kaum ein anderes Bauvorhaben in den letzten Jahren hat so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie das geplante Ärztezentrum in Admont. Da geht es nicht einfach nur um Emotionen, sondern es geht um ein sehr wertvolles Gut: unsere Gesundheit.
Und vor allem bei diesem Haus wir deutlich, wie sinnlos ein leeres Haus ist. Die Hülle allein, egal wie teuer, egal wie schön, ist nutzlos. Es muss auch eine Ärztin oder ein Arzt darin einziehen. 
Ähnlich ist es ja bei einem geistlichen Haus, bei einem Kloster. Was bringt das, wenn es leer ist?
Ja, es weckt Emotionen, man freut sich an der Kultur, man ist beglückt ob des Schönen. 
Egal ob in unserem Pfarrverband oder in Österreich. Wir können uns glücklich schätzen, dass es so viele Pfarren gibt, wo Sonntag für Sonntag die Messe gefeiert wird. Dass es Klöster gibt - allein 14 Klöster der Österreichischen Benediktinerkongregation - wo das Lob Gottes täglich erklingt.
Aber es nimmt ab und wird mager und wird in vielen Kirchen und Klöstern in wenigen Jahren verstummen.
Oft wird in unseren Tagen das Abendland verteidigt. Aber dabei - sama uns ehrlich - verteidigt man oft eine Hülle ohne Inhalt, ein Gebäude ohne Bewohner, einen Panzer ohne Reiter. 
Wie wichtig das Innere der Hütte ist, beschreibt uns heute der Prophet Jesaja. Da ist von einer befestigten Stadt die Rede. Und ein gerechtes Volk, das darin einzieht. 
Als Gegenmodell steht hier die hoch aufragende Stadt. Man hat automatisch den Turm von Babel vor Augen. Den Turm des Hochmuts. Den Turm der Überlegenheit über die Schwachen. 
Das Volk von Babel verlässt sich auf sich selbst. Ist immer drauf und dran den andern (und so vielleicht auch Gott) zu übertrumpfen. 
Gott „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.“
Diesen Sieg der Einfachen, diesen Sieg des Volkes, den verkörpert der Heilige Nikolaus. Nichts anderes bedeutet sein Name: Sieg des Volkes.  Jes 26,3: „Herr, du gibst Frieden dem, der sich fest an dich hält und dir allein vertraut.“ 
Über den heiligen Nikolaus werden viele Geschichten erzählt. Besonders die Geschichte, wo er drei Töchter (ohne selbst in den Vordergrund treten zu wollen) von der Prostitution freikauft, hat es mir angetan. 
Alle diese Geschichten sind Legenden. Das heisst es wichtig sie zu lesen und sie bauen uns auf, aber, ob sie wirklich wahr sind, weiß man nicht. 
Sie kennen das ja bei einer historischen Geschichte: Man kratzt und kratzt und auf einmal merkt man das nichts mehr da ist. 
Es gibt aber eine Sache, die beim heiligen Nikolaus als erwiesen und wahr gilt: Dass er am Ersten Konzil von Nicäa im Jahre 325 teilgenommen hat. Es gilt als das erste ökumenische Konzil. Während zB. Vatikan II (1962-1965) das 21. ökumenische Konzil ist. Der Begriff Ökumene beschreibt, dass es eine Versammlung des ganzen Erdkreises ist und diese für die ganze Welt Geltung hat. Man kann sich ungefähr vorstellen, wie wichtig dieses erste ökumenische Konzil damals war und bis heute ist. Damals hat nicht der Bischof von Rom dazu eingeladen, sondern der Kaiser. Es ging dem Kaiser um die Einheit seines Reiches, die sich eben auch zeigen sollte in der Einheit des Glaubens. 
Und im Gegensatz zu Vatikan II in den 70er Jahren kam es beim Konzil von Nicäa auch zu echten Handgreiflichkeiten. So wird überliefert, dass Bischof Nikolaus seinem Gegenpart Arius eine deftige Ohrfeige verpasst hat. Aber keine Angst, dass ist auch nur eine Legende, wird aber komischerweise den Kindern heute nicht mehr erzählt. 😅
Nein, sorry, ich habe den Pfad verlassen. Worum ging es beim Konzil von Nicäa. Es ging um allerlei praktisches, das aber zum Teil bis heute genauso gehandhabt wird. Wenn zB ein Bischof geweiht wird, müssen drei Bischöfe dabei sein usw. 
Aber vor allem ging es um eine Irrlehre, die die Christenheit Anfang des 3. Jh. gespalten hat. Ein gewisser Arius hatte behauptet, dass Jesus - der Logos - eben nicht Gott sei. Und es gibt tatsächlich Bibelstellen, die uns das glauben machen, etwa, wenn sich der Sohn dem Willen des Vaters immer wieder unterordnet. Letztlich sind es die Reste dieser Irrlehre des Arius, die Mohammad aufgesaugt hat und damit den Gottessohn Jesus zu einem Sklaven Allahs degradiert hat. 
Diese Wesenseinheit des Sohnes mit dem Vater wird zB deutlich in Joh 12,45: „Und wenn ihr mich seht, dann seht ihr den, der mich gesandt hat!“. 
Oder wenn Jesus in unzähligen Stellen im Johannesevangelium die Gottesoffenbarung an Mose im Dornbusch nachspricht. „Ich bin der Seiende“. Ich bin der Weg…
Und genau diese Dreieinigkeit wird im Bekenntnis von Nicäa fertig gedacht: 
„Ich glaube (…) an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes, (…) eines Wesens mit dem Vater.“
Das heisst es gibt nur einen Gott. Ein göttliches Wesen in drei Personen (Vater, Sohn und Geist). 
Für uns Christen ist es wichtig, dass wir an diesem Bekenntnis festhalten und somit unseren Glauben - unser geistliches Haus auf Felsen bauen. 
Unser Glaube ist nutzlos, wenn wir nicht an die Göttlichkeit des Sohnes glauben. Durch die Taufe sind wir ja mit dem Sohn hineingenommen in die Göttlichkeit und haben somit Teil an seinem Sieg.  Amen.

