Sonntag, 24. März 2019

die raue Botschaft Bertold Brechts und Jesu

Ich muss zugeben, dass ich am Freitag den Fehler gemacht habe und mir diesen neuen Bertold-Brecht-Film auf arte angeschaut habe. Zumindest den ersten Teil. Und ich muss sagen: hässlich. ungemütlich. zach. Da ham wir schon besseres gesehen von unseren Lieblingsnachbarn. 
Aber gut, wenn man Brecht verfilmt, was soll da anderes dabei herauskommen? Denn das, was er auf die Bühne gebracht hat, war nicht schön und wollte es auch gar nicht sein. Denken wir nur an die Antiheldin Mutter Courage, die ihre eigenen Kinder an den Krieg verkauft. Brecht hat uns diese schiache Welt des Krieges vor Augen geführt. Oder viel mehr: Er hat seinem Publikum einen Spiegel vorgehalten und sein eigenes Publikum beschimpft: Ihr seid die Täter, ihr habt beim Krieg mitzugeschaut… 

Ähnlich rau und heftig sind heute auch die Worte Jesu (Texte vom 3. Sonntag der Fastenzeit C). Leute kommen zu Jesus und wollen seine Meinung hören. Da ist er, dieser moralische Zeigefinger, der auf andere deutet. Da geht es doch immer darum, dass ich mich gut fühle. 
Hier ist es für mich wichtig, dass Jesus ihnen erstmal auch Recht gibt, ja die andern haben Schuld auf sich geladen. Aber dann kommt der Hammer Gottes: Glaubst Du etwa, Du hättest das ewige Leben verdient? Bist Du mit Deinen nicht vorhandenen guten Werken, deinen wenigen Gebeten und deinem Lästermaul etwa besser? Bist Du mit dem Groll, dem permanenten Unverständnis anderen gegenüber besser?
Zweimal antwortet uns Jesus und schreibt uns damit diesen Satz in unser Gewissen: „Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. “ (Lk 13,3 und 5)

Da ist es: das negative Menschenbild, das einen Luther verzweifeln lies. Das negatives Menschenbild, das uns die Atheisten vorwerfen. Hat die Kirche nicht genau damit die Leute jahrhundertelang lang klein gehalten? 
Auf diesen harten Satz kommt keine Bauchbepinselung. Ach, so schlimm ist das gar nicht. 

Diesem negativen Menschenbild fügt unser Herrgott nicht irgendein Beispiel eines heiligen Menschen hinzu, sondern das Bild des Feigenbaums, der keine Früchte bringt. 
Hier geht es um diese liebevolle, sorgfältige Pflege, die dem verkrüppelten Bäumchen zuteil wird. Da wird noch ein Jahr gewartet (Geduld Gottes mit uns). Der Boden wird aufgegraben und gedüngt. (liebevolle Zuwendung Gottes). 
Nicht aufgrund unserer eigenen Werke werden wir gerettet, sondern, weil ER sich uns zuwendet. 
Ja, auch das ist Ostern: Das Gott uns dem Tod und der Unfreiheit entreißen will. 
„Ich bin herabgestiegen, um mein Volk der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen…“ 

Hier finde ich auch den Weg, der uns in dieses neue Leben und in diese Freiheit führt. G´tt sieht unser Leid. Er lässt unsere Klage nicht ungehört. Er teilt sich uns mit. Sagt dem Mose wie er heißt („Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt.“ Ex 3,8a) und wird Mensch in Jesus Christus, um uns zu klar zu machen, wie G´tt wirklich ist. 
Er gibt dem Volk ein Gesetz, an das es sich halten soll. Ich denke hier an die Zehn Gebote. Ich denke aber auch an die vielen Gleichnisse, in denen uns Jesus erklärt, so ist Gott und entsprechend darf sich auch sein Bild, der Mensch, verhalten. 

Sonntag, 10. März 2019

das Böse kann auch im frommen Gewand daher kommen - Predigt 1. Fastensonntag

Wenn man sich die Fastentipps so anschaut, wo es um Abnehmen, Gesünder leben, umweltfreundlicher Leben usw. geht und wo der Glaube überhaupt keine Rolle mehr spielt, dann kommt es mir vor, als ob ein Bräutigam sich auf seine Hochzeit vorbereitet: er bestellt eine schöne Wallfahrtskirche, ein üppiges Festmahl beim Dorfwirt, einen Blumenschmuck, eine traumhafte Musik; aber was er bei all diesen Vorbereitungen vergessen hat: Er hat überhaupt keine Braut. Oder sie ist ihm längst irgendwo abhanden gekommen. 
Wobei natürlich der Körper eine wichtige Rolle in unserm Leben spielt. Wie meint Pater Karl Wallner OCist, der am 31. März in Admont ist:
Unsere Sportler dürfen gläubiger werden und unsere Priester dürfen sportlicher werden. 
Eine Fixierung nur auf Körper und nur auf Seele ist etwas einseitiges. Beides gehört zusammen oder wie Jesus im Evangelium sagt: Der Mensch lebt nicht nur von Brot.
Bevor Jesus öffentlich wirkt, wird er von Gott in die Wüste geführt. Auf sich gestellt. Ohne Freunde. Die Nerven liegen nach 40 Tage Fasten blank. 
Ja, Fasten geht an die Substanz. Ähnlich wie ein Regen den Schnee wegbringt und nicht unbedingt hübsche, kahle Erde zum Vorschein bringt.
Und dieser Kargheit besinnt sich der Gottmensch Jesus darauf, dass Essen eben nicht alles ist.
Der Mensch erscheint hier in seiner geistigen Dimension. Mit einem höheren Ziel: 
Jesus spricht: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Gewisse Höflichkeiten gelten bei uns als selbstverständlich. Wenn direkt hinter mir einer geht, schmeiße ich ihm nicht die Tür zu. Wenn ein Mensch redet, lass ich ihn ausreden. Wenn ich den Raum betrete, grüße ich die schon Anwesenden. 
Mose impft seinem Volk ein, dass der Dank gegenüber Gott selbstverständlich sein soll. Ihre Erstlingsgabe sollen sie dem HERRN darbringen und sich vor IHM niederwerfen. Das ist eine Gepflogenheit, eine für einen Christen selbstverständliche Unterordnung. So wie die Hirten und Magier selbstverständlich vor dem neugeborenen Jesuskind ihr Knie beugten. So wie der heilige Thomas eine Woche nach Ostern sein Bekenntnis sprach: „Mein Herr und mein Gott“. So wie Generationen vor uns ihre Kirchen und Bildstöcke gebaut haben, um IHM die Ehre zu erweisen.
Genauso selbstverständlich dürfen auch wir unsere Knie beugen vor unserm Herrgott. 
Für mich ist diese Bibelstelle so faszinierend, weil der Satan nicht einfach wüst verführt, sondern sogar die Heilige Schrift zitiert. Ja, das Böse kann auch im frommen Gewand daher kommen. Ich kann Bibelzitate benutzen, um den andern - der von Gott geliebte Mensch - runterzuputzen.  
Ganz zum Schluss sagt Jesus deshalb: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.
Wissen Sie, in Tagen wie diesen werde ich immer wieder gefragt, wie ich zum Islam stehe. Und ich muss Ihnen sagen, ich habe diesbezüglich schon vor über zehn Jahren für mich eine Entscheidung getroffen: Mir ist Atheismus lieber als Islam. Entschuldigen Sie diese Schwarz-Weiß-Malerei, aber ich möchte deutlich sein. Mir ist ein Atheismus, in dem der Mensch eigenverantwortlich ist, lieber, als ein Glaube, in dem Gott hergenommen wird, um den Menschen klein zu halten. 
Anbetung Gottes: Ja. Aber die Eigenverantwortung des Menschen bleibt. Der Mensch hat eine Würde und hat einen Willen. Beides soll er einsetzen und sich nicht auf Gott rausreden oder auf die da oben. Das ist unser christliches Menschenbild. Genauso habe ich den heiligen Papst Johannes Paul II. und seine beiden Nachfolger immer verstanden. 
Taktieren wird nicht mit Gott. Benutzen wir ihn nicht. Schieben wir nicht einen frommen Vorhang vor ihn. Nein, rechnen wir mit IHM. 
Machen wir es bitte nicht, wie der Student/ die Studentin, der / die nichts gelernt hat und dann kurz vor der Prüfung um eine gute Note betet. Bereiten wir uns vor auf Ostern. Bereiten wir unser Herz - unser Innerstes vor auf Ostern.

