Samstag, 20. Oktober 2018

die Linzer Glocke in Frauenberg

Predigt am 20. Oktober 2018 in Frauenberg - Texte vom Freitag der 28. Woche im Jahreskreis
Liebe Wallfahrer. 
Vor knapp zwei Wochen wurde die 10. Glocke in unserer Wallfahrtskirche Frauenberg geweiht:  
Die „Linzer Glocke“, gespendet von den Wallfahrern aus Oberösterreich. 85% der unserer Wallfahrer stammen schließlich aus der Diözese Linz. 
Auf der facebook-Seite des Stiftes Admont wurde das klingende Video gepostet. Und dann entsprechend geliket. Viele kommentierten: „wunderschön“. Eine Frau schrieb drunter: „Der Klang ist so rein..und schön…“ Und dies wurde von jemandem kommentiert: „Rein ist der nicht, das ist der schmutzige Klang der Pharisäer.“ 
Das kann man jetzt als Kirchenkritik sehen. Und ich möchte hier ausnahmsweise mal psychologisieren. Der Klang einer Glocke oder eine Geläuts entspricht immer unserer eigenen Gemütslage. Wenn der Mensch in Trauer ist, hört er ein Trauergeläut. Wenn er in Freude ist, hört er ein Freudengeläut. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass ein Glocke so viele Untertöne hat und man immer das raushört, was in einem selber klingt. 
Glocken sind seit alter Zeit ein Zeichen von uns Christen. Sie rufen täglich mehrmals zum Gebet und zum Innehalten. Sie markieren Höhepunkte der Woche und machen den Festtag zum Festtag.
Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit dem heiligen Paulus.

Sonntag, 14. Oktober 2018

Mensch - Jesus - Gott <-- eine Symbiose

Vor 150 Jahren gab es die Alpen nicht. Es gab aber bereits Pflanzen. Aber keine Blüten.

Die Blüten sind ein Ergebnis von Zusammenarbeit zwischen Bestäuber (etwa die Hummel) und Baum oder Blume etc. Symbiose nennt man das. Der eine braucht den andern. Ist geradezu abhängig vom andern. Würde ohne den andern planlos und leicht angreifbar dem Untergang geweiht sein.

Auch die Korallenriffe sind ohne Symbiose nicht denkbar. Steinkorallen und einzelligen Algen brauchen einander und bilden zusammen die wunderbare Schöpfung.

Viele Bäume könnten die Trockenheit nicht aushalten, könnten kein Wasser ziehen ohne Pilze an ihren Wurzeln.

Im Gegensatz zum Parasitentum profitieren bei der Symbiose beide Seiten. Die Symbiose als Idealzustand. Aber es gibt ihn - in der Natur. Ein sich gegenseitiges Befruchten.

Sicher kann man das auf die menschliche Ebene erheben und sagen: Wir Menschen bedürfen einander um ein gutes Leben zu führen.

Und sicher kann man das auf die göttliche Ebene erheben und sagen: Gott liebt den Menschen und zeigt ihm seine Liebe in der Schöpfung. In jedem menschlichen Angesicht. Und umgekehrt sehnt er sich nach unserer Liebe und unserm Vertrauen, was wir ihm zurückgeben.

Diese Symbiose - dieses Zusammenleben zwischen Gott und Mensch wird in der Ikone Gottes, in Jesus Christus für uns sichtbar und erfahrbar. „Ich und der Vater sind eins.“ Und gerade deshalb verweist Jesus Christus immer wieder auf seinen himmlischen Vater und schreibt ihm alles Gute zu. „Nur er ist gut.“
Uns begegnet im heutigen Evangelium Jesus als der, der uns zu unserm himmlischen Vater führen will.
Dreimal in den Evangelien scheitert Jesus dabei. (vgl. Klaus Berger).

  • Wenn es darum geht in seiner Heimat Wunder zu wirken.
  • In der Jüngerberufung des Judas Iskariot.
  • Und in der Berufung des reichen, jungen Mannes <— was wir gerade gehört haben.
„Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen.“ Markus 10,22.
Heute geht keiner mehr traurig weg. Wir reden uns ein, dass wir beides haben können: Bindung an den Reichtum, an alles Materielle und gleichzeitig glauben wir ja eh an Gott und gehen in die Kirche und zahlen Kirchenbeitrag. Reicht doch eh. Ich habe meine Schuldigkeit getan.

Ja, seine Schuldigkeit hat der reiche Jüngling aus dem Evangelium auch getan.

Natürlich bietet Reichtum Sicherheit. Man fährt doch lieber mit einem gescheiten Auto als mit einer Schrottkarre, wo man jedesmal die Luft anhalten muss. Man hat doch eine Versicherung und eine ÖAMTC Mitgliedschaft, weil man sich so sicherer fühlt. Man spart ein Geld, weil ja etwas passieren könnte.
Sicherheit kostet halt. Will Jesus uns diese Sicherheit nehmen?
Ja, will er, wenn es eine vermeintliche Sicherheit ist. Eine Sicherheit, die uns denken lässt, wir könnten ohne die Hilfe des anderen in das Himmelreich gelangen.
So wie wir uns dem Reichtum verschreiben und alles opfern und alles investieren, sollen wir in das Himmelreich alles investieren. Das muss wuchern, sich verdreifachen, Früchte tragen.
Jesus macht im Evangelium hier Werbung für die Symbiose mit Gott. Lassen wir uns beschenken von der Liebe Gottes und antworten wir auf diese Liebe, die keine Einbahnstraße ist.
Jesus macht im Evangelium hier Werbung für die Symbiose zwischen uns Menschen. Machen wir uns abhängig. Gehen wir lieber Gefahr von Parasiten benutzt zu werden als uns wie urzeitliche Farne ohne Blüten durchs Leben zu schleichen. Blüten des Lebens gibt es nur im Miteinander - Leben.

