Sonntag, 29. August 2021

Festivalpredigt 2021

Vor gefühlten 500 Jahren bin ich im Franziskanerhabit im O-Bus in Salzburg gefahren. Eine Frau sitzt dort sieht mich und ist ganz begeistert und sagt zu mir: „Ich komme jeden Sonntag um 9:00 Uhr zu ihnen ins Konzert“. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wie ich darauf reagiert habe. Vielleicht hab ich sie lauthals angeschrien: „Das ist doch kein Konzert, das ist eine Messe. Ein Gottesdienst. Ein Hochamt.“ 

Vielleicht hat es mir auch die Stimme verschlagen. wie gesagt, ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe. 

Auf jeden Fall war in der Salzburger Franziskanerkirche jeden Sonntag um 9:00 Uhr das selbe Bild: Die Kirche war halb leer. Erst zum Gloria war die Kirche annähernd voll. In St. Gallen kommen auch 2-3 Leute ab und zu zu spät. Ich muss ehrlich sagen, mich stört das gar nicht so. Wie gesagt. In der Stadt ist das üblich. 

Aber erwarten wir als Priester nicht auch zu viel von den Leuten. Sie sollen mitfeiern und aktiv am Gottesdienst partizipieren. 

Früher hat man gesagt: „Ich habe der Messe beigewohnt.“ Das ist so ein Reizwort, um unseren Abt Gerhard auf die Palme zu bringen. In der heutigen Zeit spricht man eher von „Mitfeiernden“.

48. So richtet die Kirche ihre ganze Sorge darauf, daß die Christen diesem Geheimnis des Glaubens nicht wie Außenstehende und stumme Zuschauer beiwohnen; sie sollen vielmehr durch die Riten und Gebete dieses Mysterium wohl verstehen lernen und so die heilige Handlung bewußt, fromm und tätig mitfeiern, sich durch das Wort Gottes formen lassen, am Tisch des Herrenleibes Stärkung finden. Sie sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler (38), von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei.

Ähnlich ist es auch bei der Kirchenmusik. Die umrahmen nicht den Gottesdienst oder schmücken ihn! Nein. Sie gestalten den Gottesdienst aktiv mit. Sie übernehmen einen wichtigen Part. Egal ob Orgel, Volksgesang, Dreigesang oder der gewaltige Schoenbergchor mit Festivalensemble. Alles Träger der Heiligen Liturgie. 

Und doch sind wir als Gläubige erst einmal Hörende. Und ich kann es drehen wie ich will, das ist erst mal etwas passives. Etwas, wo ich mich hingeben muss. Den anderen und seine Stimme wahrnehmend. Schwingungsfähig. Auch die leisen Töne hörend. 

„Hört, und ihr werdet leben!“

Ich glaube, es gibt viele unter euch, denen ist sowohl die Botschaft als auch der Überbringer der Botschaft höchst suspekt. Was hat uns denn die Kirche die letzten 100 Jahre gebracht? Warum sollen wir dieser Botschaft noch Glauben schenken, geschweige denn, sie befolgen.  

Ist die Kritik, die Jesus heute an die Pharisäer und Schriftgelehrten adressiert, nicht genauso an die Kleriker der Kirche heute zu richten? 

Alles Heuchler. Doppelmoral zum Quadrat. 

Gibt dieses Evangelium nicht allen recht, die nur heute in die Kirche gehen und sich sonst Sonntag für Sonntag fernhalten? 

In der Denke haben die Pharisäer und die Kleriker sicher oft genug einen Fehler gemacht: Sie haben Weisungen von Gott, die an sie ergangen sind, für alle zur Verpflichtung gemacht. Es gibt kaum ein Thema, wo Kirche nicht den Mund aufmacht und ihren Senf dazu gibt. Ob das immer so sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. 

Ein genialer Chor stellt einen gewissen Anspruch. Üben, üben, üben. Hören. Aufmerksam sein. Volle Konzentration. Sich zurücknehmen. Den Raum füllen. Atmen. Es ist ein Wahnsinn, was da geschieht.

Manchmal sieht man sich in die gute alte Zeit zurück, alles ist geregelt, es gibt Gesetze, an die hält man sich, und irgendwie kommt man dann in den Himmel.

Da ist dies, was wir als Wille Gottes erkennen, und das durchdringt das ganze Leben. Und wenn ich mich daran halte, dann ist eine Begegnung mit Gott möglich. So, muss man sich das Pharisäertum vorstellen. Die Absicht war eine gute. Aber wir wissen wie das ist, wenn etwas gut gemeint ist...

Warum bricht dieser Jesus von Nazareth mit diesem guten Alten. Und ja, er stellt in diesem Evangelium mal eben das gesamte Buch Levitikus und einen Teil des Buches Deuteronomium mit seinen Rechtsvorschriften, die alles penibel Regeln, mehr als nur in Frage. 

Der Vorteil des Pharisäertums ist(ich will es nur noch ein letztes Mal mal erwähnen), dass man genauestens weiß, wann ich von der Weisung Gottes abweiche. 

Der Weg Christi ist viel schwieriger. Das enge Korsett außen rum ist zwar abgelegt, aber jetzt ist der Wille Gottes nicht in den äußerlichen Regeln, sondern ins Herz gepflanzt. Wenn wir jetzt, auf die biblische Lesung hören, wenn wir das Sanctus im Geiste mitsingen, darf etwas daraus wachsen. Eine neue Schöpfung durch und in uns. 

Das direkt in unser Herz eingepflanzte Wort Gottes ermutigt uns zum Handeln. Es ermöglicht unser Handeln. Wir bauen plötzlich mit an der neuen Schöpfung.  

Das Einstudieren und Vortragen einer neuen Partitur ist Neuschöpfung. 

In wenigen Wochen feiern wir Erntedank. Und wie der Name schon sagt, wir danken für die Ernte, wir danken Gott für diese wunderbare Schöpfung. Das fällt uns leicht und geht uns wunderbar über die Lippen. 