Paulus schrieb uns heute in Röm 10: denn wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist der Herr“ und in deinem Herzen glaubst: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt“, so wirst du gerettet werden. So bekennen wir: Ich glaube an Gott…

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Sonntag, 24. Februar 2019

das Ziel: unsere Erlösung - Predigt zum 7. Sonntag im Jahreskreis C

„Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Texte vom 7. So i. J.)
- verliebt in diesen einen Satz. Andere haben damit massiv Probleme. 
Ein Frankfurter Franziskanerpater hat mir mal erzählt, dass er einem jugendlichen Verbrecher, der für seine Straftaten im Gefängnis einsaß, den Glauben näher bringen wollte. Und dabei erwähnt er auch, dass Gott die Menschen so sehr geliebt hat, dass er seinen einzigen Sohn für die Welt hingegen hat und er für unsere Sünden am Kreuz gestorben ist. 
Der junge Mann schaut den Pater daraufhin wütend an: „Ja warum ist er denn nicht selber gegangen. Hat er Angst gehabt? Warum gibt er seinen Sohn hin?“ Geradezu wütend war der Gefangene, weil er selber in seinem Leben von seinem Vater so enttäuscht war. 

Ich glaube, es gibt einfach Erzählungen im Evangelium, die dem einen mehr und dem anderen weniger taugen. 
Und gerade wenn man zB. den Vater grob, ihnen jedes Verständnis oder abwesend erlebt hat, dann kann man mit dem positiven Vaterbild, das uns Jesus immer wieder vermittelt und das sich ja in seinem himmlischen Vater widerspiegelt herzlich wenig anfangen. 

Und da ist er wieder, der Fehler, den wir machen,

Dienstag, 19. Februar 2019

die Grundvollzüge der Kirche - Predigt im Feber 2019

Gestern habe ich den Fehler gemacht und bin mit dem Auto durch das Ennstal gefahren: das sollte man nicht an einem Samstag in den Semesterferien machen! Kurz nach der Ostausfahrt Stainach kam es dann zum Stau. Mein Beifahrer meinte, da wäre ich besser abgefahren. Leider hat er das auch zu spät bemerkt. Und dann kommt diese Stelle bei der Auffahrt Stainach West, wo die Schlauen, die auf ihr Navi gehört haben oder die Ortskundigen sich wieder in den normalen Verkehr einfädeln wollen.  Von rechts kommt also so ein dicker, fetter Kia. Er versucht sich in die große Lücke zwischen mir und meinem Vordermann zu bewegen. Und er schaut natürlich nicht. Mit einer Selbstverständlichkeiten fährt er da rein. Das ist das was uns an Verkehr in Mitteleuropa so unsympathisch macht. Man kann sich gar nicht mehr anschauen. Geschweige denn bedanken. (Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich nicht weniger freundlich reagiert habe und so getan habe, als ob ich ihn nicht sehe…) Ähnlich (nicht schauend) machen es auch viele Fußgänger in Admont. Sie gehen einfach über die Straße; wenn sie wenigstens den Fahrer, der für sie bremst, kurz anblicken würden.
In einem ganz anderen Zusammenhang hat Kardinal Schönborn in diesen Tagen erwähnt, wie wichtig es ist, mein Gegenüber ernst zu nehmen. Er sprach über die Missbrauchsopfer, die von uns nicht sofort antworten erwarten. Es geht darum, dass ich die Opfer ernst nehmen, Ihnen zuhöre. Die Kirche darf in diesem Moment nicht den Anspruch haben, auf alles eine Antwort zu wissen.
Wenn Christus die Seligsprüche und Wehesprüche sagt (Evangelium vom Sonntag), schaut er seine Jünger an; er nimmt sie ernst. Er redet nicht von irgendeinem transzendenten Wesen. Schaut nicht abwesend in den Himmel. Er nimmt uns Ernst und schaut in die tiefste Tiefe unseres Herzens. Diese Sprüche Jesu sind eine Zusage Gottes an uns. ER spricht uns Mut zu. Aber er ermahnt uns auch, dass wir uns unsere Sache nicht zu sicher sein sollen. ER darf uns ja ermahnen; wer sonst, wenn nicht ER. 
Letzte Woche war ich in meiner Heimat auf Urlaub. Da sammeln sie in der Pfarrei zur Zeit Unterschriften, um Kardinal Marx zu unterstützen, damit er sich in Rom beim Missbrauchsgipfel gegen das Pflichtzölibat, für eine andere Sexualmoral oder für das Frauenpriestertum einsetzt.
Wenn man eine Straftat benutzt und sie instrumentalisiert für seine (politische) Agenda, dann ist das nicht o. k. Das geschieht oft genug. Das machen Rechtsradikale oder Linksradikale zu genüge. Natürlich kann man kirchenpolitisch Partei beziehen. Aber ein Unrecht zu instrumentalisieren, um Dinge durchzusetzen die man seit Jahrzehnten fordert, da stimmt was nicht.
Was sind eigentlich die Aufgaben einer Pfarre? Natürlich sind wir versucht immer alles auf die anderen abzuschieben („die da oben“) und kirchenpolitisch zu fordern. Die Aufgaben der Kirche sind in der Tradition klar formuliert:
Martyria- Das Zeugnis für Christus, für das Evangelium. Das ist eine Predigt. Das ist aber auch jedes Zeugnis, dass ich im Alltag für meinen Gott gebe.
Liturgia- Der Gottesdienst. Eine würdige Feier des Gottesdienstes. Sicher ist hier auch der lebendiger Vollzug der Sakramente. 
Diakonia- die Nächstenliebe: dem Nächsten helfen.
Wenn wir diese Grundvollzüge der Kirche umsetzen, dann findet Wandlung statt. Dann wird das Wort Gottes lebendig, es wird Fleisch.
Das schöne ist, dass unserem Herrgott dies nicht egal ist. Es ist eine Freude Gottes, wenn er unter uns Menschen wohnt. (siehe Tagesgebet)

