Montag, 30. Mai 2022

Requiem - Predigt anhand der Rosenkranzgeheimnisse

Im Mai schauen wir gerne auf die Muttergottes. Diesbezüglich war für N das ganze Leben ein Mai, hat er doch gerne mit dem Rosenkranz Maria und ihren Sohn Jesus betrachtet und in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt.

Der Rosenkranz ist ein betrachtendes Gebet, welches immer Jesus im Mittelpunkt hat. Mit Maria schauen wir das Leben Jesu an. Mit allen Höhen und Tiefen. Von Geburt bis Leiden bis Tod bis Auferstehung. 

Wenn wir auf Jesus und Maria schauen, schauen wir auch auf unser Leben mit Gott und was Gott mit uns vorhat. Ganz einfach möchte ich nun einige Rosenkranzgeheimnisse betrachten. 


Jesus, den du Jungfrau vom heiligen Geist empfangen hast.

Maria spricht ihr JA. Stellvertretend für N haben seine Eltern und sein Pate in der Taufe Ja gesagt zu Gott und dessen Plan mit ihm und uns. JA, dazu, dass er ein geliebtes Kind Gottes ist. 

Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast.

Gleich nach dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes kommt der Hinweis darauf, wie Maria, selbst schwanger, ihrer Tante Elisabeth beispringt; ihr hilft. Das erinnert mich heute vor allem daran, wie ihr in den letzten Wochen Familie ward und Euren lieben Vater so oft besucht habt um bei ihm zu sein und ihn im Leiden nicht alleine zu lassen. 


Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast.

Dieses Geheimnis beschreibt die grandiose Freude über ein neues Leben, die grandiose Freude, die Ihr als Eltern und Großeltern erleben durftet über jeden Sohn und jedes Enkel, das Euch geschenkt wurde. 

Ja, das Leben ist schön und dankbar dürfen wir sein gegenüber unserem Schöpfer. 


Jesus, den du Jungfrau im Tempel aufgeopfert hast. Es gibt für Eltern nichts Schlimmeres, als wenn man sein eigenes Kind verliert. Es gibt für Menschen nichts Schlimmeres, als wenn man sein eigenes Kind verliert. Grundfeste geraten ins Wanken. „Wo ist ein Schmerz, der dem meinen gleicht?!“, heißt es bei einer Kreuzwegstation. (Stille)


Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat
oder
Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat.

In seinem seelischen und körperlichen Leiden wusste sich Franz verbunden mit dem Leiden Jesu. Vielleicht gab es ihm Sinn, sicher gab es ihm Halt und Trost.

Jesus, durch dein schmerzhaftes Leiden hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt. 


Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist. Gestern haben wir dieses Fest der Aufnahme Jesu in den Himmel gefeiert. Jesus verlässt seine Jünger und sie sollen sich freuen. Finde ich etwas eigenartig, da ein Abschied doch eigentlich mit Trauer verbunden ist. Auch das heutige Tagesevangelium vom Freitag der sechsten Woche erzählt, wie Jesus seine Jünger auf diesen Abschied vorbereitet.  Hier wird von der Wiedersehensfreude berichtet und einer Freude, die uns niemand nehmen kann, die bleibt.  


Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat.

N hat zutiefst aus dem Geheimnis der Eucharistie gelebt. Jesus schenkt sich uns in diesem himmlischen Mahl. 


Jesus, der von den Toten auferstanden ist und

Deutlich wird am Glorreichen Rosenkranz schon, dass dieses Ostern - diese Auferstehung Jesu - nicht einfach ein besonders Privileg Jesu ist, sondern dass damit der tiefe Wunsch Gottes verbunden ist, dass wir alle zum ewigen Leben gelangen. Maria aufgenommen und gekrönt im Himmel. 


Lieber N, mögest Du nun mit Maria und allen Engeln und Heiligen von Jesus in den Himmel aufgenommen und gekrönt werden. Amen.

Requiem - Predigt über die vier Elemente

 Lieber N, lieber N,

Liebe Schwestern, Schwiegertöchter, Kinder und Enkel unserer Verstorbenen. Liebe Familie N. Liebe Schwestern und Brüder. 

Inzwischen sind echte Erdbestattungen fast schon selten geworden. Vielleicht liegt es auch daran, weil hier die Vergänglichkeit des Menschen besonders zum Ausdruck kommt: wie der Mensch zur Erde zurückkehrt.  

Die Erde erinnert uns aber auch daran, dass der Mensch nie völlig autark sein kann. 

  • Dass er abhängig ist von diesem Planeten,
  • dass er abhängig ist von den Früchten, die uns die Erde schenkt.  

Sei gelobt, mein Gott für unsere Mutter die Erde, die uns gebiert, die Leben hervorbringt. 


Mit dem Element „Feuer“ verbindet man wärmendes, gutes. Aber eben auch zerstörerisches. 

Eure liebe Verstorbene hat den fürchterlichen Zweiten Weltkriegs und das Naziregime als Kind und dessen Folgen als Jugendliche und junge Frau erlebt. So nah wir heute waren wir einem Krieg noch nie. Bitten wir Gott um seinen Heiligen Geist für die Regierungen der Erde. Wahrscheinlich braucht es mehr Mut und Kraft, um Waffen niederzulegen, statt sie aufeinander zurichten.  HERR, schenke Deiner Welt den Frieden. 


Aber wie gesagt, FEUER ist für uns auch etwas Wärmendes und Gutes. Es steht auch für die Liebe, die N - genannt „N“ - zu ihrem geliebten Ehemann N hatte. 

Das Feuer steht auch für die Liebe und Wärme, die ihr als Kinder, Schwiegerkinder und Enkel in ihrer Nähe erfahren durfte. 

 

Das Feuer steht aber sicher auch für die Energie und Kraft, die eure Mutter, Schwiegermutter und Oma gehabt hat. Sei gelobt, mein Gott für ihren Antriebskraft und ihre Feuer für ihren Hof und ihre Familie.