Doch: ein anderer Dank ist viel wichtiger. Der Dank, dass da ein Gott ist, der sein Wort in unser Herz pflanzt / der diesen Samen Leben einhaucht. 

„Der dich gemacht hat, weiß auch, was er mit dir machen will.“ (Augustinus)

Freitag, 2. Juli 2021

Predigt bei der Frauenbergwallfahrt im Juli 2021 (Altar am Ort meiner Erniedrigung)

Vorgestern hat mir ein Frau aus Altenmarkt ein Foto ihres Ehemannes kurz nach dessen OP per WhatsApp geschickt; dem haben sie am Hals der Länge nach einen Stent gesetzt. So 150 Millisekunden kann ich mir sowas ansehen. Dann würde ich mich dazu legen.

Na, an mir ist wirklich kein Doktor oder eine Krankenschwester verloren gegangen. Blut kann ich nicht sehen. Und somit tue ich mir auch ab und zu schwer mit diesem Symbol des Blutes Christi und mit dem Ritus der Blutversprengung. Diese Überlegung, da ist ein Gott und der ist zufrieden, wenn Blut fliesst? Wir haben gerade in der alttestamentlichen Lesung (Gen 22) gehört, wie Abraham seinen Sohn Isaak abschlachten soll. Kurz nachdem er seinen Sohn Ismael in die Wüste geschickt hat. 

Dies ist eine so was von archaische Vorstellung eines Gottes. Und doch wünschten die Hebräer sich so sehr, Gott nahe zu sein. Durch diesen Ritus des Tierschlachtens, war man IHM, dem Allmächtigen nahe. Durch die Sünde hatte der Mensch sein Leben verwirkt und durch das Blut des unschuldigen Tieres wurde der Urzustand, der Stand der Gnade, die Unschuld wieder hergestellt.

Gott nahe zu sein ist mein Glück. Dies war und ist Sinn des Gottesdienstes, IHM nahe zu sein. 

Wir Christen glauben, dass wir durch das Blut den unschuldigen Gotteslammes am Kreuz erlöst sind und dass wir so (und nur so) vor Gott hintreten können. 

Hier in der Wallfahrtskirche Frauenberg auf der Orgel, aber auch in diversen Chorgestühlen, wo die Menschen singen, wird gern König David dargestellt. Und wir dürfen König David dankbar, sein, weil er aus der Freude an Gott gelebt hat und vor der Stiftshütte nicht mehr nur Opfer geschlachtet hat, sondern einen 24-Stunden-Lobpreis mit Sängerinnen und Instrumenten gestartet hat.  

Er war sicher dieser Gegenwart Gottes bewusst und hat uns gelehrt, diese Gegenwart in den Psalmen und Liedern zu besingen. (Lobpreis halt)

Und trotzdem will ich die Erniedrigung meines Menschengeschlechts nicht wegdiskutieren. Diese totale Erniedrigung, die ein Abraham empfindet, wenn er zu seinem Gott steht und bereit ist, das scheinbar gefordert Opfer darzubringen - seinen eigenen Sohn, seine einzige Hoffnung, seine einzige Liebe. 

Die Taten Gottes sind da schon oft erwähnt und es findet eine Wendung statt: Gott fordert kein Menschenblut. 

Aber hier möchte ich auch auf die Tat Abrahams hinweisen, der am Bau des Opferaltars festhält und (sicher kein Zufall) sofort Ersatz im Widder findet und Gott ein Opfer darbringt.

Genau da, wo der Schmerz und der Schrei am größten sind, lädt Gott uns ein einen Altar zu bauen. 

Ja, wo soll ich denn sonst hin mit meinem Unbehagen, mit meiner verstümmelten Seele, mit meiner Wut, mit meiner Klage? 

Gott, Dir sei die Ehre. Gott nach Dir wende ich mich aus, auch wenn Nebel und Sturm, Dunkelheit und Atemnot

Der Altar ist ohne Zweifel Mittelpunkt unserer sonntäglichen Messfeier. Und dennoch ist der Altar unseres Alltags ebenso wichtig, wo wir Gott die Teile unseres Lebens darbringen, die den andern verborgen sind. 

ER sieht doch auch das verborgene. Er sieht unsere Schuld und was uns belastet. Die Umstehenden, sehen oft nur das leibliche Gebrechen oder die strahlende Persönlichkeit. 

O Gott, Du hast gewusst, wie sehr wir das Geschenk der Vergebung brauchen. Deshalb hast Du nicht gezögert, wie Abraham, und hast uns Deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. 

Heute Abend, aber letztlich an jedem Tag, wünsche ich mir nichts mehr als die Nähe meines Gottes. Amen.

Lesungen vom DONNERSTAG DER 13. WOCHE IM JAHRESKREIS

Quelle: YouTube - Was ich an dunklen Orten gelernt habe - Veronika Lohmer

Sonntag, 30. Mai 2021

Maria als Prototyp des Menschen, der mit Gott rechnet.

 „Du hast doch so einen guten Draht nach oben, kannst du da nicht etwas machen?!“

Ich bete gern für die Leute. Ich bete gerne für die mir anvertrauten Leute. Aber meistens zielt diese Bitte nur auf das Wetter. Wahrscheinlich hat mich Bischof Kapellari vor zehn Jahren auf Bitte des Abtes zum Priester geweiht, damit ich für besseres Wetter sorge. nein, wahrscheinlich nicht, obwohl mir Wettersegen und Bittgänge sehr wichtig sind. 


Wie funktioniert eigentlich Gebet? Hört uns Gott manchmal einfach nicht? 

Oder beten wir zu wenig? Fehlt uns die nötige Grundhaltung, das nötige Gottvertrauen? 