Samstag, 9. Februar 2019

das Heilige neu entdecken - meine Sonntagspredigt

Das Obere Ennstal unterscheidet sich von unserer Region in einer markanten Sache: Die Leute dort sind alle miteinander perdu. Ich muss da immer an einen sehr kräftig gebauten Franziskaner denken, der als Aushilfe mal in irgendeinem Tiroler Bergdorf erschien. Er stand in der Sakristei und versuchte sich anzukleiden. Da kam ein kleiner Ministrant zu ihm. Umrundete ihn neugierig und fragte: „Bischd des alles Du.“
Wenn man „Auf Du“ ist wahrscheinlich vieles ziemlich unkompliziert. Schwierig wird es vielleicht dann, wenn man jeden und jede nur noch als guten Kumpel sieht und es kann dann ein gewisse Abflachung der Beziehungen stattfinden.
In den heutigen Texten des Tages wird die Autorität Gottes und seines menschgewordenen Sohnes besonders deutlich. ER ist eben nicht einfach ein guter Kumpel oder das liebe Jesulein. Er ist Gott. 
Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Jesaja 6,3
Und gegenüber diesem heiligen Gott stehe ich in meiner Kleinheit und Unbedeutsamkeit. Das wird heute bei der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja, des Völkerapostel Paulus (Paulus übertreibt es gar noch und benutzt das drastische Wort. „Missgeburt“) und des Apostelfürsten Petrus deutlich. Beide ja keine Nebenakteure der Heiligen Schrift, sondern zentrale Gestalten. Aber eben erst einmal Sünder. Und dann Sprachrohr Gottes und Menschenfischer. 
Deshalb steht doch am Beginn der Heiligen Messe das Schuldbekenntnis und das Kyrie Eleison (Herr, erbarme dich) und dann kommt erst mit der Wandlung und der Kommunion unsere Vergöttlichung. Step by Step. 

Dieses Heilige an Jesus Christus wird für mich auch in diesem Abstand deutlich. Er fährt mit einem Boot raus und predigt von dort dem Volk. Das ist wahrscheinlich auch eine praktische Sache, damit er nicht von den Leuten überrannt wird und lehren kann. Aber dieses Boot ist eben auch eine Katheder, ein Lehrstuhl. Und wir sind Schüler und Schülerinnen oder in diesem Fall besser: Hörende. 
Ich muss zugeben, dass ich noch in einer Zeit aufgewachsen bin, wo der Lehrer leicht erhöht seinen Schreibtisch im Klassenzimmer hatte. 

Natürlich muss dieser Sinn für das Heilige innerlich und äußerlich sein. Wenn ich laufend als Mönch nur im Sitzen bete, dann vollziehe ich nicht mit meinem Körper, was ich auf den Lippen oder in den Gedanken habe. Ich Gedachte darf gar nicht ganzheitlich werden. Ja, wir reden beim Essen und beim Müllvermeidung von Ganzheitlichkeit, aber unser Glaube ist dann oft nur in den Gedanken oder höchstens noch auf den Lippen. 
Umgekehrt kann es natürlich auch gehen, dass ich ohne Andacht Kniebeuge, Kreuzzeichen oder gar Kommunionempfang mache. Alles ist dann nur noch eine Hülle, die mein inneres Heidentum versteckt. 

Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. Ich denke an den Altarraum, die mögliche Beleuchtung unserer Haller Kirche, die vielen Kapellen und Marterln, die sich gerade jetzt mit dem Schnee wunderbar in diese herrliche Landschaft einfügen und uns zeigen ER ist unter uns. 
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In jedem menschlichen Angesicht. Im täglichen Miteinander. In dem der mir hilft, aber auch in dem, dem ich helfe, begegnet mir Gott.
Das Heilige gilt es in unserm Leben wieder zu entdecken. In unserer Gebetshaltung. Im Stehen, wenn ich mich von Gott gesegnet und gesendet fühle, im Knien, wenn ich mich einfach nur klein machen will vor dem Allmächtigen. Im Verneigen, wenn ich Gott oder meinen Mitmenschen ihre Würde erfahre…

Sonntag, 20. Januar 2019

Predigt - Einheit und Hingabe

In dieser Woche betet die Kirche besonders um Einheit. In viele Konfessionen ist die Kirche und damit der Leib Christi gespalten. Und wenn wir von Einheit der Christen sprechen, schauen wir auf die ganze Welt. Nicht nur auf unser kleines Österreich, sondern auf alle Regionen der Welt. ZB auf Lateinamerika, wo vermehrt evangelikale Gemeinschaften der katholischen Kirche das Wasser abgraben. Ich möchte lernen von den Evangelikalen, da sie die Anbetung Gottes und den Lobpreis so ernst nehmen. Leben und Glauben sind nicht getrennt, sondern ein Leben aus dem Glauben, dass Jesus HERR ist, soll bestimmend sein. 
Ich denke heute besonders an die orthodoxen Christen in Russland und der Ukraine. Seit zwei Wochen gibt es eine furchtbare Spaltung zwischen Russland und dem Rest der orthodoxen Welt inklusive der Ukraine. Ich möchte nicht, dass Nationalismus entscheidend ist für meinen Glauben.  Bei den Orthodoxen formt die Kirche die Nation und die Nation die Kirche. Nö, das will ich nicht.
Und doch können wir lernen, dass wir Traditionen als Katholiken in dieser unserer Alpenrepublik hochhalten und so ein ganz eigenes fröhliches, christliches Profil schärfen. Wir können lernen von den Orthodoxen, dass Liturgie nicht irgendeine Spielerei ist oder zum belanglosen Gelaber verkommt. Liturgie ist bei den Orthodoxen immer göttlich und Teilhabe an der himmlischen Anbetung Gottes. So what?! 
Ich denke auch an alle Christen im Nahen Osten. An die seit Jahrtausend dort lebenden Christen, die ihre angestammte Heimat verlassen mussten. An die vielen Hausgemeinden ZB im Iran, wo man inzwischen schätzt, dass 800.000 Iraner Christen sind. Einer geschützten Minderheit angehörend oder heimlich, weil die Konversion zum Christentum mit dem Tod bestraft wird. (Quelle: opendoors)