Heute steht das Element Wasser erstmal für die Tränen, die Eure liebe Verstorbene in ihrem Leben vergossen hat. Für die Tränen, die ihr heute bei ihrem Sarg vergißt. Ich glaube, daran, dass Trauer sich in Freude wandelt und dass es im Himmel ein Wiedersehen gibt.


Das Element Wasser erinnert mich auch an das Wasser der Taufe. Die Taufe ist die starke Zusage unseres Gottes, dass wir seine geliebten Kinder sind. 


Sei gelobt, mein Gott für Deiner Tochter N, nimm Du, himmlischer Vater, sie auf in Deine Herrlichkeit.


Bei Luft denke ich auch an den Atem, der mit dem Tod aufhört. Der Lebensatem. 


In der Bibel wird ja von Gottes Schöpfung gesprochen und wie ER allem Leben eingehaucht hat. 


Und angenommen, dem ist so und dieser Lebensatem wohnt in uns, dann verschwindet der ja nicht, sondern existiert weiter, will zurück zu Gott und will mit Gott sein. Sei gelobt, mein Gott, der Du uns ewiges Leben gibst. 

Predigt Hochzeit mit allerlei Heiligen

Mitte der 1850er Jahre waren die Eisheiligen ziemlich zuverlässig und es gab Mitte Mai tatsächlich fast jedes Jahr Bodenfrost. Auf diesen Bauernkalender habt ihr nicht vertraut, da er durch die Klimaveränderung der letzten 150 Jahre veraltet und überholt ist. Das Alte, ach so bewährte, ist nicht immer gut. Wir wollen Euch heute ermutigen, Euren neuen Weg zu gehen. Vielleicht so wie es im Propheten Jesaja im Kapitel 35 heisst:


Dort wird es eine Straße, den Weg geben; / man nennt ihn den Heiligen Weg. Kein Unreiner wird auf ihm einherziehen; / er gehört dem, der auf dem Weg geht, / … Es wird dort keinen Löwen geben, / kein Raubtier zieht auf ihm hinauf, kein einziges ist dort zu finden, / sondern Erlöste werden ihn gehen. Die vom HERRN Befreiten kehren zurück / und kommen zum Zion mit Frohlocken. Ewige Freude ist auf ihren Häuptern, / Jubel und Freude stellen sich ein, / Kummer und Seufzen entfliehen. (Jesaja 35)


Ja, das ist es, was wir Euch heute, an diesem Tag wünschen, dass Kummer und Sorge entfliehen und Eure Häupter leuchten vor Glück und Freude. 

Dass ich ein geliebtes Kind bin und mein Gesicht leuchtet und strahlt, dass habt Ihr Euren Eltern und Eurer Familie zu verdanken. Aber ihr verdankt es euch gegenseitig. Möge dieses Nicht der gegenseitigen Liebe nie auf Euren Häuptern erlöschen. 


Und so wie der heutige Eisheilige Bonifatius Euch recht wenig tangiert, so auch die andere Tagesheilige des 14. Mai: Die heilige Märtyrerin Corona, die uns die letzten zwei Jahre begleitet hat. Es ist hoffentlich mehr als nur ein kurzer Sommer, in dem wir wieder feiern dürfen und uns real begegnen dürfen. 

So ersprießlich eine Videokonferenz sein kann, so produktiv Homeoffice - manche Dinge kann man nur in echt tun. Eure Fernbeziehung findet heute ihr sichtbares Ende mit dieser realen Feier, nach der Ihr Euch so lange gesehnt habt!!


Und war es nicht Jesus selbst, der auf einer Hochzeit zu Gast war und dafür gesorgt, dass der Wein und damit die Freude nicht ausgeht? (Johannesevangelium 2)


Ein schönes Bild für eine beliebte Familie ist die offene Tür

So robust, isoliert und sicher und hochwertig verkleidet eine Tür sein darf, bringt es Depression und Kälte, wenn sie immer verschlossen ist. 

Es ist Eure Tür und Eure Entscheidung, wen ihr in Euer Leben hineinlasst. Vielleicht steht Gott in Form eines Menschen, der Hilfe braucht draußen. 


Ihr Tore, hebt eure Häupter, / hebt euch, ihr uralten Pforten, denn es kommt der König der Herrlichkeit! Psalm 24


Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. Hebräer 13


Ich möchte es natürlich nicht versäumen heute auf eine besondere Heilige hinzuweisen, die gerade hier in der Kirche besonders verehrt wird. (Der heilige Einsiedler und Priester Gallus möge es mir verzeihen) Die Gottesmutter Maria.

Gerade das Altarbild hier vorne zeigt, die Zärtlichkeit, Erhabenheit und Schönheit des Menschen. 

Diese Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel vom Kremser Schmidt kann zärtlicher nicht sein. 

Ja, zur Zärtlichkeit, Erhabenheit und Schönheit sind wir berufen.

Ich muss zugeben, dass beim Schmücken der Kirche mir die perfektionistische Seite Ns fast schon ein bisschen auf den Keks ging. Auf der einen Seite soll alles perfekt sein für diesen Euren Tag. Auf der anderen Seite ist es eben Euer Sinn für das Wahre, Schöne, Gute, der Euch vereint und trägt. Und nach jedem Schöpfungstag erklingt der Refrain im Schöpfungslied in Genesis 1:  „Gott sah, dass es gut war.“

Und so hat er Euch gut und eigentlich auch ganz schön gemacht. Und er hat Euch noch schöner in Christus erneuert.  (Kolosser 3,10)


Wir sind eine neue Schöpfung. 


Die Heiligen, deren Namen ihr tragt, sind heroisch, wie sie heroischer nicht sein können. Beide lebten im 3. Jahrhundert nach Christus und beide gaben ihr Leben für Christus. Und beide werden mit einem starken Wesen dargestellt, dass sie laut Legende erledigt haben. N mit einem Löwen und Georg mit einem Drachen. 


Liebe N, lieber N, man kann in etwa annehmen, welche Kraft und Ausdauer in jedem einzelnen von Euch steckt. Aber ich möchte kein wildes Fabelwesen sein und Euch gemeinsam begegnen. Mit Gott an der Seite und gemeinsam seid Ihr Kampf gegen das Böse stark und jede Schlange darf sich schon mal fürchten. So wie ihr schon manch steinigen Weg gemeinsam gegangen seid, werdet ihr noch viele Löwen und Drachen erledigen müssen. 