Unser Zeitalter ist zutiefst geprägt von der Skepsis. Und wir - ob wir es wahrhaben wollen oder nicht - sind zutiefst geprägt von diesem säkularen Zeitalter. Selbst wenn ich ein Wunder erlebe, die Skepsis bleibt. Der Effekt des Wunders verblast. 

Ich denke da an die vielen Stellen im Evangelium, wo Menschen Jesus folgen wegen seiner Wunder. Ein halbes Kapitel später sind sie alle verschwunden. Weg. 


Stellen Sie sich einen todkranken Menschen vor. Stellen Sie sich vor, jemand betet mit ihm. Schafft dieses Gebet nicht eine ganz besondere, im Ewigen verankerte Schicksalsgemeinschaft Glaubensgemeinschaft? 

Letztens bin ich in ein Sterbezimmer gekommen, der Tote lag da und die engsten Verwandten haben gebetet. Sie haben Gebete und Lieder auswendig gekonnt. Man hat sich hat sich getragen gefühlt, wusste wohin man mit dem Schmerz geht.

Oder eine andere Situation. Ein schwerer Schicksalsschlag in meiner Familie. Jahrelang vertraute Arbeitskollegen und Kunden meiner Eltern (zum Teil wussten wir nicht mal, wie sie heißen) haben uns Ihr Gebet zugesagt. Wisst Ihr, wie wichtig das für uns war? Wisst ihr wie tröstlich dass wir uns vorWisst ihr, wie tröstlich das für uns war? 

Oder wieder beim Todkranken. Man betet für ihn und das Gebet um Heilung wird nicht erhört. Und doch wissen wir, dass dies nur das vorletzte ist, nicht das letzte. Im letzten wird das Gebet erhört.  

Wir alle wissen doch ein spüren, das ist ein Kampf zwischen Gut und Böse gibt. Das Gebet stärkt uns, das Gebet leitet uns, das Gebet ist der Sauerstoff für das Licht, das den Raum erhellt. 

Schier ausweglos war die Situation der schwangeren Maria. Mit dem Kopf konnte sie diese Situation nicht meistern. Sie versuchte zu verstehen, aber wie sollte sie den großen Gott, der anders ist, der andere Wege plant, begreifen?!  Gott mit uns. Ja. Aber ein kleines Kind? Was soll das?  

Maria ist es, die mit uns betet, in schier ausweglosen Situationen. Die mit der Schöpfung TROTZDEM ein neues Lied anstimmt, auch an die Nöte ihrer Mitmenschen denkt, die nicht resigniert, selbst unter dem Kreuz standhält, und darüber hinaus immer noch Hoffnung hat.  

Maria ist es, die uns lehrt, dass die Hoffnung nicht vergebens ist. Vielleicht im ersten und zweiten Augenblick, aber nie im letzten. Ich weiß nicht, Gott, für was es jetzt gut ist. Gott, lehre mich deinen Willen zu tun.  

Oder eine andere Situation: Stellen Sie sich vor, Gott erhört ihr Gebet. Es geschieht eben dieses Wunder. Die Heilung. 

Der Mensch, dem der Glaube egal ist (Agnostiker), wird deshalb auch nicht glauben. Wir als Gläubige sehen das Wunder, bekennen den Schöpfer und Erhalter der Welt. Wir sehen den Sinn dahinter. Wir deuten die Zeichen. 

Alles nichts für den Wissenschaftsgläubigen. 

Dieses junge Mädchen Maria hat erkannt, dass Gott seine Geschichte mit ihm schreibt.  

Wenn wir Gott bitten, wenn wir Gott danken, wenn wir Gott loben, werden auch hier zu Menschen, denen immer mehr bewusst wird, dass Gott mit uns unser Leben schreibt.  


Maria als Prototyp des Menschen, der mit Gott rechnet.  

Sonntag, 27. Dezember 2020

Predigt in der Heiligen Nacht (Tituslesung)

Passt dieses Weihnachtsfest eigentlich noch in unsere ach so aufgeklärte Welt? Natürlich, wenn man es für seine Zwecke benutzt. Und die christliche Botschaft kann man ja verkürzen und entsprechend nutzen. Für den Kommerz bleiben die Geschäfte offen, damit man einkauft und den Handel am Leben erhält. Aber auch für Kapitalismuskritik oder Kritik an den Reichen lässt sich Weihnachten nutzen: Die Eltern finden keine Herberge, werden von den Reichen abgelehnt und das Kind wird in der Armut eines Stalls geboren. Eindeutig.

So wie ich Euch und mich kenne, stehen wir irgendwo dazwischen. Es ist schön, sich zu beschenken, aber ebenso sollte man kritisch bleiben, nicht alles selbstverständlich nehmen und auf die nicht so Privilegierten schauen.

So wie ich Euch und mich kenne, stehen wir auch beim Virus irgendwo dazwischen, auf der einen Seite eine Angstmache auf der anderen Seite ein „So Schlimm ist das doch alles nicht“.

Vielleicht habe ich deshalb auch heute die Tituslesung ausgewählt, weil da dieses schöne Wort „besonnen“ vorkommt.

Die Gnade Gottes erzieht uns besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt zu leben.

Die Menschwerdung in diesem kleinen Kind lehrt uns, dass wir Kinder dieser Welt sind und uns entsprechend auch anpassen müssen, uns den Regeln dieser Welt unterwerfen müssen.

Und doch haben wir eine doppelte Staatsbürgerschaft. Da hab ich die jungen Leute in der deutschen Botschaft in Wien immer drum beneidet. Sie mussten ihrer Heimat nicht ADE sagen und konnten sogleich die doasige Staatsbürgerschaft annehmen. Aber genau dieses Glück haben wir als Christen auch.

Unser Retter Christus Jesus hat sich für uns hingegeben, damit er für sich ein Volk schaffe, das voll Eifer danach strebt, das Gute zu tun.

Wir gehören zu diesem neuen Volk. Und mit dem Kind in der Krippe fängt es an.