Wenn sich ein Afghane entscheidet CHRIST zu werden, wird er in aller Regel von seiner gesamten Verwandtschaft, von seinen eigenen Eltern und Schwestern und Brüder verstoßen. Geächtet.  (Quelle: opendoors)

Ich denke heute an die tausenden Muslime, die Christen werden wollen, aber sich nicht taufen lassen, weil sie sonst geächtet oder gar getötet werden.
Hat mein christlicher Glaube eigentlich irgendeine Konsequenz oder lebe ich unter der Woche als ob Gott nicht existiert? 
Auffällig im heutigen Evangelium ist wie Maria sich zurückstellt. Wie sie einfach auf ihren Sohn verweist. „Was er euch sagt, das tut!“ 
Und dann steht da die klare Aussage Jesu: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Gleich zu Beginn des Johannesevangeliums weist Jesus somit auf die Stunde seiner Hingabe hin, wo er sich ganz für uns hingibt. Wie die Traube in der Kelter wird er für uns zermalmt. 
Und was am Ende heraus kommt ist ein Getränk der Freude. Ewige Freude durch göttliche Hingabe. 
Gestern war das Requiem und Begräbnis für unsere Schwester Gertraud in Steinerkirchen. Da waren 14 Admonter Patres versammelt und die Gemeinschaft der Schwestern, die halt zum Teil schon älter sind. Abt Gerhard hat eine sehr persönliche, dankbare Predigt gehalten.
Für mich ist ein Requiem immer eine Feier, wo man den Lebenslauf des Menschen vorliest und somit das Leben des Menschen Gott anempfiehlt - mit allen Höhen und Tiefen.
Der Admont Kirchenchor hat dabei das Admonter Krippenlied gesungen. Das hatte sich Schwester Gertraud gewünscht. Und Sie können sich vorstellen, dass das herzaufweichend war. Ich bin in diesem Moment dahingeschmolzen, weil es die verstorbene Schwester mit ihrem Wunsch geschafft hat, dass auch ich heuer das bekannte Krippenlied hören durfte. 
Für mich war dieses Geschenk des Kirchenchores auch ein Geschenk an die Schwesterngemeinschaft. Ihr habt uns Schwester Gertraud gegeben, wir geben euch als kleines Dankeschön das beste was wir haben. Ein Lied über die Geburt des HERRN. 
Es geht um Hingabe. Gott gibt sich uns hin. 
Jesus, wandle Du mein Wasser der Trübsal in Freude.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Vergeblichkeit in Treue.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Ängstlichkeit in Tapferkeit.
Jesus, wandle Du mein Wasser der Frustration in Lebensmut.

Sonntag, 13. Januar 2019

Predigt zu Stephen Hawking und die Taufe des Herrn

Letztes Jahr verstarb der britische Astrophysiker Stephen Hawking. Er ist mit Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. Und Franziskus gleich vier Päpsten begegnet und wurde Mitte der 80er in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Und das als bekennender Atheist. Für Stephen Hawking war es erwiesen, dass Gott nicht existiert und das begründete er gerade auch mit dem Anfang des Universums. So erforschte er die Schwarzen Löcher, in denen ganze Sonnensysteme verschwinden können. Und dann ging es ihm wohl darum, dass er die Sache einfach umgedreht hat. Aus eben so einem schwarzen Loch (oder etwas ähnlichem?!) entstand umgekehrt unser Universum. Und ein schwarzes Loch kennt den Zeitbegriff nicht. Also kann ohne diese Zeit eben auch kein vorher gewesen sein. Es gab diese Zeit der Welterschaffung nicht, weil eben alles aus Nichts entstanden ist. 
(Dass so ein scharfer Denker in die Päpstliche Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, verwundert. Aber für uns als Christen ist es wichtig, dass wir uns der Diskussion stellen und nicht alles mit dem frommen Denkmäntelchen verhüllen.) 
Gestern hat mir mein alter Freund Rudi aus St. Gallen eine Nachricht geschickt, wo ein Mensch den Unterschied zwischen Wissenschaft, Theologie und Esoterik erklärt. Ein Wissenschafter vermutet im Kühlschrank ist noch Bier. Aufgrund dieser Vermutung schaut er nach. Das ist Wissenschaft. 
Im Unterschied zur Theologie. Da werden Vermutungen nicht überprüft. Ich sage einfach, im Kühlschrank ist Bier, aber ich überprüfe es nicht. Wenn ich nachschaue, bin ich Wissenschafter. Wenn ich nachschaue, kein Bier finde, aber dann trotzdem behaupte, es wäre Bier drin, dann bin ich Esoteriker. 
😅 Diese kleine Geschichte lässt die Theologie noch relativ gut wegkommen.
Für einen Atheisten ist es meistens klar, dass Glaube lediglich Wunschdenken ist. Ähnliches ja auch der Religionskritiker Ludwig Feuerbach. So lassen wir einfach mal einen Atheisten das heutige Evangelium lesen. Er würde sagen, dass das Volk „voll Erwartung“ ist und dann diese Erwartung auf Jesus projiziert. Sie sagen dann: Er ist es der, der uns rettet. 
Ebenso kann man diese Stimme aus dem Off deuten. So sehnt sich ja der Mensch, angenommen und geliebt zu sein. Und diese tiefe Sehnsucht des Menschen findet dann ihre Antwort in der Zusage aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn.“ 
Gerade an der Taufe Jesu im Jordan scheiden sich die Geister. Schon im 2. Jh. gab es Leute die sagten, schaut euch die Taufe Jesu an. Da wird der Mensch Jesus von Gott adoptiert.  Vorher war er ein ganz normaler Mensch. (Adoptionismus) 
Vielleicht baut ein Rudolf Steiner oder der Gründer des Islams auf eben diesen Gedanken auf. 
Doch zurück zu Stephen Hawking und dem Beginn des Universums. Denken wir noch einmal an das Nichts, das am Anfang war. Ein Nichtort. Eine Nichtzeit. Eine Nichtordnung. Es gab in diesem Anfang keine Naturgesetze. Und wir würden diesen Ort vielleicht auch als Chaos bezeichnen. 
Diesen Anfang nennt die Bibel ja ähnlich: 
„1. Am Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. 2. Und die Erde war tohu wa-bohu.“ Der hebräische Begriff bedeutet nach Luther „wüst und leer“. Dabei bezeichnet tohu die „Öde“ oder „Leere“, wa bedeutet „und“ und bohu drückt die Bedeutung von „ungeordnet sein“ aus.[1] Die Einheitsübersetzung gibt die Stelle mit „wüst und wirr“ wieder (Genesis 1,2 EU). In der Neuen evangelistischen Übersetzung wird die Stelle mit „Die Erde war formlos und leer“ wiedergegeben. Die Übersetzung Martin Bubers und Franz Rosenzweigs (Die Schrift) gibt nicht die wörtliche Bedeutung wieder, sondern überträgt das Stilmittel: „Irrsal und Wirrsal“. (Quelle - wiki)
Gerade in diesem Schneechaos kann man sich vorstellen, was das ist.
Und der Schöpfungshymnus am Anfang der Bibel erklärt ja, wie die Ordnung - die Lebensordnung - in dieses Chaos gekommen ist und wie der Mensch durch seine Sünde diese Ordnung zerstört hat.
Jetzt in der Taufe Jesu erscheint diese göttliche Ordnung wieder. 
Auf dass es zum Guten gereicht. Auf dass es gut wird. 
Die Taufe des Johannes funktioniert ja so, dass der Mensch hineinsteigt ins Wasser und dann rein gewaschen wird. Beim Gottmenschen Jesus ist es anders. Er, das makellose Lamm, steigt in das Wasser und heiligt es. Er heiligt und ordnet die Schöpfung neu. 
Man merkt hier, dass es nicht um eine Selbsterhöhung des Menschen geht; es geht nicht darum, dass wir um unserer selbst willen erhöht werden, sondern, wenn wir mit Jesus sind, dann sind wir neue Schöpfung und lassen uns mit ihm hinziehen zum himmlischen Vater - zum Guten
Ich stehe doch nicht hier, weil ich als Kirchenmann die unten alle unter meiner Fuchtel haben will. Ich verkünde die  Gotteskindschaft. Als Kinder Gottes sind wir befreit und können durch gute Worte und Werke mitwirken an der neuen Schöpfung.
Nein, das vermag ein Stephen Hawking nicht zu denken. Er will die DNA des Menschen verbessern (verschlimmbessern?). Er will Planeten erobern. 
Johannes der Täufer, der Bußprediger, und Jesus Christus, das Lamm ohne Fehl und Makel, sie wollen uns, wollen diese Schöpfung wie sie ist, erlösen und befreien. Amen. 