»Man kann nicht mehr so leben, als ob es Gott nicht gäbe. Wer Gott umarmt, findet in seinen Armen die Welt, und wer in seinem Herzen das Gewicht Gottes aufnimmt, empfängt auch das Gewicht der Welt« (Madeleine Delbrêl).

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Sonntag, 30. September 2018

Erntedank 2018 - Predigt

Liebe dankbare Menschen.
Als Gastmeister im Stift bin ich im Sommer hin und wieder damit beschäftigt den Gästen der vorhergehenden Woche ihr Ladekabel nachzuschicken.
Die Putzdamen sagen mir dann, in welchem Zimmer es lag, ich finde raus, wer in dem Zimmer war, suche die Adresse in meinen Unterlagen oder im Internet und packe es ein und bringe es zu unserer Poststelle.
Und es kam sogar schon mal vor, dass sich einer bedankt hat. In der Regel hört man nichts mehr. Manchmal denke ich dann, ich habe es an den Falschen geschickt. Der Grund ist ganz einfach: Die Leute haben eh zwei Ladekabel oder könnten sich ohne weiteres eins kaufen. Heute bestellen. Morgen im Packerl auf meinem Tisch. 
Wunderbare Welt. 

Wunderbare, fortschrittliche Welt. 

Wunderbare, fortschrittliche, undankbare Welt. 
Alles ist verfügbar. 
Ich könnte jetzt über viele undankbare Menschen berichten. Aber hin und wieder bin ich dann auch erschrocken. Erschrocken über mich und meine Undankbarkeit. 
Ein anderes Wort für Heilige Messe ist Eucharistie und das heißt "Danke sagen". Das ist das Schöne an unserem christlichen Glauben, dass wir unser Erntedankfest mit einem Adressaten feiern. Unser Dank beim Tischgebet und bei der Heiligen Messe geht in Richtung Herrgott. 
Und gerade diese Dankbarkeit macht uns nicht zu Menschen, die daher gekrochen kommen und sondern zu aufrechten Menschen. Das will uns das Evangelium lehren: 
„Einer von den Geheilten kehrte um und lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu auf das Angesicht und dankte ihm. Und Jesus sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“ (aus dem Evangelium Lukas 17,11-19)

Sonntag, 23. September 2018

heiliger Niklaus von Flüe

Niklaus, Vater von zehn Kindern - das Jüngste gerade erst geboren (!) - verlässt am Gallustag (16. Oktober) im Jahre 1467 Familie und Hof und zieht als Büßer in die Fremde. Seinen beiden ältesten Söhnen vertraut er den Hof an. Als Pilger unterwegs, kehrt er schliesslich in seinen Heimatort Flüeli zurück und lässt sich im Ranft als Einsiedler nieder. 
Liebe Schwestern und Brüder.
Nächste (diese) Woche feiern wir am Dienstag sein Fest. Niklaus von Flüe, der Schweizer Nationalheilige! Es ist der 25. September. Normalerweise feiert man den Heiligen ja an seinem Todestag (wenn der Heilige das Irdische verlässt und seine Seele in den Himmel geht). Nun war sein Todestag der 21. März - zum Zeitpunkt seines Todes noch Fest des heiligen Benedikt von Nursia. Also brauchte man einen Alternativtermin. Und was hat man genommen. Drei Tag nach dem letztmöglichen Almabtrieb. So kam man auf den 25. September. Das ist doch ziemlich praktikabel. 
Heute hören wir von Jesus wie er in seine Heimat - nach Galiläa - zurückkehrt. Wobei die Bibel den Begriff „Heimat“ ja nicht einmal kennt. Sagen wir also er ist da, wo seine Leute sind: seine Familie, seine Schüler (die ja zum Großteil Fischer am Galiläischen Meer sind). 
Es gibt immer wieder lustige Theorien, wo Jesus zu seinen Lebzeiten überall gewesen sein soll. Er soll demnach bis nach Indien gekommen sein. So nach dem Motto, irgendwo muss er das ja alles herhaben, was er predigt... Aber nein, er hat Galiläa (den autonomen Nordteil des alten römischen Reiches) und Judäa (den direkt von Rom abhängigen südlichen Teil) mit Jerusalem nie verlassen. Außer als er als Kind nach Ägypten geflohen ist - darauf legen die Kopten (die Christen in Ägypten) größten Wert. Letztlich hat er so den Boden Galiläas, Judäas und Ägyptens geheiligt. 
Nun ist er also in diesem kleinen und recht begrenzten Land unterwegs. Und er lebt seine enge Beziehung zu seinem himmlischen Vater. Sucht die Einsamkeit. DA, wo er gerade ist. Dann aber auch speziell bei seiner Wallfahrt nach Jerusalem.
Der heilige Bruder Klaus hatte seine Einsiedelei nur 10 min von seinem Bauernhof entfernt. Und doch hat er seine Ranft nie mehr verlassen. So lehren uns Jesus Christus und Bruder Klaus:

Sonntag, 16. September 2018

Cyprian und Cornelius

Wenn sich Kardinäle gegen den Papst stellen, lebt man schon in bewegten Zeiten. Sowohl Außenstehende als auch ein einfacher Priester fragt sich da: „Was ist denn da los?!“ Da stehen zum Teil Aussagen gegen Aussagen. Und der Papst, der sich doch sonst zu allem äußert, sagt ausgerechnet jetzt so wenig. 
Ein Schmierentheater? Keine Ahnung. Ich finde es dann immer so entlarvend, wenn irgendeine Zeitung von der Empörung lebt und diese befeuert und dann so tut als ob sie neutral über irgendetwas berichtet. 
Heute feiert die Kirche zwei Heilige aus dem 3. Jahrhundert: Cyprian von Karthago und Papst Cornelius. Auch sie lebten in sehr bewegten Zeiten. In Nordafrika gab es damals viele katholische Kirche. Doch unter der Verfolgung durch Kaiser Gallus fielen viele (man schätzt die Hälfte aller Gläubigen in Nordafrika) vom Glauben ab. Die Verfolgung endete und man wusste nicht, wie man jetzt mit den Abgefallen verfahren sollte. Und in diesem Punkt waren sich Cyprian, der Bischof von Karthago, und Cornelius, der Bischof von Rom einig. Man sollte Milde walten lassen. 
Aber in einem anderen Punkt vertrat der Bischof von Karthago eine ganz und gar andere Position als Rom. Was ist, wenn nicht katholischer Bischof eine Taufe spendet? Rom sagte, die Taufe ist gültig. Und Cyprian machte klar: Never - niemals ist die Taufe eines Ketzerbischofs gültig. Nur innerhalb der katholischen Kirche erfährt man heil. Der sogenannte Ketzertaufstreit.
Die Positionen zwischen den Bischöfen von Rom und Karthago waren dermaßen verhärtet und es wäre zur Spaltung gekommen, wenn ja wenn Cyprian nicht vorher gestorben wäre. 
Streit zwischen bedeutenden Bischöfen ist nichts neues. Das beruhigt mich dann doch ein bisschen. Und die Kirche feiert ausgerechnet den heiligen Cyprian als Heiligen, der eine Postion vertrat, die so rigoristisch (überstreng) war. Eine Position, die Rom damals und heute nicht geteilt hat. Rom war damals und ist auch heute milder als die Kirchen vor Ort. 
Auch unter den Jüngern kam es immer wieder zum Streit und auch zwischen den Apostel und Jesus sind deutliche Worte gefallen, wie das heutige Evangelium zeigt. 
Petrus nimmt Jesus beiseite und sagt ihm, dass das so nicht geht. Und darauf fährt ihn Jesus scharf an: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“
Erscheint hier Jesus nicht als der strenge Hirte, der besser weiß, was für ihn und seine Schafe gut ist? 
Und hier ist ja auch anzunehmen, dass die Worte Petri voller Empathie waren. 
Wir kennen das, wenn jemand „doch nur das beste“ für den anderen will. „Das beste“ ist eben oft nicht das Richtige. 
Interessant ist hier auch, dass Jesus sogleich nicht von seiner eigenen Sendung erzählt, sondern dass er sofort von der Sendung und Mission aller Christen redet. 
„Das Kreuz annehmen“ ist eine grundsätzlich christliche Einstellung, die nicht nur den Heiland betrifft, sondern jeden Christen. 
Cyprian von Karthago ist als Märtyrer gestorben. Er hat eine ganze Menge Schriften hinterlassen. Was aber einzig und allein zählt, ist sind drei Sätze kurz vor seinem Tod. 
Unter Kaiser Valerian flammte dann die Verfolgung wieder auf und Cyprian wurde am 30. August 257 dem Proconsul (Statthalter) Aspasius Paternus vorgeführt. Auf die Frage des Proconsuls, wer er sei, soll Cyprian geantwortet haben:
„Ich bin Christ und Bischof. Ich kenne keine anderen Götter als allein den einen und wahren Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer, und alles, was darin ist. Diesem Gott dienen wir Christen, ihn flehen wir Tag und Nacht an, für uns und alle Menschen, auch für das Wohlergehen der Kaiser.“
– Proconsularische Akten
Cyprian muss bewusst gewesen sein, dass dieses Bekenntnis einem Todesurteil gleichkam. Vom Proconsul wurde er verbannt, interniert und am 13. September 258 zum Tode verurteilt und am folgenden Tag bei Karthago öffentlich enthauptet. 

Freitag, 14. September 2018

das Kreuz bleibt

Predigt zum Fest Kreuzerhöhung
Gestern war ich mit einem Freund am Kiesstrand der Enns nahe der Johnsbachmündung. Er hat dann spielerisch so Ministeinmännchen gebaut. Eine tolle Konzentrationsübung, wo man mit ruhiger Hand Steine aufeinanderschichtet und sie durch das Gewicht austariert. Er hat es dann einmal auf 13 Steine gebracht. Das hat so was meditatives und zugleich sportliches. 
Ich habe keine Ahnung, ob diese Steine heute Abend noch stehen, ob sie der Wind oder Regen, der Bach oder gar die Laune eines Menschen wieder zu Fall gebracht haben. 
Was bleibt von unserm Leben?
Manchmal schaue ich mir alte Videos von einer Klosterfeier an oder Alben von einem Ausflug. Ich sehe dann da Gesichter von Leuten, die schon lange aus dem Orden ausgetreten sind. Einige meiner Freunde und Verwandten sind schon tot. Einige habe ich aus den Augen verloren. Einige sind jetzt mehr. Andere sind weniger. Sowohl körperlich als auch gesellschaftlich.
Was bleibt von unserm Leben?