Und den Hirten wird es zuerst verkündet.

Vielerorts erzählen die Predigerinnen und Prediger heute Abend, die Engel haben die Hirten erwähnt, weil sie so arm sind und Gott zuerst für die Armen kommen wollte. Das ist ja schön, aber stimmen tut es deshalb nicht. Die Hirten als Wächter waren in dieser Nacht von Bethlehem verfügbar. Sie waren in der Nähe und konnten kommen. Sie spiegeln den normalen Menschen wieder (nicht ganz reich, nicht ganz arm)

Die Texte dieser Heiligen, Stillen Nacht sind dynamisch. Da gerät etwas in Bewegung.

Jesaja berichtet vom EIFER Gottes für sein Volk und der Titusbrief berichtet von unserem EIFER, Gutes zu tun. Und schließlich die Hirten, die so flexibel sind, sich aufzumachen und das Kind zu besuchen.

Überhaupt wird im Weihnachtsevangelium nicht soo viel von der Geburt erzählt. Die ist ruhig, klein und unscheinbar. 


Es geht um die Umstände: Wer der Kaiser war, der war zwar weit weg (in Rom), hat aber letztlich alles für sich vereinnahmt; es geht um die Volkszählung und schließlich wird sehr ausführlich die Verkündigung der Engel an die Hirten geschildert.

Und da dürfen wir die kleinen Wörter nicht aus den Augen verlieren, weil es plötzlich um uns geht.

Heute ist euch der Christus geboren. euch. Es geht nicht um die anderen. Es geht nicht um Gott. Es geht nicht um die Familie Jesus, Maria, Josef. Es geht um Dich. Um Mich. UNS ist der Retter geboren.

Etwas Neues. Etwas Zartes.

Etwas Neues für UNS. Etwas Zartes für UNS. 

Etwas Neues in UNS. Etwas Zartes in UNS. 

Etwas das unser Herz berührt.


Sonntag, 6. September 2020

Firmung 2020 in St. Gallen - Predigt

Lesungen: Ezechiel 36,24-28 und Lk 4,16-22a 

Liebe Firmlinge, liebe Schwestern und Brüder.

Das Wetter meint es heute gut mit uns. Am Vormittag noch kein Regen. 

Erst am Nachmittag wird uns die Regenfront erreichen. Wenn schon die Vorbereitung auf diese heilige Firmung flöten gegangen ist, so soll wenigstens heute eure Feier eine Schöne sein. 

Stimmungen bzw. das Leben unserer Seele beschreibt man auch oft mit dem Wetter. Man spricht vom eitlen Sonnenschein,Das Wetter von einem ordentlichen Donnerwetter, von sieben Tage Regenwetter, von einer eisigen Kälte usw. Und da meint man eben nicht das Wetter, sondern die Gemütslage. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, dann finde ich auch viele glänzende Sonnentage. Da sind aber auch die Tage der Finsternis und der großen Traurigkeit. 

Ich erinnere mich zum Beispiel wie ich in einem Kloster in Salzburg gelebt habe. Es hat dort irgendwie alles gepasst. Es gab dort viele junge Brüder, wir haben herrlich gesungen, wir hatten prachtvolle Gottesdienste, waren aber auch für Neues im Haus immer wieder offen. Ein Kloster mitten in der Welt. Für mich damals als 26-Jähriger der Himmel auf Erden. Aber dann gab es ein großes Donnerwetter. Und von einem auf den anderen Tag stand plötzlich alles infrage. Und an so einem Tag saß ich in der Kapelle, nach und nach kamen die anderen Brüder rein und mir wurde bewusst, dass jede Berufung nur an einem seidenen Faden hängt. 

Das, was mir so viel Sicherheit gab und so viel Vertrauen, war plötzlich nicht mehr da. Und es sollte nie mehr so werden, wie es mal war. 

Was trägt uns? Was hält uns? Was hat in unserem Leben Bestand? Nur eine Krise schafft es, dass wir uns diese elementaren Fragen stellen. 

„Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch.“ So lässt der Prophet Ezechiel Gott zu uns sprechen. Ich nehme euch euer Herz aus Stein und gebe euch ein Herz aus Fleisch. 

Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, manchmal wünsche ich mir vielleicht, ich hätte ein Herz aus Stein und nichts würde mich verletzen. So wie diese sündteuren Bratpfannen, es tangiert mich nicht. 

Aber dann würde ich wahrscheinlich auch nicht reagieren, wenn ich jemand mag oder wenn jemand mir etwas Gutes tut.  Gott, ich danke dir, dass du mir ein Herz aus Fleisch schenkst, dass du mich verletzbar machst. Aber, wenn ich dann verletzt bin, heile mein Herz auch wieder.  

In wenigen Minuten werdet ihr mit Chrisam gesalbt. Darin wird eure würde als Söhne und Töchter Gottes sichtbar. 

Würde und Verantwortung in der Kindschaft. 

Ihr seid verantwortlich für euer Leben. 

Ihr seid mitverantwortlich für Eure Familie, für unsere Schöpfung und auch für unsere Kirche. Es ist nicht meine Kirche. Der Pfarrer ist nicht an allem Schuld. Es ist ebenso eure Kirche.

 Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Im übrigen, wenn diese Krise damals in Salzburg nicht gewesen wäre, dann wär ich jetzt wahrscheinlich nicht bei euch. Ihr hättet mich als Pfarrer nichtnicht, aber was wahrscheinlich viel schlimmer wiegt, ich hätte euch nicht.  Das Ergebnis manch einer Krise zeigt sich erst Jahrzehnte später. Gott, ich weiß oft nicht was du mir sagen willst, aber führe Du alles zum Guten. 

Gott, sende uns deinen Geist, der uns tröstet, der uns lebendig macht und der uns mitfühlen lässt für den anderen. Amen. 