Dienstag, 8. Januar 2019

persönliches Gebet in der Lebensbeschreibung des heiligen Benedikt

kurze Exhorte gehalten vor Abt und Brüder.
Ich hatte das Glück, dass ich in Heiligenkreuz studieren durfte. Mit Frater Rupert studiert ja inzwischen der vierte Admonter in Heiligenkreuz. Das ist für mich weniger ein Triumph, als ein Zeichen, dass den Bedürfnisse des einzelnen Rechnung getragen wird und dass ein österreichisches Kloster eine gewisse Weite besitzt. Sonst wäre ich nicht hier.
In Heiligenkreuz freilich ist das Gebetspensum ein anderes und auch die Form ist eine andere als hier bei uns. Und wenn ich von Pensum rede, meine ich natürlich das Officium, die heilige Pflicht, die uns auferlegt ist. 
Gerade im letzten Monat ist mir aufgefallen, dass es mindestens genauso das persönliche Gebet ist, in dem ich meine Beziehung zu Gott pflege, in dem der Herrgott mein Leben zum Blühen bringt. 
Die vermeintlichen Nebenschauplätze stehen in der Bibel vielleicht in Sätzen, die wir oft überlesen. Im heutigen Evangelium ist von der Speisung der Fünftausend die Rede und vom Sturm auf dem See. Aber wahrscheinlich steht der wichtigste Satz auch zwischen beiden Ereignisse: 
Nachdem Jesus sich von den fünftausend Männern verabschiedet hatte, ging er auf einen Berg, um zu beten. (Mk 6,46)
Ähnlich hat übrigens auch unser Ordensvater Benedikt gehandelt:
Q - Gregor der Große, Dialoge II, V. Kapitel: Wie auf das Gebet des Gottesmannes hinauf einem Berggipfel dem Felsen Wasser entquoll 
Mit liebevollen Trostworten entließ er sie; er stieg dann in der Nacht mit dem kleinen Placidus (…) auf den Berg und betete lange daselbst.
Im Gebetshaus Augsburg wird seit September 2011 ununterbrochen im Gebetsraum gebetet. 
In Liezen findet jeden 25. des Monats eine 24h- Anbetung statt.
Ich selber bin praktisch nie bei der Anbetung am Dienstagabend in der Stiftskirche zu sehen. Der Prediger predigt halt vor allem für sich. (an eigene Nase fassen). 
Q - Gregor der Große, Dialoge II, XI. Kapitel: Gebetsmatte in der Zelle Benedikts.
Q - XXXV. Kapitel: Er schaut die ganze Welt auf einmal, und von der Seele des Bischofs Germanus von Capua 
Als es Zeit zum Schlafengehen war, begab sich der ehrwürdige Benedikt in den oberen Teil des Turmes, (…)  Die Brüder ruhten noch, als der Mann Gottes schon wachte und vor ihnen das nächtliche Gebet begann. Er stand am Fenster und betete zum allmächtigen Gott. Während er so in frühester Stunde hinausblickte, sah er plötzlich, wie sich ein Licht von oben her ergoß, die ganze Finsternis der Nacht verscheuchte und so hell aufleuchtete, daß dies in der Finsternis strahlende Licht den Tag übertraf. Etwas sehr Wunderbares war mit dieser Erscheinung verbunden; es wurde ihm nämlich, wie er später selbst erzählte, auch die ganze Welt wie in einem einzigen Sonnenstrahl vereinigt vor Augen geführt. Indem der ehrwürdige Vater den Blick unverwandt auf den Glanz dieses Lichtschimmers richtete, sah er die Seele des Bischofs Germanus von Capua in einer feurigen Kugel von Engeln zum Himmel empor getragen.
Für mich ist diese Stelle aus den Dialogen eine der schönsten, weil hier Benedikt als Wächter erscheint. „oberen Teil des Turmes“ und „ Er stand am Fenster“. 
Und verzeiht mir jetzt bitte meinen Exkurs ins Franziskanische. Wächter = Guardian - so ist ja auch die Bezeichnung des Hausoberen bei den Minderen Brüdern. Der geistliche „Wächter“ beschreibt für mich eine Person, die aus dem Gebet lebt und so wie der ewige Vater mit ihm fühlt, leidet, sich freut, so kann der Wächter auch mit den anderen fühlen, leiden und sich freuen.
Und noch ein franziskanisches Bild: Es gab mal eine Tradition, dass unter der Kanzel des feurig predigenden Franziskanerpaters immer ein Bruder saß, der für den Prediger betete. So bringt eine Predigt keine geistige Frucht, wenn für den Pater nicht gebetet wird. 
Für mich ist da auch das Schuldbekenntnis der Messe und der Komplet so wichtig, wo wir füreinander beten. Oder auch unsere Namenspatrone, wo ich mir in der Stille im Chor manchmal den Spaß mache, die einzelnen Patrone der anwesenden Brüder anzurufen. Aber vielleicht ist es nicht nur ein Spaß und so was von sinnvoll.
Gerade das macht ja unseren christlichen Glauben aus, dass wir nicht einfach die Pflicht zu rituellen Gebeten haben und dann uns den Himmel erkaufen, sondern, dass wir eine lebendige Beziehung zu unserm himmlischen Vater pflegen - in Jesus Christus und wie Jesus Christus. 
Und natürlich machen wir das im Stundengebet und in der Messfeier; aber gerade im Besonderen tun wir das im Schweigen vor Gott. 
Ein tschechischer Priesterkandidat, der mit mir in Heiligenkreuz studiert hat und inzwischen Pfarrer in der Diözese Budweis ist, war mal bei uns zu Gast und war überrascht und angetan von der Stille, die wir nach der Schriftlesung im Chorgebet halten. Ich merke da auch an mir: Manchmal bin ich recht unruhig, aber meistens tut mir diese Stille sehr gut. Das ist eine liebenswürdige Eigenart unserer Gemeinschaft. 
Q - Letzter Satz des 2. Buchs der Dialoge:

Gregorius. Wir müssen jetzt die Unterredung ein wenig abbrechen; denn wenn wir auch von andern Männern Wunder erzählen wollen, müssen wir dazwischen durch Schweigen uns wieder Kraft zum Reden sammeln.
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Dienstag, 1. Januar 2019

Bedeutung des Kalenders für unser Leben

Der Mensch sehnt sich nach Ordnung. Man muss zugeben, dass ihm diese Ordnung die letzten Jahrtausende vor allem die Religion gegeben hat. Es waren Priester, die im alten Rom oder in anderen Ländern der Welt, den Kalender festgelegt haben. 46 vor Christus war es Julius Caesar, der den nach ihm benannten julianischen Kalender geschaffen hat.  1582 wurde dieser Kalender von Papst Gregor XIII. reformiert und angepasst. 
Heute übernehmen das freilich weltliche Institute. 
Die Bedeutung des Kalenders für unser Leben bleibt. Man braucht diesen Rhythmus der sieben Tage, des Monats oder des Jahres. 
Ich muss zugeben, was den Kalender betrifft, habe ich immer gedacht, wie toll wir Katholiken sind, dass die ganze Welt diesen Kalender von Papst Gregor XIII. übernommen hat, weil er einfach ziemlich fehlerfrei und zuverlässig ist. In der Tat rechnet ja die ganze Welt mit dem sogenannten gregorianischen Kalender. (Wird übrigens auch bürgerliches Jahr genannt) Im sozialistischen deutschen Staat hat man statt „nach Christus“ oder „vor Christus“ immer gesagt „vor unserer Zeitrechnung“ oder „nach unserer Zeitrechnung“. Diese Benennung hört man jetzt öfters. In Zeitungen oder Bücher. Man will ja schließlich „neutral“ sein und niemanden verletzten. Dass heisst, die DDR hat auch hier gesiegt. 
Die Kirche war bei der Einteilung der Zeit eher pragmatisch. So leiten sich die Namen der Monate und Wochentage größtenteils von heidnischen Kaiser oder Gottheiten ab. Saturday - Tag des Saturns. Freitag - Tag der germanischen Göttin Freya. Donnerstag - Tag des germanischen (Donner-) Gottes Donar bzw. Thor. August - Kaiser Augustus. Juli - Julius Caesar. 
Das hat man einfach so beibehalten, weil es wahrscheinlich schon so fest bei den Leuten verankert war. Man merkt also wie dieser römische Staat und wie heidnische Religionen, die es mal vor 2000 Jahren gegeben hat, bis heute Einfluss haben.
Vielleicht stimmt es auch, dass Erntedank und Sommer- und Wintersonnenwende einfach nur heidnische Fest waren, die die Kirche dankbar übernommen hat und entsprechend getauft hat. 
Das liegt einfach am dreifaltigen Gott, den wir Christen verehren und der in unsere Zeit und unseren Raum eingetreten ist und beides (Zeit und Raum) geheiligt hat.
Mehr noch: Er wurde in JESUS von der Frau Maria empfangen und geboren. Hat unsere sterbliche Natur angenommen. Und hat uns, die wir auf Grund unserer Sünde tot waren, zum neuen Leben auferweckt. 
Eine Ahnung davon, wie dieses neue Leben aussieht, bekommen wir bei der Krippe.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

die drei schiachsten Orte der Welt - meine Predigt zur Christmette

Es war ein Stall. Manche Forscher sprechen auch von einer Höhle. Außerhalb der Stadt kam Jesus zur Welt. Ein schiacher Ort. Jesus war außen vor. Wie ein Aussätziger. 
Verzeihen Sie mir, aber ich möchte in dieser Heiligen Nacht auch an drei Ort erinnern, die ich für die schiachsten Orte der Welt halte. Drei Orte aus verschiedenen Zeiten.
Erster schiachster Ort: Da ist zB. der Krieg. Wir sind so weit von ihm entfernt und man sagt, gerade Menschen, die ihn hier erlebt haben, sind die größten Kriegsbefürworter. Unter uns gibt es niemanden, der einen Krieg erlebt hat. Und doch erzählte unserer Eltern und Großeltern davon. Der Schrecken steckt einem über Generationen in den Knochen. Ich möchte eine Geschichte erzählen zum Krieg. Sie spielt in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Wenn die Geschichte so nicht stattgefunden hat, so ist sie doch mindestens gut erfunden und berührt unser Herz. 
In einem sibirischen Kriegsgefangenenlager war die Leitung besonders gemein. Feststimmung sollte bei den Kriegsgefangenen nicht aufkommen. Der Heiligabend war nicht nur ein normaler Arbeitstag, vielmehr lies man die Männer über das normaler Pensum hinaus arbeiten.
Am Abend verschwanden alle todmüde in ihren Baracken. Erschöpft und auch ein wenig traurig.
Spät in der Nacht lies der Lagerkommandant alle Männer wecken. Aufstellung auf dem riesigen Lagerplatz und Ansprache über die Lautsprecher.
Es ertönte eine Botschaft, die die Kriegsgefangenen ins Mark treffen sollte:
„Heute wird in eurer Heimat von den Reaktionären ein Fest namens „Weihnachten“ gefeiert. Bei diesem Fest werden viele Märchen erzählt, die den Arbeiter und Bauern gefügig als Unmündige halten sollen.
Wir im Kommunismus feiern keine Feste. Im Arbeiter- und Bauernstaat wird gearbeitet.
Zum Ruhm der Sowjetunion singen wir nun die Internationale – das Kampflied der weltweiten Arbeiterbewegung.
Die Internationale wurde über die Lautsprecheranlage angestimmt. Doch unter den Lagerinsassen wollten und konnten die meisten nicht mitsingen. Ihnen war nicht zum Singen zumute. Leise fing plötzlich ein Mann an „Stille Nacht, heilige Nacht“ zu singen. Dann waren es zwei, dann drei, schließlich sangen über tausend Männer zitternd vor Kälte und mit weinenden Augen ihr Weihnachtslied.

