Dienstag, 13. Februar 2018

Fatimawallfahrt 2018

Predigt zur Fatimawallfahrt am 13. Februar 2018
Liebe Freunde der Gottesmutter.
Im Jahr 2000 habe ich im Klösterle der Franziskaner in Wangen im Allgäu meine Erstprofess abgelegt. Neben meiner Familie und meinem Hausarzt waren auch alte Freunde aus meiner Schulzeit zugegen. Wir lagen nachts um kurz vor elf alle schon im Bett in einem Mehrbettzimmer (das war ja kein mondänes Kloster) und waren eigentlich alle noch hellwach. So beschlossen wir spontan eine nächtliche Fußwallfahrt nach Wigratzbad zu machen. Unter einem herrlichen Sternenhimmel gingen wir durch den Schnee und kamen dann auch irgendwann vor oder nach Zwölf Uhr an. Uns war klar, dass man nachts zumindest im Außenbereich beten konnte. Aber - Überraschung - die Gnadenkapelle „Unserer lieben Frau vom Sieg“ neben der großen modernen Wallfahrtskirche hatte noch offen und da war eine nächtliche Anbetung der Petrusbrüder
Eine alte Tradition, dass man in Klöstern über Fasching 72 h betet, während an anderen Orten 72 h durchgesoffen wird. 
Mir ist dieser Sühnegedanke der Kirche vielleicht oft fremd, aber in dem Moment, wo ich da die Kirche offen sah und damit den Himmel offen, war ich unheimlich dankbar, dass ich katholisch bin. 
Und vielleicht ist das auch der Kern des Sühnegedankens, dass x für y betet und dass ein Gebet nicht unerhört bleibt. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir alle nicht hier wären, wenn nicht irgendwo irgendwer für uns gebetet hätte. 
Gerade auch geistliche Berufe hängen am seidenen Faden und es gilt für sie zu beten. „Herr, stärke den Pater in seiner Berufung.“ So wie wir in unserm Chorgebet täglich in Ihren Anliegen beten, beten Sie auch bitte weiter für uns. 
Nun ist Berufung etwas typisches für uns Christen. Es war Bischof Wilhelm Krautwaschl, der kürzlich zur 100-Jahr-Feier des Canisiuswerkes betont hat, dass jeder Mensch berufen ist. 
Wo hat den Berufung in unseren Zeit noch seinen Platz? Berufung in diesen modernen Zeiten ist etwas sehr Eigenartiges. Auf der einen Seite betonen wir heutzutage die Freiheit des Menschen. Jeder darf alles, hat das Recht alles selbst zu bestimmen und zu werden. Und auf der anderen Seite scheint der Mensch furchtbar vorherbestimmt durch soziale Prägung, Hirn oder Gene. 
Dann steht dieser Begriff, der doch eigentlich so entscheidend ist für unser Leben als Ordensmann oder Christin und Christ, zwischen Freiheit und Determinismus.
Sicher sind Sie als Benediktiner oder als Christ des Jahres 2018 ganz an meiner Seite, wenn ich sage: Der Ruf von Gott ist immer ein Ruf der Leben ermöglicht.
Der sich nicht gegen das Geschenk des Lebens stellt. Berufung macht das Leben lebenswerter.
Berufung kann also keine lebensfeindliche Einengung sein. Was einfach damit zu tun hat, dass Gott ein Gott des Lebens ist. 
So dürfen wir ja auch mit Maria im Magnificat beten: 
Selig preisen mich alle Geschlechter,
denn der Herr hat Großes an mir getan.
Diese sagenhafte Lebensfreude Gottes hat auch der Autor des Jakobusbriefs erfahren und er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Herr in Versuchung führt. 
Denn Gott kann nicht in die Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch selbst niemand in Versuchung. (Jak 1,13)
Aber da ist sie doch, die Bitte des Vaterunsers. Der erste deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer, der Gründer von Taizé Frère Roger Schutz oder Papst Franziskus haben sich für eine Änderung ausgesprochen. Sie würden gerne die eine Bitte des Vaterunsers übersetzen: 
‚Und lasse uns nicht in Versuchung.‘