Donnerstag, 20. Februar 2020

Reimpredigt 2020 - Faschingspredigt

Reimpredigt 2020 zum Evangelium vom 7. Sonntag im Jahreskreis A.

Oftmals ist der Mensch ein Tier;
Kennt nur Hass und Neid und Gier.
Unrecht ist ihm widerfahr´n.
In ihm kommt Vergeltungswahn.
Um dies irgendwie zu zügeln,
Kamen Könige ins Grübeln
Und erfanden vor 4000 Jahren
Ein etwas gerechteres Verfahren.
So galt nun das Talionsprinzip,
Das Jesus uns heut’ schon beschrieb.
Wenn ich dir eben ein Ohr abschneid,
Du meins abhackst und zu End’ ist der Streit.
Es galt also gleiches mit gleichem zu vergelten,
Statt immer aufs neue mit dem Nachbarn zu schelten.
Meiner Gerechtigkeit wird damit Genüge getan
Ich bleib’ kultiviert, werd’ nicht zum wilden Partisan.

Jesus, er geht einen Schritt weiter.
Er erklimmt mit uns die Himmelsleiter.
Dem Schläger soll ich die andere Backe hinhalten.
Statt nur das Hemd geb’ ich auch den Mantel- ohne Anstalten.
Wenn einer mich zwingt zu einer Meile,
Dann geh ich zwei mit und hab keine Eile.
Sei gnädig wie der große Gott!
Doch bringt mir das nicht eher Spott?
Als Weichling bin ich dann bekannt,
Ein Spielball für den Intrigant.
Ich muss mich doch wehren, das wird ja immer toller.
Ich geb’s zu, so wird auch der Versöhnungsweg mühevoller.

Jesus überrascht mit einer versöhnenden Tat
Der Gegner versteht’s nicht, schaut dumm zum Quadrat.
Sein Hirn, es rattert, sein Plan geht nicht auf.
Die Gewalt, sie stockt in ihrem Lauf.
Segnet alle, die Euch verfluchen,
Wenn’s auch nicht gleich klappt, Ihr solltet’s versuchen.

Dienstag, 4. Februar 2020

Requiem für einen Volksmusiker

Predigt zum Requiem von Ernst Zwanzleitner
Ich konnte natürlich nicht anders und habe als Evangelientext die Geschichte aus Lukas 1 gewählt (Lk 1,39-56), wo Maria ihre Tante Elisabeth besucht und dabei das Magnificat anstimmt. Sowohl das Bergland kommt darin vor, als auch der Gesang und damit die Musik. Voll Dankbarkeit gegenüber dem Leben verschmelzen Landschaft, Hingabe und Lied miteinander. 
Unzählige Steirerinnen und Steirer denken an Ernst Zwanzleitner, wenn sie an Brauchtum und an die Liebe zu ihrer Heimat denken. Und das Besondere dabei ist auch, dass er den Menschen vor ihren Radiogeräten eine so große Freude vermittelt hat - Freude und Dankbarkeit, die tief aus seinem Herzen kamen und die man nur verstehen kann, wenn man weiß, wie sehr er seine erste Berufung als Ehemann, Vater, Schwiegervater, Opa und Bauer gelebt hat. 

Im geistlichen Leben eines Mönchs gibt es so einen Grundgedanken, der da heisst: "Zur ersten Liebe zurückkehren." Gemeint ist diese Flamme in uns, die wir als junge Menschen hatten und wo wir voller Kraft Bäume ausreisen konnten. Wo die schlaffen Hände stark und die wankenden Knie gefestigt sind. (vgl. Jes 35, 3)
Ernst hat diese erste Liebe immer gepflegt und bewahrt und vor allem auch an die Seinen weiter gegeben. Schließlich ist Liebe eine Sache, die nur wächst, wenn man sie weiter schenkt. 

Aus vollster Seele war Ernst ein Volksmusiker. Vielleicht sagt diese Art, wie er Musik gemacht hat, etwas aus, wie er zum Leben und zum Tod stand:
  1. Gute Musik und gutes Leben sind keine Endlosschleife, sondern weisen eine Begrenzung auf. Einen Wert hat das Rare. Für mich ist das der Versuch einer Antwort auf die immer wiederkehrende Frage, warum gerade die Guten sterben müssen. 
  2. Der Musizierende und der Lebende muss hinhören. Mir kommt da dieses Bild, wie die Ohren von Ernst fast schon auf dem Instrument seines Mitspielers lagen; und diese Eigenschaft hat euer Ehemann, Vater, Schwiegervater und Opa auch bei euch gehabt: immer zuerst zuhören. Eine extreme Aufmerksamkeit, die vor allem auch seinen Enkeln zuteil wurde. 
  3. Gute Musik und Gutes Leben müssen in die Tiefe gehen. Behutsam ergründet man gemeinsam die Tonleiter. Immer auf der Suche nach dem Schönen und Harmonischen. Nur so erzeugt der Musizierende eine Freude, die lange anhält und uns berührt. 
Ernst Zwanzleitner hat wie kein anderer tief geschürft nach dem Schatz. Er hat mit seinen großen, gütigen Händen Aquarelle gemalt, Musik gemacht, Gedanken niedergeschrieben und als Bauer gearbeitet. Und vor allem hat er immer gewusst, wo sein Platz ist und wo er als erstes gebraucht wird: bei seiner Familie. 

Gott, 
du liebst den fröhlichen Geber, 
Ernst hat sich ganz verschenkt, 
nimm du ihn auf in Deine Ewige Freude. 