Die letzte Strophe sangen sie besonders laut und fast trotzig: „Tönt es laut von fern und nah: Christ, der Retter ist da, Christ, der Retter ist da!“
Weit hinein in die sibirische Schneelandschaft schien die Botschaft von Weihnachten nachzuklingen. Dann plötzlich eisiges Schweigen. Furcht. Was würde geschehen?!
Der Lagerkommandant war irritiert. Fragenden Blickes wandte er sich an den Dolmetscher. Der trat zu ihm heran und sagte auf Russisch: „Das war die Internationale nach deutschem Text und deutscher Melodie!“. (Quelle zu dieser Geschichte)

Diese Geschichte zeigt mir, dass es sich lohnt auf Jesus zu vertrauen. Dass das Bekenntnis zu Gott und seinem Sohn uns auch in schwieriger Lage zusammenhält und stärkt.

Zweiter schiachster Ort: Vor ziemlich genau zwei Wochen habe ich den schiachsten Platz Österreichs besucht. Das Bundesverwaltungsgericht in der Erdbergstraße in Wien. Ein hässlicher Bau aus den 70er Jahren. Hier wird entschieden, ob die Flüchtlinge Asyl bekommen oder keinen Aufenthaltstitel bekommen. Wie in allen Gemeinschaften gibt es auch hier Menschen, die sich aufgegeben haben/ die nicht mehr weiter wollen. Wenn man dieses Gebäude betritt, wird man richtig runter gedrückt von dieser Traurigkeit. 
Dieses Bundesverwaltungsgericht entscheidet auch über Leben und Tod. Das drohende Urteil hängt oft wie ein Schwert über den jungen Menschen. (Es wird berichtet, dass einige ausgeflogen wurden und dann nie mehr lebend gesichtet wurden.)
Und doch gibt es Hoffnung. Dieser schiachste Ort wird  von vielen Menschen aufgehübscht. (wie wir Österreicher sagen). Da ist eine Richterin, die klar ihre Meinung sagt und ihre Wut gegenüber den Eltern der Flüchtlinge nicht verbergen kann (die schicken ihre Kinder auf die 6.000 km lange Reise). Da sind Richter, die mit Herzblut für ihren Mandanten kämpfen. Da ist ein ehemaliger Betreuer, der extra aus Graz anreist. Da ist eine Pensionistin, die den Burschen ab und zu bei sich willkommen heißt.  Man kann zur Flüchtlingspolitik stehen, wie man will.
Aber es gibt so viele Helferinnen und Helfer, die mit ganzem Herz für die Flüchtlinge da sind. 

Dritter schiachster Ort: Wenn ein Mensch auf tragische Weise stirbt und man nicht mehr an einen barmherzigen Gott glauben kann. Man nimmt das Kreuz reist es von der Wand und wirft es auf den Boden. „Wie tief willst du, Gott, dass ich noch sinke.“ Vielleicht ist man in seiner Trauer auch gar nicht mehr fähig wütend zu sein?! Mir persönlich ist in solch einer Situation gewusst geworden, dass es dann oft die kleinen Dinge sind, die mich trösten. 
Stellen sie sich vor die Gnade Gottes ist wie eine riesige Goldmünze, die auf uns herab kommt. Sie würde uns erdrückend. Da ist es besser, wenn die Gnade Gottes in einer kleinen Münze kommt. Und so kommt auch der Trost in einer Trauer oft. Es sind die kleinen Dinge, die uns am Leben erhalten. Die kleinen Freundlichkeiten. 
Nehmen wir uns an Weihnachten vor, dass wir im Kleinen freundlich zueinander sind. Dass wir im Kleinen die oft hässliche Welt wieder lebenswert machen.
Amen.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Gott und sein Upgrade des Menschen

Gesunde Woche - gesunder Rhythmus. 
Die Kirche hat festgehalten an dem wöchentlichen Rhythmus. Auch im Advent. Davon künden die vier Sonntage des Advent und der Adventkranz mit seinen vier Kerzen. Ein wöchentlicher Rhythmus, in dem die Sonntage hervorstechen sollen. 
Die Kirche war in den letzten Jahrzehnten vor allem defensiv. Aber was die Heiligung des Sonntags betrifft, war sie eigentlich immer klar in ihren Aussagen. Es ist nicht gut, dass der Mensch nur faul auf der Haut liegt; und ebenso wenig ist es gut, wenn er 24 h 7 Tage lang durchschuftet und sich plagt. Der Sonntag sticht hervor. Zur Rückbesinnung auf das Vergangene. Zum Schätzen und sich Freuen am Gegenwärtigen. Zum Auftanken für das Kommende. 
Unser Herrgott gibt uns diese Ordnung und hält sich selbst daran, wenn er nach seinem Sechstagewerk am Siebten Tag Ruhe hält. Wenn Gottessohn lebt, leidet und stirbt und eben nicht schwuppdibub am Siebten Tag aufersteht. Nein, es gibt diesen Tag der Ruhe. Sei es in der jüdischen Tradition der Sabbat/ der Samstag oder in der christlichen Tradition der Sonntag/ der Herrentag.
Ein Tag der upgegradet ist. Das darf uns daran erinnern, dass auch der Mensch ein solches Upgrade erfährt. Ich weiß nicht, ob sie schon mal ein Upgrade erfahren haben. Aber stellen Sie sich vor, Sie haben einen langen Flug vor sich und die Stewardess fragt, Sie: Macht es Ihnen etwas aus, wenn Sie statt in der Economy Class in der Business Class sitzen? Nein, es macht mir natürlich nichts aus. Weil ich das Leben liebe. Weil ich das Leben mit 80 cm Beinfreiheit genieße.
Ähnlich wie der freundlich überraschte Gast bei der Stewardess muss sich Maria bei der Elisabeth gefühlt haben. 
Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? … Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. Lk 1,42b-43.45.
Diesen Gruß muss man sich auf der Lippe zergehen lassen. - Macht man übrigens, wenn man den Rosenkranz oder den Angelus betet. Welch ein positives Menschenbild hier beim Evangelisten Lukas hervorsticht. Die einfache Frau Maria - eine vom Herrn Gesegnete / Begnadete. 
Und: gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Die Kirche und mit ihr jeder Christ ist ein Anwalt der Ungeborenen. 
Beides liegt so eng beieinander: Die Würde der Frau und die Würde des Ungeborenen. 
Man merkt hier an dieser Alltagsgeschichte auch, was die Menschwerdung Gottes bedeutet. Da zählt jeder Mensch. Da kann ich mich nicht mehr rausreden, das geht nur die anderen was an. Fleischwerdung Gottes findet eben nicht beim rührseligen Singen und Musizieren in der Messe statt. Fleischwerdung Gottes hat seinen Platz im Alltag. In meinem Gegenüber. In dem Menschen der mir jetzt gegenüber sitzt. Dem ich helfe. Der mir hilft. So konkret, wie wir es eben von Elisabeth und Maria gehört haben.
Wir feiern morgen Abend das Upgrade des Menschen. Und das ist nur möglich, weil Gott sich selbst downgradet und mit uns lebt. Amen.