Und doch besteht kein Zweifel, dass uns gerade die Dinge in Erinnerung bleiben und in unser Herz einpflanzen, die aus Hingabe geschehen. 
Das fängt beim 30cm großen Steinmänchen aus 13 Steinen an; da braucht ja der Erbauer Konzentration und ein ruhiges Händchen. Beim Gemälde einer Vierjährigen aus Liebe zur Oma oder zum Opa. 
Da ist ein Ausflug oder eine Reise mit guten Ideen lange vorbereitet. Eine gewaltige Feier, wo Musik und Essen und Ansprachen - einfach alles stimmig ist. Das bleibt. 
Und da ist natürlich die Liebe zweier Menschen, die sich in Hingabe einander schenken.
Die Hingabe des Menschen - das ist es, was bleibt, weil es sich in unseren Herzen manifestiert.

Als Gott vor 2000 Jahren sein Unternehmen Erlösung anging, wurde dem Menschensohn Jesus Christus, wie jedem Menschen, der Tod mit in die Wiege gelegt. Wir glauben ja, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott ist. Aber wenn er ganz Mensch ist, dann muss er eben auch sterben. 

Es wurde von den Römern dieses Schandmahl aufgerichtet. Ein arbor infelix („Unglücksbaum“) . Logisch war das nicht für römische Bürger gedacht, sondern vor allem für Aufständige; deren Anhänger sollten durch diese grausame Hinrichtungsmethode gewarnt sein. Todesstrafe und Warnung zugleich.
Warum hat unser Herrgott nicht eine andere Art erwählt, die Menschheit zu retten? Warum diese lebensverneinende, grausigste, abstoßende Art? 
Ein Unschuldiger, der unseren Schuldschein/ unsere Schuld an das Holz des Kreuzes geheftet hat. 

Natürlich hätte Gott den Menschen auf eine andere Art und Weise erlösen können. Aber, warum wählte er das Kreuz?

Damit wir wirklich wissen, wie ernst er es damit meint. 
Ich stelle mir einen Gärtner vor, der seinen Garten beackern will, sich aber ja nicht schmutzig machen will. Was ist das für ein Gärtner - mit Lackschuhen und Manschettenknöpfe oder was? „Bück Dich, awwer mach dich nett ja net dreggisch.“

Gott wird Mensch und steigt mit seinem Tod am Unglücksbaum in die tiefste Tiefe hinab. So wird das Kreuz uns zur bleibenden Erinnerung, dass Gott uns ganz nah ist, selbst am dunkelsten Ort dieses Planeten.  

Unser Herrgott wählt das Kreuz, damit wir begreifen, wie ernst er es mit uns meint. 

Sonntag, 9. September 2018

Blockade lösen

Gestern bei der Wallfahrt von Hall nach Frauenberg kamen viele ausgerechnet an den steilsten Stellen auf der Zirnitz ins Reden. Und da meinte ein Frau, dass irgendwann einmal ein 10-jähriger Bub das Kreuz der Wallfahrt tragen wollte. Und er durfte nicht, weil, ja weil er evangelisch ist. Ich meinte darauf natürlich sofort, dass das sicher schon lange her sei. Der Mann muss heute um die 40 sein und das war demnach vor ca. 30 Jahren. 
So etwas  kann man sich und mag man sich für heutige Zeiten gar nicht mehr vorstellen. 
Aber dass das in dem Mann und in seiner Umgebung etwas ausgelöst hat, beweist ja, dass man heute noch darüber redet.
Jeder von uns erinnert sich an Dinge in seinem Leben, die ihn prägen. Und da gibt es eben auch dieses schlechte Wort, dieses Nicht-Angenommen-Sein. 
Letztens habe ich es mal erlebt, dass ein dementer Mann etwas gewünscht hat. Daraufhin haben sage und schreibe vier Leute gleichzeitig gesagt, dass er das nicht so meine und in Wirklichkeit wolle er ja das und das. Ich kam mir vor, wie im falschen Film. Ich habe dann laut (und ab und zu werde ich laut - verstehen tut mich deshalb aber auch keiner) gesagt, dass ich für mich hoffe, dass ich im Alter nicht von Leute umgeben sein möchte, die mein Sprechen und Handeln ignorieren und mir laufend aufschwätzen wollen, was ich ja eigentlich und wirklich will. 
Was löst das in so einem Dementen aus. Was löst das in den Kleinsten und Wehrlosesten aus. 
Es gibt sie dann eben doch, diese Blockaden von außen und innen, die uns zum Schweigen bringen. Man sagt dann irgendwann nichts mehr. 
Ähnlich verhält es sich ja auch bei den Totschlag-argumenten. 
Und gerade da setzt doch das heutige Evangelium an.  Das ist vom Taubstummen die Rede und die Tatsache, dass er nach seiner Heilung wieder richtig reden kann, lässt uns vermuten, dass er in seinem Leben schon mal richtig reden konnte. Da ist also in der Tat wahrscheinlich irgendwas passiert, das ihm die Zunge verschlagen hat. 
Wenn wir von der Behandlung Jesu hören klingt das in unseren Ohren befremdlich. Und doch handelt er hier liebend, väterlich. Oder eigentlich eher mütterlich. Wie die Mutter ihr Kleines nimmt Jesus den Taubstummen beiseite und schenkt ihm seine ganze Aufmerksamkeit. Er ist ganz nah bei ihm und berührt ihn an der Zunge und schmiert seinen Speichel an seine Ohren. Mit Speichel Wunden behandeln kennen wir zumindest beim Insektenstich. 
Und dann diese Seufzer Jesu. Er macht das Anliegen des Taubstummen zu seinem und seufzt und betet für ihn zu seinem himmlischen Vater. 
An diesem Seufzer Jesu wird deutlich, wie sehr sich die ganze Schöpfung nach Erlösung sehnt und wie sehr sich Jesus diese Sehnsucht nach einem erfüllten Leben zu eigen macht. 
Nur so kann ich als Priester meinen Dienst verstehen, könnt ihr als Getaufte Euren Dienst verstehen. Machen wir uns nicht gemein mit den Blockierern und denen, die durch schlechte Worte andere zum Schweigen bringen. Sondern bringen wir die Anliegen der Kranken und Verängstigten mit Seufzen und Klagen vor Gott. Amen. 