Samstag, 1. Februar 2020

Weihnachtspredigt 2019 - Hirten - voller Erwartung und voller Aktivität

In der letzten Zeit habe ich mich oft erwischt, wie ich an den Bäumen vorbei in den Himmel schaute und oben: alles mit dunklen Wolken behangen. Und da glaubt man doch, dass die Sterne hier und da durchblinzeln. Und doch weiß ich, da blinzelt nichts durch. Es ist dunkel. Ich weiß aber auch, dahinter verbirgt sich ein strahlend klarer Sternenhimmel. 
Voll Liebe schauen wir heute auf die Figuren der Krippe. Ich denke an die Hirten. Wie sie Menschen voller Hoffnung sind und ihre Herzen noch erwärmen konnten. Gegen alle Berechnung vertrauten sie auf Gottes Botschaft. Sie waren voller Erwartung und voller Aktivität. 
Liebe Hirten, ihr helft uns, sehnsüchtige Menschen zu sein. Diese dauernde Beschäftigung mit sich selbst. Diese kleinen Eitelkeiten. Diese nicht gewollten Sticheleien. Ihr Hirten helft uns, dass wir darüber hinweg schauen können auf das eigentlich Wichtige: Auf die Botschaft der Engel, die unserem Leben Halt und Sinn geben. Ihr hielten helft uns, dass wir auch hingehen zur Treppe. Verhilft uns die Wunder in unserem Leben zu sehen. Verhelft uns zu einer neuen Wachsamkeit. Erneuert in uns die Begeisterung für die Gegenwart Gottes. Vor allem in den Sakramenten und dem Wort Gottes.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Requiem im Advent für eine warmherzige Gastwirtin

Die heutigen beiden Lesungen von Mittwoch der ersten Woche im Advent beschreiben jeweils ein Mahl. In der Jesajalesung wird das Festmahl der Völker beschrieben und im Matthäusevangelium ein Speisungswunder. Passend sind diese Texte für eine Gastwirtin, aber noch viel mehr für eine Altenmarkterin, die gerne gelebt hat. Da ist ja von besten und feinsten Speisen die Rede und von erlesenen Weinen. Es kommt also auf die Qualität des Lebens an.
Liebe N, liebe Familie N, liebe Trauergemeinde.
Wie schaut der Himmel aus? Oder besser: wie schaut es nach dem Tod aus?
Das fragen wir uns ziemlich selten. Aber ich finde gerade endzeitliche Vision des Propheten Jesaja so interessant. Drei Aspekte bringt er auf das Tablett. 1. es ist ein üppiges Festmahl. 2. alle Völker haben daran teil. 3. der Tod wird vernichtet.
Dass eine Wirtin den Gast bedient, ist eine Sache. Aber dass man sich auch wirklich willkommen fühlt, eine ganz andere. N war eine warmherzige Frau. Sie war nicht aufdringlich. Sie war nicht unkritisch. Gerade ich als Priester habe sie immer geschätzt, weil sie immer ein gutes, fröhliches Wort für mich übrig hatte.
Möge sie nun in Freude teilhaben am himmlischen Gastmahl. 
Möge ihr Heiland und Arzt sie von allen seelischen und körperlichen Leiden heilen.
Möget ihr als Familie die zarte Pflanze der Hoffnung in euch hegen und pflegen.

Der heutige Barbaratag erzählt ja von der Hoffnung. Werden doch an diesem Tag Äste vom Kirschbaum geschnitten, die dann in der heiligen Nacht blühen. Das ist eine schöne, kleine Hoffnung. Eine Hoffnung die uns ein bisschen erzählt, dass uns ein Leben nach dem Tod verheißen ist. Eine Hoffnung, die nicht dröhnend daherstampft, sondern uns liebevoll und still trägt.

Samstag, 14. September 2019

Nation des Kreuzes.

Liebe Nation des Kreuzes.
Als vor vier Jahren ein libyscher Ableger des Islamischen Gottesstaates 21 Kopten enthauptet hatte, wählten die Mörder den Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ um das entsprechende Video zu verbreiten. 
Im Gegensatz zu vielen Christen in Europa, wissen sowohl die Christen im Nahen Osten als auch ihre Verfolger, dass wir Christen zutiefst mit dem Kreuz verbunden sind. 
Und ich gebe zu, dass ist kein einfacher Gedanke, den man als Mensch des 21. Jahrhunderts so mal eben für sich annehmen kann. Mir kommt vor, dass viele Christen, oder die, die sich so nennen, sich befreien wollen von jedem traurigen Gedanken und somit auch vom Kreuz. 
Die Darstellungen des Kreuzes sind so verschieden und entsprechen damit unserer bunten Gesellschaft. Herrliche goldene und mit Edelstein besetzte Kreuze als Halsschmuck, einfache, moderne Holzkreuze, überlebensgroße Darstellungen der Kreuzigung Jesu, geschriebene Ikonen… 
Irgendwann vor ein oder zwei Jahren, habe ich für mich beschlossen, dass das Kreuz Mittelpunkt einer jeden Kirche ist und ich zuerst das Kreuz suche, wenn ich in eine Kirche komme. 
Ich denke heute auch an unseren designierten Mesner Oxy, der vor zwei Jahren verstorben ist, wie er nach jedem Gottesdienst hier in der Kirche vorm Kreuz im Mittelgang kniete und so innig mit unserm Jesus im Leiden vereint war. 
Er hat sich nicht geschämt vor allen Leuten da einfach sich hinzuknien. Wie oft schämen wir uns für unseren Glauben und vermeiden deshalb diese innigen Gesten?
Wenn ich das Kreuz berühre, umarme, es küsse, es anbete, dann weil Jesus seinen Weg ganz gegangen ist, weil er uns am Kreuz mit hineinnimmt in die Liebe zwischen ihm und seinem Vater, weil er unsere Dunkelheit erlebt hat. Am Kreuz hat Jesus für uns zu seinem Vater gebetet. Dieses priesterliche Gebet fleht der Sohn sterbend und ohne Schuld zu seinem himmlischen Vater. Und wenn er nicht im Grab liegen geblieben ist, bleiben auch wir nicht liegen, sondern werden MIT IHM auferstehen/ wird unsere Dunkelheit wieder hell. 
Mir fällt auf, dass viele moderne Kreuzesdarstellungen nichts mehr vom Leid erzählen; sie sind oft ohne Korpus,  manchmal bunt gestaltet oder der Korpus ist schon als Auferstandener verklärt. Kann man machen, ist aber langfristig und vom Glaubensweg her nicht sinnvoll. 
Das Kreuz ist nicht kommentarlos auf den harten Boden von Golgotha gestellt worden, sondern bedarf einer Einbettung in die Geschichte Israels und in die Geschichte Jesu und seiner Jünger. 
Das Schandmahl ist nicht annehmbar für den Menschen im ersten Jahrhundert. Es stellt die maximale Ächtung da, die man einem Menschen zu Teil werden lassen konnte. Und dieses „Warum, Gott?“, „warum, Herr Jesus?“ zieht sich durch die Bibel vom Propheten Jesaja über Nikodemus zu Petrus und der frühen Kirche. Es war auch für die Leute damals nicht leicht annehmbar. 
Es gibt Leiden, von denen man die Menschen nicht heilen sollte, weil sie der einzige Schutz gegen weit ernstere sind. (Marcel Proust)
Ich will sie um Gottes willen nicht einladen, dass Leiden zu suchen oder darin in Lethargie zu verharren. 
Liebe Nation des Kreuzes. Ich will sie einladen, dass Kreuz zu umarmen, es anzunehmen und sich mit dem Gekreuzigten zu vereinen. 
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat. Joh 3,16
_____.    _____.    _____. 