Link:
Lesungen des 4. Sonntags in der Adventszeit C
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Samstag, 8. Dezember 2018

Unbefleckte Empfängnis 2018 - Predigt

Liebe Miterben Christi.
Ich muss gestehen, am liebsten würde ich mit dem Volk in eine Richtung beten, Richtung aufgehender Sonne am dafür geschaffenen Hochaltar. Ich weiß, dass das nicht mehr üblich ist und dass ich mich da der Mehrheitsmeinung beuge und hier vorne am Volksaltar zelebriere. Ich hatte es an dieser Stelle vielleicht schon mal erwähnt, dass man die Kirchen alle geostet hat, Richtung aufgehender Sonne, weil man vom Osten den wiederkommenden Heiland Jesus Christus erwartet.
Die Sonne ist für uns Menschen - und das fällt uns gerade in diesen dunklen Tagen auf - so wichtig. Von ihr kommt alles Leben. Die Erde ist in ihrer Entstehung unmittelbar abhängig von der Entstehung der Sonne vor 4,6 Milliarden Jahren.
Dieses Bild der Sonne für Jesus Christus taugt mir, weil daran klar wird, ER ist für unsere Erlösung und Befreiung so wichtig, wie die Sonne für das ganze Leben. Die Sonne spielt in der Natur eine wichtig Rolle und ähnlich soll Gott in meinem Leben die Hauptrolle spielen. Ich danke dem Herrgott, dass wir so einen genialen Sommer hatten und ich so viel Sonne getankt habe. Ähnlich sollen wir Christen von Christus zehren. 

Als die Sonne und die Erde entstand, war schon klar, dass sie nach ca. 10 Milliarden Jahren wieder erlöschen sein wird. 

Ähnlich vielleicht beim Menschen, wenn er gezeugt und geboren wird, ist sogleich klar, dass er auch sterben wird. 

Das heisst, im Anfang steckt das Ende. 
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und er „schuf den Menschen als SEIN Abbild“ <— so lesen wir in der Bibel. Und so dürfen wir glauben, dass unser Leben ein Geschenk ist und dass diese Seine Schöpfung eben nicht einfach mal so per Zufall sich zusammengefügt hat. 
Schöpfung
Wir alle bedauern, wie sehr diese göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt wird.
Ungeborene Kinder werden zerschreddert. Alkohol, Nikotin, Pornos zerfressen Seele und Leib. In unserer Habsucht nimmt der Mensch keine Rücksicht auf Natur, die Armen oder die Benachteiligten.
Die göttliche Schöpfung verhunzt und verschmutzt.
Von der Sünde des Menschen spricht heute die erste Lesung. Wir erinnern uns: Von diesem Baum darfst du nicht essen. Genau den will Adam natürlich haben. 
Und jetzt kommt dieser typische Mechanismus: Der andere war’s. Die Eva ist Schuld. Die Schlange ist Schuld. Na letztlich bist du Gott ja Schuld, weil du hast mir die Schlange ja in den Garten gelegt. 
Hier sehen wir in dieser uralten Geschichte, wie wir vielleicht rauskommen aus dem Dilemma der Schuld: Dass wir Verantwortung übernehmen und die Schuld bekennen und sie nicht dem andern in die Schuhe schieben. Das wäre nicht schlecht. Das wäre mal ein Anfang. Verantwortung.

Wenn wir mit dem 08. Dezember die Zeugung und damit die Erwählung der Gottesmutter Maria feiern, dann bekennen wir unsern Glauben an die Erlösung. 
An die NEUSCHÖPFUNG. 
Das heisst diese naturwissenschaftliche Logik, dass mit der Empfängnis und Geburt auch gleich der Tod vorprogrammiert hat für uns nicht mehr die Relevanz. 
Denn wenn es einen Gott gibt und wenn dieser Gott gut ist. Dann hat er auch diese Erde und dieses Menschenleben gut fertig gedacht. Und dass ist IHM nicht mal eben so eingefallen, dass Gott auf seiner Wolke sitzt und sagt: „Mmmh. Jetzt schlagen Sie sich in Ardning wieder die Köpfe ein, starten wir einen zweiten Versuch.“
Nein, es gab dieses Umdenken bei Gott nicht. Sonst wäre es ja nicht Gott, sondern irgendein von uns ersponnenes Wesen. 
Maria ist erwählt vor der Erschaffung der Welt Gottes Mutter zu werden. Ulrich ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Trude ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. Lukas ist erwählt vor der Erschaffung der Welt. usw. (setzen Sie bitte ihren Namen ein, ich kann heute net alle einsetzen, sonst gibt’s kein Frühstück). 
Die Geburt des Heilands Jesus Christus vor 2000 Jahren irgendwo da im Osten des Römischen Reichs war doch kein Zufall, ohne den wir auch irgendwie gute Menschen sein könnten. 
GOTT gibt sich selbst. ER zehrt sich für Uns auf. ER gibt sich GANZ. Net e Bisi. <— Entschuldigung, jetzt bin isch widder ins Hessische gerutscht, des bassiert um die Uhrzeit. 
corr: ER gibt sich uns nicht ein bisschen. 
Gerade an Maria sehen wir, was das christliche Menschenbild ausmacht. Auf der einen Seite der Waage ist sie die Gottesmutter, auf der anderen Seite die Magd des Herrn. Auf der einen Seite ist Jesus Christus der Sohn Gottes. Auf der anderen Seite, der der sich klein gemacht in der Krippe bzw. der sich am Kreuz für uns hingegeben hat.
Diese Waage ist das christliche Maß. Auch wir haben beides und beides muss sich die Waage halten: unsere Gotteskindschaft und geringe der Diener des Höchsten sind wir.