Sonntag, 27. Februar 2022

Reimpredigt 2022 - Fastnacht - Fasching

Liebe Schwestern und Brüder. 


Eine Predigt in Reimform, kann die gelingen?
Wenn Russland die Ukraine in den Abgrund will zwingen.


Das Lachen bleibt ei´m im Halse stecken;
diese große Invasion hält Europa in Schrecken.


Auch sieht man die Lage weltweit bedroht,
ob durch Klimawandel oder dem Putindespot.


Drohungen wirken manchmal vielleicht,
doch dieses Mal haben sie nichts erreicht.


Mit Lügenmäulern kann man keine Geschäfte machen;
sie werden letztlich über dich lachen. 


Das gilt im Großen wie im Kleinen:
Die Lüge kann man nicht anleinen.


Nur wenn Herz und Mund im Einklang steh’n,
kann Kommunikation gescheh’n.


Doch was helfen heute diese Lehren,
wenn immer das Böse kommt zu Ehren?


Als Christen brauchen wir nicht verzagen,
denn SEIN 👆🏼Auftrag bewahrt uns vor ängstlichem Klagen.


In Christus hat G’tt uns den Sieg geschenkt
und den Tod ein für allemal ertränkt. (vgl 1 Kor 15,57)


So hat laut Paulus jedes Mühen ´nen Sinn,
wenn ich den Auftrag mit Jesus Christus beginn’.
(vgl.1 Kor 15,58)


Euch und mir möchte ich Zuversicht schenken,
dass wir unsern Auftrag tun und nicht nur bedenken.


Papst Franziskus ruft uns auf zu Fasten und Gebet
<— beides zusammen ist ein Gnadenpaket.


Am Aschermittwoch soll dies besonders gescheh’n,
dass wir den Frieden auf unser Europa erfleh’n.


Auch mahnt uns heute die Heilige Schrift,
dass immer auf andere zu schauen, für uns ist ein Gift.


Hör auf, auf die Fehler der andern zu fluchen, 

beginn´ endlich Deine eignen zu suchen.


Ja, es ist schmerzhaft, das zu bekennen
und den eigenen Balken aus dem Auge zu trennen. 


Herr, gib uns die Kraft zum mutigen Handeln
und wir werden diese Welt zu einer Besseren wandeln.


Und damit meine ich nicht die Großwetterlage,

Sondern Dein gütiges Herz soll komme zutage. 


So kommt dann im Kleinen eine gewaltige Wende
und mit meinem „Amen“ die Predigt zum Ende. 

Freitag, 10. Dezember 2021

Predigt - Immaculata conceptio 08. Dezember 2021


Fürchte dich nicht, Maria, du hast bei Gott Gnade gefunden.

Für manche ist es echt zum fürchten, was die Katholiken glauben sollten oder glauben. 

Lohnt sich überhaupt dieser Glaube? Ist das nicht alles viel zu groß?  Ein großes theologisches Konstrukt.

Können wir es nicht viel einfacher haben?

Wie die Muslime etwa? Ein Katalog, das ist erlaubt, das nicht. Wenn du dich dran hältst, dann kommst du in den Himmel.  

Oder ein Agnostiker, der sich einfach nicht festlegen will. 

Oder wenn schon Christ, dann halt mehr so ein Wohlfühlchristentum, wo alle gerettet werden und wo keinem wehtut.  


Diese unbefleckte Empfängnis der Gottesmutter Maria ist schon harter Tobak. Ich hatte ja versucht vor Jahren, mich mit dem Titel „Fest der Erwählung Mariens“ irgendwie zu retten und damit anzufreunden.  

Ja, das Fest ist nicht direkt biblisch. Ja, jahrhundertelang haben sich Theologen um dieses Geheimnis gestritten. Und: die franziskanische Schule hat gesiegt. 

Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.  

Manchmal habe ich auch gedacht, dieses Fest passt gar nicht in die Adventszeit. Wird doch darin nicht an die Empfängnis Jesu, sondern an die Empfängnis Mariens gedacht. Aus Joachim und Anna. Und doch ist es die Vorvorbereitung der Menschwerdung. 

Alles muss perfekt sein. Gott schaut auf Maria —> er schaut auf das Gefäß, in dem er Mensch wird. 

Und da wirkt bei der Menschwerdung Gottes eine viel größere Macht, als wir uns ausdenken können. Wie und auf welche Weise die Menschwerdung Gottes stattgefunden hat, seien Sie ehrlich, wissen tun wir das letztlich nicht.  

Aber über die Folgen müssen und dürfen wir uns im Klaren sein. Der Mensch im Angesicht Gottes trägt nicht nur einen göttlichen Funken in sich, sondern erlangt durch die Frucht des Kreuzes Heil. 


Gott geht diesen Weg, weil er den Menschen ernst nimmt. Weil er ihn nicht zu einem dumpfen Sklaven einer Religion machen will. ER lässt seinen göttlichen Sohn zu Fall kommen und auferstehen um uns wieder aufzurichten und uns unsere Würde als Söhne und Töchter des Höchsten wieder zu geben. 


Diese Erwählung des Menschen Maria ist schon älter. Die Erwählung des Menschen, heilig und untadelig vor ihm zu leben, ist schon älter. Dieser grundpositive Zugang Gottes zu uns Menschen ist schon in der Schöpfung grundgelegt. Sama doch als Sein Abbild geschaffen


Und da ist mir gestern Abend noch ein Titel für das heutige Fest eingefallen: „Fest der herrlichen Gnade“. 

Eine Gnade, die uns geschenkt ist in Jesus Christus durch sein Leben. Durch seinen Tod. Durch seine Auferstehung.  


Lieber Erbinnen und Erben des Reiches Gottes. Man bekommt das ewige Heil nicht um einen vergänglichen Preis. Das ist schon ein wenig teurer. Der Preis wurde bezahlt für uns am Kreuz. Einlösen müssen wir. Bezahlt hat schon ein anderer für uns.  