Sonntag, 11. November 2018

Predigt zum 31. Sonntag im Jahreskreis - Witwe von Sarepta

Letzte Woche war ich in einer Volksschule (nicht in Ardning) und kam mit der Frau Religionslehrerin in die erste Klasse. Vorne auf dem Schreibtisch der Lehrerin stand an exponierter Stelle ein Buch: „Zum Glück lebst du nicht im Mittelalter - Begegnungen auf die du gut verzichten kannst.“ 
In leichter Sprache wird den Kinder darin erklärt wie finster das Mittelalter war. Und dabei erfahren sich auch gleich, was ein Priester damals war:
„Er ist schlau und gerissen und hält Ausschau nach Menschen, die die Gesetze der Kirche brechen.“
Die Klassenlehrerin hat sich, als ich dieses Buch der Woche entdeckte auch gleich entschuldigt und erwähnt, dass da vieles nicht drin stimme und es total überzogen sei. Das fand ich gut. Schließlich wollte uns die Aufklärung doch lehren, dass es keine Schwarzweißmalerei gibt? Oder wollte sie das? Oder wollte sie nur ihre eigene Überlegenheit darstellen und hat dabei das Mittelalter mit allen dunklen Tönen bemalt, die der Malkasten hergab?

Sonntag, 4. November 2018

Predigt zum 31. Sonntag im Jahreskreis - "Nur Du"

Vor vierzig Jahren schon hat ein evangelischer Pfarrer aus Bayern ganz herrlich lustige Bildergeschichten über Kirche, Glaube, Bibel oder Ökumene veröffentlicht. Tiki Küstenmacher sein Name. Den größten Hit lieferte er aber mit seinem Buch „simplify your life“. (= vereinfache dein Leben) 2001 veröffentlicht wurde es zum Bestseller, weil die Leute sich ihres ganzen Kruschs endlich entledigen wollten. Unkompliziert. Auf das wesentliche beschränkt.
Vor 56 Jahren machte sich die katholische Kirche ja auf einen ähnlichen Weg. 1962-1965 tagte in Rom das 2. Vatikanische Konzil. Viele Riten wurden vereinfacht; unzählige Heiligenfeste wurde gestrichen oder zusammengefasst; vieles äußerliche, wo man den Sinn nicht mehr sah, wurde abgeschafft.
Auf das wesentliche - auf Christus Jesus - wollte man sich zentrieren und vieles was in den Jahren sich angehäuft hatte, einfach wegfegen. So eine Art „simplify your church“. Vereinfache deine Kirche. Auf das wesentliche beschränkt.
In meinen knapp 14 Jahren in Admont habe ich es mindestens zweimal erlebt, dass ein Priester, der so viel hatte, diesen ganzen Ballast abgeworfen hat und sich auf das wesentliche beschränkt hat. Monsignore Fötsch

Donnerstag, 1. November 2018

Predigt Allerheiligen - Über den Tod hinaus.

