Sonntag, 6. September 2020

Firmung 2020 in St. Gallen - Predigt

Lesungen: Ezechiel 36,24-28 und Lk 4,16-22a 

Liebe Firmlinge, liebe Schwestern und Brüder.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Am Vormittag noch kein Regen. 

Erst am Nachmittag wird uns die Regenfront erreichen. Wenn schon die Vorbereitung auf diese heilige Firmung flöten gegangen ist, so soll wenigstens heute eure Feier eine Schöne sein. 

Stimmungen bzw. das Leben unserer Seele beschreibt man auch oft mit dem Wetter. Man spricht vom eitlen Sonnenschein,Das Wetter von einem ordentlichen Donnerwetter, von sieben Tage Regenwetter, von einer eisigen Kälte usw. Und da meint man eben nicht das Wetter, sondern die Gemütslage. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann finde ich auch viele glänzende Sonnentage. Da sind aber auch die Tage der Finsternis und der großen Traurigkeit. 

Ich erinnere mich zum Beispiel wie ich in einem Kloster in Salzburg gelebt habe. Es hat dort irgendwie alles gepasst. Es gab dort viele junge Brüder, wir haben herrlich gesungen, wir hatten prachtvolle Gottesdienste, waren aber auch für Neues im Haus immer wieder offen. Ein Kloster mitten in der Welt. Für mich damals als 26-Jähriger der Himmel auf Erden. Aber dann gab es ein großes Donnerwetter. Und von einem auf den anderen Tag stand plötzlich alles infrage. Und an so einem Tag saß ich in der Kapelle, nach und nach kamen die anderen Brüder rein und mir wurde bewusst, dass jede Berufung nur an einem seidenen Faden hängt. 

Das, was mir so viel Sicherheit gab und so viel Vertrauen, war plötzlich nicht mehr da. Und es sollte nie mehr so werden, wie es mal war. 

Was trägt uns? Was hält uns? Was hat in unserem Leben Bestand? Nur eine Krise schafft es, dass wir uns diese elementaren Fragen stellen. 

„Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch.“ So lässt der Prophet Ezechiel Gott zu uns sprechen. Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch. 

Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, manchmal wünsche ich mir vielleicht, ich hätte ein Herz aus Stein und nichts würde mich verletzen. So wie diese sündteuren Bratpfannen, es tangiert mich nicht. 

Aber dann würde ich wahrscheinlich auch nicht reagieren, wenn ich jemand mag oder wenn jemand mir etwas Gutes tut.  Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, dass du mich verletzbar machst. Aber, wenn ich dann verletzt bin, heile mein Herz auch wieder.  

In wenigen Minuten werdet ihr mit Chrisam gesalbt. Darin wird eure würde als Söhne und Töchter Gottes sichtbar. 

Würde und Verantwortung in der Kindschaft. 

Ihr seid verantwortlich für euer Leben. 

Ihr seid mitverantwortlich für Eure Familie, für unsere Schöpfung und auch für unsere Kirche. Es ist nicht meine Kirche. Der Pfarrer ist nicht an allem Schuld. Es ist ebenso eure Kirche.

 Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Im übrigen, wenn diese Krise damals in Salzburg nicht gewesen wäre, dann wär ich jetzt wahrscheinlich nicht bei euch. Ihr hättet mich als Pfarrer nichtnicht, aber was wahrscheinlich viel schlimmer wiegt, ich hätte euch nicht.  Das Ergebnis manch einer Krise zeigt sich erst Jahrzehnte später. Gott, ich weiß oft nicht was du mir sagen willst, aber führe Du alles zum Guten. 

Gott, sende uns deinen Geist, der uns tröstet, der uns lebendig macht und der uns mitfühlen lässt für den anderen. Amen. 


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