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Dienstag, 31. Juli 2018

Requiem für einen treuen, verantwortlichen Familienvater

Das heutige Evangelium (Mt 25,14ff) erinnert mich daran, dass wir als Menschen Verantwortung tragen. Es erinnert mich daran, dass Ihr Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa in seinem Leben auch Verantwortung wahrgenommen hat durch seine Liebe zur Familie, wo er so viel gegeben hat/ wo er für seine Kinder so viel gegeben hat. 
Indirekt spricht das Evangelium auch die Gerechtigkeit an, die man im Leben erhofft. Und letztlich war jeder von uns schon an diesem Punkt, wo er sich gefragt hat, wo ist die Gerechtigkeit in diesem Leben? 
Diese bohrende Frage kommt einem gerade auch beim Tod eines lieben Menschen. Diese Frage musstet Ihr Euch als Familie auch letztes Jahr stellen, als N gestorben ist. Wo bleibt die Gerechtigkeit? 
Und erscheint Religion hier nicht als ein „Auf Später Vertrösten“?
Die Talente, die uns und besonders auch dem Verstorbenen im Leben mitgegeben werden, weisen mich schon auch auf den Wert dieses Lebens hin. Egal wieviel Zeit ein Mensch hat, er kann dieses Leben nutzen und diese Zeit als Geschenk sehen. 
Wann der Verwalter kommt, wissen die einzelnen Diener aus dem Evangelium nicht. Es ist ungewiss. Genauso wie meistens die Stunde des Todes.
Die Auszahlung im Evangelium ist alles andere als das, was ein normaler Verwalter machen würden. Er erhebt den treuen Diener und sagt ihm zu, dass er am Freudenfest teilnehmen soll. 
Das Himmelreich wird an anderer Stelle im Evangelium auch immer wieder mit einer Hochzeit verglichen. Ein Fest der Wiedersehensfreude. Ein Fest, bei dem alle Tränen getrocknet werden. Ein Fest, wo man Altes hinter sich lässt. Ein Fest mit dem Neues beginnt. 
Lieber Herr NN, du warst treu. Komm, nimm teil am Freudenfest deines Herrn!

Samstag, 30. Juni 2018

Johannes der Täufer - Predigt 2018

Bei uns im Admonter Konvent leben gleich vier Patres, die den heiligen Johannes den Täufer als Taufnamenspatron haben: einen kopflosen Johannes, einen Johann, einen Jano und mich. 
Wer wer ist können sie selbst entscheiden. Auch ein getaufter .. namens Johannes wohnt zZ bei uns im Stift. 
So könnt Ihr euch in etwa vorstellen, welche Bedeutung dieser Heilige für mich und für die Kirche hat. 
Ähnlich ja auch sein herausragender Gedenktag: wenn die Tage wieder kürzer werden, sechs Monate vor dem Weihnachtsfest, feiern wir ihn.
Obwohl Johannes als Vorläufer Christi doch so wichtig ist, ist das, was wir mit ihm verbinden, fast schon eigenartig: Sein asketisches Wesen, sein Aufruf zur Buße, sein Wort, womit er sich mit den Mächtigsten anlegt. Er wird (lt. Evangelien) gefangen genommen und später geköpft, weil er die Zweitehe von Herodes Antipas mit der Frau seines Halbbruders kritisierte. 
Ganz anders als der Täufer wagen sich die Prediger dieser Tage nicht mehr Missstände anzukreiden. Von Pater Augustinus mal abgesehen. 

Sind wir zahm geworden? Hat das letzte bisschen Autorität der Kirche mit dem Missbrauchsskandal 2010 aufgehört zu existieren? Sind wir zu sehr mit uns selbst und unseren Strukturen und Wehwehchen beschäftigt? Sagen wir nur noch genehme Worte, weil wir doch geliebt sein wollen?

Johannes ist eine markante Gestalt, die mir vor allem den Weg weist → den Weg zu Jesus Christus. 