Wann sonst sollten wir an unsere Toten denken, wenn nicht im November. Dieser Monat, in dem die Natur eine Sterbeprozess durchläuft, das Leben sich zurückzieht; das alles erinnert uns ans Sterben. 
Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir Christen den November mit diesem kleinen Osterfest beginnen. Allerheiligen als Osterfest im Herbst; es erinnert uns daran, das unzählige Menschen nach ihrem Tod ganz bei Gott sind. 
Es wichtig, dass wir an unsere Toten denken und dass wir für sie beten. Friedhofsgang, Messen für die Toten feiern, ein Bild unserer Toten im Herrgottswinkel <— das alles ist eine lebendige Erinnerungskultur, die gespeist wird von unserm Glauben an die Auferstehung der Toten.
Natürlich nervt mich dieses ganze Halloweenspektakel, da es meiner Vorstellung von Leben und Tod und Auferstehung ziemlich zuwiderläuft.
Aber in einer Sache stimmt es mich doch nachdenklich: Ob es nicht doch ein Tor zwischen der Sphäre der Toten und unserer Welt gibt?!
Mindestens einer ist doch schon mal zurück gekommen?! Im Glaubensbekenntnis sprechen wir es gleich zwei Mal aus: 
Und an Jesus Christus, (…) gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten, (..)
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
  • Das ist kein Glaube, der in eine Sackgasse führt. Das ist ein Glaube, der Hoffnung macht. 
  • Das ist kein Glaube, der den Tod verherrlicht. Das ist ein Glaube, der das Leben des Menschen über den Tod hinaus verherrlicht.
Etwas bleibendes. Gerade im Gedenken an unsere Toten wird es ja meist auf dem Partezettel formuliert: 
„Wenn ihr mich sucht, sucht mich in eurem Herzen.“
Und auf einem anderen Partezettel las ich:
„Treue Mutter, habe Dank

für deine Sorg’ und Güte.

Sorge jetzt an Gottes Thron,

das er uns behüte.“
Man merkt hier richtig, dass ein katholisches Totengedenken eine wechselseitig Beziehung sein kann: Wir beten für die Toten und die Toten beten für uns.
Warum auch nicht? Und ganz in diesem Sinne, kann man mit unseren Toten kommunizieren. Kann sie um Fürsprache bitten und umgekehrt, kann man die Barmherzigkeit Gottes auf sie herabflehen. 
Wir alle (vor allem natürlich die musikalischen Menschen unter uns 😃) wünschen uns Harmonie in unserm Leben. Und gerade da, wäre es doch geboten, das Sterben und den Tod nicht auszuklammern. Das Sterben (auch unser eigenes Sterben) und der Tod sind Erfahrungen im Leben die wir nicht professionell anderen überlassen sollten, sondern Sterben und Tod kann man in sein Leben integrieren. 
Bitte nehmen sie das Angebot der Krankensalbung ernst und rufen sie nicht erst einen Priester in der letzten Minute. 
Bitte beten sie den Rosenkranz, wo wir ja für uns und unsere Lieben auch um eine gute Sterbestunde beten.
Vergessen wir auch den heiligen Josef nicht, den Patron der Sterbenden. 
Es loht sich, weil wir über den Tod hinaus leben. 
Gerade das ist ja die Botschaft der Seligpreisungen, die heute in der Heiligen Messe weltweit verkündet wurden und werden:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. (Mt 5)
In der Gewissheit, dass sie und ich, einst vor Gottes Angesicht treten werden. Ihr Pater Ulrich