Aber wie geschieht dieses Einlösen? Da gibt es ja keinen Code, den wir am Rechner oder Handy eingeben können oder ein Bonusheft zum Abgeben. 

Schauen wir heute auf Maria, wie sie zum Willen Gottes JA gesagt hat. 

Gott hat beschlossen seine Schöpfung wieder mit sich zu versöhnen und wir als Kinder Mariens sind eingeladen da mitzutun. Bei diesem Versöhnungswerk Gottes.


Das Zauberwort heisst „Berufung“. Ein jeder von uns ist berufen, mitzutun am Heilsplan Gottes. 


Es ist ein Weg der Zärtlichkeit. Wir singen ja in einem berühmten Lied „Ave Maria zart“. Mit Zärtlichkeit verbinde ich auch die Verletzbarkeit. Nur wenn man zärtlich und verletzlich ist, kann man innigst lieben.

Mariens JA zum Heilsplan Gottes war zärtlich und deutlich

Sie half ihrer Tante und Freundin Elisabeth zärtlich und uneigennützig.

Ihren eigen Sohn musste sie nach dessen Kreuzestod im Schoss halten - zärtlich und nicht verbittert.

Mit den Jüngern im Abendmahlssaal hat sie ausgeharrt und gebetet zärtlich und voller Hoffnung


Die Zärtlichkeit - sprich die Verletzlichkeit und volle Fähigkeit uns zu lieben - hat Gott durch Maria. 


Wir alle sehen in der Pandemie, in unsere täglichen Nöten, in der Natur oder in der Psyche so viel krankes und kaputtes. Gott will diese Schöpfung heilen und gebraucht seine Menschen /seine Kirchen dazu.


Ich bin berufen, zu vergeben, mein Kreuz anzunehmen und vor allem zärtlich zu lieben. 


Danke Gott, dass Du uns Maria zur Mutter geben hast. Amen.  


Liedvorschläge aus dem Gottlob Österreich


963 Glorwürdge Königin

962 Tota pulchra es Maria

948 Wunderschön prächtige

795 Maria sei gegrüßet

527 Ave Maria zart

167 Dir Gott im Himmel

175,6 Halleluja Fintan O´Caroll 

198 Heilig bis du großer Gott

Sonntag, 29. August 2021

Festivalpredigt 2021

Vor gefühlten 500 Jahren bin ich im Franziskanerhabit im O-Bus in Salzburg gefahren. Eine Frau sitzt dort sieht mich und ist ganz begeistert und sagt zu mir: „Ich komme jeden Sonntag um 9:00 Uhr zu ihnen ins Konzert“. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wie ich darauf reagiert habe. Vielleicht hab ich sie lauthals angeschrien: „Das ist doch kein Konzert, das ist eine Messe. Ein Gottesdienst. Ein Hochamt.“ 

Vielleicht hat es mir auch die Stimme verschlagen. wie gesagt, ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe. 

Auf jeden Fall war in der Salzburger Franziskanerkirche jeden Sonntag um 9:00 Uhr das selbe Bild: Die Kirche war halb leer. Erst zum Gloria war die Kirche annähernd voll. In St. Gallen kommen auch 2-3 Leute ab und zu zu spät. Ich muss ehrlich sagen, mich stört das gar nicht so. Wie gesagt. In der Stadt ist das üblich. 

Aber erwarten wir als Priester nicht auch zu viel von den Leuten. Sie sollen mitfeiern und aktiv am Gottesdienst partizipieren. 

Früher hat man gesagt: „Ich habe der Messe beigewohnt.“ Das ist so ein Reizwort, um unseren Abt Gerhard auf die Palme zu bringen. In der heutigen Zeit spricht man eher von „Mitfeiernden“.

48. So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, daß die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewußt, fromm und tätig mitfeiern, sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler (38), von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei.

Ähnlich ist es auch bei der Kirchenmusik. Die umrahmen nicht den Gottesdienst oder schmücken ihn! Nein. Sie gestalten den Gottesdienst aktiv mit. Sie übernehmen einen wichtigen Part. Egal ob Orgel, Volksgesang, Dreigesang oder der gewaltige Schoenbergchor mit Festivalensemble. Alles Träger der Heiligen Liturgie. 

Und doch sind wir als Gläubige erst einmal Hörende. Und ich kann es drehen wie ich will, das ist erst mal etwas passives. Etwas, wo ich mich hingeben muss. Den anderen und seine Stimme wahrnehmend. Schwingungsfähig. Auch die leisen Töne hörend. 

„Hört, und ihr werdet leben!“

Ich glaube, es gibt viele unter euch, denen ist sowohl die Botschaft als auch der Überbringer der Botschaft höchst suspekt. Was hat uns denn die Kirche die letzten 100 Jahre gebracht? Warum sollen wir dieser Botschaft noch Glauben schenken, geschweige denn, sie befolgen.  

Ist die Kritik, die Jesus heute an die Pharisäer und Schriftgelehrten adressiert, nicht genauso an die Kleriker der Kirche heute zu richten? 

Alles Heuchler. Doppelmoral zum Quadrat. 

Gibt dieses Evangelium nicht allen recht, die nur heute in die Kirche gehen und sich sonst Sonntag für Sonntag fernhalten? 

In der Denke haben die Pharisäer und die Kleriker sicher oft genug einen Fehler gemacht: Sie haben Weisungen von Gott, die an sie ergangen sind, für alle zur Verpflichtung gemacht. Es gibt kaum ein Thema, wo Kirche nicht den Mund aufmacht und ihren Senf dazu gibt. Ob das immer so sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. 

Ein genialer Chor stellt einen gewissen Anspruch. Üben, üben, üben. Hören. Aufmerksam sein. Volle Konzentration. Sich zurücknehmen. Den Raum füllen. Atmen. Es ist ein Wahnsinn, was da geschieht.

Manchmal sieht man sich in die gute alte Zeit zurück, alles ist geregelt, es gibt Gesetze, an die hält man sich, und irgendwie kommt man dann in den Himmel.