Sonntag, 1. September 2019

Sonntagspredigt - der harmonische Gesang der Engel und der Gemeinde

Unser Glaube handelt vom neuen Morgen. Von dem was nach dem leiblichen Tode kommt. Von der Wiederkunft Christi, dem letzten Gericht und die Erfüllung bei Gott im ewigen Hochzeitsmahl.
Unser Glaube handelt aber auch vom heute. Nicht nur, was muss ich tun um heute in den Himmel zu kommen, sondern vielmehr, wie soll ich leben, damit ich Gott wohlgefällig bin, wie kann ich aktiv am Reich Gotte mitarbeiten. Heute.
Aber einen Zeitpunkt habe ich ausgelassen und den finde ich eigentlich auch total interessant: Was war gestern? Wie ist die Schöpfung entstanden? Was war vor der Schöpfung? Wie waren die Menschen, bevor sie von Christus erfahren durften? Wo war ich, bevor mich meine Eltern gezeugt haben? 
Ich finde, dass sind total spannende Fragen. Was die Schöpfung und uns besonders auch uns Menschen betrifft, bekommen wir ja viele Antworten von der Hirnforschung und von den Wissenschaftern. 
Aber die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Barmherzigkeit, nach Schönheit, nach Liebe, die ergründen Charles Darwin und Stephen Hawking nicht für mich. Ich möchte einen dritten Engländer zu Rate ziehen. Ja auf den ersten Blick ein Märchenerzähler. Den Professor für Englische Sprache in Oxford und Autor des Buchs Herr der Ringe John Ronald Reuel Tolkien. Bekannt für die dicken Schinken „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“. 
Er hat die germanische Mythologie und den christlichen Glauben verwoben und neue Mythen geschrieben.
Anhand von Mythen hat ja der Mensch seit tausend Jahren  versucht, sich die Welt begreifbarer zu machen. Es ging um Naturereignisse, die er so erklärte (denken wir nur an Zeus, der die Blitze auf die Erde wirft). Der Mensch hat aber auch sein Wesen tiefer ergründen wollen. Hören wir nun einen Mythus vom guten alten Tolkien über die Erschaffung der Himmelswesen: 
Eru war das, der in Arda Ilúvatar heißt, und er schuf erstens die Ainur, die heiligen Sprösslinge seiner Gedanken, und sie waren bei ihm, bevor irgendetwas anderes erschaffen war. Und er sprach zu ihnen, sie Melodien lehrend, und sie sangen vor ihm und er war froh. Lange aber sangen sie nur jeder für sich allein oder zu wenigen, während die anderen lauschten, denn ein jeder verstand von Ilúvatars Gedanken nur jenen, aus dem er stammte, und langsam lernten sie auch, ihre Brüder zu verstehen. Doch indem sie hörten, verstanden sie besser, und es wuchsen Einklang und Harmonie…
Und Ilúvatar sagte zu ihnen: „Aus dem Thema, das ich euch angewiesen habe, machet nun in Harmonie gemeinsam große Musik.“
Da begannen die Stimmen der Ainur zu erschallen wie Harfen und Lauten, Flöten und Posaunen, Geigen und Orgeln, und sie machten aus Ilúvatars Thema große Musik; und ein Klang stieg auf endlos ineinander spielenden Melodien, harmonisch verwoben, und verlor sich in den Höhen und Tiefen jenseits allen Gehörs, und die Räume, wo Ilúvatar wohnt, quollen über, und die Musik und das Echo hallten hinaus in die Leere, und sie war nicht mehr leer. *
Individuum - ich vor Gott - meine eigene Melodie
Gemeinsamer Gesang - gemeinsame Musik - nur möglich, wenn ich anderen höre, mit ihm harmoniere - das große Thema im gemeinsamen Chor.

Manche unmusikalische Menschen finden es langweilig, wenn im Himmel nur gesungen wird. Aber hier geht es um gegenseitiges Zuhören, um Harmonie und um tiefen Sinn und Verstehen. Oder wie der Autor des Hebräerbriefs uns heute schreibt: „Ihr seid vielmehr zum Berg Zion hinzugetreten, zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln, zu einer festlichen Versammlung und zur Gemeinschaft der Erstgeborenen.. zum Mittler des neuen Bundes Jesus.“

Unzählige male vergleicht Jesus das Himmelreich mit einer Hochzeit. Einem Fest, wo man unbändige Freude verspürt, wo man das Wissen hat, ich gehöre zur Familie, wo aufgehoben ist. 