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Samstag, 20. Oktober 2018

die Linzer Glocke in Frauenberg

Predigt am 20. Oktober 2018 in Frauenberg - Texte vom Freitag der 28. Woche im Jahreskreis
Liebe Wallfahrer. 
Die „Linzer Glocke“, gespendet von den Wallfahrern aus Oberösterreich. 85% der unserer Wallfahrer stammen schließlich aus der Diözese Linz. 
Auf der facebook-Seite des Stiftes Admont wurde das klingende Video gepostet. Und dann entsprechend geliket. Viele kommentierten: „wunderschön“. Eine Frau schrieb drunter: „Der Klang ist so rein..und schön…“ Und dies wurde von jemandem kommentiert: „Rein ist der nicht, das ist der schmutzige Klang der Pharisäer.“ 
Das kann man jetzt als Kirchenkritik sehen. Und ich möchte hier ausnahmsweise mal psychologisieren. Der Klang einer Glocke oder eine Geläuts entspricht immer unserer eigenen Gemütslage. Wenn der Mensch in Trauer ist, hört er ein Trauergeläut. Wenn er in Freude ist, hört er ein Freudengeläut. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass ein Glocke so viele Untertöne hat und man immer das raushört, was in einem selber klingt. 
Glocken sind seit alter Zeit ein Zeichen von uns Christen. Sie rufen täglich mehrmals zum Gebet und zum Innehalten. Sie markieren Höhepunkte der Woche und machen den Festtag zum Festtag.
Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit dem heiligen Paulus.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Mensch - Jesus - Gott <-- eine Symbiose

Vor 150 Jahren gab es die Alpen nicht. Es gab aber bereits Pflanzen. Aber keine Blüten.

Die Blüten sind ein Ergebnis von Zusammenarbeit zwischen Bestäuber (etwa die Hummel) und Baum oder Blume etc. Symbiose nennt man das. Der eine braucht den andern. Ist geradezu abhängig vom andern. Würde ohne den andern planlos und leicht angreifbar dem Untergang geweiht sein.

Auch die Korallenriffe sind ohne Symbiose nicht denkbar. Steinkorallen und einzelligen Algen brauchen einander und bilden zusammen die wunderbare Schöpfung.

Viele Bäume könnten die Trockenheit nicht aushalten, könnten kein Wasser ziehen ohne Pilze an ihren Wurzeln.

Im Gegensatz zum Parasitentum profitieren bei der Symbiose beide Seiten. Die Symbiose als Idealzustand. Aber es gibt ihn - in der Natur. Ein sich gegenseitiges Befruchten.

Sicher kann man das auf die menschliche Ebene erheben und sagen: Wir Menschen bedürfen einander um ein gutes Leben zu führen.

Und sicher kann man das auf die göttliche Ebene erheben und sagen: Gott liebt den Menschen und zeigt ihm seine Liebe in der Schöpfung. In jedem menschlichen Angesicht. Und umgekehrt sehnt er sich nach unserer Liebe und unserm Vertrauen, was wir ihm zurückgeben.

Diese Symbiose - dieses Zusammenleben zwischen Gott und Mensch wird in der Ikone Gottes, in Jesus Christus für uns sichtbar und erfahrbar. „Ich und der Vater sind eins.“ Und gerade deshalb verweist Jesus Christus immer wieder auf seinen himmlischen Vater und schreibt ihm alles Gute zu. „Nur er ist gut.“
Uns begegnet im heutigen Evangelium Jesus als der, der uns zu unserm himmlischen Vater führen will.
Dreimal in den Evangelien scheitert Jesus dabei. (vgl. Klaus Berger).

  • Wenn es darum geht in seiner Heimat Wunder zu wirken.
  • In der Jüngerberufung des Judas Iskariot.
  • Und in der Berufung des reichen, jungen Mannes <— was wir gerade gehört haben.
„Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ Markus 10,22.
Heute geht keiner mehr traurig weg. Wir reden uns ein, dass wir beides haben können: Bindung an den Reichtum, an alles Materielle und gleichzeitig glauben wir ja eh an Gott und gehen in die Kirche und zahlen Kirchenbeitrag. Reicht doch eh. Ich habe meine Schuldigkeit getan.

Ja, seine Schuldigkeit hat der reiche Jüngling aus dem Evangelium auch getan.

Natürlich bietet Reichtum Sicherheit. Man fährt doch lieber mit einem gescheiten Auto als mit einer Schrottkarre, wo man jedesmal die Luft anhalten muss. Man hat doch eine Versicherung und eine ÖAMTC Mitgliedschaft, weil man sich so sicherer fühlt. Man spart ein Geld, weil ja etwas passieren könnte.
Sicherheit kostet halt. Will Jesus uns diese Sicherheit nehmen?
Ja, will er, wenn es eine vermeintliche Sicherheit ist. Eine Sicherheit, die uns denken lässt, wir könnten ohne die Hilfe des anderen in das Himmelreich gelangen.
So wie wir uns dem Reichtum verschreiben und alles opfern und alles investieren, sollen wir in das Himmelreich alles investieren. Das muss wuchern, sich verdreifachen, Früchte tragen.
Jesus macht im Evangelium hier Werbung für die Symbiose mit Gott. Lassen wir uns beschenken von der Liebe Gottes und antworten wir auf diese Liebe, die keine Einbahnstraße ist.
Jesus macht im Evangelium hier Werbung für die Symbiose zwischen uns Menschen. Machen wir uns abhängig. Gehen wir lieber Gefahr von Parasiten benutzt zu werden als uns wie urzeitliche Farne ohne Blüten durchs Leben zu schleichen. Blüten des Lebens gibt es nur im Miteinander - Leben.