Sie weichen damit vom griechischen Originaltext ab, übersetzen dann aber im Sinn des Jakobusbriefs. 
Am kommenden Sonntag hören wir wie Jesus vom Geist vierzig Tage in die Wüste geführt wird und dort vom Teufel versucht wird. Und genau darum geht es in der Fastenzeit. Dadurch dass Jesus Christus diese Versuchungen besteht, dadurch dass er bis zum Tod in diese Hölle hinunterfährt, nimmt er uns an der Hand und führt uns wieder herauf. 
So lassen wir uns führen von Jesus Christus in diesen Tagen der heiligen Vierzig Tage. 
Es war Papst Benedikt, der in seiner feinen Art die Vaterunserbitte konkretisiert hat:
Ich weiß, dass ich Prüfungen brauche, damit mein Wesen rein wird. Wenn du diese Prüfungen über mich verfügst, wenn du – wie bei Ijob – dem Bösen ein Stück freien Raum gibst, dann denke, bitte, an das begrenzte Maß meiner Kraft. Trau mir nicht zu viel zu. Zieh die Grenzen, in denen ich versucht werden darf, nicht zu weit und sei mit deiner schützenden Hand in der Nähe, wenn es zu viel für mich wird. (Quelle kath.net)
Als Christ und Jesusfreund darf ich Gott bitten, dass er dem Bösen Grenzen setzt, aber ich darf ihn nicht kleiner machen als er ist, IHN, den Allmächtigen. 
Das ist sicher auch eine Versuchung. Und da kann ich dann auch beim großen Theologenpapst Ratzinger, den ich in seiner Art und Lehre und Weisheit schätze bis zum Gehtnetmehr, stehen bleiben. Kann sagen, was der sagt, das gilt. Und keinen Schritt weiter. Das wäre im übrigen nicht im Sinne eine Papa emeritus. Er hat oft ganz bewusst Dinge im Letzten offen gelassen und einen Weg der Diskussion gewählt. Dieses Stehen bleiben / Verharren wäre nicht im Sinne eines Kirchenlehrers Bonaventura, der Gott und seine Verehrung so groß gedacht hat, das er nicht mehr schreiben konnte.
Gott ist der Große, der ganz andere. 
Ausgerechnet im Magnificat, dem Lobgesang Mariens, findet sich ein Hinweis auf ein Handeln Gottes, das nicht einfach nur mit menschlichen Augen betrachtet positiv ist.  
Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron
Das singen wir als Mönche jeden Abend. Ein Handeln Gottes, das dem Bild, des lieben Gottes, der alles laufend verzeiht und den wir uns zurecht gestrickt haben, widerspricht. 
Weiter geht es selbstverständlich im Magnificat:
Er erhöht die Niedrigen… Er denkt an sein Erbarmen.
Gott denkt an sein Erbarmen. Diese einfachen Worte Mariens, wollen wir heute Abend auch beherzigen & uns daran erinnern, was er an uns Gutes getan haben. 
Wir haben es im Leben doch schon alle hinter uns: Das Maß war überschritten, vermeintlich ging nichts mehr. Aber Gott hat Erbarmen mit uns gehabt. Er hat uns Kraft geschenkt durchzuhalten, hat die Fünftausend satt gemacht. Hat uns arme Sünder in seine Nachfolge berufen. 
Preisen wir heute Abend einmal mehr Sein Erbarmen an uns.  
Maria ist für uns Mönchen auch deshalb so wichtig, weil sie das Wort Gottes in sich aufnimmt (in leiblicher und geistlicher Weise). Sie erinnert sich immer wieder daran, wie gut Gott an uns gehandelt hat. 
Im übrigen gab es in meinem Postulat in Wangen im Allgäu noch eine andere kurze Wanderung, die wir gerne unternahmen: Nach Deuchelried, einem Ortsteil nordöstlich von Wangen, in die dortige St. Petruskirche. Und ich kann ihnen sagen, da steht eine herrliche Mondsichelmadonna. Eine tanzende Maria. Keine Traurigkeit und Furcht. Am Ende wird die Fröhlichkeit und Göttlichkeit christlicher Erlösung sichtbar und erfahrbar. Und genau da wollen wir hin - so haben wir in der Fastenzeit ein Ziel vor Augen: unsere Erlösung. Amen. 
Texte des Tages 

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