Da ist dies, was wir als Wille Gottes erkennen, und das durchdringt das ganze Leben. Und wenn ich mich daran halte, dann ist eine Begegnung mit Gott möglich. So, muss man sich das Pharisäertum vorstellen. Die Absicht war eine gute. Aber wir wissen wie das ist, wenn etwas gut gemeint ist...

Warum bricht dieser Jesus von Nazareth mit diesem guten Alten. Und ja, er stellt in diesem Evangelium mal eben das gesamte Buch Levitikus und einen Teil des Buches Deuteronomium mit seinen Rechtsvorschriften, die alles penibel Regeln, mehr als nur in Frage. 

Der Vorteil des Pharisäertums ist(ich will es nur noch ein letztes Mal mal erwähnen), dass man genauestens weiß, wann ich von der Weisung Gottes abweiche. 

Der Weg Christi ist viel schwieriger. Das enge Korsett außen rum ist zwar abgelegt, aber jetzt ist der Wille Gottes nicht in den äußerlichen Regeln, sondern ins Herz gepflanzt. Wenn wir jetzt, auf die biblische Lesung hören, wenn wir das Sanctus im Geiste mitsingen, darf etwas daraus wachsen. Eine neue Schöpfung durch und in uns. 

Das direkt in unser Herz eingepflanzte Wort Gottes ermutigt uns zum Handeln. Es ermöglicht unser Handeln. Wir bauen plötzlich mit an der neuen Schöpfung.  

Das Einstudieren und Vortragen einer neuen Partitur ist Neuschöpfung. 

In wenigen Wochen feiern wir Erntedank. Und wie der Name schon sagt, wir danken für die Ernte, wir danken Gott für diese wunderbare Schöpfung. Das fällt uns leicht und geht uns wunderbar über die Lippen. 

Doch: ein anderer Dank ist viel wichtiger. Der Dank, dass da ein Gott ist, der sein Wort in unser Herz pflanzt / der diesen Samen Leben einhaucht. 

„Der dich gemacht hat, weiß auch, was er mit dir machen will.“ (Augustinus)

Freitag, 2. Juli 2021

Predigt bei der Frauenbergwallfahrt im Juli 2021 (Altar am Ort meiner Erniedrigung)

Vorgestern hat mir ein Frau aus Altenmarkt ein Foto ihres Ehemannes kurz nach dessen OP per WhatsApp geschickt; dem haben sie am Hals der Länge nach einen Stent gesetzt. So 150 Millisekunden kann ich mir sowas ansehen. Dann würde ich mich dazu legen.

Na, an mir ist wirklich kein Doktor oder eine Krankenschwester verloren gegangen. Blut kann ich nicht sehen. Und somit tue ich mir auch ab und zu schwer mit diesem Symbol des Blutes Christi und mit dem Ritus der Blutversprengung. Diese Überlegung, da ist ein Gott und der ist zufrieden, wenn Blut fliesst? Wir haben gerade in der alttestamentlichen Lesung (Gen 22) gehört, wie Abraham seinen Sohn Isaak abschlachten soll. Kurz nachdem er seinen Sohn Ismael in die Wüste geschickt hat. 

Dies ist eine so was von archaische Vorstellung eines Gottes. Und doch wünschten die Hebräer sich so sehr, Gott nahe zu sein. Durch diesen Ritus des Tierschlachtens, war man IHM, dem Allmächtigen nahe. Durch die Sünde hatte der Mensch sein Leben verwirkt und durch das Blut des unschuldigen Tieres wurde der Urzustand, der Stand der Gnade, die Unschuld wieder hergestellt.

Gott nahe zu sein ist mein Glück. Dies war und ist Sinn des Gottesdienstes, IHM nahe zu sein. 

Wir Christen glauben, dass wir durch das Blut den unschuldigen Gotteslammes am Kreuz erlöst sind und dass wir so (und nur so) vor Gott hintreten können. 

Hier in der Wallfahrtskirche Frauenberg auf der Orgel, aber auch in diversen Chorgestühlen, wo die Menschen singen, wird gern König David dargestellt. Und wir dürfen König David dankbar, sein, weil er aus der Freude an Gott gelebt hat und vor der Stiftshütte nicht mehr nur Opfer geschlachtet hat, sondern einen 24-Stunden-Lobpreis mit Sängerinnen und Instrumenten gestartet hat.  

Er war sicher dieser Gegenwart Gottes bewusst und hat uns gelehrt, diese Gegenwart in den Psalmen und Liedern zu besingen. (Lobpreis halt)

Und trotzdem will ich die Erniedrigung meines Menschengeschlechts nicht wegdiskutieren. Diese totale Erniedrigung, die ein Abraham empfindet, wenn er zu seinem Gott steht und bereit ist, das scheinbar gefordert Opfer darzubringen - seinen eigenen Sohn, seine einzige Hoffnung, seine einzige Liebe. 

Die Taten Gottes sind da schon oft erwähnt und es findet eine Wendung statt: Gott fordert kein Menschenblut. 

Aber hier möchte ich auch auf die Tat Abrahams hinweisen, der am Bau des Opferaltars festhält und (sicher kein Zufall) sofort Ersatz im Widder findet und Gott ein Opfer darbringt.

Genau da, wo der Schmerz und der Schrei am größten sind, lädt Gott uns ein einen Altar zu bauen. 

Ja, wo soll ich denn sonst hin mit meinem Unbehagen, mit meiner verstümmelten Seele, mit meiner Wut, mit meiner Klage? 

Gott, Dir sei die Ehre. Gott nach Dir wende ich mich aus, auch wenn Nebel und Sturm, Dunkelheit und Atemnot

Der Altar ist ohne Zweifel Mittelpunkt unserer sonntäglichen Messfeier. Und dennoch ist der Altar unseres Alltags ebenso wichtig, wo wir Gott die Teile unseres Lebens darbringen, die den andern verborgen sind. 

ER sieht doch auch das verborgene. Er sieht unsere Schuld und was uns belastet. Die Umstehenden, sehen oft nur das leibliche Gebrechen oder die strahlende Persönlichkeit. 