»Man kann nicht mehr so leben, als ob es Gott nicht gäbe. Wer Gott umarmt, findet in seinen Armen die Welt, und wer in seinem Herzen das Gewicht Gottes aufnimmt, empfängt auch das Gewicht der Welt« (Madeleine Delbrêl).

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Sonntag, 30. September 2018

Erntedank 2018 - Predigt

Liebe dankbare Menschen.
Als Gastmeister im Stift bin ich im Sommer hin und wieder damit beschäftigt den Gästen der vorhergehenden Woche ihr Ladekabel nachzuschicken.
Die Putzdamen sagen mir dann, in welchem Zimmer es lag, ich finde raus, wer in dem Zimmer war, suche die Adresse in meinen Unterlagen oder im Internet und packe es ein und bringe es zu unserer Poststelle.
Und es kam sogar schon mal vor, dass sich einer bedankt hat. In der Regel hört man nichts mehr. Manchmal denke ich dann, ich habe es an den Falschen geschickt. Der Grund ist ganz einfach: Die Leute haben eh zwei Ladekabel oder könnten sich ohne weiteres eins kaufen. Heute bestellen. Morgen im Packerl auf meinem Tisch. 
Wunderbare Welt. 

Wunderbare, fortschrittliche Welt. 

Wunderbare, fortschrittliche, undankbare Welt. 
Alles ist verfügbar. 
Ich könnte jetzt über viele undankbare Menschen berichten. Aber hin und wieder bin ich dann auch erschrocken. Erschrocken über mich und meine Undankbarkeit. 
Ein anderes Wort für Heilige Messe ist Eucharistie und das heißt "Danke sagen". Das ist das Schöne an unserem christlichen Glauben, dass wir unser Erntedankfest mit einem Adressaten feiern. Unser Dank beim Tischgebet und bei der Heiligen Messe geht in Richtung Herrgott. 
Und gerade diese Dankbarkeit macht uns nicht zu Menschen, die daher gekrochen kommen und sondern zu aufrechten Menschen. Das will uns das Evangelium lehren: 
„Einer von den Geheilten kehrte um und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Und Jesus sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“ (aus dem Evangelium Lukas 17,11-19)

Sonntag, 23. September 2018

heiliger Niklaus von Flüe

Niklaus, Vater von zehn Kindern - das Jüngste gerade erst geboren (!) - verlässt am Gallustag (16. Oktober) im Jahre 1467 Familie und Hof und zieht als Büßer in die Fremde. Seinen beiden ältesten Söhnen vertraut er den Hof an. Als Pilger unterwegs, kehrt er schliesslich in seinen Heimatort Flüeli zurück und lässt sich im Ranft als Einsiedler nieder. 
Liebe Schwestern und Brüder.
Nächste (diese) Woche feiern wir am Dienstag sein Fest. Niklaus von Flüe, der Schweizer Nationalheilige! Es ist der 25. September. Normalerweise feiert man den Heiligen ja an seinem Todestag (wenn der Heilige das Irdische verlässt und seine Seele in den Himmel geht). Nun war sein Todestag der 21. März - zum Zeitpunkt seines Todes noch Fest des heiligen Benedikt von Nursia. Also brauchte man einen Alternativtermin. Und was hat man genommen. Drei Tag nach dem letztmöglichen Almabtrieb. So kam man auf den 25. September. Das ist doch ziemlich praktikabel. 
Heute hören wir von Jesus wie er in seine Heimat - nach Galiläa - zurückkehrt. Wobei die Bibel den Begriff „Heimat“ ja nicht einmal kennt. Sagen wir also er ist da, wo seine Leute sind: seine Familie, seine Schüler (die ja zum Großteil Fischer am Galiläischen Meer sind). 
Es gibt immer wieder lustige Theorien, wo Jesus zu seinen Lebzeiten überall gewesen sein soll. Er soll demnach bis nach Indien gekommen sein. So nach dem Motto, irgendwo muss er das ja alles herhaben, was er predigt... Aber nein, er hat Galiläa (den autonomen Nordteil des alten römischen Reiches) und Judäa (den direkt von Rom abhängigen südlichen Teil) mit Jerusalem nie verlassen. Außer als er als Kind nach Ägypten geflohen ist - darauf legen die Kopten (die Christen in Ägypten) größten Wert. Letztlich hat er so den Boden Galiläas, Judäas und Ägyptens geheiligt. 
Nun ist er also in diesem kleinen und recht begrenzten Land unterwegs. Und er lebt seine enge Beziehung zu seinem himmlischen Vater. Sucht die Einsamkeit. DA, wo er gerade ist. Dann aber auch speziell bei seiner Wallfahrt nach Jerusalem.
Der heilige Bruder Klaus hatte seine Einsiedelei nur 10 min von seinem Bauernhof entfernt. Und doch hat er seine Ranft nie mehr verlassen. So lehren uns Jesus Christus und Bruder Klaus:

Sonntag, 16. September 2018

Cyprian und Cornelius

Wenn sich Kardinäle gegen den Papst stellen, lebt man schon in bewegten Zeiten. Sowohl Außenstehende als auch ein einfacher Priester fragt sich da: „Was ist denn da los?!“ Da stehen zum Teil Aussagen gegen Aussagen. Und der Papst, der sich doch sonst zu allem äußert, sagt ausgerechnet jetzt so wenig. 
Ein Schmierentheater? Keine Ahnung. Ich finde es dann immer so entlarvend, wenn irgendeine Zeitung von der Empörung lebt und diese befeuert und dann so tut als ob sie neutral über irgendetwas berichtet. 
Heute feiert die Kirche zwei Heilige aus dem 3. Jahrhundert: Cyprian von Karthago und Papst Cornelius. Auch sie lebten in sehr bewegten Zeiten. In Nordafrika gab es damals viele katholische Kirche. Doch unter der Verfolgung durch Kaiser Gallus fielen viele (man schätzt die Hälfte aller Gläubigen in Nordafrika) vom Glauben ab. Die Verfolgung endete und man wusste nicht, wie man jetzt mit den Abgefallen verfahren sollte. Und in diesem Punkt waren sich Cyprian, der Bischof von Karthago, und Cornelius, der Bischof von Rom einig. Man sollte Milde walten lassen. 
Aber in einem anderen Punkt vertrat der Bischof von Karthago eine ganz und gar andere Position als Rom. Was ist, wenn nicht katholischer Bischof eine Taufe spendet? Rom sagte, die Taufe ist gültig. Und Cyprian machte klar: Never - niemals ist die Taufe eines Ketzerbischofs gültig. Nur innerhalb der katholischen Kirche erfährt man heil. Der sogenannte Ketzertaufstreit.
Die Positionen zwischen den Bischöfen von Rom und Karthago waren dermaßen verhärtet und es wäre zur Spaltung gekommen, wenn ja wenn Cyprian nicht vorher gestorben wäre. 
Streit zwischen bedeutenden Bischöfen ist nichts neues. Das beruhigt mich dann doch ein bisschen. Und die Kirche feiert ausgerechnet den heiligen Cyprian als Heiligen, der eine Postion vertrat, die so rigoristisch (überstreng) war. Eine Position, die Rom damals und heute nicht geteilt hat. Rom war damals und ist auch heute milder als die Kirchen vor Ort. 
Auch unter den Jüngern kam es immer wieder zum Streit und auch zwischen den Apostel und Jesus sind deutliche Worte gefallen, wie das heutige Evangelium zeigt. 
Petrus nimmt Jesus beiseite und sagt ihm, dass das so nicht geht. Und darauf fährt ihn Jesus scharf an: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Erscheint hier Jesus nicht als der strenge Hirte, der besser weiß, was für ihn und seine Schafe gut ist? 
Und hier ist ja auch anzunehmen, dass die Worte Petri voller Empathie waren. 
Wir kennen das, wenn jemand „doch nur das beste“ für den anderen will. „Das beste“ ist eben oft nicht das Richtige. 
Interessant ist hier auch, dass Jesus sogleich nicht von seiner eigenen Sendung erzählt, sondern dass er sofort von der Sendung und Mission aller Christen redet. 
„Das Kreuz annehmen“ ist eine grundsätzlich christliche Einstellung, die nicht nur den Heiland betrifft, sondern jeden Christen. 
Cyprian von Karthago ist als Märtyrer gestorben. Er hat eine ganze Menge Schriften hinterlassen. Was aber einzig und allein zählt, ist sind drei Sätze kurz vor seinem Tod. 
Unter Kaiser Valerian flammte dann die Verfolgung wieder auf und Cyprian wurde am 30. August 257 dem Proconsul (Statthalter) Aspasius Paternus vorgeführt. Auf die Frage des Proconsuls, wer er sei, soll Cyprian geantwortet haben:
„Ich bin Christ und Bischof. Ich kenne keine anderen Götter als allein den einen und wahren Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer, und alles, was darin ist. Diesem Gott dienen wir Christen, ihn flehen wir Tag und Nacht an, für uns und alle Menschen, auch für das Wohlergehen der Kaiser.“
– Proconsularische Akten
Cyprian muss bewusst gewesen sein, dass dieses Bekenntnis einem Todesurteil gleichkam. Vom Proconsul wurde er verbannt, interniert und am 13. September 258 zum Tode verurteilt und am folgenden Tag bei Karthago öffentlich enthauptet. 