Entschuldigen Sie bitte diese Engführung vorhin; ich tue gerade so, als ob nur Priester prophetisch sein sollten. 
Wir sind durch unsere Taufe Gottes Propheten. 
Und was einen Propheten im Alten Testament und eben bei Johannes den Täufer ausmacht sind zwei Dinge: Das unerschrockene Wort und die Erwählung. 
Man braucht diesen Selbststand um fähig zu sein für die Wahrheit. 
Wir sind durch unsere Taufe seine Propheten und so können wir als sein Volk beten (Zitat aus der heutigen Jesajalesung): 
Der Herr hat mich schon im Mutterleib berufen; als ich noch im Schoss meiner Mutter war, hat er meinen Namen genannt… So wurde ich in den Augen des Herrn geehrt und mein Gott war meine Stärke.
Ein geköpfter Johannes, ein gekreuzigter Jesus sind menschlich gescheitert. 
Und in diesem Sinne des Scheiterns spricht auch der Gottesknecht: „Vergeblich habe ich mich bemüht, habe meine Kraft umsonst und nutzlos vertan. Aber mein Recht liegt beim Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.“
In diesen Wort soll kein Trotz liegen, sondern Trost. Hört sich so ähnlich an (Trotz-Trost), ist aber was ganz anderes. Trotz läuft gegen etwas, gegen eine Person. Hass, Abneigung wird auf einmal zur Motivation. Nein, darum geht es dem Gottesknecht nicht. Trost kommt von Innen. Ich fühle, dass ich nicht allein bin. Ich weiß, dass ich von IHM geliebt bin. Das ich wertvoll bin. Der von Gott geliebte Mensch.
Danke, Jesaja, Johannes und Jesus, dass ihr mich daran erinnert, ICH HAB EINEN MEHRWERT. ICH BIN EIN GOTTESKIND. 


Donnerstag, 31. Mai 2018

Leben aus der Eucharistie - Leben ohne Kompromisse

meine Predigt an Fronleichnam 2018:
Meinen Sie das ernst? Meinen Sie das ernst? 
Wenn man etwas ernst meint, dann in Wort und Tat. Ein Sportler, ein Naturschützer, ein ein Lebensschützer, eine Mutter, ein Vater <— sie alle brauchen das Bekenntnis und die Tat, die dazu gehört. Das Wollen allein ist meist nutzlos, wenn kein konsequentes Handeln folgt.
Gestern hat mich ein junger Afghane, der sich taufen lassen will, gefragt, warum Jesus eigentlich nach Jerusalem gegangen ist, wenn er doch gewusst hat, dass er dort umkommt. 
Das konsequente Handeln Gottes die Antwort. 
Es sind nicht nur Worte und ein theoretisches Konstrukt, das unseren christlichen Glauben ausmachen, sondern die Ganzhingabe. Die Ganzhingabe Gottes und die Ganzhingabe von Dir und mir. Jesus geht seinen Weg der Liebe und Ganzhingabe bis zum Schluss —> um uns zu erlösen. 

Das Osterfest besteht aus der Einsetzung der Eucharistie (Gründonnerstag), das Kreuzesopfer (Karfreitag) und die Erweckung zum neuen Leben (Ostersonntag). ✗ Ostern ist uns Christen so wichtig, dass wir es 49 Tage lang feiern (vom Ostersonntag über Christi Himmelfahrt bis Pfingsten). ✗ Ostern ist uns Christen so wichtig, dass wir es jede Woche mit dem Sonntag feiern. ✗ Ostern ist uns so wichtig, dass der jeweilige Charakter der drei heiligen Tage noch einmal im Jahreskreis aufleuchtet: Dreifaltigkeitssonntag, Herz Jesu Fest (nächste Woche) und eben der Gründonnerstag im Fronleichnamsfest. 
An diesen drei Festen scheint der Ostersonntag, der Karfreitag und der Gründonnerstag jeweils noch mal auf. 
Wenn wir an Ostern denken, dann denken wir auch an den Auszug des Gottesvolkes aus dem Sklavenhaus in Ägypten. Pesach oder Pascha nennen die Juden dieses Fest. 
Auch hier wird deutlich, wie Gott und der Mensch es ernst meinen. Der Pharao versucht Mose zu umgarnen und ihn und sein Volk zum Bleiben zu überreden. Zumindest ein bisschen soll er im Sklavenhaus bleiben. 
Es ist ausgerechnet Mose, der durch seine Erziehung eher Ägypter als Israelit war. Mose, der gestottert hat bzw. irgendeinen Sprachfehler hatte. Mose, der Schuld auf sich geladen hatte. 
Mose wurde von Gott berufen, sein Volk zu befreien. 
Daran wird deutlich wie Gott schon im Alten Bund unsere Schwachheit kennt und sie ihn Stärke wandelt. 
Keinen Kompromiss geht Mose mit dem Pharao ein: Das ganze Volk so ziehen und nichts, aber auch gar nichts, soll im Sklavenhaus zurück bleiben. Mose meint es ernst, so wie sein Gott es ernst meint.
Sich in Liebe zerreiben lassen, damit ich Nahrung werde für die anderen.
Weltweit gibt es Menschen, die sich zu Gott hingezogen fühlen. Die eine innere Sehnsucht in sich tragen. 
Wir dürfen heute den Herrn, durch unsere Straßen tragen und damit den Menschen zeigen: unsere Sehnsucht wird erfüllt durch Gott. Unsere Seele hat eine Nahrung: Gott selber gibt sich uns zur Speise. Er lässt sich in Liebe zerreiben, damit Er Nahrung wird für uns.
Weltweit gibt es Menschen, die sich zu Gott und seinen Sohn Jesus Christus hingezogen fühlen…
Da ist vielleicht ein 16-jähriger Christ in China, der gerne mit seinen Eltern in die Kirche gehen will. Ist aber in einzelnen Regionen Chinas erst ab 18 erlaubt. 
Da ist eine Mutter in Pakistan, die sich im Herzen zu Christus hingezogen fühlt, aber sie würde sofort ausgestoßen werden und umgebracht werden, wenn sie sich öffentlich zu ihrem Glauben bekennt. 
Und ebenso gibt es auch bei uns diese tiefe Sehnsucht, der Menschen, die nach Erfüllung schreit.
Stellvertretend für sie alle wollen heute den Leib des Herrn erheben und ihm Lobpreislieder singen und spielen.
Das Geheimnis von Ostern ist die Ganzhingabe in der Liebe. 
Geben wir uns - ohne Kompromisse - und seien wir durch die Kraft des Heiligen Geistes Licht der Welt und Salz der Erde. Amen. 