Und auch im Himmel darf es uns nicht darum gehen, den vordersten Platz zu erhaschen; den Fehler haben ja auch die beiden Apostel Jakobus und Johannes gemacht. Nein, so können wir nicht die Würde unserer Gotteskindschaft entfalten. Achten wir und lauschen wir vielmehr aufeinander und hören wir im anderen die Melodie, die Gott einem jedem von uns mitgegeben hat. 

*  J.R.R. Tolkien, The Silmarillion, 2001, 15-15. Tolkiens fiktionale Stelle beruht auf der biblischen Lehre in Hiob 38, Johannes 1 und Offb.. Dt. Übersetzung aus: Das Silmarillion, Stuttgart 2002, 13. 

Sonntag, 11. August 2019

heilige Klara - eine starke und zarte Frau

So viel hätten wir uns vorgenommen. Natürlich ist man nach zwei Jahren als Seelsorger hier im Pfarrverband auch ein wenig enttäuscht und sagt sich, man hätte doch so viel tun können. (ach lasst mich mal in Wehmut baden) 
Es gibt ja in der heiligen Kirche (oder außerhalb von ihr) immer wieder so kleine Revolten, wo man Kirche verändern will (oder vom Sockel stoßen will). Zölibat, Frauenpriestertum, Verheiratung von Schwulen, die Möglichkeit mehrmals zu heiraten. Und nein, auch da hat sich die Kirche in den letzen zwei Jahren nicht geändert. 
Wohltuend, interessant und heilsam ist in diesem Zusammenhang immer ein Blick zurück auf die Geschichte, wo Frauen durchaus Macht hatten: 
Die Äbtissinnen von Las Huelgas in Kastilien war die Grundherrin über über 60 Herrschaften und Ortschaften, ließ Kandidaten zur Priesterweihe zu, bestellte Pfarrer und erteilte die Beicht- und Predigtvollmacht. Wenn man mal vom Predigtdienst und vom Vorstehen bei der Messe absieht, hatte so eine Prälatin die gleichen Befugnisse, wie etwa ein Abt von Admont. So was hat’s gegeben. 
Katharina von Siena und Birgitta von Schweden übten Druck auf den Papst aus, so dass dieser wieder von Avignon nach Rom zurückkehrt. 
Zu nennen wäre natürlich auch noch Hildegard von Bingen, die in Korrespondenz mit allen anderen Größen ihrer Zeit stand.
Alles interessanterweise Frauen des ach so düsteren Mittelalters. Und eine weitere Frau möchte ich heute an ihrem Festtag erwähnen: Klara von Assisi, die sich Anfang des 13. Jh. mit 19 Jahren der Armutsbewegung des heiligen Franziskus anschloss. Ihre Statue steht in der Südwestlichen Kapelle und sie wird immer mit einer Monstranz dargestellt. 
Mit gerade mal 31 Jahren war sie ganz ans Bett gefesselt. Aber deshalb hat ihr Wirken nicht aufgehört. So wird zum Beispiel berichtet, dass Soldaten des exkommunizierten Kaiser Friedrich II. in der Assisi plündern wollten. Sie hat ihr Krankenbett kurz verlassen, ließ sich vor die Pforte ihres Klosters tragen und hielt den Räubern die Monstranz entgegen. Die waren so erschreckt, dass sie von dannen zogen. 
Ihr ganzes Leben kämpfte Klara um ihre eigene Ordensregel. Zwei Tage vor ihrem Tod wurde die Regel des Klarissenordens von Papst Innozenz IV. bestätigt. 
Warum hat das so lang gedauert? Wahrscheinlich weil die Päpste es doch nur gut mit ihr meinten und den jungen Orden mit ein paar Privilegien ausstatten wollten. Doch Klara wollte das Privileg, keine Privilegien zu haben. 
Darin liegt das Geheimnis dieser starken, zarten Frau. 
Ich würde hier vorne nicht stehen, wenn ich nicht von so vielen starken, zarten Frauen umgeben wäre. Zuerst natürlich die Mutter der Gnade, die mich im Rosenkranzgebet immer wieder an die Hand nimmt und mit mir das Leben ihres Sohnes Jesus Christus betrachtet. 
Aber dann natürlich auch Rosalia, Katharina, Barbara und Cäcilia, die überlebensgroß hier in der Kirche einen Kreis bilden und mich immer wieder zum Kreuz Jesu führen und mich anleiten wollen, das Kreuz zärtlich zu umarmen. 
Ihre Hüften sind gegürtet und ihre Lampen brennen! Sie sind Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft!
Ich denke natürlich auch an die Frauen, die mit so viel Engagement das Friedensgebet in Irdning oder die Anbetung in Liezen organisieren. An unsere Mesnerinnen und Pfarrgemeinderäte, ohne die unsere Pfarren längst einpacken könnten. An die Sängerinnen, die im Duett oder im Chor ihre Liebe zum Herrn besingen. An die von Frauen gehaltenen Betstunden. 
Und natürlich ist unsere Kirche eine Kirche von Frauen. Und warum sollte man ihnen nicht mehr Privilegien geben?
Trotzdem ist für mich die Äbtissin von Burgos (Las Huelgas in Kastilien) kein Beispiel, wie Kirche im 21. Jh. gestaltet werden soll. Katharina, Brigitta, Hildegard und natürlich Klara, das sind die starken, sanften Frauen, die uns Männern der Kirche den Spiegel vorhalten und uns alle geistlich weiterbringen. 

Stelle Deinen Geist vor den Spiegel der Ewigkeit, stelle Deine Seele in den Glanz der Glorie, stelle Dein Herz vor das Bild der göttlichen Wesenheit und forme Dich selbst durch die Beschauung gänzlich um in das Abbild seiner Gottheit. (Aus dem Dritten Brief der heiligen Klara an die heilige Agnes von Prag)

Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.