Freitag, 14. September 2018

das Kreuz bleibt

Predigt zum Fest Kreuzerhöhung
Gestern war ich mit einem Freund am Kiesstrand der Enns nahe der Johnsbachmündung. Er hat dann spielerisch so Ministeinmännchen gebaut. Eine tolle Konzentrationsübung, wo man mit ruhiger Hand Steine aufeinanderschichtet und sie durch das Gewicht austariert. Er hat es dann einmal auf 13 Steine gebracht. Das hat so was meditatives und zugleich sportliches. 
Ich habe keine Ahnung, ob diese Steine heute Abend noch stehen, ob sie der Wind oder Regen, der Bach oder gar die Laune eines Menschen wieder zu Fall gebracht haben. 
Was bleibt von unserm Leben?
Manchmal schaue ich mir alte Videos von einer Klosterfeier an oder Alben von einem Ausflug. Ich sehe dann da Gesichter von Leuten, die schon lange aus dem Orden ausgetreten sind. Einige meiner Freunde und Verwandten sind schon tot. Einige habe ich aus den Augen verloren. Einige sind jetzt mehr. Andere sind weniger. Sowohl körperlich als auch gesellschaftlich.
Was bleibt von unserm Leben?

Und doch besteht kein Zweifel, dass uns gerade die Dinge in Erinnerung bleiben und in unser Herz einpflanzen, die aus Hingabe geschehen. 
Das fängt beim 30cm großen Steinmänchen aus 13 Steinen an; da braucht ja der Erbauer Konzentration und ein ruhiges Händchen. Beim Gemälde einer Vierjährigen aus Liebe zur Oma oder zum Opa. 
Da ist ein Ausflug oder eine Reise mit guten Ideen lange vorbereitet. Eine gewaltige Feier, wo Musik und Essen und Ansprachen - einfach alles stimmig ist. Das bleibt. 
Und da ist natürlich die Liebe zweier Menschen, die sich in Hingabe einander schenken.
Die Hingabe des Menschen - das ist es, was bleibt, weil es sich in unseren Herzen manifestiert.

Als Gott vor 2000 Jahren sein Unternehmen Erlösung anging, wurde dem Menschensohn Jesus Christus, wie jedem Menschen, der Tod mit in die Wiege gelegt. Wir glauben ja, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott ist. Aber wenn er ganz Mensch ist, dann muss er eben auch sterben. 

Es wurde von den Römern dieses Schandmahl aufgerichtet. Ein arbor infelix („Unglücksbaum“) . Logisch war das nicht für römische Bürger gedacht, sondern vor allem für Aufständige; deren Anhänger sollten durch diese grausame Hinrichtungsmethode gewarnt sein. Todesstrafe und Warnung zugleich.
Warum hat unser Herrgott nicht eine andere Art erwählt, die Menschheit zu retten? Warum diese lebensverneinende, grausigste, abstoßende Art? 
Ein Unschuldiger, der unseren Schuldschein/ unsere Schuld an das Holz des Kreuzes geheftet hat. 

Natürlich hätte Gott den Menschen auf eine andere Art und Weise erlösen können. Aber, warum wählte er das Kreuz?