O Gott, Du hast gewusst, wie sehr wir das Geschenk der Vergebung brauchen. Deshalb hast Du nicht gezögert, wie Abraham, und hast uns Deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. 

Heute Abend, aber letztlich an jedem Tag, wünsche ich mir nichts mehr als die Nähe meines Gottes. Amen.

Lesungen vom DONNERSTAG DER 13. WOCHE IM JAHRESKREIS

Quelle: YouTube - Was ich an dunklen Orten gelernt habe - Veronika Lohmer

Sonntag, 30. Mai 2021

Maria als Prototyp des Menschen, der mit Gott rechnet.

 „Du hast doch so einen guten Draht nach oben, kannst du da nicht etwas machen?!“

Ich bete gern für die Leute. Ich bete gerne für die mir anvertrauten Leute. Aber meistens zielt diese Bitte nur auf das Wetter. Wahrscheinlich hat mich Bischof Kapellari vor zehn Jahren auf Bitte des Abtes zum Priester geweiht, damit ich für besseres Wetter sorge. nein, wahrscheinlich nicht, obwohl mir Wettersegen und Bittgänge sehr wichtig sind. 


Wie funktioniert eigentlich Gebet? Hört uns Gott manchmal einfach nicht? 

Oder beten wir zu wenig? Fehlt uns die nötige Grundhaltung, das nötige Gottvertrauen? 

Unser Zeitalter ist zutiefst geprägt von der Skepsis. Und wir - ob wir es wahrhaben wollen oder nicht - sind zutiefst geprägt von diesem säkularen Zeitalter. Selbst wenn ich ein Wunder erlebe, die Skepsis bleibt. Der Effekt des Wunders verblast. 

Ich denke da an die vielen Stellen im Evangelium, wo Menschen Jesus folgen wegen seiner Wunder. Ein halbes Kapitel später sind sie alle verschwunden. Weg. 


Stellen Sie sich einen todkranken Menschen vor. Stellen Sie sich vor, jemand betet mit ihm. Schafft dieses Gebet nicht eine ganz besondere, im Ewigen verankerte Schicksalsgemeinschaft Glaubensgemeinschaft? 

Letztens bin ich in ein Sterbezimmer gekommen, der Tote lag da und die engsten Verwandten haben gebetet. Sie haben Gebete und Lieder auswendig gekonnt. Man hat sich hat sich getragen gefühlt, wusste wohin man mit dem Schmerz geht.

Oder eine andere Situation. Ein schwerer Schicksalsschlag in meiner Familie. Jahrelang vertraute Arbeitskollegen und Kunden meiner Eltern (zum Teil wussten wir nicht mal, wie sie heißen) haben uns Ihr Gebet zugesagt. Wisst Ihr, wie wichtig das für uns war? Wisst ihr wie tröstlich dass wir uns vorWisst ihr, wie tröstlich das für uns war? 

Oder wieder beim Todkranken. Man betet für ihn und das Gebet um Heilung wird nicht erhört. Und doch wissen wir, dass dies nur das vorletzte ist, nicht das letzte. Im letzten wird das Gebet erhört.  

Wir alle wissen doch ein spüren, das ist ein Kampf zwischen Gut und Böse gibt. Das Gebet stärkt uns, das Gebet leitet uns, das Gebet ist der Sauerstoff für das Licht, das den Raum erhellt. 

Schier ausweglos war die Situation der schwangeren Maria. Mit dem Kopf konnte sie diese Situation nicht meistern. Sie versuchte zu verstehen, aber wie sollte sie den großen Gott, der anders ist, der andere Wege plant, begreifen?!  Gott mit uns. Ja. Aber ein kleines Kind? Was soll das?  

Maria ist es, die mit uns betet, in schier ausweglosen Situationen. Die mit der Schöpfung TROTZDEM ein neues Lied anstimmt, auch an die Nöte ihrer Mitmenschen denkt, die nicht resigniert, selbst unter dem Kreuz standhält, und darüber hinaus immer noch Hoffnung hat.  

Maria ist es, die uns lehrt, dass die Hoffnung nicht vergebens ist. Vielleicht im ersten und zweiten Augenblick, aber nie im letzten. Ich weiß nicht, Gott, für was es jetzt gut ist. Gott, lehre mich deinen Willen zu tun.  

Oder eine andere Situation: Stellen Sie sich vor, Gott erhört ihr Gebet. Es geschieht eben dieses Wunder. Die Heilung. 

Der Mensch, dem der Glaube egal ist (Agnostiker), wird deshalb auch nicht glauben. Wir als Gläubige sehen das Wunder, bekennen den Schöpfer und Erhalter der Welt. Wir sehen den Sinn dahinter. Wir deuten die Zeichen. 

Alles nichts für den Wissenschaftsgläubigen. 

Dieses junge Mädchen Maria hat erkannt, dass Gott seine Geschichte mit ihm schreibt.  

Wenn wir Gott bitten, wenn wir Gott danken, wenn wir Gott loben, werden auch hier zu Menschen, denen immer mehr bewusst wird, dass Gott mit uns unser Leben schreibt.  


Maria als Prototyp des Menschen, der mit Gott rechnet.  

Sonntag, 27. Dezember 2020

Predigt in der Heiligen Nacht (Tituslesung)

Passt dieses Weihnachtsfest eigentlich noch in unsere ach so aufgeklärte Welt? Natürlich, wenn man es für seine Zwecke benutzt. Und die christliche Botschaft kann man ja verkürzen und entsprechend nutzen. Für den Kommerz bleiben die Geschäfte offen, damit man einkauft und den Handel am Leben erhält. Aber auch für Kapitalismuskritik oder Kritik an den Reichen lässt sich Weihnachten nutzen: Die Eltern finden keine Herberge, werden von den Reichen abgelehnt und das Kind wird in der Armut eines Stalls geboren. Eindeutig.

So wie ich Euch und mich kenne, stehen wir irgendwo dazwischen. Es ist schön, sich zu beschenken, aber ebenso sollte man kritisch bleiben, nicht alles selbstverständlich nehmen und auf die nicht so Privilegierten schauen.