Sonntag, 27. Mai 2018

Predigt Dreifaltigkeit 2018

Am Freitag hat sich die überwältigende Mehrheit der Iren für die Streichung eines Verfassungszusatzes aus dem Jahre 1983 ausgesprochen; dieser hat das Recht auf Leben des ungeborenen Kindes auf die gleiche Stufe wie das Leben der Mutter gestellt. 
Die ersten Meldungen waren noch sehr neutral, so wurde zB berichtet, dass die Kirche sich beim Wahlkampf diesmal sehr zurückgehalten hat. 
Doch später dann in Fernsehberichten, in dem was der irische Regierungschef gesagt hat oder diverse Kommentare, war klar, dass es vor allem ein Sieg gegen die Kirche war. Die ach so rückständige Kirche. 
Wie oft, musste ich mir in meinem Leben schon anhören, dass die Kirche den Menschen klein macht, dass sie ihn knechtet, dass sie an ihm eine Gehirnwäsche vollzieht.
Wie oft musste ich mir schon anhören, was die Kirche alles Böses gemacht hat: Kreuzzüge, Hexenverbrennungen, Missbrauch, Unterdrückung der Frau…
Ja, die Kirche ist schuldig geworden; schuldig an ihrem Auftrag den lebendigen Gott zu verkünden; schuldig, dass sie sich nicht um die Ärmsten gekümmert hat und die Not vieler auch noch ausgenutzt hat; schuldig am Testament, dass uns Jesus Christus hinterlassen hat.
Und dennoch hat sich durch die Kirche ein Menschen- und Gottesbild etabliert, das beide groß sein lässt. 
Der nach Gottes Ebenbild geschaffene Mensch. Der von Jesus Christus erlöste Mensch.
Und auf der anderen Seite der allmächtige und barmherzige Gott, der sich zu uns heruntergebeugt hat in seinem Sohn Jesus Christus. 

Für mich als Christ ist der Mensch schützenswert von der Empfängnis bis zum Tod. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, wenn der Mensch am Anfang seines Lebens nicht geschützt wird, dass er dann auch am Ende seines Lebens nicht geschützt wird. Die Euthanasie ist doch längst auf der Agenda; in der Schweiz, in Belgien oder in den Niederlanden kann oder soll man schon genauso leise und lustvoll abtreten, wie man heute abtreiben kann. 
Und sie verkaufen es uns als großen Sieg der Menschlichkeit. 
Der Mensch in seiner Würde von der Empfängnis bis zum Tod.
Gott, der HERR über Leben und Tod. 
Beides Seiten ein und der selben Medaille. 
Und ich möchte ausdrücklich an dieser Stelle alle lobend und dankend erwähnen, die dem Leben dienen: Eltern, die ihr Ja sagen, Frauen, die in der Hospizbewegung tätig sind, die vielen Menschen, die durch ihr Zeugnis und ihre Tat den Wert des Lebens fröhlich bejahen. 

Am vergangenen Donnerstag wurde das Programm der Liezener Bühne zum Jubiläum der Diözese Graz-Seckau der Öffentlichkeit präsentiert. Eine Woche lang wird ein buntes Programm dort angeboten. 
Die Idee finde ich gar nicht schlecht. Den Eröffnungsgottesdient wird Bischof Wilhelm feiern, den Abschlussgottesdienst Abt Gerhard. Und auch zwischendrin finden sich viele gute Programmpunkte. Aber mittendrin ein etwas anderes Treffen. Am 7. Juni werden „ChristInnen, MuslimInnen, Sikhs und Bahais und Angehörige anderer Religionen (…) gemeinsam um Frieden beten“.
Das Ganze läuft dann unter dem Titel „Wahrheits- und Absolutheitsansprüche in Frage stellen“.

Mit Menschen anderer Religion reden. Ja. Sich mit deren Glauben auseinandersetzen Ja. Menschen anderer Religion wertschätzen und ihnen die Freiheit zugestehen. Ja. Aber mit ihnen beten. Nein. 
Dialog ja, aber der würde ja einen eigen Standpunkt voraussetzen. Eine Kirche, die ihre Lehre nicht mehr ernst nimmt, wird auch von den Leuten nicht mehr ernst genommen.