Damit wir wirklich wissen, wie ernst er es damit meint. 
Ich stelle mir einen Gärtner vor, der seinen Garten beackern will, sich aber ja nicht schmutzig machen will. Was ist das für ein Gärtner - mit Lackschuhen und Manschettenknöpfe oder was? „Bück Dich, awwer mach dich nett ja net dreggisch.“

Gott wird Mensch und steigt mit seinem Tod am Unglücksbaum in die tiefste Tiefe hinab. So wird das Kreuz uns zur bleibenden Erinnerung, dass Gott uns ganz nah ist, selbst am dunkelsten Ort dieses Planeten.  

Unser Herrgott wählt das Kreuz, damit wir begreifen, wie ernst er es mit uns meint. 

Sonntag, 9. September 2018

Blockade lösen

Gestern bei der Wallfahrt von Hall nach Frauenberg kamen viele ausgerechnet an den steilsten Stellen auf der Zirnitz ins Reden. Und da meinte ein Frau, dass irgendwann einmal ein 10-jähriger Bub das Kreuz der Wallfahrt tragen wollte. Und er durfte nicht, weil, ja weil er evangelisch ist. Ich meinte darauf natürlich sofort, dass das sicher schon lange her sei. Der Mann muss heute um die 40 sein und das war demnach vor ca. 30 Jahren. 
So etwas  kann man sich und mag man sich für heutige Zeiten gar nicht mehr vorstellen. 
Aber dass das in dem Mann und in seiner Umgebung etwas ausgelöst hat, beweist ja, dass man heute noch darüber redet.
Jeder von uns erinnert sich an Dinge in seinem Leben, die ihn prägen. Und da gibt es eben auch dieses schlechte Wort, dieses Nicht-Angenommen-Sein. 
Letztens habe ich es mal erlebt, dass ein dementer Mann etwas gewünscht hat. Daraufhin haben sage und schreibe vier Leute gleichzeitig gesagt, dass er das nicht so meine und in Wirklichkeit wolle er ja das und das. Ich kam mir vor, wie im falschen Film. Ich habe dann laut (und ab und zu werde ich laut - verstehen tut mich deshalb aber auch keiner) gesagt, dass ich für mich hoffe, dass ich im Alter nicht von Leute umgeben sein möchte, die mein Sprechen und Handeln ignorieren und mir laufend aufschwätzen wollen, was ich ja eigentlich und wirklich will. 
Was löst das in so einem Dementen aus. Was löst das in den Kleinsten und Wehrlosesten aus. 
Es gibt sie dann eben doch, diese Blockaden von außen und innen, die uns zum Schweigen bringen. Man sagt dann irgendwann nichts mehr. 
Ähnlich verhält es sich ja auch bei den Totschlag-argumenten. 
Und gerade da setzt doch das heutige Evangelium an.  Das ist vom Taubstummen die Rede und die Tatsache, dass er nach seiner Heilung wieder richtig reden kann, lässt uns vermuten, dass er in seinem Leben schon mal richtig reden konnte. Da ist also in der Tat wahrscheinlich irgendwas passiert, das ihm die Zunge verschlagen hat. 
Wenn wir von der Behandlung Jesu hören klingt das in unseren Ohren befremdlich. Und doch handelt er hier liebend, väterlich. Oder eigentlich eher mütterlich. Wie die Mutter ihr Kleines nimmt Jesus den Taubstummen beiseite und schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Er ist ganz nah bei ihm und berührt ihn an der Zunge und schmiert seinen Speichel an seine Ohren. Mit Speichel Wunden behandeln kennen wir zumindest beim Insektenstich. 
Und dann diese Seufzer Jesu. Er macht das Anliegen des Taubstummen zu seinem und seufzt und betet für ihn zu seinem himmlischen Vater. 
An diesem Seufzer Jesu wird deutlich, wie sehr sich die ganze Schöpfung nach Erlösung sehnt und wie sehr sich Jesus diese Sehnsucht nach einem erfüllten Leben zu eigen macht. 
Nur so kann ich als Priester meinen Dienst verstehen, könnt ihr als Getaufte Euren Dienst verstehen. Machen wir uns nicht gemein mit den Blockierern und denen, die durch schlechte Worte andere zum Schweigen bringen. Sondern bringen wir die Anliegen der Kranken und Verängstigten mit Seufzen und Klagen vor Gott. Amen. 

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