So wie ich Euch und mich kenne, stehen wir auch beim Virus irgendwo dazwischen, auf der einen Seite eine Angstmache auf der anderen Seite ein „So Schlimm ist das doch alles nicht“.

Vielleicht habe ich deshalb auch heute die Tituslesung ausgewählt, weil da dieses schöne Wort „besonnen“ vorkommt.

Die Gnade Gottes erzieht uns besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben.

Die Menschwerdung in diesem kleinen Kind lehrt uns, dass wir Kinder dieser Welt sind und uns entsprechend auch anpassen müssen, uns den Regeln dieser Welt unterwerfen müssen.

Und doch haben wir eine doppelte Staatsbürgerschaft. Da hab ich die jungen Leute in der deutschen Botschaft in Wien immer drum beneidet. Sie mussten ihrer Heimat nicht ADE sagen und konnten sogleich die doasige Staatsbürgerschaft annehmen. Aber genau dieses Glück haben wir als Christen auch.

Unser Retter Christus Jesus hat sich für uns hingegeben, damit er für sich ein Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Wir gehören zu diesem neuen Volk. Und mit dem Kind in der Krippe fängt es an.

Und den Hirten wird es zuerst verkündet.

Vielerorts erzählen die Predigerinnen und Prediger heute Abend, die Engel haben die Hirten erwähnt, weil sie so arm sind und Gott zuerst für die Armen kommen wollte. Das ist ja schön, aber stimmen tut es deshalb nicht. Die Hirten als Wächter waren in dieser Nacht von Bethlehem verfügbar. Sie waren in der Nähe und konnten kommen. Sie spiegeln den normalen Menschen wieder (nicht ganz reich, nicht ganz arm)

Die Texte dieser Heiligen, Stillen Nacht sind dynamisch. Da gerät etwas in Bewegung.

Jesaja berichtet vom EIFER Gottes für sein Volk und der Titusbrief berichtet von unserem EIFER, Gutes zu tun. Und schließlich die Hirten, die so flexibel sind, sich aufzumachen und das Kind zu besuchen.

Überhaupt wird im Weihnachtsevangelium nicht soo viel von der Geburt erzählt. Die ist ruhig, klein und unscheinbar. 


Es geht um die Umstände: Wer der Kaiser war, der war zwar weit weg (in Rom), hat aber letztlich alles für sich vereinnahmt; es geht um die Volkszählung und schließlich wird sehr ausführlich die Verkündigung der Engel an die Hirten geschildert.

Und da dürfen wir die kleinen Wörter nicht aus den Augen verlieren, weil es plötzlich um uns geht.

Heute ist euch der Christus geboren. euch. Es geht nicht um die anderen. Es geht nicht um Gott. Es geht nicht um die Familie Jesus, Maria, Josef. Es geht um Dich. Um Mich. UNS ist der Retter geboren.

Etwas Neues. Etwas Zartes.

Etwas Neues für UNS. Etwas Zartes für UNS. 

Etwas Neues in UNS. Etwas Zartes in UNS. 

Etwas das unser Herz berührt.


Sonntag, 6. September 2020

Firmung 2020 in St. Gallen - Predigt

Lesungen: Ezechiel 36,24-28 und Lk 4,16-22a 

Liebe Firmlinge, liebe Schwestern und Brüder.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Am Vormittag noch kein Regen. 

Erst am Nachmittag wird uns die Regenfront erreichen. Wenn schon die Vorbereitung auf diese heilige Firmung flöten gegangen ist, so soll wenigstens heute eure Feier eine Schöne sein. 

Stimmungen bzw. das Leben unserer Seele beschreibt man auch oft mit dem Wetter. Man spricht vom eitlen Sonnenschein,Das Wetter von einem ordentlichen Donnerwetter, von sieben Tage Regenwetter, von einer eisigen Kälte usw. Und da meint man eben nicht das Wetter, sondern die Gemütslage. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann finde ich auch viele glänzende Sonnentage. Da sind aber auch die Tage der Finsternis und der großen Traurigkeit. 

Ich erinnere mich zum Beispiel wie ich in einem Kloster in Salzburg gelebt habe. Es hat dort irgendwie alles gepasst. Es gab dort viele junge Brüder, wir haben herrlich gesungen, wir hatten prachtvolle Gottesdienste, waren aber auch für Neues im Haus immer wieder offen. Ein Kloster mitten in der Welt. Für mich damals als 26-Jähriger der Himmel auf Erden. Aber dann gab es ein großes Donnerwetter. Und von einem auf den anderen Tag stand plötzlich alles infrage. Und an so einem Tag saß ich in der Kapelle, nach und nach kamen die anderen Brüder rein und mir wurde bewusst, dass jede Berufung nur an einem seidenen Faden hängt. 

Das, was mir so viel Sicherheit gab und so viel Vertrauen, war plötzlich nicht mehr da. Und es sollte nie mehr so werden, wie es mal war. 

Was trägt uns? Was hält uns? Was hat in unserem Leben Bestand? Nur eine Krise schafft es, dass wir uns diese elementaren Fragen stellen. 

„Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch.“ So lässt der Prophet Ezechiel Gott zu uns sprechen. Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch. 

Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, manchmal wünsche ich mir vielleicht, ich hätte ein Herz aus Stein und nichts würde mich verletzen. So wie diese sündteuren Bratpfannen, es tangiert mich nicht. 

Aber dann würde ich wahrscheinlich auch nicht reagieren, wenn ich jemand mag oder wenn jemand mir etwas Gutes tut.  Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, dass du mich verletzbar machst. Aber, wenn ich dann verletzt bin, heile mein Herz auch wieder.  

In wenigen Minuten werdet ihr mit Chrisam gesalbt. Darin wird eure würde als Söhne und Töchter Gottes sichtbar. 

Würde und Verantwortung in der Kindschaft. 

Ihr seid verantwortlich für euer Leben. 

Ihr seid mitverantwortlich für Eure Familie, für unsere Schöpfung und auch für unsere Kirche. Es ist nicht meine Kirche. Der Pfarrer ist nicht an allem Schuld. Es ist ebenso eure Kirche.

 Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Im übrigen, wenn diese Krise damals in Salzburg nicht gewesen wäre, dann wär ich jetzt wahrscheinlich nicht bei euch. Ihr hättet mich als Pfarrer nichtnicht, aber was wahrscheinlich viel schlimmer wiegt, ich hätte euch nicht.  Das Ergebnis manch einer Krise zeigt sich erst Jahrzehnte später. Gott, ich weiß oft nicht was du mir sagen willst, aber führe Du alles zum Guten. 

Gott, sende uns deinen Geist, der uns tröstet, der uns lebendig macht und der uns mitfühlen lässt für den anderen. Amen. 


Donnerstag, 20. Februar 2020

Reimpredigt 2020 - Faschingspredigt

Reimpredigt 2020 zum Evangelium vom 7. Sonntag im Jahreskreis A.

Oftmals ist der Mensch ein Tier;
Kennt nur Hass und Neid und Gier.
Unrecht ist ihm widerfahr´n.
In ihm kommt Vergeltungswahn.
Um dies irgendwie zu zügeln,
Kamen Könige ins Grübeln
Und erfanden vor 4000 Jahren
Ein etwas gerechteres Verfahren.
So galt nun das Talionsprinzip,
Das Jesus uns heut’ schon beschrieb.
Wenn ich dir eben ein Ohr abschneid,
Du meins abhackst und zu End’ ist der Streit.
Es galt also gleiches mit gleichem zu vergelten,
Statt immer aufs neue mit dem Nachbarn zu schelten.
Meiner Gerechtigkeit wird damit Genüge getan
Ich bleib’ kultiviert, werd’ nicht zum wilden Partisan.

Jesus, er geht einen Schritt weiter.
Er erklimmt mit uns die Himmelsleiter.
Dem Schläger soll ich die andere Backe hinhalten.
Statt nur das Hemd geb’ ich auch den Mantel- ohne Anstalten.
Wenn einer mich zwingt zu einer Meile,
Dann geh ich zwei mit und hab keine Eile.
Sei gnädig wie der große Gott!
Doch bringt mir das nicht eher Spott?
Als Weichling bin ich dann bekannt,
Ein Spielball für den Intrigant.
Ich muss mich doch wehren, das wird ja immer toller.
Ich geb’s zu, so wird auch der Versöhnungsweg mühevoller.

Jesus überrascht mit einer versöhnenden Tat
Der Gegner versteht’s nicht, schaut dumm zum Quadrat.
Sein Hirn, es rattert, sein Plan geht nicht auf.
Die Gewalt, sie stockt in ihrem Lauf.
Segnet alle, die Euch verfluchen,
Wenn’s auch nicht gleich klappt, Ihr solltet’s versuchen.

Dienstag, 4. Februar 2020

Requiem für einen Volksmusiker

Predigt zum Requiem von Ernst Zwanzleitner
Ich konnte natürlich nicht anders und habe als Evangelientext die Geschichte aus Lukas 1 gewählt (Lk 1,39-56), wo Maria ihre Tante Elisabeth besucht und dabei das Magnificat anstimmt. Sowohl das Bergland kommt darin vor, als auch der Gesang und damit die Musik. Voll Dankbarkeit gegenüber dem Leben verschmelzen Landschaft, Hingabe und Lied miteinander. 
Unzählige Steirerinnen und Steirer denken an Ernst Zwanzleitner, wenn sie an Brauchtum und an die Liebe zu ihrer Heimat denken. Und das Besondere dabei ist auch, dass er den Menschen vor ihren Radiogeräten eine so große Freude vermittelt hat - Freude und Dankbarkeit, die tief aus seinem Herzen kamen und die man nur verstehen kann, wenn man weiß, wie sehr er seine erste Berufung als Ehemann, Vater, Schwiegervater, Opa und Bauer gelebt hat. 

Im geistlichen Leben eines Mönchs gibt es so einen Grundgedanken, der da heisst: "Zur ersten Liebe zurückkehren." Gemeint ist diese Flamme in uns, die wir als junge Menschen hatten und wo wir voller Kraft Bäume ausreisen konnten. Wo die schlaffen Hände stark und die wankenden Knie gefestigt sind. (vgl. Jes 35, 3)
Ernst hat diese erste Liebe immer gepflegt und bewahrt und vor allem auch an die Seinen weiter gegeben. Schließlich ist Liebe eine Sache, die nur wächst, wenn man sie weiter schenkt. 

Aus vollster Seele war Ernst ein Volksmusiker. Vielleicht sagt diese Art, wie er Musik gemacht hat, etwas aus, wie er zum Leben und zum Tod stand:
  1. Gute Musik und gutes Leben sind keine Endlosschleife, sondern weisen eine Begrenzung auf. Einen Wert hat das Rare. Für mich ist das der Versuch einer Antwort auf die immer wiederkehrende Frage, warum gerade die Guten sterben müssen. 
  2. Der Musizierende und der Lebende muss hinhören. Mir kommt da dieses Bild, wie die Ohren von Ernst fast schon auf dem Instrument seines Mitspielers lagen; und diese Eigenschaft hat euer Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa auch bei euch gehabt: immer zuerst zuhören. Eine extreme Aufmerksamkeit, die vor allem auch seinen Enkeln zuteil wurde. 
  3. Gute Musik und Gutes Leben müssen in die Tiefe gehen. Behutsam ergründet man gemeinsam die Tonleiter. Immer auf der Suche nach dem Schönen und Harmonischen. Nur so erzeugt der Musizierende eine Freude, die lange anhält und uns berührt. 
Ernst Zwanzleitner hat wie kein anderer tief geschürft nach dem Schatz. Er hat mit seinen großen, gütigen Händen Aquarelle gemalt, Musik gemacht, Gedanken niedergeschrieben und als Bauer gearbeitet. Und vor allem hat er immer gewusst, wo sein Platz ist und wo er als erstes gebraucht wird: bei seiner Familie. 

Gott, 
du liebst den fröhlichen Geber, 
Ernst hat sich ganz verschenkt, 
nimm du ihn auf in Deine Ewige Freude.