Unsere Welt ändert sich. Gott bleibt. 
Die heiligste Dreifaltigkeit kann ich ohne den Mensch nicht verstehen und ich glaube auch, Mensch und dreifaltiger Gott bedingen einander.
nur in Frauenberg: Besonders deutlich wird das natürlich an unserem übervollen Altarbild. 
Da ist die Gottesmutter (seit gut einer Woche in rotem Prachtgewand), die eingebetet ist:
Eingebettet in die Engel.
Eingebettet zwischen ihren leiblichen Eltern Anna und Joachim. Ein Hinweis, das wir einen menschlichen Ursprung haben, eine genetische und soziale Prägung, die uns ausmacht.
Eingebettet in die Heiligste Dreifaltigkeit. VOM HIMMLISCHEN Vater gerufen/ ewig geliebt/ erschaffen.
Der Heilige Geist hat sie durchströmt und ihr Kraft gegeben.
Dem Sohn hat sie gedient <— als Mutter. 

nur in Ardning: Es sind die Heiligen, auf die Katholiken und auch die Orthodoxen Schwestern und Brüder so gerne schauen, weil sie uns von Gott erzählen. 
So auch unser Kirchenpatron Johannes der Täufer.
Von Gott erwählt und berufen Vorläufer zu sein.
Mit dem Sohn Gottes Jesus befreundet.
Vom heiligen Geist gestärkt. 

Gott über uns - Vater
Gott in uns - Heiliger Geist
Gott mitten unter uns - dem ich diene in jedem Menschen und der mir aufhilft. „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Unsere Welt ändert sich. Gott bleibt.

Sonntag, 20. Mai 2018

Geist des Lebens und des Bekenntnisses

meine Pfingspredigt 2018 

Gestern zwei Megaereignisse: Die Firmung in Frauenberg. Die Hochzeit von Harry und Meghan in Windsor. Beides verstehen wir als Sakramente. Findet alles in der Kirche statt. Beides begleitet von Kirchenmänner, die auch jeweils das rechte Wort zur rechten Zeit gesprochen haben. 
Michael Bruce Curry, Primas der Episkopalkirche, hat gesagt: 
„Es gilt, die Macht der Liebe zu entdecken, dann wird aus dieser alten Erde eine neue Erde.“
Und Abt Gerhard hat in seiner Worte die Firmlinge an die Goldene Regel erinnert: „Was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu.“ Er hat den Wert der Gemeinschaft hervorgehoben. Und auf das lebendige Antlitz Gottes - Jesus Christus - hingewiesen, das in unserm Leben einen Platz haben darf. 
Alles Feiern, wo der Heilige Geist im Vordergrund stand: Bei den Gebeten des Abtes in Frauenberg oder beim Ring-Anstecken in Windsor. 
Alles Feiern, wo die Namen der Menschen eine Rolle spielen. Man sagt ja beim Vermählungsspruch den Namen. Der Firmender spricht die Firmlinge mit Namen an.
Ich habe da bei der Firmung daneben gestanden und mir gedacht, ob die ihren Namenspatron kennen? Da waren zum Beispiel unter den Namenspatronen der Firmlinge Märtyrer, die für den Glauben ihr Leben gegeben haben. Was hat das überhaupt einen Wert? Was hat das überhaupt einen Wert für den heutige Österreicher?
Und in der Tat sehe ich da eine Diskrepanz zwischen dem Geist, der Leben schafft und erhält und dem Geist des Bekenntnisses, das zum Tode zum führt.
Laut unserem christlichen Verständnis ist es der Heilige Geist, der bei der Schöpfung über dem Wasser schwebt. 
Genesis 1,1-2: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis war über der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. 
Ein Gott des Lebens - ein Geist des Lebens.
Und weiter heisst es dann im zweiten Schöpfungsbericht:
Genesis 2,7: da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele.
Ein Gott des Lebens - ein Geist des Lebens.
Und auf der anderen Seite sehe ich die Zwölf Apostel. Alle haben den heiligen Geist empfangen. Nur einer von ihnen (Johannes, der Lieblingsjünger Jesu) wird nicht als Märtyrer verehrt. Die anderen werden alle in rot gefeiert, die anderen elf haben alle das Martyrium erlitten. Hat der Heilige Geist die Märtyrer nicht erst ermutigt zu diesem lebensgefährlichen Bekenntnis?
Ich glaube nicht, dass Gott dieses Martyrium gefordert hat. Genauso hat er ja auch nicht Jesus Christus aufgefordert am Kreuz zu sterben. 
Und doch steckt im Kreuz die Lösung aus meinem Dilemma. 
Johannes 20,21: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.
Eine Sendung, die wir alle als Christen haben und die uns durch das Leben Jesu vertraut ist. Eine Sendung, wo ich als geliebtes Kind angenommen bin. Wo ich berufen bin zu lieben, wo man hasst; zu schlichten, wo Streit ist; geduldig zu sein; zu hoffen, wo alle schon die Hände in den Schoß gelegt haben…
Eine Sendung, die bis zum Tod geht und in der vertrauensvollen Bitte endet: Himmlischer Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.
Das Kreuz gehört zum Leben eines Christen dazu. Es ist nicht der Schlusspunkt eines sinnlosen Daseins, sondern Krone des Lebens und Zeichen unserer Erlösung, da hier die Ganzhingabe der Liebe deutlich wird. 
Gott ist ein Gott der Liebe und des Lebens. Und es war der heilige Franziskus, der die Grenzen dieser Liebe allein im Menschen gesehen hat: Zitat Franziskus von Assisi: „Die Liebe wird nicht geliebt.“
Das ist das Geheimnis der Märtyrer. Das die unendliche Liebe Gottes von vielen Menschen nicht angenommen wird. 
Der heilige Geist will uns heute die unendliche Liebe Gottes entdecken lassen. Seien wir das breite Flussbett, durch das die unendliche Liebe Gottes zu den Menschen fliesst.